weiterkämpfen oder unterschreiben ?

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Leonidas4, 7. August 2020.

  1. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Der Widerspruch begründet sich eben darin, dass es noch ein paar Geisteshaltungen gibt, die sich zwischen Radikalpazifismus und begeistertem Annexionismus befinden.

    Selbstredend kann man einen Krieg inkauf nehmen und durchkämpfe, wenn man ihn selbst nicht unbedingt wollte, aber das Gefühl hat, er sei einem aufgezwungen worden.
    Und das dürfte wohl die Haltung der Bevölkerung im August '14 mehrheitlich besser erfassen als die Vorstellung monolithischer Blöcke strammer unbedingter Kriegsbeführworter oder Gegner.:)

    Schon. Aber wenn die Bevölkerung ohnehin kriegslüstern gewesen wäre, hätte es das dann als irgendeine Form von Motivation gebraucht?
    Ich meine, dann wäre der Aufwand unnötig gewesen.

    So, sind sie das?
    Ich würde mal behaupten, sie haben einfach den Kriegsbeginn aus ihrer Perspektive erlebt.
    Der beeinhaltete in Frankreich, dass die Deutschen das neurtrale Belgien überfielen und der beeinhaltete in Deutschland, dass die Franzosen zu Beginn des Krieges Teile des Elsass besetzten und offensiv in Richtung Metz aggierten, bevor der erste deutsche Soldat auf französischem Boden stand und dass die Russen in Ostpreußen einfielen, ohne das man im Osten selbst aktiv geworden war.

    Angesichts dieser Operationsführung nimmt es überhaupt nicht wunder, dass die jeweils andere Seite weitgehend als Agressor wahrgenommen werden konnte.
    Das dürfte wesentlich mehr dazu beigetragen haben, als das um sichwerfen von Parolen à la "Hunnen", "Slawische Horden", "Perfides Albion" etc.

    Öhm, die einzige größere Partei, die ohne Wehrpflicht in den Krieg gegangen war ist Großbritannien. Deren BEF wurde binnen kürzester Zeit in Frankreich nahezu komplett aufgerieben, so dass man zur Wehrpflicht übergehen musste.
    Was nun die freiwilligen Meldungen angeht, wo genau ist die Evidenz dafür, dass die Leute sich gemeldet hätten, weil irgendwer was von "Hunnen" paroliert hat?
    Ich würde mal behaupte die Bevölkerung der Grenzprovinzen hatte shon Anlass das zu tunum sicher zu gehen, dass der moderne Krieg mit seinen zerstörungen nicht unbedingt im eigenen Vorgarten ausgetragen wird.

    Man hatte auch nicht genug Ausrüstung für die Linie und die regulären Reserven. In Russland und Österreich-Ungarn war, war die Ausrüstung mitunter völlig unzureichend und auch in in Deutschland und bei den Westmächten hatte man ziemlich schnell wenigstens mit deutlicher Munitionsverknappung zu kämpfen.

    Das man mit der Ausrüstung nicht hinterher kam, ist kein Beleg dafür, dass sich um Längen mehr Freiwillige gemeldet hätten, als man geplant hatte, sondern einefach ein Beleg dafür, dass es keine hinreichende Tiefenrüstung für einen Konflikt dieser Art gab und somit auch ein recht starkes Indiz dafür, dass niemand diesen Krieg wirklich gewollt hatte, denn sonst hätte es nahegelegen wenigstens genug Munition an die Seite zu schaffen, ihn auch ausfechten zu können.
    Wie lange so etwas dauern konnte und mit dem Verbrauch welcher Massen an Rüstungsgütern man rechnen konnte, davon gab der Russisch-Japanische Krieg von 1904/1905 eine gewisse Anschauung.

    Nun, wenn wir das annehmen, ist aber klar, dass die anfängliche Argumentation "das Volk wollte keinen Krieg" für die Situation völlig unmaßgeblich ist, sofern es bereit war den Verteidigungskrieg nötigenfalls anzunehmen. Wie oben festgehalten, war die Operationsführung in den ersten Wochen des Krieges dergestalt, dass man als Beobachter ohne die Interna der jeweiligen Generalstäbe zu kennen durchaus aus dem Handlungen des Kriegsgegners auf aggresssive Absichten schließen konnte.

    Anders herum, ist es aber eben auch ein Indiz dafür, dass die Bevölkerung nicht in besonderem Maße kriegslüstern war. Wenn sie das nämlich gewesen wäre, hätte man sich zum einen nicht die Mühe geben müssen das als Verteidigungskrieg zu verkaufen, zum anderen hätte man dann zu diesem Zweck auch nicht das Anlaufen der russischen Generalmobilmachung abwarten müssen, sondern man hätte von deutscher Seite her im eigenen Interesse das Tempo beschleunigen können, um mehr Zeit für den angedachten Entscheidungsschlag im Westen zu haben.


    Damit bin ich so nicht einverstanden.
    Ich habe weiter oben auseinander gesetzt, warum ich es für extrem unwahrscheinlich halte, dass man in Belgrad anno 1914 auf einen dezidierten Eroberungskrieg gegen die Donaumonarchie hingearbeitet hätte.
    Sicherlich hatte man in Serbien gewisse Ambitionen hinsichtlich Bosnien und der Herzegowina. Aus diesem grundsätzlichen Interesse an territorialen Erweiterungen resultiert aber nicht automatisch eine Kriegsvorbereitung und ein Hinarbeiten auf einen Krieg.
    Wenn du auf dem Standpunkt, dass man in Serbien einen Eroberungskrieg gegen Österreich-Ungarn regierungsseitig beabsichtigte, beharren möchtest, würde ich dafür gerne eine Belegstelle sehen.

    Jo, das Buch ist mir ganz gut bekannt und wurde hier im Forum rauf und runter diskutiert. Eine Belegstelle zu planmäßigen Kriegsabsichten gegen die K.u.K.-Monarchie seitens des Kgr. Serbien zwecks Eroberung Bosniens und der Herzegowina findet sich da aber nicht.
    Es mag radikale Nationalistengruppen gegeben haben, die von so etwas phantasiert haben, aber die sind nicht deckungsgelich mit der serbischen Regierung.
    Zudem wäre vor diesem Hintergrund zu fragen, warum die serbische Regierung sich dann in den Krisensituationen im Kontext der Balkankriege auf Kompromisse mit Wien einließ, statt hier bereits zu eskalieren? Die Gelegenheit das zu forcieren, wäre auch hier bereits da gewesen, hätte man sich für das Projekt grundsätzlich irgendwelche Unterstützung der Entente ausgerechnet.

    Hätte Russland da eine grundsätzlich andere Haltung zu gehabt und wäre bereit gewesen den politischen Preis für die Verhinderung des Krieges zu bezahlen, hätte es lediglich Serbien als Bündnispartner fallen lassen müssen, welchem dann nichts anderes übriggeblieben wäre, als das österreischisch-ungarische Ultimatum in allen Punkten zu akzeptieren, weil es ohne Rückendeckung diesen Krieg nicht gewinnen konnte.
    Gleichsam, wäre Serbien auf das Ultimatum in allen Punkten eingegangen, hätte Österreich-Ungarn keinen Krieg mehr gegen Serbien führen können, ohne sich international völlig unmöglich zu machen, sich die Rückendeckung Deutschlands zu verschwerzen und möglicherweise Russland wieder an die Seite Serbien zu bringen.


    Und dafür möchte ich wie gesagt gerne eine Belegstelle sehen.:)
     
  2. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Nur um deine steile These anzuzweifeln, muss ich nicht das Gegenteil beweisen. Aber hier noch mal das Burgfriedenprogramm, das im Reichstag - der Volksvertretung - 1914 beschlossen wurde. Und hier zum zweiten Mal die Diskussion über das "Augusterlebnis" hier im Geschichtsforum - und daraus:

    "Den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch sangen die Menschen aus vollem Halse vaterländische Lieder. Bei der Kriegserklärung war die Begeisterung einfach frenetisch. Von unserm Schlafzimmer aus konnte man das Singen in der ganzen Altstadt hören. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, diese singenden jungen Männerstimmen durch die Nacht zu hören und dabei zu wissen, sie ziehen ja alle in den Tod. Es war oft kaum auszuhalten."

    (Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein: Erinnertes. Hrsg. von Eckhart G. Franz, Darmstadt 1983, S. 146)

    Das sind alles Belege für eine große Kriegsbegeisterung. Wenn viele hinterher gemerkt haben "Hoppala, so ein Krieg ist ja doch kein abenteuerlicher Spaziergang", ändert das nichts an der ursprünglichen Begeisterung.
    Was für Belege hast du, dass "das Volk" 1914 keinen Krieg wollte, wie du ständig wieder behauptest?
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. September 2020
  3. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Ja nun, dann wäre zu fragen, warum er das nicht getan hat?
    Hätte ja jederzeit an die Front gehen und sich beim Sturmangriff heroisch totschießen lassen können, um den schmählichen Frieden nicht mehr zu erleben. Stattdessen blieb er und wirkte an der Rückführung und Demobilisation der Truppen mit.

    Davon einmal abgesehen: Ist ein Frieden in dem der Status Quo ante verteidigt oder durch die Schaffung einer kleineren Pufferzone im Osten sogar leicht verbessert werden kann, denn ein in irgendeiner weise ehrenrühriger "schmählicher Fireden"?

    Das man seitens der Militärs den Waffenstillstand von Compiègne und den anschließenden Versailler Frieden, als einen unter chaotischen Bedingungen zustandegekommenen Verlustfrieden mit einschneidenden Konsequnzen für die Stellung des Heeres überhaupt oder die Erwartung darauf als Schmach empfand, geschenkt.

    Aber wenn man derlei "schmähliche" Bedingungen ein Dreivirtel Jahr vorher vielleicht noch abwenden konnte, warum hätte es sich dann grundsätzlich, auch aus dieser Gesiteshaltung heraus verbitten sollen, diese Möglichkeit zu sondieren und im positiven Falle zu forcieren?
     
  4. kjd

    kjd Neues Mitglied

    Lieber Shinigami,
    Ich weiß nicht ob es dir aufgefallen ist aber was das Thema Kriegsbegeisterung angeht sind unsere Meinungen nahezu identisch. Ich habe ja mehrmals beschrieben das Propaganda nötig war und auch entscheidend. Wenn du die Diskussion die ich auch in diesem Forum bestreite durchliest wirst du das schnell bemerken. Du kommst nur etwas Besserwisserisch rüber weil du die Dinge immer sehr kleinlich ändern musst. Ja territorialen Eroberungen waren ein großes Argument. Daraus entstanden ja Parolen wie „Hunnen“. Ohne einen Feindvorstoß kann man es nicht als Gegnerische Offensive verkaufen. Nur beim Thema Serbien spalten sich etwas unsere Meinungen. Ich bin aber weiter der Meinung das sich alle unsere Fragen mit dem bereits erwähnten Buch klären lassen. Du musst nur verstehen das es kurz nach 12 ist und ich das heraussuchen von Textstellen auf morgen verschiebe. Das die Schule um 8 beginnt kann ich leider nicht ändern. Du kannst dir ja aber mal meinen neusten Post in diesem Forum durchlesen da geht es auch um Kriegsbegeisterung und welche Rolle die Propaganda spielte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. September 2020
  5. kjd

    kjd Neues Mitglied

    Witzig du gibst mir einen Beleg das sich die Regierung bei Kriegsausbruch vereint hat. Ich glaube mit der Mehrheit des Volkes hat das nicht LS zu tun. Der zweite zweifelt sogar die Kriegseuphorie an. Das dritte bezieht sich auf eine Stadt. Was ein Bruchteil des Deutschen Volkes ist. Hat aber alles null mit meiner These zu tun. Ich sage das es vor 1914 keinen Kriegswillen gab und dieser erst durch die Propaganda in der Vorkriegszeit ausbrach. Das hast du angezweifelt. Meine Belege sind ganz einfach das es nichts gibt was dagegen spricht. Zu dem habe ich ausführlich formuliert in welcher Art und Weise Propaganda betrieben wurde und wie man so die Menschen überzeugen konnte. Ich habe das Wort schon öfter benutzt aber nochmal. Meine These ist Konsens also musst du jetzt Argumente vorlegen um sie zu widerlegen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. September 2020
  6. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Entgegen deiner These, dass "das Volk" keinen Krieg wollte, hat sich das Parlament - die Volksvertretung - und eben nicht nur die Regierung, geschlossen hinter den kaiserlichen Kriegsbeschluss gestellt.
    Das zweite ist eine Diskussion hier im Forum, die auch andere Stimmen zu Tage bringt als die reine Kriegseuphorie, diese jedoch nicht gänzlich negiert so wie du es tust.
    Das dritte ist ein Tagebucheintrag des Großherzog von Hessen-Darmstadt, der exemplarisch die Kriegsbegeisterung in Darmstadt beschreibt und deine These "Das Volk wollte keinen Krieg" ad absurdum führt.
    Was soll ich zu so einem mangelnden Leseverständnis noch sagen?

    Tatsächlich, wenn deine These Konsens sein sollte, dass "das Volk 1914 keinen Krieg wollte" sollte es ja einfach sein, diese auch zu belegen. Ich warte.
     
  7. kjd

    kjd Neues Mitglied

    Als aller erstes werde ich jetzt mal meinen Standpunkt fest machen. Meiner Meinung nach gab es vor 1914 keine Kriegseuphorie. Diese entstand erst 1914 als der Großteil des Deutschen Volkes die Propaganda glaubte und deshalb den Krieg mit falschen Augen sah. Daraus entstand eine blinde Kriegseuphorie.
    Deine 3 „Quellen“ sind immer noch nicht sehr glaubwürdig. Nochmal es gab 1914 Kriegseuphorie aber das sich die Parteien vereinten, in Darmstadt die Menschen glücklich waren und das ein paar Menschen auf dieser Seite deine Meinung teilen ist nun wirklich kein guter Beleg. Jetzt frage ich teilst du meine Meinung oder denkst du die Kriegseuphorie von 1914 war eine reale die schon lange im Herzen des Deutschen Volkes schlummerte?
     
  8. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Und eben dahingehend halte ich unsere Ansichten für alles andere als nahezu identisch, weil ich der Meinung bin, dass du Stimmungslagen und Propagandaschlagworten hier eine zu hohe Bedeutung beimisst.

    Ich bin der Auffassung, dass es für die Frage ob es zum Krieg kommen konnte, völlig egal ist, ob die Bevölkerung dezidiert kriegsbegeistert gewesen ist oder nicht. Einen Unterschied hätte es in der Situation 1914 nur gemacht, wenn es einen um nahezu jeden Preis pazifistischen Standpunkt vertreten hätte.

    Insofern sehe ich den eigentlichen des innenpolitischen Vorgeplänkels gerade nicht in der Mobilisierung der Massen, denn die waren auf Abruf kriegsbereit, wenn es sein musste, sondern darin jeder Gegenaggitation systematisch von vorn herein den Boden zu entziehen.

    Ein Bedrohungsszenario um vorzugeben sich lediglich zu verteidigen und keine weiteren Absichten zu haben, musste man nicht kurzfristig erfinden, das war durch die Rüstungsspirale so weit gegeben, dass selbst die Sozialdemokratie, dadurch, dass sie im Jahr zuvor den Weg für die Heeresvermehrung durch Bewilligung des Wehrbeitragsgesetzes von 1913 faktisch frei machte, es grundsätzlich anerkannte.

    Das hätte sie nicht getan, wenn man sich auf dieser Seite nicht schon lange vor der Julikrise das Reich in der strategischen Defensive gewähnt und den Nachbarn sinistre Absichten mindestens zugetraut hätte.

    Das mag dir kleinlich erscheinen, ich halte es durchaus für signifikante Unterschiede.

    Wo und von welcher Regierung genau, sind denn irgendwelche Eroberungen jemals offiziell thematisiert worden?

    Auf der deutschen Seite nicht vor dem berüchtigten „Septemberprogramm“ und das war erst zustande gekommen, als sich auf Seiten der Entente schon längst propagandistisch über den deutschen Überfall auf Belgien ausgelassen wurde.

    Dazu kommen, was die französische Sicht auf Deutschland angeht noch tradierte protorassistische Ressentiments, wie sie etwa Gobineau vertreten hatte, aus denen sich der „Hunne“ jenseits des Rheins bereits ableiten ließ, KW2 trug mit seiner Rede in Bremerhaven dann sicherlich noch das Übrige dazu bei.

    Die gelegentliche Betrachtung der Russen als „Hunnen“ oder sonst wie geartete „asiatische Horde“, leitet sich in Teile sicherlich aus der Selbstdarstellung slawophiler Richtungen in Russland selbst und andererseits auch hier protorassistischen, respektive vollendet rassistischen Vorstellungen ultranationalistischer Vordenker her, die ihre kruden Ideen von einer Art kulturell-rassistischem Endkampf zwischen „Germanentum“ und „Slawentum“ schon lange in die Welt setzten, bevor dieser Krieg überhautp in Sichtweite kam.

    Die Bezeichnung ist viel mehr ein Aufgreifen längst existierender Topoi, als dass sie konkret mit der Kriegszielpolitik der beteiligten Regierungen originär etwas zu tun hätte.


    Als gegnerische Offensive sicherlich nicht. Aber als gerechtfertigten Präventivschlag, um einer möglicherweise nahenden feindlichen Offensive zuvor zu kommen.

    Und wenn man sich die Präventivkriegs-Debatte zum Thema des Überfalls auf die Sowjetunion so anließt und wie lange es gedauert hat, bis dieser Mythos in der Forschung endgültig erledigt war, ist klar, dass solche Narrative durchaus kurz- und mittelfristig sehr wirkmächtig sein können.

    Wenn man das im Kontext der Rüstungsspirale und der russischen Generalmobilmachung vom 31. Juli 1914 sieht, ist klar, dass das Gefühl gerade eben oder in Kürze angegriffen zu werden auch ohne bereits ausgeführten Angriff oder übermäßige Gräuelpropaganda zu vermitteln war. :)
     
  9. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Ich sehe gar keinen Grund deine Meinung zu teilen. Wie kommst du überhaupt zu dieser Einschätzung?
    Das Kaiserreich war eine durch und durch militarisierte Gesellschaft. Im Kaiserreich bestand eine 3-jährige Wehrpflicht, gefolgt von 4 Jahren Reservedienst. "Schlachtgewinne" im 1870/71-Krieg, wie der Sedan-Tag, wurden zu staatlichen Feiertagen. Die auch kriegerischen Kolonialerwerbungen zieren teils heute noch Straßennamen. Es gab beim Boxerkrieg keinen ernst zunehmenden Widerspruch in Deutschland. Mit dem Alldeutschen Verband bestand seit 1891 eine Vereinigung die sich den Imperialismus und Nationalismus auf die Fahnen geschrieben hatte - und die waren nicht die einzigen. Kaisertreue Parteien und Wilhelmzwo höchstselbst argumentierten in eine ähnliche Richtung. Das schließt natürlich nicht aus, dass es auch kritische Stimmen dazu gab. Die nannte die Obrigkeit dann gerne mal "vaterlandslose Gesellen".

    Wenn es erst 1914 zu einer Propaganda gekommen sein sollte, wie erklärst du dir die große Kriegsbegeisterung bereits zu Kriegsbeginn? Die öffentlichen Reaktionen bei Kriegsbeginn kannst du gerne auch noch mal bei wiki nachlesen.

    Ich würde dir ganz dringend empfehlen nicht völkisch, "das Volk wollte xy" oder "wollte xy nicht", zu argumentieren. Woher willst du wissen, was eine heterogene Masse wie das Volk 1914 wollte oder nicht wollte? Wenn du dir ein zeitgenössisches Bild von der Wilhelminischen Gesellschaft machen willst, ist "Der Untertan" von Heinrich Mann aus dem Jahr 1914 sehr empfehlenswert.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. September 2020
  10. kjd

    kjd Neues Mitglied

    Ich finde es ja wirklich beachtend das du versuchst dich sehr eloquent zu formulieren aber leider hast du immer wieder Schreibfehler die beim tippen natürlich passieren können, aber deine Sätze leider unverständlich machen. Des Weiteren würde ich dich auch darum beten mal eine feste Meinung zu haben denn es kommt einem irgendwie so vor als wenn du die immer wechselt. Ich kann zu deiner Aussage auch nicht viel schreiben da du immer sehr viel schreibst was nichts mit dem Thema zu tun hat und ich ehrlich gesagt keinen roten Faden erkenne. Kurz gesagt ich habe keine Ahnung was die Aussage deines Textes ist weil ich auch keine Ahnung mehr habe worüber du eigentlich diskutierst.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    *räusper* Ich finde es wirklich super, dass du für eine ordentliche Rechtschreibung eintrittst. Jedoch sollte, wer im Glashaus sitzt, im Dunkeln..., den Rest spare ich mir. Es wäre wirklich schön, weitere argumenta ad personam hier nicht lesen zu müssen.
     
  12. kjd

    kjd Neues Mitglied

    Ich würde dir empfehlen die Deutschen Aktivitäten mal in Relation zu setzen. Allein die Beteiligung des Deutschen Reichs am Balkankrieg zeigt ja schon die Inaktivität. Patriotismus stand natürliche an der Tagesordnung. In GB werden die Remembrance poppys immer noch benutzt was in Deutschland undenkbar ist. Die Dinge die du mir aufgezählt hast sind ohne Frage korrekt. Aber in welchem Land war es denn nicht so?
     
  13. kjd

    kjd Neues Mitglied

    Tut mir leid aber das war nicht als Kritik gemeint. Ich wollte nur aussagen das bei längeren Texten Tippfehler passieren können und ich mich auch nicht über diese lustig Mache. Aber wenn anstatt Meinung, meung steht ist es glaub ich verständlich das man den Zusammenhang auch mal nicht versteht oder?
     
  14. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Ich meine wenn ich versuche etwas zu formulieren, handelt es sich um Texte/Sätze, aber kaum um mich selbst und "beachtend" umschreibt für mich eine Tätigkeit, füllt in diesem Zusammenhang aber die Lücke, in die ein adäquates Adjektiv gehören würde auch nicht ganz korrekt aus.;)

    Für meine Rechtschreibung kann ich mich an dieser Stelle nur entschuldingen, dass die auf Deutsch gesagt, für den Müll ist, weiß ich. Das liegt in meinem Fall an einer leichten Legasthenie, die leider mitunter dazu führt, dass ich auch bei nochmaligem Drüberlesen vieles an Fehlern überlese und je nach Art, findet die automatische Rechtschreibprüfung die leider auch nicht.

    Was anderes ist meine Neigung zu Schachtelsätzen, die ist auch nicht immer angenehm, weiß ich. Wenn unverständlich einfach mir dafür ein paar auf die Flossen geben und nachfragen.:)


    Was das nun betrifft:
    Ich meine, dass was ich schreibe durchaus mit dem Thema zu tun hat.
    Aber um das zu klären, welche angesprochenen Themenbereiche konkret gehen deiner Meinung nach bei mir an der Thematik vorbei?
     
  15. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Ja auch beim Russisch-Japanischen oder Spanisch-Amerikanischen Krieg war Deutschland ziemlich inaktiv. Beim Burenkrieg hingegen musste Wilhelm seinen Senf abgeben und damit diplomatisches Geschirr zerdeppern. Der Hinweis auf den Balkankrieg (welchen eigentlich?) klingt somit für mich nach "whataboutism".
     
  16. kjd

    kjd Neues Mitglied

    Habe das eben schon einmal geschrieben. Das mit der Rechtschreibung war auf keinen Fall eine Kritik und ich selber sehe mich was Rechtschreibung und Grammatik angeht auch eher nicht so gut. Wollte damit nur aussagen das ich durch entscheidende Fehler ein paar Zusammenhänge nicht verstehen konnte.
     
  17. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Welche denn konkret? Um wieder konstruktiv in der Sache zu werden?:)
     
  18. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Wenn also in den allermeisten europäischen Ländern und auch bspw. in Japan und den USA ein aggressiver Patriotismus 1914 auf der Tagesordnung stand und diese Einstellung auch zu Kriegen geführt hat, wie kommst du dann dadrauf, dass es in Deutschland vollkommen anders war und kommst zu dieser generalisierenden Aussage?
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. September 2020
  19. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die Frage nach den Bedingungen des Kriegseintritts des Deutschen Reichs und der systematischen Mobilisierung der Nation im Sommer 1914 ist vielschichtig.

    Zum einen war das neu geschaffene Deutsche Reich ein „militarisierter Staat“, der mit Michael Mann folgendermaßen beschrieben werden kann: " I define militarism as a set of attitudes and social practices which regards war and the preparation for war as a normal and desirable social activity." (vgl. ausführlich zur Beschreibung des „Militarismus“ z.B. Chickering, 2008 und Wette 2008.

    Und zum anderen verfügte das Deutsche Reich über eine Zivilgesellschaft, die differenzierte und teils widersprüchliche politische Facetten hatte und wenig Ähnlichkeiten mit einer homogenen Gesellschaft hatte,

    Dazu gehörte auf der einen Seite – neben dem Adel - ein Bürgertum, das in einer Vielzahl von Vereinen organisiert war, die aktiv als politischer Akteur einen nationalistischen Patriotismus propagierten und auf der anderen Seite die „negativ integrierte Sozialdemokratie“. Die zwischen dem internationalistischen Friedenswunsch und dem „Militarismus des kleinen Mannes“ eine Position zwischen Bebel und Bismarck gefunden hatte.

    Sofern man die unterschiedlichen Positionen zum „zukünftigen Krieg“ kennzeichnen will, wird man auf unterschiedliche Haltungen treffen. Eine weit verbreitete Grundströmung in der Bevölkerung vor 1914 zum Krieg war, dass er kommen und die Deutsche Gesellschaft „modernisieren“ wird (vgl. Verhey, 2008, S. 242ff) Diese Haltung war weniger radikal wie die der Anhänger einer quasi sozialdarwinistischen Sicht, die den Krieg als notwendigen Bestandteil des Zusammenlebens von Gesellschaften ansahen und bei den völkischen Nationalisten besonders ausgeprägt war.

    Eine gewisse fatalistische Sicht auf die Unausweichlichkeit der kriegerischen Ereignisse war ebenfalls erkennbar. So schrieb beispielsweise Bebel an Victor Adler (Österreichischer SPD-Vorsitzender) im Oktober 1912: „Ich bin schon längerer Zeit ….zu der Ansicht gekommen, dass das nächste Jahr uns wahrscheinlich den europäischen Krieg auf den Hals bringt….(Wette, 2017, S. 27) Hintergrund für diese Einschätzung war der Krieg, der auf dem Balkan ausgebrochen war.

    Der Widerstand gegen die drohende Kriegsgefahr kam zum einen aus der bürgerlichen Friedensbewegung (z.B. B. v. Suttner u.a.) und vor allem auch aus dem Umfeld der sozialdemokratisch geprägten „Sozialistischen Internationale“ (SI)

    Durch den Balkan Krieg verschärfte sich vor allem in der SI die Befürchtung vor einem europäischen Krieg und man organisierte die Friedenskonfenrenz 1912 in Basel unter dem Motiv „Krieg dem Kriege! Guerre à la Guerre!“. Es war die wichtigste europäische Manifestation gegen einen Krieg, an dem die Spitzenpolitiker der sozialistischen Parteien aus Frankreich, Deutschland, Österreich, GB und anderen Staaten teilgenommen haben. (vgl. Wette, 2017, S. 27 ff)

    Vgl. Tagungsband: https://e-monos.sozialarchiv.ch/Friedenskongress_Gesamtwerk.pdf

    Die Position des Widerstands der sozialistischen Parteien gegen die Kriegsdrohung war reflektiert und auch widersprüchlich. Zum einen sprach man sich deutlich gegen den Krieg aus, zum anderen gab es eine „robuste Mehrheit“, die einen Defensivkrieg zur Verteidigung des „Vaterlandes“ als selbstverständlich gerechtfertigt ansah.

    Man war sich dabei im Klaren, dass die Möglichkeiten der sozialistischen Parteien sehr begrenzt waren, einen drohenden Krieg zu verhindern. Haase, Co-Vorsitzender der SPD, formulierte auf dem Kongress: Wir verkennen die Grenzen unser Macht nicht. In der Tat können Europas Sozialisten und Pazifisten nicht viel mehr als mahnen und drohen.“ (vgl. Wette, 2017, S. 33)

    Dieses wird vor dem späteren konkreten Hintergrund des Jahres 1914 bereits 1912 formuliert, dass sowohl die Gewerkschaften wie die SPD repressive Maßnahmen von Seiten der Regierung befürchteten und bereits zu Beginn der „Juli-Krise“ ihr Vermögen in der Schweiz in Sicherheit gebracht haben.

    Dennoch wies vor allem der charismatische französische sozialistische Politiker Jean Jaurès darauf hin: „Kriege entladen sich nicht wie Gewitter….sie entspringen einem Willensakt und sind daher abwendbar.“ (zitiert in Wette, 2017, S. 28).

    Die von vielen Historikern – u.a. bei Nipperdey - beschriebenen euphorischen „Massen“ während der Juli-Krise im Deutschen Reich, das als „Augusterlebnis“ in den Narrativ eingehen sollte in Kombination mit der Legende um die „jungen Regimenter von Langemarck (vgl dazu z.B. Unruh) ist mittlerweile relativ gut beforscht worden. „What he [Verhey] calls the myth of the spirit of 1914 began to take shape in Germany virtually the moment the war broke out.“ ….The myth of collective enthusiasm the guided German propaganda throughout the war, and ist purchase on collective memory survived the defeat in 1918.“ (Chickering, 2007, Pos. 5106)

    In diesem Kontext schreibt Verhey zur wichtigen Phase am 27.Juli: „Die Begeisterung konzentrierte sich auf die Großstädte. Auf dem Land und in den Kleinstädten gab es, von Universitätsstädten abgesehen, nur wenige Kundgebungen. Außerdem beschränkte sich die Begeisterung auf eine bestimmte Bevölkerungsschicht. Wie bereits erwähnt, beteiligten sich vor allem gebildete Jugendliche und einige wohlhabende Bürger an den Zügen. (Verhey, 2000, Pos. 790) Nirgendwo gab es Anzeichen für eine Beteiligung der Arbeiterklasse an den sonntäglichen Begeisterungskundgebungen, worauf die sozialdemokratischen Zeitungen wiederholt hinwiesen.

    Der Protest der SPD während der Juli-Krise erreichte am 28 und 29 Juli ihren Höhepunkt als ca. 750.000 sozialdemokratische Anhänger in einer Reihe von Demonstrationen den Kriegskurs kritisierten. Diese Anzahl übertraf bei weitem die Gesamtanzahl, die parallel während nationalistischer, den Krieg bejahender Versammlungen reichsweit demonstrierten. (Hewitson, Pos. 2169ff).

    Und der „vorwärts“ resümierte am 01.08.1914, dass die „Hurra-Stimmung“ einer eher nachdenklichen Haltung gewichen sei (Hewitson, Sos. 2189). Gleichzeitig erfolgte in dieser Phase innerhalb der SPD ein schneller Meinungswechsel und der RK war sich schnell sicher, dass von der SPD keine politische Gefahr für die Kriegsführung ausging und signalisierte, dass keinerlei repressive Maßnahmen zu befürchten sein.

    Diese verhaltene Stimmung änderte sich allerdings im Laufe des – siegreichen – Monats August als die Zeitungen und damit auch die „Öffentliche Meinung“ zunehmend glaubten, der Krieg würde zu einem schnellen und siegreichen Ende geführt werden. (Vherhey, 2008, Pos. 3997)

    Die Stimmung des „Augusterlebnis“ war sicherlich ein wichtiger Aspekt, um die Nation als Vorbereitung für die Mobilisierung zu einen. An dem Punkt unterschied sich der Prozess in Frankreich – die Union Sacree – nicht von der Herstellung des parteiübergreifenden Konsens im Rahmen des „Burgfriedens“. Der im wesentlichen deshalb erfolgreich sein konnte, weil Bethmann-Hollweg die deutsche Mobilmachung so lange herausgezögert hatte, bis er auf die Kriegserklärung durch Russland reagieren konnte. Und so die Fiktion erzeugt wurde, man würde einen „gerechten“ Verteidigungskrieg führen gegen ein rückständiges absolutistisches System. Das zentrale Feindbild der deutschen Sozialdemokratie. (vgl. Horne, S. 280)

    https://de.wikipedia.org/wiki/Augusterlebnis#cite_ref-9

    Im Ergebnis kann man wohl festhalten, dass es Teile der wilhelminischen Gesellschaft gab, die dem Krieg positiv gegenüber standen. Die Arbeiterschaft lehnte ihn mehrheitlich ab. Dass sie dennoch sich hinter die Kriegsführung des Reiches stellte, war auch das Ergebnis, dass sie einerseits getäuscht worden ist und andererseits aus „patriotischer Ohnmacht“ als Mitläufer in den Krieg zog.

    Chickering, Roger (2008): Militarism and radical nationalism. In: James N. Retallack (Hg.): Imperial Germany, 1871-1918. Oxford, New York: Oxford University Press, S. 196–218.
    Chickering, Roger (2007): "War enthusiasm?" Public oppinion and the outbreak of war in 1914. In: Holger Afflerbach (Hg.): An improbable war. The outbreak of World War I and European political culture before 1914. New York, NY: Berghahn, S. 200–212.
    Hewitson, Mark (2004): Germany and the causes of the First World War. Oxford: Berg
    Horne, John (2012): Public Opinion and Politics. In: John Horne (Hg.): A companion to World War I. Chichester, U.K., Malden, Mass.: Wiley-Blackwell, S. 279–294.
    Unruh, Karl (1986): Langemarck. Legende und Wirklichkeit. Koblenz: Bernard & Graefe Verlag.
    Verhey, Jeffrey (2000): Der "Geist von 1914" und die Erfindung der Volksgemeinschaft. Hamburg: Hamburger Edition HIS.
    Verhey, Jeffrey (2008): War and revolution. In: James N. Retallack (Hg.): Imperial Germany, 1871-1918. Oxford, New York: Oxford University Press (Short Oxford history of Germany), S. 242–263.
    Wette, Wolfram (2008): Militarismus in Deutschland. Geschichte einer kriegerischen Kultur. Frankfurt/M: Primus Verlag.
    Wette, Wolfram (2017): Ernstfall Frieden. Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914. Bremen: Donat Verlag
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. September 2020
  20. hatl

    hatl Premiummitglied

    Den Satz darf man mehrmals lesen.

    Was fällt dem eigentlich ein?
    .. er folgt wohl Gesetzen eigener Gnade.
     

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