Wecker im Mittelalter?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von iamNex, 15. Januar 2010.

  1. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Ich hab' grad ne Sendung am Radio gehört, wo erklärt wurde, dass man früher im Winter die Hühner ins Wohnzimmer rein nahm. Grund: damit sie weiterhin Eier legten. Am morgen wird wohl ein Gegacker losgegangen sein. Der Duft: an den hat man sich wohl gewöhnt...
     
  2. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Nicht nur im Winter, nicht damit sie im Winter Eier legen und nicht gerade ins Wohnzimmer bzw. die "gute Stube", sondern den Flur oder das Treppenhaus.
     
  3. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Um noch mal zum Thema zurückzukommen.
    Man brauchte schlicht und einfach keinen Wecker. Es wurde von Sonnenauf- bis Untergang gearbeitet. Ein Stundenzählertag war da kein Thema.
    Wer Geldhirschig war, hat etwas länger gearbeitet, wer nicht, dem war eben nicht zu helfen.
     
  4. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Doch, ins Wohnzimmer, weil dies vielfach der einzige Raum im Hause war, der geheizt war. Die Sendung kann übrigens noch im Internet nachgehört werden: Winter im Nutli Hüschi - Sendung von Schweizer Radio DRS1

    So Sachen wie Zentralheizung gibt es für Otto Normalverbraucher noch nicht so lange.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Januar 2010
  5. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    In diesem Falle war die Sonne der Wecker. Aber es gibt in diesem Zusammenhang ein Problem: viele Häuser hatten im Mittelalter keine Glasfenster (zu deren Geschichte siehe hier). Andererseits probierte man insbesondere bei Kälte, diese draussen zu halten und machte deshalb möglichst alle Luken dicht. Somit war dem Sonnenlicht der Zugang erschwert.

    Uebrigens, in dem Zusammenhang interessant:
    Temporale Stunden – Wikipedia
    Tageszeit – Wikipedia
    Tagewerk – Wikipedia
    http://de.wikipedia.org/wiki/Morgen_(Einheit)
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Januar 2010
  6. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    Der einzige Raum, in dem fast immer ein Feuer brannte, war die Küche. Dort kann ich mir in einer abgelegenen Ecke eher einen Käfig mit Hühnern vorstellen. Frei herumlaufen ließ man die wohl kaum und schon gar nicht im "Wohnzimmer", sonst wäre das sehr schnell "vollgeschissen". Im übrigen ist der Hahn der zuverlässige "Wecker". Hühner gackern den ganzen Tag über, wann immer sie ein Ei gelegt haben.

    Die Döns wurde ab dem 16. Jh. über den Ofen in der Küche mit beheizt. So vermied man Rauch und Dreck im Zimmer. Die Alkoven wurden auf diese Weise gleich mit gewärmt. Aber das ist nicht mehr MA; wollte ich nur mit erwähnen zum Stichwort "Zentralheizung".
     
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  7. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Das mit den Hühnern gackern ist gut. Erinnert mich an meine Schwiegermutter.
    Zu der Zeit brauchte ich auch keinen Wecker.

    Schwiegermütter haben böse zu sein und einen Aufwacheffekt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Februar 2010
  8. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Hör' Dir mal die Sendung an! Vielleicht müsste man hier von einer Wohnküche sprechen.
     
  9. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Bei meiner Oma liefen die Hühner frei herum und tatsächlich auch in die Küche. Der Korb mit den bebrüteten Eiern und Küken stand immer in der Küche ...
     
  10. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    Bei meinen Großeltern liefen sie auch frei herum, aber nicht in der Küche. Allerdings konnte es vorkommen, dass eine Kiste mit einer Glucke in der Küche deponiert wurde, wenn es zu kalt war.

    Wir sind uns aber einig, dass die gackernden Hühner nicht als "Wecker" taugen oder?

    Der Hahn konnte ohnehin draußen seinen "Dienst" tun. Der ist nämlich verdammt laut und selbst durch geschlossene Türen und die damaligen Fenster zu hören. Jedenfalls ist das meine Erfahrung. Bei offenem Fenster weiterzuschlafen ist so gut wie unmöglich, wenn der Gockel erst mal angefangen hat zu krähen (im Abstand von 250 m Luftlinie). Da hilft nur, das moderne schalldichte Fenster zu schließen.
     
  11. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Bis in die 1930er Jahre war es durchaus üblich, dass die Hühner frei auf den Gassen umherliefen. Erst dann wurde es wegen der Seuchengefahr verboten. Nachts schlüpften sie durch ein Türchen neben der Haustür ins Haus und ließen sich auf oder unter der Stiege nieder - mit den von Ostrogotha gefürchteten Folgen.
    Solange der Tagesablauf nicht von künstlichem Licht, Schichtarbeit, Jetlag etc. bestimmt war, sondern durch die “innere Uhr”, brauchte man keine Wecker. Wer rechtzeitig ins Bett geht, wacht auch rechtzeitig wieder auf.
    Circadiane Rhythmik – Wikipedia
    Außerdem gibt es seit etwa einem halben Jahrtausend in katholischen Gegenden das Morgen- oder Ave-Maria-Läuten, an dem sich neuerdings Leute mit anderem Tagesrhythmus stören.
     
  12. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Um zur Eingangsfrage zurückzukehren: Am Hof von Adeligen haben ja nie alle geschlafen, da gab es nachts zumindest Wachen, die (im Idealfall) wach waren. Ich vermute einfach einmal, dass die zu gegebener Zeit andere geweckt haben.

    Beim Bundesheer lief das genauso: Da war ich auch immer wieder "Charge vom Dienst" und musste die Nacht im Eingangsbereich durchwachen. Da hatte ich dann auch eine Liste von Soldaten, die aus irgendeinem Grund schon zu einem Zeitpunkt vor 6 Uhr geweckt werden wollten/mussten, aber keinen Wecker verwendeten, weil sonst die anderen im Zimmer auch munter geworden wären. Die weckte ich dann, indem ich ins Zimmer schlich und sie anstieß. Und um 6 konnte ich dann durch die Gänge gehen und "Tagwache!" brüllen ...
     
  13. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Das war bei der NVA so ähnlich.
    Brüllen musste ich da erst lernen.
    Ich war als UVD zu weich.
     

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