Welche FORTSCHRITTE brachte Industrielle Revolution für die Frau?

Dieses Thema im Forum "Die Industrielle Revolution" wurde erstellt von Kayla123, 7. Januar 2009.

  1. simplicissimus

    simplicissimus Neues Mitglied

    Weil sie glaubten, eine Vielzahl von Kindern würde ihren Lebensunterhalt später im Alter sichern!
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zunächst einmal haben wir mit der Industrialisierung veränderte gesellschaftliche Bedingungen: Es gab nicht mehr den einen Hoferben oder den einen Erben der Werkstatt, es gab einen Bedarf an Arbeitskräften, weshalb die traditionelle ständische Ordnung aufgebrochen wurde.
    Kinder waren vielfach - sie sind es bis heute in Entwicklungsländern - Verdiener und als solche durchaus auch wichtig für den Familienerwerb. Andererseits war die Kindersterblichkeit aufgrund katastrophaler hygienischer Verhältnisse ziemlich hoch. Man lese nur mal Dickens oder Friedrich Engels und andere.
    Zu guter letzt darf man nicht vergessen, dass die Verhältnisse alles andere als gewaltfrei gewesen sein dürften, weshalb Frauen wohl auch wenig Wahl hatten... Die Pille gab's noch nicht und Präservative waren alles andere als sicher.
     
  3. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Kinder als Altersvorsorge, als Einkunfsquelle in der näheren Zukunft, als kulturell gewünscht oder aber nicht zu verhütend wären auch mögliche Ansatzpunkte.

    Auch die soziale Kontrolle dürfte eine Rolle gespielt haben: Wer darf eigentlich Kinder kriegen? Muss man dazu ein Einkommen oder Erbe haben? Verheiratet sein? Und wer kontrolliert das eigentlich? Auf dem Dorf? In den sich bildenden Arbeiterquartieren der wachsenden Städte?

    Spaß ist aber sicher auch ein Argument!
     
  4. Mercy

    Mercy unvergessen

    Zu der Zeit wohl kaum für die Frau. :motz:
     
  5. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Da eben wäre ich mir nicht so sicher.

    Natürlich bedeutet die Industrialisierung per se keine Emanzipation der Frau. Und auch die patriarchalischen Verhältnisse - sprich: die Unterdrückung und Ausbeutung der Frauen - werden sich unter den Verhältnissen der Industrialisierung fortgesetzt haben.

    Allerdings hatte, wenn ich das so verkürzt ausdrücken darf, die Industrialisierung schon eine Freisetzung (Individualisierung?) der vormals vorgezeichneten Lebensverhältnisse von Frauen und auch Männern zur Folge.

    Ob das nun Spaß gemacht hat oder nicht: Die Anzahl der Möglichkeiten der Lebensweggestaltung - aber auch die Zahl der damit verbundenen Probleme - stieg sicher an.

    Meine flapsige Ausdrucksweise im obigen Post sei bitte entschuldigt.
     
  6. simplicissimus

    simplicissimus Neues Mitglied

    Wieso??? - verunsichere bitte nicht uns Männer!

    Eben, meinte ich doch! :rofl:
     
  7. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    mmmh...

    vor der Industriellen Revolution fand die Agrarrevolution statt. Mit der Agrarrevolution war eine deutliche Produktionssteigerung der Landwirtschaft verbunden. Dadurch gab es bessere und überhaupt regelmäßige Ernährung, so dass die meisten Säuglinge nicht mehr - durch Unterernährung geschwächt - an Krankheiten starben.

    Vor der Agrarrevolution war es nicht unüblich, dass von 8 Kindern 3 oder so erwachsen wurden.

    Die Agrarrevolution bedeutete den Ausgang aus der Malthusianischen Falle und damit auch den Grundstein für die Bevölkerungsexplosion.

    Neben das wichtige Argument der Altersvorsorge setzt mein Prof also noch die Tatsache setzen, dass sich die Erkenntnis, dass die meisten geborenen Kinder überlebten, erst durchsetzen musste.

    mfg
     
  8. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Die Sache mit der Malthusianischen Falle interessiert mich.
    Ich hatte mal (http://www.geschichtsforum.de/160416-post3.html) darauf hingewiesen, dass die Bevölkerung Chinas linear und nicht exponentiell steigt, wobei sich allerdings mehrmals die Neigung der Geraden erhöht.
    Diese Linearität deutet darauf hin, dass der bestimmende Faktor für die Bevölkerungsentwicklung nicht die Fruchtbarkeit ist (die zu einer exponentiellen Dynamik führen würde), sondern die Steigerung der Nahrungsversorgung, die sich nach Malthus linear entwickeln soll (warum eigentlich ?)

    Andere Wachstumsdynamiken können sich dann ergeben, wenn sich die Bevölkerungszahl unterhalb der Sättigungs(=))geraden befindet. Letztere wurde durch die Agrarrevolution auf ein höheres Niveau angehoben, bzw. auf einen Geradenverlauf mit höherer Steigung. Dies bedeutet aber nicht
    , sondern nur deren Verlagerung auf ein höheres Niveau.
     
  9. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Anselm

    Die agrarische Revolution fand nicht vor, sondern m.E. nach parallel zur industriellen Revolution statt.

    Der von Dir einkopierte Wiki Artikel ist unscharf. Die Einführung des Kartoffelanbaus in Preußen ist ein vom aufgeklärten Absolutismus geprägter Akt des Merkantilismus/Kameralismus.

    Nach meinem Dafürhalten wird die agrarische Revolution geprägt durch:

    Johann Heinrich von Thünen ? Wikipedia

    Justus von Liebig ? Wikipedia

    Mineralischer Dünger.

    Dünger ? Wikipedia

    Siehe in diesem Link Abschnitt "Geschichte des Düngers".

    Aufgrund dieser wirtschaftshistorischen Entwicklung konnte die agrikultative Produktion gesteigert werden und ermöglichte so die Ernährung der wachsenden Bevölkerung während und nach der Industrialisierung und der damit einhergehenden Urbanisierung.

    Malthus konnte diese Entwicklung nicht vorraussehen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Robert_Malthus

    M.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Dezember 2009
    1 Person gefällt das.
  10. Feldi

    Feldi Neues Mitglied

    Was fasst man eigentlich unter "Industrialisierung"? Die Umstellung von Agrar auf Industriegesellschaft? Wie etwa im US-amerikanischen Norden Mitte des 19. Jhdts?
     
  11. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

  12. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    @Feldi
    Industrialiserung ist z.B. die Umstellung von Spinnern und Kleinwebern, die zuhause arbeiten, auf Fabriken in denen Dampf- oder andersbetriebene Maschinen verwendet werden, mit denen in der gleichen Zeit mehr produziert werden kann.
    In einfachen Worten gesagt: aus Handwerk wurde Industrie.

    Ein bekanntes Beispiel ist die "Spinning Jenny".
    Spinning Jenny ? Wikipedia

    Das führte in der Folge zu vielen Weberaufständen, weil die Weber Angst um ihr Auskommen hatten. In England wurden sogar Fabriken demoliert und/oder angezündet.
    Später entwickelten sich daraus in England, Frankreich, Schlesien, im Deutschen Reich usw. die Maschinenstürmer und Luddisten.
    Maschinenstürmer ? Wikipedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Dezember 2009
  13. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    @ Melchior:

    Natürlich... wie dort schon steht, ist der Artikel nicht das nonplusultra. Ich habe ihn auch nur zur simpelsten Begriffsdefinition angehängt.

    Aber davon mal abgesehen:

    Erstens steht in dem Artikel, dass die A.R. " Anfang des 18. Jahrhunderts zumindest begann - also vor der entscheidenden Weiterentwicklung der Dampfmaschine (1769) und der Erfindung der Baumwollentkörnmaschine (nach Heinen eine wesentliche Innovation für die enorme Produktivitätssteigerung) sowie der Spinning Jenny 1794.

    Und zweitens haben eventuelle zeitliche Überschneidungen zumindest für Deutschland wenn dann nur für die allererste Frühphase der Industriellen Revolution bestanden. Beispielsweise erging der "Kartoffelbefehl" vom alten Fritz 100 Jahre vor der Hochphase der Industriellen Revolution in Deutschland. Meiner Meinung nach steht das für sich.

    Sicher mag deine Annahme anderer Beweggründe für die Agrarrevolution begründet sein, jedoch betrifft das nicht die These, dass sie enorme Effekte hatte - oder?

    Das sage ich doch. "Aufgrund" der Agrarrevolution kam es zur Produktionssteigerung in der Landwirtschaft und damit dazu, dass die Bevölkerung ernährt werden konnte und so zu größeren Anteilen überlebte.

    Offenbar hat er die These aufgestellt, dass die Bevölkerung exponentiell wachsen würde, wenn sie nur könnte. Er hat also die Falle beschrieben, in der die Bevölkerung steckt.

    Ob er den Ausgang aus seiner konzipierten Falle miterlebt hat, ist fraglich. Da er bis 1834 gelebt hat, müsste er die ersten Auswirkungen der Bevölkerungsexplosion doch miterlebt haben.

    Grüße
     
  14. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    Hier werden einige Statistiken der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung verwendet, die meines Erachtens nach ziemlich exponentiell aussehen.

    Mehr kann ich dazu auch nicht sagen, ich kenne mich mit dem Thema nicht gut genug aus. Trotzdem halte ich die These für sehr vertretbar, dass die Bevölkerung deshalb stieg, weil aufgrund der Agrarrevolution genug Nahrung vorhanden war.

    Grüße
     
  15. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Ein wichtiges Stichwort ist hier Demografischer Übergang ? Wikipedia

    Bei den demografischen Kurven von Afrika muss man allerdings die Frage stellen, ob deren Dynamik vergleichbar mit der Industriellen Revolution in Europa ist. Man muss die afrikanischen Lebensmittelimporte aus Europa (EU-Überschüsse) mit berücksichtigen, durch die die Obergrenze der Bevölkerungszahl kontinuierlicch nach oben verschoben wird.
     
  16. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    Mir stellt sich grade die Frage, ob und wie die Bevölkerung vor dem Ausgang aus der Malthusianischen Falle gewachsen sein kann.

    Dass die Bevölkerung gewachsen ist, ist meiner Meinung nach vertretbar, oder? Immerhin gab es im Mittelalter die Gründung von 3000 Städten auf deutschem Boden, die Leute müssen ja irgendwo her kommen - nur vom Land, bzw. aus den westlichen Gebieten im Zuge der Kolonisierung reicht eher nicht, oder?

    Vielleicht stellt Innovation im allgemeinen einen Ausgang aus der Falle dar. Je nach Tragweite der Innovation ist der Ausgang entweder "endgültig", wie in der Zeit der Industrialisierung oder "teilweise", wie durch Innovationen des Mittelalters (neuer Pflug, Dreifelderwirtschaft), so dass sich ein teilweiser Ausgang, vielleicht auch in Hinsicht auf die Erklärung der Bevölkerungsentwicklung in China (die vielleicht außerdem von der 1-Kindpolitik beeinflusst wird/wurde?) als Erklärungsansatz anbietet.
     
  17. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Anselm

    Über China und die dortige Bevölkerungsentwicklung kann ich nichts sagen, vielleicht findet sich dafür ein Mitdiskutant.

    Allerdings hinsichtlich des Themas agrarische und industrielle Revolution möchte ich meine These der Parallelität aufrecht erhalten. Allerdings muß ich diesbezüglich einige Bücher "wälzen". Bitte sieh mir den Zeitverzug nach.

    M.
     
  18. Feldi

    Feldi Neues Mitglied

    Danke für die grundsätzliche Info bezüglich Industrialisierung, im Artikel "Industrialisierung" bei Wiki stand was von Abgrenzungsschwierigkeiten zw. den Begriffen.

    Zur Ausgangsfrage: Wenn man den genannten Zeitraum Mitte/Ende des 19.Jhdts annimmt, dann entspricht die Annahme, dass Frauen arbeiten gingen - zumindest im industrialisierten Norden der U.S.A. als m.W.n. industrialisiertestes Gebiet neben England - wohl nicht den tatsächlichen Gegebenheiten.
    McPherson stellt in seinem Buch "Battlecry of Freedom" die Gegebenheiten eher so dar, dass die Frauen maximal in Heimarbeit Dinge gefertigt haben, was aber mit Kindererziehung sicher vereinbar wäre. G. Carocci und F. H. v. Wagenbach schreiben hierzu ähnliches.

    Allerdings bin ich nicht wirklich stark bewandert auf diesem Gebiet, ich kenne es nur als quasi Nebenschauplatz zur Historie des amerikanischen Bürgerkriegs, auf welchen sich die o.g. Autoren auch hauptsächlich beziehen.
     
  19. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Nein, als die Industrialisierung ihren großen Aufschwung hatte, kamen auch die Fabrikarbeiterinnen. Das war in Europa nicht anders, als in Übersee.
    Es gibt viele Bücher zum Thema, also um sich in Thematik einzulesen:

    Haus der Bayerischen Geschichte - www.hdbg.de - Online Shop - Geschichte der Frauen in Bayern. Von der Völkerwanderung bis heute -

    Weitere Info auch hier Wick, Lilia / Geschichte der Frauen in Kempen

    Interessant auch eine kurzer Einblick in die Löhne der Fabrikarbeiterinnen um etwa 1876 Die Großindustrie: Die Löhne der Fabrikarbeiterinnen. • Lexikus

    Und es hat sich 1877 auch ein Verein gebildet, der berufstätige, alleinstehende Frauen und Mädchen (Dienstmädchen, Verkäuferinnen, aber eben auch Fabrikarbeiterinnen) im Ausland unterstützte. Verein fr Internationale Jugendarbeit :: Geschichte
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Dezember 2009
  20. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    naja, Verhütungsmittel konnte man damals nicht im Supermarkt von nebenan kaufen (weil es den Supermarkt nicht gab und weil Verhütungsmittel damals zwar vorhanden waren, aber nicht Allgemeingut waren).
    Kommt hinzu, dass Kinderreichtum als Segen galt, zudem gab es immer noch eine relativ grosse Kindersterblichkeit. Auch von der Bibel her wurde damals noch gepredigt: "seid fruchtbar und vermehret Euch".

    Auch dürfte es damals keinen Aufklärungsunterricht gegeben haben. Bravo gab es damals auch nicht, Ruth Westheimer und McKinsey auch nicht. Stattdessen stand man damals um den Weihnachtsbaum und sang "ihr Kinderlein kommet":D
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2009

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