Wie haben die römischen Hilfstruppen geschleudert?

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Backup, 19. März 2004.

  1. Backup

    Backup Gast

    Frage von slinger :

    Wie haben die römischen Hilfstruppen geschleudert? Mir geht es vorallem um die Technik. Wenn irgendjemand etwas darüber weiß bzw. Literatur kennt so schicke er mir unbedingt eine Nachricht.

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    Beitrag von Bruno :

    Die römischen Hilfstruppen benutzten Steinschleudern.
    Wie sie heute noch in arabischen Ländern von Viehirten
    verwendet werden.
    David benutzte so eine Schleuder.
    Die Schleuder beteht aus einem Stück Leder an dem zwei Lederriemen befestigt sind.
    Der Stein wird in die Ledertasche eingelegt,dann lässt man das Ganze über dem Kopf kreisen.
    Sobald man einen der Riemen loslässt pfeifft der Stein ab.
    Es braucht natürlich einiges an Übung bis man etwas trifft.
    Benutzt wurden flache Steine,Tonkugeln und Bleigeschosse
    von ca. 200 gr. Gewicht.
    Die maximale Schussweite mit Bleikugeln beträgt bei einem
    Abgangswinkel von 45° ca. 200 Meter.
    Die wirksame Gefechtsentfernung war bei 60 Metern.
    Die Bleikugel haben zum Teil Inschriften wie " nimm das " oder " voll in die Fresse."


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    Frage von fitz :

    puh bin ich froh das ich das hier gefunden habe!! ich bin Jugendgruppenleiter bei einer Pfadfindergruppe und wir wollen mal solche schleudern bauen!
    ich würde mich total doll freuen wenn ich noch genauere Infos zu diesen Schleudern haben könnte (länge der lederriemen und größe der lasche und soll man einfach n Quadrat ausschneiden oder iss das eine Art beutel in den man den Stein reintut??) ich weiß das sind ein haufen fragen abre ich hoffe mir kann die jdm beantworten!!!

    Vielen Dank
    Fitz

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    Antwort von Roland :

    ich hbae noch was im lma gefunden - vielleicht hilft dir das weiter:

    Schleuder,
    von Hirten erfundene, als Band- oder Stocks. verwendete Fernwaffe. Hauptstück ist ein ovaler Lederfleck als Lager für das Wurfgeschoß (Stein, Tonkugel, zweispitziges Bleistück) mit zwei angeknüpften Enden aus Band oder mehrfach verflochtenen Schnüren. Bei der Bands. wurde das eine Ende um die Finger gewickelt, das andere nur gehalten und beim Schwingen losgelassen, worauf sich der Lederfleck öffnete und das Geschoß freigab. Bei der Stocks. war das eine Band nahe dem Stockende befestigt, das andere Band geschlitzt und über das Stockende geschoben oder dort in einen Haken eingehängt, von dem es sich beim Schwingen löste.
    Schleuderer gab es als Plänkler in fast allen Heeren der Antike. Im MA wurden sie bes. in den Heeren Süd- und Westeuropas verwendet. Berühmt für ihre Treffsicherheit waren Schleuderer von den Balearen.

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    Antwort von Michael Bitzer :

    hallo fitz,
    wende dich doch mal an die reenacter, jede menge pages unter google, da gibt es spezialisten für sowas!

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    Dankeschön von fitz :

    danke sehr ihr beiden
     
  2. Noch ein guter Link zum Schleudern, ich habe ja jetzt seit ein paar Wochen damit angefangen und es ist genial, die Wucht und die Durchschlagskraft, wenn man mal sein Ziel trifft sind ebenso enorm wie die Reichweite. Und Munitionsnachschub gibt es überall auch genug, dazu sind Schleudern auch bei Regen einsetzbar und ja nicht so empfindlich als Waffe wie der Bogen. Meiner Meinung nach wird die Schleuder als Waffe in der Antike massiv unterschätzt, daß war in den Händen von Könnern die beste und schlimmste Fernwaffe.

    http://www.slinging.org/gallery.html
     
  3. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Aktives Mitglied

    Dazu leicht herzustellen.
    Ich schleuder jetzt auch seit ein paar Wochen und muß sagen: gut das ich nen großen Hof habe und immer allein übe!
    Dabei haben sich verschiedene Techniken als verschieden effektiv erwiesen. Mit einem von unten geschleuderten Stein erreiche ich mehr "wums" und größere Distanz, während ich mit einem "Überkopfschuß" deutlich präziser bin...
     
  4. Marbod

    Marbod Mitglied


    Jepp, seh ich auch so. Als ich noch ein kleiner Teenager und von Cowboy und Indianer Spielen geprägt war, hab ich immer die Nase über antike Schleuderer gerümpft. Das werd ich heute ganz bestimmt nicht mehr tun. Ich vermute, dass der Bogen deswegen der Schleuder auf Dauer den Rang abgelaufen hat, weil man ihn auf dem Pferd einsetzen konnte. Durch die Hunnen hat diese Art der Kriegsführung in der Spätantike ja massiven Einzug in die militärische Praxis gehalten und sich dann ja auch durchgesetzt.
     
  5. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Aktives Mitglied

    Der Bogen hatte sich auch vorher schon durchgesetzt. Schon die Perserheere setzten in einem riesigen Maßstab auf ihn, ebenso die Ägypter, nicht zu vergessen die Skythen, Parther...

    Der Vorteil eines Bogens ist nicht nur die Möglichkeit, ihn vom Pferderücken einzusetzen, sondern auch das mangelnde Risikos eines "Fehlschußes", der bei der Schleuder immer dabei ist, soll heißen, das Geschoß löst sich nicht unbeabsichtigt zu früh und trifft den Mann hinter mir.
    Dazu kommt die leicht erlernbare Präzision dieser Waffe, während man mit der Schleuder doch ein gewisses Geschick beweisen muß.
    Außerdem gehe ich von einer größeren Effektivreichweite beim Bogen aus.
    Auch kann die Durschlagskraft bei einem Bogen vor aller späterer Bauart wesentlich höher sein.

    Dagegen spricht für die Schleuder die einfache Bauart und ein unerschöpflicher Munitionsvorrat sowie eine ausgesprochen hohe Feuerrate (schleudern und nachladen kann zu einer Bewegung werden. Außerdem ist sie so klein, dass sie als Ausrüstung kaum ins Gewicht fällt.

    Es wäre interessant einen geübten Schleuderer gegen einen geübten Bogenschützen zu stellen.
     
  6. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Ich schleudere auch schon eine Weile und kriege den mit vertikalem Schleudern schon halbwegs brauchbare Ergebnisse hin. Wie schaffe ich es, dass bei horizontalen Schleudern der Stein auch nach vorne abzischt (meine fliegen immer 45° zu weit nach links, ich bin Rechtshänder)?

    Zum Vorteil des Bogens würde ich sagen, dass die Schleuder hauptsächlich in eher trockenen Gebieten wie Ägypten, Palästina genutzt wurde. Dort gab es viele Steine, aber wenig Holz welches sich zum Bogenbau eignet. Das sieht in Europa anders aus, wo alle mir bekannten Bäume fü Bogen (Esche, Eibe, Ulme) wachsen. Auch lassen sich Pfeile in größeren Mengen, aufgrund ihres kleineren Gewichts, besser tragen. Als letztes kann ich mir nur Schwer das Schleudern in dichter Formation oder auf einer Mauer mit hoher Brustwehr vorstellen
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. September 2004
  7. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Aktives Mitglied

    Dafür ist der Bogen sperrig und will mit einer gut gepflegte und trockenen Sehne gespannt werden. :D Nicht zu vergessen das die Spannung bei den richtig antiken Bögen mit jedem Schuß abnahm.

    Meiner Erfahrung ist genau anders rum. Schleudere ich seitlich, geht jeder dritte Schuß zu weit rechts oder links ab...
    Wenn du beim senkrechten Schleudern eine seitliche Abweichung hast, dürftest du eine falsche Haltung einnehmen, sprich, du hälst deinen Wurfarm etwas schräg beim schleudern. Zumindest kann ich es mir sonst nicht erklären.
     
  8. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Man müsste auch mal die Schutzmöglichkeiten vor den Geschossen bedenken.

    Schilde lassen sich mit Pfeilen durchschlagen, ausgegangen von einem Wikingerbogen Nachbau und einem Holzschild mit einer Dicke von 1cm aus. Da in Europa dass Klima kälter ist als an der Mittelmeerküste ist auch die Kleidung dicker, was das Schleudergeschoß abbremsen könnte.
    Als Rüstung war im Mittelalter das Kettenhemd weit verbreitet, obwohl es vor Pfeilen kaum schützt.
    Die Schleuder Geschosse dürften nur bei einem"Kopfschuss" sofort tödlich sein, allerdings auch bei einem Helm. Falls eine Gliedmaße Getroffen wird hat man entweder eine Prellung, wenn nicht sogar Knochenbrüche (je nach Panzer), oder einen Pfeil im Arm stecken, was zu Blutverlust, eingeschränkter Bewegungsfreiheit und einem großen moralischen Effekt führt. Das letztgenannte ist vielleicht sogar das schlimmste.
     
  9. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Aktives Mitglied

    Tödlich war eine Wunde durch ein Bleigeschoss oft genug, egal wo sie lag. Immerhin führten die Rückstände und Teilchen von Blei darin zu einer satten Blutvergiftung.
    Auf welche Distanz habt ihr euren Versuch mit dem Bogen durchgeführt?

    Schleudern sind auf jedenfalls gegen schwere Infanterie nicht so gut geeignet, wie Pfeile und diese wiederum nicht so gut wie Pila...
    Aber z.B. gegen Kavallerie haben sie eine verheerende Wirkung (wenn sie nicht niedergeritten werden). DIe Pferde werden einen Hagel aus Geschossen nicht lange geduldig hinnehmen, und rasch durchdrehen, ganz abgesehn von der Vielzahl der schmerzhaften Treffer am Reiter.
     
  10. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Der Bogenversuch stammt nicht von mir, ich habe davon in einem Beitrag von Jürgen Junkmann im "Bogenbauer-Buch" gelesen. Eine Entfernung wurde nicht angegeben. Außerdem habe ich ähnliches in einem von experimentelen Archäologen nachgebauten Slawendorf an Kap Arkona gehört.

    Was die Pferde betrift glaube ich das ein Pfeilhagel sie ähnlich stören würde und schlimme Verletzungen bei ihnen hervorruft.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. September 2004
  11. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Aktives Mitglied

    Das sowieso :D
    Aber wir haben Versuche mit dreilagigen Schilden und Reflexbögen auf knapp 70 Meter Distanz geschossen. Drei Volltrefer ergaben eine Durchdringung, ohne das der Pfeil auf der Rückseite durchstieß, sprich man sah ihn aber er steckte.
    Kein Pfeil ist durchgeschlagen.
    Anders sieht das beim Pilum aus...
     
  12. Qerasija

    Qerasija Neues Mitglied

    ein witziger Gedanke dazu ist, dass die Griechen die Feinde, wenn sie von solch einem Geschoss getroffen wurden, als "geschwängert" bezeichnet haben ;)
     
  13. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Ich möchte mir im Sommer Bleigeschosse gießen und wollte noch mal fragen ob ihr mir ein paar „Aufschriften“ nennen könnt, die für diesen Zweck verwendet wurden/von mir wieder genutzt werden können. Bis jetzt habe ich nur den Spruch ΔΕΞΑ (Ein Fehler beim letzten Buchstaben kann ich nicht ausschließen), der mit „Nimm das“ übersetzt wurde. Die 2 Inschriften, die hier früher genannt wurden, sind mir etwas zu lang.
     

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