Westslawen im Frühmittelalter

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Sapanibal, 27. August 2008.

  1. Also d.h. mann kann von den Ostdeutschen von einer germanisch-slawischen Mischbevölkerung ausgehen, oder?

    Im Falle vom steirischen muss ich mich mal echt mal das ansehen..noch dazu wo der Name "Graz" vom slawischen "Gradetz" kommt.
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

  3. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ursprünglich ja. Inzwischen sind etliche Jahrhunderte vergangen, so dass man es getrost auf alle Deutschen anwenden kann. Es gab auch noch im 19. Jahrhundert eine starke starke Zuwanderungswelle, guck mal in ein Telefonbuch vom Ruhrgebiet.
     
  4. Dem werde ich sicher mal folgeleisten...aber kann ich mir durchaus vorstellen, in Graz ist es auch so...erstaunlich wie viele Kovac's und namen mit den Silbe -ic, -itz und -czek es hier gibt.
     
  5. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Oder das who´s who des dt. Fussballs
    Sawitzki, Littbarski, Kuzorra, Szepan, Szymaniak, Tilkowski, Libuda......
     
  6. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Auch leicht verächtlich "Pott-Polen" genannt.
     
  7. Sapanibal

    Sapanibal Neues Mitglied

    ich hätte da mal eine frage: habt ihr bilder von schmuck der slawen? ich habe zwar schon vieles, bin aber auch immer auf der suche nach neuem. und zwar interessiert mich der zeitraum zwischen völkerwanderung und "ende" mittelalter.

    zur frage der bevölkerung würde ich sagen, wir können tatsächlich nur von mischbevölkerungen sprechen, und zwar in ganz europa. oder wir gehen, da die herkunft vieler doch zumindest fraglich ist, von den grenzen aus, die es seit mehreren jahrhunderten gibt.

    in leipzig gibt es eine forschungsstelle für die namensforschung. das ist sehr interessant, wie verbreitet oder auch nicht namen sind, was sie bedeuten und wo der ursprung sein könnte.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Und deshalb gibt es in der Ruhrgebietssprache auch - neben den vielen polnischen Namen - auch eine Menge polnischer Lehnwörter. Z.B. Mottek, oder roboten. (Kennst Du den Hosensong für Clockwork Orange? "In einer Welt in der man nur noch lebt, damit man täglich roboten geht...")

    Der Roboter als Substantiv ist allerdings eine relativ junge Entlehnung, deren terminus post quem sogar datierbar ist. Um die vorletzte Jahrhundertwende hat nämlich ein Tscheche einen Science-Fiction-Roman geschrieben, in dem er eine Welt von nicht-menschlichen Arbeitern beschrieb. Ich gehe davon aus, dass man bie tante Wiki mehr herausfindet


    Das archäologische bzw. ur- und frühgeschichtliche Seminar der Universität Leipzig befasst sich sehr intensiv mit den Elbslawen. Schau doch mal auf deren Website (obwohl ich da jetzt nichts gefunden habe). Auch beim Deutschen Archäologischen Institut bist Du immer an der richtigen Adresse. Hier ein Bsp.: Slawen an der unteren Mittelelbe - Untersuchungen zur ländlichen Besiedlung, zum Burgenbau und zu Besiedlungsstrukturen an der Nordgrenze des linonischen Siedlungsgebietes

    Das steht völlig außer Frage, abgesehen vielleicht von einigen Peripherien.
     
  9. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Ich hatte mal wieder fälschlich angenommen, dass das zur Allgemeinbildung gehört: Karl Capeks R.U.R. (R.U.R. ? Wikipedia) ist so ein Klassiker wie (um die selbe Zeit!) Fritz Langs Metropolis...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 29. August 2008
  10. Artorius

    Artorius Aktives Mitglied

    Der Name der Stadt Chemnitz, zum Beispiel, geht auf die slavische Bezeichnung des Flusses zurück, an der sie gegründet wurde: Kamjenica - Steinbach.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. August 2008
  11. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das stimmt schon, nur das Verb "roboten" und die Bezeichnung "Robote" (Frondienst) sind in einigen Regionen schon aus dem Mittelalter bezeugt.

    Dem Chemnitzer Patrioten sei es nachgesehen, aber was glaubst du wohl wann ich fertig sein würde, wenn ich sämtliche slawischen Ortsnamen nur aus McPomm aufschreiben würde.

    Die Stadt Stralsund liegt am Strelasund, prima slawisch-nordisch gemixt. Muss ich übersetzen was Strela heißt? Speziell @Sergej wird es wissen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. August 2008
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du hast den falschen Part meines Beitrags zitiert. Dennoch lasse ich Deinen Einwand gelten - ich habe im Lexer nachgeschlagen und tatsächlich das Substantiv robât(e) 'Fronarbeit' und das Verb robâten, 'fro(h)nen' gefunden.
     
  13. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Das ist nicht unbedingt nur ein Chemnitzer (Lokal-)Patriotismus, sondern läßt sich bspw. auch für Ortsnamen bis ins Erzgebirge feststellen, die an entsprechenden Flußläufen des Flußsystems Mulde gelegen sind, welche slawische Namen tragen. Beispiele dafür sind Zschopau eben an der Zschopau (Bedeutung umstritten, aber möglicherweise svw. "die am Fels Tosende") oder auch Orte an den beiden Quellflüssen der Chemnitz - westlich an der Würschnitz (entweder "Hügelbach/oberer Bach" oder "Fischreusenbach") die Ortschaften Neuwürschnitz (hervorgegangen aus dem im Spätmittelalter begründeten Oberwürschnitz) und Niederwürschnitz sowie östlich an der Zwönitz ("klingendes Wasser") die Stadt Zwönitz.
    Anm.: Es handelt sich im Übrigen jedoch bei diesen Orten nachweislich um deutsche Gründungen.

    Von weiteren Beispielen im Erzgebirge oder gar anderen Gegenden im heutigen Sachsen spreche ich dabei noch gar nicht...

    Wie dem auch sei, hier noch ein interessantes Buch dazu: Ortsnamen Südwestsachsens: Die ... - Google Buchsuche



    Gleichwohl kommt mir dabei aber eine Frage zur Besiedlung des Erzgebirges in den Sinn, zumal auch der Reisebericht des Ibrahim ibn Ya'qub erwähnt wurde...

    Vorbemerkung dazu: Bis ins 11. Jh. gilt dieser Raum als weitestgehend unbesiedelt bzw. unerschlossen (vgl. dazu bspw. auch Sebastian Brather "Archäologie der westlichen Slawen..."), und erst ab dem 12., richtig sogar erst ab dem 13. Jh. wird von (dann deutscher) Besiedlung gesprochen. Laut des angesprochenen Reiseberichts heißt es über diese Gegend:
    Anmerkungen von mir in Klammern im zitierten Text...

    Wie oben ausgeführt tragen einige Flußläufe slawische Namen, welche auf spätere deutsche Siedlungen übergingen; es gilt jedoch mW als unwahrscheinlich, daß es im Erzgebirgsraum slawische (Dauer-)Besiedlung gab. Andererseits wird wiederum eingeräumt, daß die slawischen Namen der Flußläufe darauf zurückgehen, daß sie als Orientierungsnamen (bspw. eben für Fischfang) gedient haben könnten bzw. es an derartigen Flußläufen vorübergehend slawische Siedlungen gegeben haben könnte.
    Weiß jemand dazu etwas Genaueres bzw. kennt jemand dazu andere Forschungsstände?

    PS: Es geht dabei um slawische Besiedlung, nicht um deutsche Gründungen mit "gemischter" Bevölkerung (denn dieses Faktum dürfte unbestritten sein).
     
  14. BOIORIX

    BOIORIX Neues Mitglied

    Lehnworte

    Eure Dikussion war mir bis heute entgangen, zudem der Gegenstand nicht so ganz meine sache ist.
    Aber ich bin schon vor langem zweI Worten begegnet, die mir Kopfzerbrechen gemacht haben:

    1. In Grimmelshausens "Simplizius" nennt der kleine Simplex , sichtlich im Dialekt,seinen rheinpfälzischen Vater "Knäs" (Kniaz?). Wie kommt er dazu?

    2.Der südliche Abhang des Schwarzwalds ist der "Hotzenwald".Besteht da ein Zusammenhang mit den tchechischen "Choden"? mit den "Huzulen"? Alle drei Gruppen sind "Waldler".Also slavisch/germanische Isoglossen. Aber so begrenzt?
    Soweit man auch zurückgeht, diese Gegenden , Rheinpfalz und Oberschwaben, hatten doch keinen Kontakt von und nach Osten?
    Ich stelle also diese Fragen an Euch Sachkenner ubd bin sehr gespannt....

    Gruss Boiorix
     
  15. Strupanice

    Strupanice Neues Mitglied

    Ob dies tatsächlich aus dem Slawischen entlehnte Wörter sind, mag ich nicht zu sagen. Doch gibt es durchaus planmäßige Umsiedlungsaktionen der fränkischen Könige, wobei auch die slawischen Siedler aus den ostfränkischen Gebieten (östlich der Saale) im 8. und 9. Jh. im Inneren des Reichs angesiedlet wurden.
    Nachgewiesen ist dies z.B. für den Raum der mittleren Werra im Grenzgebiet Thüringen/Hessen/Bayern.
     
  16. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Da muss der Südschwabe eingreifen.
    Nur aus dem Kopf:
    Der Hotzenwald ist ein Begriff, der erst im 19. Jahrhundert entstanden ist, er geht glaube ich, auf Viktor von Scheffel zurück. (Trompeter von Säckingen)
    zuvor war das lediglich ein "Übername" für die Bewohner des Südlichen Schwarzwaldes. Der, wenn ich mich richtig erinnere, auf ihre Kleidung (Tracht) zurück geht.

    OT: Von Scheffel stammt übrigens der Spruch: "Vom Durst redet keiner"
    soll heißen: man hört immer mal wieder, dieser oder jener würde viel trinken, was der aber für einen fürchterlichen Durst auszuhalten hat interessiert keinen.
     

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