Wer oder was war Wotan ?

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von Gast, 14. Oktober 2007.

  1. Gast

    Gast Gast

    hallo miteinander ,
    bin heute das erste mal hier und finde euer forum sehr gut .
    habe auch gleich eine frage :

    wer oder was war wotan ?

    vermutlich ein kriegsgott der wikinger , aber ich weiss es nicht
    genau .

    vielen dank im voraus
     
  2. Mark77

    Mark77 Gast

    Odin oder südgermanisch Wodan altisländisch Óðinn, altenglisch Wóden, altsächsisch Uuoden, althochdeutsch Wuotan, gemeingermanisch Wôðanaz ist der Hauptgott in der nordisch-germanischen Mythologie und Religion, wie sie in den eddischen Dichtungen vorgestellt wird.
    [aus: De Vries 2. S. 416]
    Steht meines Wissens auch so bei Wikipedia (sogar Wort für Wort), aber ich habs irgendwo anders her (also im Endeffekt wohl doch von Wiki!).
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. Oktober 2007
  3. Gast

    Gast Gast

    Bin nicht der Threadstarter:

    Das Wichtigste ist gesagt, dass Odin ein Gott der Wikinger war, während Wodan bei den Festlandsgermanen vor der Christianisierung etwa die gleiche Rolle spielte wie Odin im Norden. Es ist eine sehr vielschichtige Gottheit: Siegesgott/aber nicht der eigentliche Kriegsgott; Gott der Runenkunde&Zauberei/aber nicht der "Hexer per se". Manchmal wird er auch mit älteren Göttern gleichgesetzt, etwa in einem Teil der Edda mit dem mythischen Gotengott Gaut.
     
  4. IronPig

    IronPig Neues Mitglied

    Als krigerischer Gott trat er dann auch im 1. Weltkrieg auf. Einer der A7V Protoypen des deutschen Heeres erhielt von seiner Besatzung den Namen Wotan.
     
  5. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Wichtig ist zu wissen, daß Wotan/Odin nicht zu allen Zeiten und bei allen germanischen Stämmen die gleiche Bedeutung hatte, sondern es gibt Indizien dafür, daß seine Bedeutung mit der Zeit wuchs. Der vermutlich ursprüngliche germanische Haupt-Kriegsgott dürfte Tiwaz/Zio/Tyr gewesen sein, der dann bei den meisten germanischen Stämmen von Wotan/Odin verdrängt wurde. Nach dem was ich bisher gelesen habe, ist in der Völkerwanderungszeit nur noch bei den Goten die Gottheit Tyz der oberste Kriegsgott - ein gotischer Wotan/Odin ist nicht überliefert.
    Von den nordischen Stämmen ist aus der Edda (um 1200 n. Chr.) bereits ein alles beherrschender Odin überliefert, der dort auch "Allvater" genannt wird und folgendermaßen beschrieben wird:

    Aus "Gylfaginning":
    Odin ist der vornehmste und älteste der Asen. Er waltet aller Dinge, und obwohl auch andere Götter Macht haben, so dienen ihm doch alle wie Kinder ihrem Vater. Seine Frau ist Frigg; sie weiß aller Menschen Geschick, obgleich sie es keinem vorhersagt...
    ...Odin heißt Allvater, weil er aller Götter Vater ist, und Walvater, weil alle seine Wunschsöhne sind, die auf dem Walplatz fallen. Sie werden in Walhall und Wingolf aufgenommen und heißen da Einherjer...

    Der nordische Odin entspricht in etwa dem Kontinental-Germanischen Wotan, wenn auch nicht in jedem Detail, denn jeder germanische Stamm hatte seine eigene Mythologie.
     
  6. Mevo

    Mevo Gast

    Die heidnischen, mitteleuropäischen Stämme, von den Römern allesammt Germanen (nach dem Stamm der Germanen) benannt, hatten keine Schrift und führten als kleine Länder und Fürstentümern, wenn man es so nennen will, Krieg. So kann also von einer Religiösen Homogentät nicht ausgegangen werden. In einem nordischen Götter- und Heldensagenbuch steht von 3 "Urgöttern": Odin, Wili und Wé. Odins Göttergeschlecht wird die Asen genannt. Neben diesem gibt es ein zweites, die Wanen. Sie sind älter und weiser, als die Asen. Es wird von einem Krieg der Göttergeschlechter geschrieben, den man beendete und Frieden zwischen den Gottgeschlechtern herrstellte. Man sieht hinter diesem Krieg einen realen Konflikt, das eine Mythologie in das Gebiet der anderen eindrung. Der oberste Gott der Wanen ist Tyr. Er ist mit Zeus und Jupter vergleichbar. Er wurde denn später von Wotan als obersten Gott verdrängt. Hier sieht man wieder einmal die Vermischung und gegenseitige Einflussnahme der heidnischen, polytheistischen Religionen.
     
  7. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Also Tyr als Wanen-Gottheit zu bezeichnen halte ich für nicht korrekt. Am besten, du schaust dir mal an, was ich auf meiner Homepage zu Tyr geschrieben habe. klick hier und hier
     
  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Njörd, Freya und Freyr sind die überlieferten Götter der Wanen.

    Sie stehen für die Fruchtbarkeit der Felder und sind manchen Hypothesen zufolge ein Überbleibsel vorindogermanischer Fruchtbarkeitsgötter.
     
  9. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    ...die von den Asen entführt wurden und dann - als einzige - bei diesen "Karriere gemacht" haben.
    Was haltet ihr von der These, dass die Wanen die Götter der Jäger und Sammler waren und die Asen die der Landwirte ?:grübel:

    Der Wanen-Asen-Kampf würde demnach die Verdrängung der Jäger- und Sammler-Kultur durch die indoeuropäischen Landwirte wiedergeben.
    (In einem anderen Kulturkreis soll dieser Prozess durch zwei Brüder namens Kain und Abel verkörpert worden sein.)
     
  10. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Davon halte ich eigentlich nicht viel. Ich bin gerade dabei für meine Homepage eine Zusammenfassung der nordischen Mythologie zu erarbeiten. Folgendes habe ich dazu schon (aber noch nicht online):
    In der nordischen Mythologie ist in verschiedenen Quellen ein Krieg zwischen den Asen und Wanen überliefert. Als mögliches Szenario für den Ausbruch dieses Krieges wird die Ausbreitung des Wodan/Odin-Kultes vermutet, der eine Verdrängung des Gottes Tiwaz (Tyr) durch Wotan/Odin als obersten Kriegsgott zur Folge hatte. Die Ynglinga saga beschreibt diese Ausbreitung sehr ausführlich. Obwohl diese saga relativ jung ist und eigens erdacht wurde, um die Abstammung des schwedischen Königsgeschlechtes von den Göttern herzuleiten, wird wegen der vielen Übereinstimmungen mit älteren Sagen ein wahrer Kern angenommen.

    Aus der Ynglinga saga:
    „Eine große Gebirgskette erstreckt sich vom Nordosten bis zum Südwesten. Sie trennt das große Schweden und die anderen Reiche. Südlich des Berges ist es nicht weit bis zum Türkenland. Dort hatte Óðinn große Besitzungen. In dieser Zeit zogen die Römerhäuptlinge weit herum durch die Welt und unterwarfen mit Gewalt alle Völker und viele Häuptlinge flohen vor dem Krieg von ihren Besitzungen. Und weil Óðinn zukunftskundig und zauberkundig war, da wusste er, dass sich seine Nachkommenschaft im nördlichen Teil der Welt ansiedeln würde. Da setzte er seine Brüder, Vé und Víli, über Ásgarð, und er ging und alle Goden mit ihm und viele andere Leute. Er ging zuerst nach Westen nach Garða ríki und dann nach Süden nach Saxland. Er hatte viele Söhne. Er eignete sich Reiche mancherorts im Saxland an und setzte dort seine Söhne zum Schutz des Landes ein. Dann ging er nach Norden zum Meer und nahm sich einen Wohnsitz auf einer Insel. Dort heißt es jetzt Óðinsey in Fjónr. Dann schickte er Gefjun nach Norden über den Sund, um Land zu suchen. Da kam sie zu Gylfi und er gab ihr ein Stück Ackerland. Dann ging sie in das Riesenland und bekam vier Söhne von irgendeinem Riesen. Sie verwandelte sie in die Gestalt von Ochsen und spannte sie vor den Pflug und zog das Land auf das Meer hinaus und nach Westen gegenüber von Óðinsey und das wird Selund genannt. Dort wohnte sie von da an. Skjöldr, der Sohn Óðins, bekam sie zur Frau. Sie wohnten in Hleiðr. Dort ist ein Binnensee oder ein Meer dahinter. Das wird Lörinn genannt. Die Fjorde liegen so im Lögrinn wie die Landzunge in Seland. So sprach Bragi inn gamli:

    Gefjon zog von Gylfi
    froh über das Eigentum,
    so dass es von den rennenden Ochsen dampfte,
    Dänemark zu vergrößern.
    Die Ochsen trugen vier Köpfe und acht Augen,
    als sie vor der großen, grasigen Insel gingen,
    die gewonnen war.

    Aber als Óðinn erfuhr, dass östlich bei Gylfi gute Ländereien waren, ging er dorthin und er und Gylfi schlossen ihren Frieden, weil Gylfi glaubte keine Kraft zum Widerstand gegen die Ásen zu haben. Óðinn und Gylfi taten miteinander viel Sinnestäuschungen und Tricks und die Ásen wurden fortwährend mächtiger. Óðinn nahm seinen Wohnsitz am Löginn, dort wo es jetzt alt Sigtunír genannt wird und baute dort einen großen Tempel und opfert nach Sitte der Ásen. Er eignete sich da so weit Land an, das er Sigtúnir nennen ließ..."
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Januar 2008
  11. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Welche älteren Sagen der Wikinger bzw. Odin meinst du?
     
  12. MacX

    MacX Neues Mitglied

    Einen Stamm namens "Germanen" gab es nie. "Germanen" sind im weitesten Sinne doch eine Sprach- und Kulturgemeinschaft.
     
  13. hyokkose

    hyokkose Gast

    Kain ist der Ackerbauer, Abel der Viehzüchter.
    Also beides Landwirte, mit Jäger und Sammler hat das nichts zu tun.
     
  14. hyokkose

    hyokkose Gast


    Möglicherweise mißverstehst Du Mevo gerade. Laut Tacitus soll es einen Einzelstamm gegeben haben, der den Namen "Germanen" trug und zum Namensgeber für die anderen Stämme wurde.

    Die "Germanen" als Sammelbegriff bildeten nie einen Stamm, da hast Du recht.
     
  15. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Beispielsweise geht die Textpassage >Sie verwandelte sie in die Gestalt von Ochsen und spannte sie vor den Pflug und zog das Land auf das Meer hinaus und nach Westen gegenüber von Óðinsey und das wird Selund genannt.< auf die Einleitung in Gylfaginning zurück, in der noch ausführlicher erklärt wird wer König Gylfi war und wie laut der Mythologie die Insel Seeland entstanden ist.
     
  16. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ich finde diese Hypothese aus verschiedenen Gründen interessant, die ich aber gleich vorweg als reine Spekulation bezeichnen möchte.

    Wenn man annimmt, dass es in Mitteleuropa eine jungsteinzeitliche bäuerliche Bevölkerung gab, die im 3. Jahrtausend v. Chr. von einer kriegerischen indoeuropäischen Population überschichtet wurde, so ließe sich das Geheimnis der Wanengötter erklären.

    Der Wanenkrieg würde danach den Kampf der autochthonen Siedler mit den eingedrungenen Indoeuropäern symbolisieren, der Geiseltausch einen Ausgleich zwischen Unterworfenen und Eroberern, bzw. den Beginn einer Vermischung beider Bevölkerungselemente.

    Die Gottheiten selbst passen gut in ein solches Szenario. Vielfach wurde schon festgestellt, dass die Wanengötter dem asischen bzw. indoeuropäischen Götterhimmel fremd sind, da sie Fruchtbarkeit, Ackerbau und bäuerliche Lebensart repräsentieren. Dem entspricht aber die jungsteinzeitliche Bevölkerung, die nicht gegliedert war und keine patriarchalische Adelsschicht kannte.

    Die Indoeuropäer hingegen waren eine patriarchalische, feudale Gesellschaft und hatten somit Himmels-, Krieg- und Sturmgötter in ihrem Pantheon. Wenn sich eine solche Population über eine zahlenmäßig kräftige ackerbauende Gesellschaft legt, dann lässt sich ein Überbleibsel wie der "Wanenkrieg" gut erklären: "Alte" Götter sinken ab und werden sogar zu Dämonen und Hexen, die neuen Götter steigen auf und behalten siegreich die Oberhand.

    Das sind wie gesagt nur Spekualtionen, die sich nicht erhärten lassen. Dennoch habe ich einen solchen Erklärungsversuch mehrfach gefunden und er erscheint mir zumindest reizvoll!
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Januar 2008
  17. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Auch, wenn es aus deiner Sicht reizvoll klingt – zwei Völker kommen zusammen, kämpfen zuerst gegeneinander, vertragen sich dann aber und vermischen sich und auch die Götterwelten dieser Völker verschmelzen miteinander – können wir dieses Szenario höchstwahrscheinlich für Wotan/Odin verwerfen, denn, wie ich weiter oben bereits schrieb, vermutet man damit lediglich die Ausbreitung eines neuen Kultes unter den germanischen Stämmen und setzt den Beginn für das 1. Jh. n. Chr. an. Bei der „Völkervermischungstheorie“ müsste man jedoch die Zeit zwischen 4400-3000 v. Chr. ansetzen.


    Und selbst die Ynglinga saga setzt für die Ausbreitung des Odin-Kultes die Zeit der Römer an:
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Januar 2008
  18. BOIORIX

    BOIORIX Neues Mitglied

    Bibliographischer Hinweis

    Ich muss hier leider feststellen, dass anscheinend niemand wirklich etwas über die Zusammenhänge um die Wotan- Odin-Gestalt weiss, auch wenn das hüchst hochnäsig klingt. Tatsächlich ist die Gestalt des Wotan/Odin einerseits ein Emporkömmling in der germanischen Götterwelt, andererseits sehr alt und hat eine ganze Reihe indo-europäischer Doppelgänger. Die germanische/germanistische Forschung hat, speziell in Deutschland, mit ganz wenigen Ausnahmen nicht über einen sehr beschränkten Gesichtskreis hinausgesehen. Aber "hinterm Berg send au Leut", wie meine Grossmutter zu sagen pflrgtr. Also, ehe Ihr eure Diskussion fortsetzt, macht euch erst einmal über den augenblicklichen Forschungsstand schlau. Eine sehr schöne Zusammenstellung findet Ihr, mit ausgiebiger Bibliographie, in dem Buch der amerikanischen Religinswissenschaftlerin Kris Kershaw erschienen 2000 in der renommierten Buchreihe <Journal of Indoeuropean Studies>. Die Deutsche Ausgabe: Kris Kershaw ODIN Der einäugige Gott und die indogermanischen Männerbünde Wenn Ihr das gelesen habt, dann schaut Euch nochmal die Beiträge dieses threads an... Alles Gute Boiorix

    [Mod] Der Link zum Verlag wurde entfernt, da dieser einem Spektrum angehört, zu dem wir das Forum auch nicht über eine URL-Angabe in Beziehung setzen wollen [/Mod]
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 22. Januar 2008
  19. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Du vergisst, dass es hier um indoeuropäische Ursprünge geht, um Überschichtungsvorgänge im 3. Jahrtausend v. Chr. Es geht auch nicht vordergründig um "Wotan", sondern um die Überlieferung des "Wanenkampfs", d.h. um das Ringen alter Himmels- oder Sturmgottheiten, die auf das indoeuropäische Pantheon zurückgehen, mit Fruchtbarkeitsgöttern einer altansässigen bäuerlichen Bevölkerung.

    Der "Wanenkampf" bildet nur eine verschwommene Überlieferung, ein letztes, von den Germanen nicht mehr verstandenes Zeugnis uralter Ereignisse.
     
  20. hyokkose

    hyokkose Gast

    Die Überlieferung zum "Wanenkampf" wurde vor einigen Jahrhunderten verschriftet. Der Versuch, ihr einen mehrtausendjährigen historischen Kern anzuhängen, geht auf die 1930er Jahre zurück.

    Ob die Autoren der modernen Deutungsversuche das "Zeugnis" besser "verstanden" haben als die alten Germanen, lasse ich mal dahingestellt.
     

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