Wie forscht man wissenschaftlich?

Dieses Thema im Forum "Archäologie" wurde erstellt von Nimrud, 2. August 2007.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn Du bei der Arbeit mit Quellen noch unsicher bist, stellst Du am besten erstmal W-Fragen:
    Wer hat die Quelle verfasst?
    An wen wurde sie gerichtet? Achtung! Manche Quellen (z.B. Ciceros Briefe an Atticus als klass. Bsp.) richten sich formal nur an eine bestimmte Person, sind aber in Wirklichkeit zur Veröffentlichung und Öffentlichkeitsbeeinflussung gedacht.
    Was
    ist ihre Aussageabsicht? Diese Frage kannst Du vielleicht an das Ende schieben, da sie schon die Analyse verlässt und Interpretation ist.
    Wieso wurde sie verfasst? Der Anlass - kann von den Forderungen (siehe "was") abweichen.
    Unter Umständen ist es interessant, wo die Quelle verfasst wurde. Um dass Cicero-Atticus-Bsp. aufzugreifen: Cicero schrieb die Briefe auf dem Weg nach Athen in die Verbannung. Das kann u.U. wichtig sein.
    Diese Fragen solltest Du im Hinterkopf behalten, sie geben Dir Gelegenheit, dich in die Quelle hineinzudenken und legen Dir Interpretationsmöglichkeiten offen. Es ist natürlich sinnvoll, dass Du, wenn Du über eine Quelle sprichst kurze Passagen und Schlagwörter aus der Quelle zitierst und, wenn Du sie im Kopf hast, im Unterricht besprochene oder privat gelesene Historikermeinungen heranziehst. Am wichtigsten ist aber, dass Du Deine eigene Meinung anhand dessen was in der Quelle steht, begründen kannst.
    Der kritische Vergleich mit einer anderen Quelle funktioniert natürlich nur dann, wenn Du eine andere Quelle zur Hand hast, oder so gut kennst, dass
    Du sie halbwegs sicher und sinngemäß wiedergeben kannst (hier wird keiner ein genaues Zitat oder eine Stellenangabe erwarten).
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Eine Frage habe ich überlesen, daher etwas später:

    Nein, bitte nicht! Der Artikel eines Historikers zum Thema ist i.d.R. keine Quelle! Natürlich kann ein Historiker B den Artikel eines Historikers A als Quelle lesen, aber nur dann, wenn er die Wahrnehmung der Geschichtswissenschaft zu Lebzeiten des Historikers A untersuchen möchte. Wenn ich etwa einen Artikel von Otto Brunner über die Frühe Neuzeit lese, ist das keine Quelle zur Geschichte der Frühen Neuzeit, aber ich kann ihn als Quelle zur Bewertung der Frühen Neuzeit in Nationalsozialismus und früher Nachkriegszeit lesen. Wenn ich aber Otto Brunners Artikel zur Frühen Neuzeit lese, weil ich mich mit der Frühen Neuzeit beschäfte, dann handelt es sich um (fachwissenschaftliche) Literatur. Also bitte Texte immer in Quellentexte und Literatur unterscheiden.
     
  3. Gast

    Gast Gast

    Frage zu Primär- und Sekundärquellen

    Liebe User,

    ich braüchte dringen eure Hilfe. Folgendes ich werde am Montag ich Fach Geschichte mündlich geprüft und brauche eueren Rat. Ich bekomme einen Text entweder eine Primär oder Sekundärquelle wie unterscheide ich sie von einander und gibt mir bitte ein verständliches Beispiel das auf Wikipedia hat mich nicht so richtig weitergebracht. Und ich bräuchte einen Einleitungsatz für den historischen Kontext. Wenn ihr mir einen Tip geben könntet wäre das sehr lieb. Ich habe nur so eine Panik weil mein Geschichtslehrer zu mir sagte:"Passen sie bloss auf was sie sagen überlegen sie es sich gut."Naja. ich bedanke mich schonmal im Voraus!!

    LG

    Anika
     
  4. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Ist der Text aus der Zeit heraus entstanden, also gewissermaßen ein Beispiel für sie (Primärquelle) oder wurde er bewusst für die Überlieferung und als Geschichtswerk gemacht (Sekundärquelle). Es hängt sehr stark von der Fragestellung ab und wie sich die Intention des Autoren dazu verhält.
    Ist es ein Beispiel für die in der Frage angesprochenen Thematik oder versucht der Text selbst die Frage zu beantworten.
    Standardeinleitungen für den Kontext halte ich für eine schlechte Idee, lieber etwas passend zum Thema formulieren, damit es nicht steif und auswendiggelernt wirkt.
     
  5. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Eine Primärquelle ist ein Text aus der Zeit, der die Thematik behandelt (für gewöhnlich). Eine Sekundärquelle ist ein neuerer Text, der sich auf eine Primärquelle stützt. (Wenn ich hier Themistokles wiederhole, so bitte ich um Verzeihung :) )

    Eine Primärquelle wäre z.B. ein Brief von W.A. Mozart an sein "Bäsle" und eine Sekundärquelle wäre ein Text, der sich mit diesem Brief befasst und ihn in einen größeren Kontext bringt (z.B. die Thematik um das Verhältnis Mozarts zu seinem Bäsle).

    Was Einleitungssätze angeht: Ich hab es mir zur Gewohnheit werden lassen, die Texte, die ich zur Vorbereitung bekomme gezielt auf die Fragestellung hin durchzulesen - wichtig dabei ist immer, die Fragestellung genauestens zu lesen, denn wenn du die Frage nicht oder falsch verstehst, ist es praktisch unmöglich, sie richtig zu beantworten - und dann in Gedanken einen Satz auszuformulieren, der die Fragestellung am präzisesten und kürzesten beantwortet. Auf den stütze ich dann meine Argumentation. Funktioniert also nicht viel anders als ein Aufsatz. Vorher einen Satz auszuformulieren wird nicht funktionieren, denn du musst ihn ja der jeweiligen Fragestellung anpassen. Es nutzt nichts, wenn du dir jetzt schon einen Satz zurechtlegst, den du dann nur halb gebrauchen kannst, das macht dich im Fall eines Falles nur nervös.

    Und generell gilt bei Prüfungen: nicht den Kopf verlieren... Viel Glück :yes:
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Leider sehe ich das erst jetzt, beim Zusammenführen verschiedener Threads: Hier liegt ein falsches Begriffsverständnis vor - sorry Foxy!
    Eine Quelle ist für den Historiker immer ein historisches Zeugnis, keine wissenschaftliche Stoffbearbeitung. Ob es sich um eine Primär- oder eine Sekundärquelle handelt, das wird dadurch entschieden, wie a) die Quellensituation ist und wie b) die Quelle im Verhältnis zur historischen Fragestellung steht. Z.B. ist Einhards Karlsvita eine Primärquelle gegenüber einer Quelle zu KdG aus der Ottonenzeit, aber mitunter nur eine Sekundärquelle gegenüber einer von Karl ausgestellten Urkunde zu einem Ereignis, dass Einhard erwähnt, da die Urkunde unmittelbares Zeugnis ist, Einhard oder gar die Quelle aus der Ottonenzeit nur mittelbare Zeugnisse sind.
    Was die Forschungsliteratur angeht, so spricht der Historiker i.d.R. nur von Literatur, da eine Unterscheidung zwischen Literatur und Sekundärliteratur als nicht notwendig erachtet wird. Der Begriff Sekundärliteratur wird vor allem in der Literaturwissenschaft verwendet, wo zwischen Goethes West-östlichem Diwan ((Primär-)Literatur) und Katharina Mommsens Goethe und der Islam (Sekundärliteratur) die Unterschiede deutlich gemacht werden sollen.
     

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