Was waren die politischen Ziele von Kapp, Lüttwitz und Ludendorff

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Kiro, 20. Juli 2020.

  1. Kiro

    Kiro Neues Mitglied

    Hallo,
    ich lese in letzter Zeit viel über den Kapp-Putsch und in vielen Quellen steht, dass auch Uneinigkeiten zwischen Lüttwitz und Kapp zum Scheitern des Putsches beigetragen haben.
    Was hatten Kapp, Lüttwitz und vielleicht auch Ludendorff überhaupt für andere Ziele außer die Abschaffung der Weimarer Republik und Widersetzen gegenüber dem Versailler Vertrag? In den Zielen waren sie sich ja ziemlich einig also muss es ja was anderes gewesen sein.
     
  2. PeterWestfale

    PeterWestfale Mitglied

    Man findet doch öfter in der älteren und neueren Geschichte, dass ein gemeinsamer "Feind" ausreichen kann, um zusammen zu handeln. Man denke an verschiedene Bürgerkriege oder das Zusammenarbeiten der National-konservativen und Kommunisten in China.
    Aber ich denke es war auch ein gemeinsames Ziel: Stärkung des Militärs, eine ständische Gesellschaft, eine Art "Make Germany great again", Abschütteln der Restriktionen des deutschen Militärs.

    Zitat von Wikipedia:
     
  3. Kiro

    Kiro Neues Mitglied

    Ja das ist ja was wo sich alle einig waren, aber wo waren sie sich uneinig? Kapp und Ludendorff wollten ja eine Militärdiktatur. Was wollte Lüttwitz? Anscheinend ja nicht das gleiche.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bei der dürren Angabe kann man nur unken: Man kann sich ja nicht nur über Ziele uneins sein, sondern auch darüber, wie sie zu erreichen sind.
     
    Ralf.M gefällt das.
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die Schaltstelle der Verschwörung war die im Oktober 1919 von Ludendorff gegründete "Nationale Vereinigung" in Berlin (vgl. Winkler)

    Zu den Zielen der einzelnen Personen finden sich entsprechende Ausführungen - beispielhaft - bei Winkler. Generell waren es sehr breit gefächerte Vorstellungen, die unter dem zeitlichen Druck - der den Putsch operativ beschleunigte - der Auflösung der Soldateska der sogenannten "Freikorps" quasi aus dem Stand erfolgte.

    Der Putsch verfolgte nicht einheitliche politische Ziele, er hatte keine stringente politische Linie der Einbindung von Parteien und es gab keine überregionale Organisation.

    An dem Putsch werden vor allem zwei Probleme der "Rechten" in ihrem Kampf gegen die Demokratie von Weimar deutlich. 1. Es gab keine einheitliche positive Definition gemeinsamer Ziele, sondern primär war die Ablehnung von "Weimar" das verbindende Element. 2. Die Konflikte, trotz ähnlicher inhaltlicher Positionen, zwischen den rivalisierenden ultra rechten Gruppierungen wurden mit einer ähnlichen Entschiedenheit ausgetragen wie mit anderen politischen Gruppierungen.

    Das erklärt die geringe politische Wirksamkeit der partikularen Interessen der ultra rechten völkischen Gruppierungen, Vaterlandspartei etc., und ist ein zentraler Unterschied zur integrierenden "Sammlungsbewegung" der NSDAP eines Hitlers.

    Winkler, Heinrich August (2018): Weimar 1918-1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. München: C.H. Beck besonders Kap 6 S.109-148
     

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