Wer brauchte einen genauen Kalender?

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von Drahtwurm1, 30. September 2018.

  1. Drahtwurm1

    Drahtwurm1 Neues Mitglied

    Hallo zusammen,

    immer wieder findet man sinngemäs die Aussage: Die bäuerliche Landwirtschaft benötigte einen genauen Kalender.

    Ich behaupte:

    - Schon die Jäger und Sammler hatten einen Kalender der auf ein paar Tage genau genutzt wurde.
    Es gab bestimmt auch schon in dieser Zeit Termine, zu denen sich verschiedene Gruppen trafen.​

    - Einem Bauern reicht ein Kalender der auf ein-, zwei Wochen genau ist.
    Er ist mehr vom Wetter abhängig und nur grob vom Datum.​

    - Ein taggenauer Kalender war in erster Linie für die"Oberschicht" (Weltlich und Religiös) nützlich.
    Damit konnten sie ihren Wissensvorsprung im Bezug auf astronomische Ereignisse ( Sonnwenden,
    Tag-Nacht-Gleiche, Mondfinsternisse) zu einer Bestätigung ihrer Macht nutzen.
    Der gregorianische Kalender wurde eingeführt, um das Osterfest genau berechnen zu können.
    Obwohl sich zu der Zeit der Fehler im Julianischen Kalender schon auf 10 Tage summiert hatte, werden keine Auswirkungen auf die Landwirtschaft genannt.
    Für die Einführung des Julianischen Kalenders konnte ich, ausser die allgemeine Verbesserung des Kalenders, keine speziellen Gründe finden.​

    Wie ist eure Meinung dazu?
    Gibts da schon neue Erkenntnisse.

    Drahtwurm1
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Sonnenwenden und Äquinoktien dürften kaum „Geheimwissen“ gewesen sein. Mondfinsternisse sind bis heute nur schwer zu errechnen. In historischen Quellen wird allerdings verschiedentlich behauptet, dass jemand eine Sonnenfinsternis vorausgesagt und damit Eindruck erweckt habe. Ob es sich dabei um „Herrschaftswissen“ handelte?
     
  3. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Für eine (annähernd) taggenaue Datierung eignen sich die Mondphasen.
    Die indoeuropäischen Wörter für "Mond"/"Monat" sind wahrscheinlich in der Bedeutung "Zeitmesser" zu erklären:

     
  4. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Das mag alles zutreffen, aber hast du schon mal versucht dich mit jemandem zu treffen ohne eine geringe Zeitangabe zu geben? Im Sinne der historischen Organisation und Wirtschaft sind Kalender nuetzlich.
     
  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wobei wir nicht von unseren heutigen Zeit- und Kalenderbegriffen ausgehen dürfen.

    Die Zeitrechnung der kalifornischen Indianer on JSTOR

    Robert Levine, Eine Landkarte der Zeit, 2. Auflage München 1998, S. 135

    Dort findet sich (S. 129) auch ein schönes Beispiel für die Tageszeiten aus Burundi: Man verabredet sich für die Zeit, "wenn die Kühe auf die Weide gehen", oder für die Zeit, "wenn die Kühe zum Fluß trinken gehen" oder "wenn die jungen Kühe hinausgehen".
     
    Saint-Simone gefällt das.
  6. Biturigos

    Biturigos Aktives Mitglied

  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    In Perú haben die Menschen das El Niño-Phänomen anhand von einer Veränderung der Tierwelt vorhergesagt. Denn in Perú ist das Wasser aufgrund des Humboldtstroms kalt. Es gibt viel Plankton, Fische und Seevögel die in der Nahrungskette stehen. Wird der Humboldtstrom unterbrochen ist das Plankton weg und seine Jäger, stattdessen treten wärmeres Wasser liebende Muscheln auf. Vor allem am Verschwinden der Seevögel könnte man sehen, dass El Niño bevorstand und sich und seine Vorräte in Sicherheit bringen. Aber auch hierfür bedurfte es keines Herrschaftswissens sondern der Beobachtungsgabe von Fischern oder Eiersammlern.
     

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