Wehrmacht und Amerikaner gegen SS

Dieses Thema im Forum "Geschichtsmedien und Literatur" wurde erstellt von steffen04, 24. Februar 2015.

  1. steffen04

    steffen04 Gesperrt

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  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wenn man der Geschichte nachgeht, basiert sie wohl auf einer kurz nach dem Krieg erschienenen amerikanischen Truppengeschichte sowie auf einer kurz nach dem Krieg erschienenen Studie "Kampf um die Alpenfestung Nord" (Hengl), spätestens 1954, vermutlich früher.

    Rauchensteiner, Krieg in Österreich 1945, zitiert eine "Kampfgruppe Buchner" (Teil der Reservedivision Innsbruck, unter DivKom Hengl [1]), eine andere war "Kampfgruppe Giehl", selbiger wohl Leiter GebirgsJ-Schule Wörgl.

    Der Journalist Harding ("The last battle"), auf dessen Buch die neueren Berichte erschienen sind, vermutet Teile des Panzerkorps Großdeutschland* oder der 17. SS-PGD "Götz von Berlichingen".**

    Buchner (später DivKom. der Bundeswehr-GebJ-Division 1956-59) war wie Hengl*** Gebirgsjäger. Näheres liegt nicht vor, sowohl SS wie "Großdeutschland"**** sind Spekulationen von Hengl. Vermutlich handelt es sich um die aus Trümmereinheiten und Gebirgsjägerschulen (so Kampfgruppe Giehl), evt. noch um Reste aus SS-Junkerschulen, zusammengestellte Gebirgsjäger-"Reservedivision (Nord) Innsbruck".

    Nachweise für SS-Verbände in dem Raum sind mir jedenfalls für Mai 1945 nicht bekannt. Auch die auf die Alpen im Rückzug befindlichen Einheiten der 19. Armee der HG G geben für den Raum nichts an Waffen-SS her. Möglicherweise ist das daher publizistisch aufgebauscht, damit die Story besser klingt.

    _____
    [1] eine ad-hoc Aufstellung von Hengl, offenbar "wild" und ohne Einträge in die Truppenübersichten
    * zu dem Zeitpunkt, und seit 1943 ununterbrochen an der Ostfront
    ** Kriegsende in Franken und Ostbayern.
    *** Georg Ritter von Hengl ? Wikipedia
    **** eine "reguläre" Wehrmachtsdivision, kein Bestandteil der Waffen-SS. Ein "Versprengen" von Ostpreußen, Berlin und Halbe in die Alpen halte ich für völlig unwahrscheinlich. Nachweise sind auch nicht zu finden.


    EDIT und Korrektur: Die zusammengewürfelten Vebände standen unter GenMaj (20.4.1945) Böhaimb, Kommandant von Innsbruck.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Februar 2015
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  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Eine weitere Korrektur. Teile der 17. SS-PGD waren tatsächlich im Raum Achensee-Kufstein/Inntal zur Sperrung eingesetzt. Dazu folgt noch etwas.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zur Korrektur:

    Zwischen dem 29.4.1945/2.5.1945 war die 17. SS-PGD tatsächlich in den Raum Lengries-Achenpass-Tegernsee-Schliersee zurückgezogen worden. Dort legte sie Sperrriegel am nördlichen Alpenrand.

    Die Division wurde im Rücken von zwei Seiten umfasst: einmal über Innsbruck-Inntal von Südwesten, zum anderen (Ostflanke) über die von Rosenheim nach Süden ins Inntal vorstoßenden US-Streitkräfte. Im Verlauf 1.5./3.5. ließ sich die Division über den Achenpass auf den Achensee zurückfallen.

    1. Zu den von Innsbruck aus zurückgehenden deutschen Kräften siehe oben, die gemischten Verbände aus Trümmern anderer Wehrmachtsteile, Gebirgsjägerschulen etc. unter Kommando Hengl (Inntal -> Wiesing). Die SS-Division ordnete hier an, den Sperrriegel bei Pill im Inntal zu verstärken. Die Gruppe Hengl löste sich am 3.5.bei Pill auf, Reste zogen sich auf Wörgl zurück.

    2. auf die östliche Umgehung reagierte die SS-Division am 3.5. mit der Verlegung unterstellter Flakverbände sowie der SS-Aufklärungsabteilung 17, die rückwärtig über den Achensee - Wörgl nach Kufstein verlegt werden sollten. Das Inntal im Rücken der Division über Kufstein wurde von der "Kampfgruppe v.Buddenbrock" verteidigt, Trümmer von zwei Wehrmachtsdivisionen im Umfang eines Regiments, dass sich im Verlauf 3./4.5. auflöste /Reststärke 50 Mann). Südlich Rosenheim Richtung Kufstein nahmen die US-Truppen am 3.5. Niederandorf ein.

    Ergo: mit der Auflösung der 17. SS-PGD und der zuletzt eingeleiteten Verlegung der SS-AA 17 inkl. des unterstellten Flak-Reg. 160 Richtung Kufstein könnten diese Teile bei Wörgl in Brixental nach Itter am 3.5./4.5. abgedrängt worden sein. Jedenfalls waren die US-Truppen sich vermutlich bewusst, dass über die beiden Seiten/rückwärtige Flanken des Inntals die 17. SS-PGD eingeschlossen werden würde. Vermutlich wurde deswegen alles, was sich an Wehrmachtseinheiten zwischen Achensee-Wörgl-Kufstein bewegte, als Waffen-SS angesprochen. Tatsächlich war das ein wilder Mix von sich auflösenden Verbänden und Resten.

    Als Anlage ein KTB-Auszug der 17. SS:
     

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    Zuletzt bearbeitet: 27. Februar 2015

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