Wie konnte es Hitler gelingen, Handlanger für seine fanatischen Ziele zu gewinnen?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Bommel, 5. April 2011.

  1. Bommel

    Bommel Neues Mitglied

    Guten Tag, ich habe mich hier neu angemeldet, aber kann es nicht im entsprechendem Teil posten, wegen den Rechten, aber es interessiert mich einfach so extrem, deswegen frage ich hier:
    Wie konnte es Hitler gelingen, Handlanger für seine fanatischen Ziele zu gewinnen?
    Ich hoffe ihr könnt mir gute Antworten geben.
    Vielen Dank
     
  2. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Wen meinst du mit Handlanger?
    Wenn du Goebbels & Co. meinst, wie wärs mit der naheliegendsten Version: Sie glaubten an Hitlers Ideologie.

    ?
     
  3. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Eine Frage, war es Hitlers Ideologie?...Okay, Hitler = Faschismus, aber Faschismus = Hitler? :confused:
     
  4. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Nein aber Nationalsozialismus.
    Hitler = Nationalsozialismus.
    Der NS ist ganz klar faschistisch, aber hat noch andere Komponenten, wie den Antisemitismus.
     
    1 Person gefällt das.
  5. xlSPQRlx

    xlSPQRlx Neues Mitglied

    Da spielten viele Faktoren eine Rolle:

    - Vertrag von Versilles (1918) nach dem ersten Weltkrieg (Deutschland musste Reperaturschulden bezahlen)

    - hohe Arbeitslosigkeit

    - Wirtschaftskrise (Inflation)

    - Hitler "neutralisierte" sozusagen seine polit. Gegner (vgl. Reichstagsbrand -> machte die Kommunisten dafür verantwortlich)

    - Dolchstoßlegende

    - Hilfe von Hindenburg

    Schaue dir das mal an:
    Adolf Hitler ? Wikipedia
    Dolchstoßlegende ? Wikipedia
    Machtergreifung ? Wikipedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. April 2011
  6. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Das hab ich nie angezweifelt.
    Den Faschismus hast du ins Spiel gebracht.

    Trotzdem, so finde ich, klingt es besser zu sagen:

    "Goebbels & Co. glaubten an Hitlers Ideologie."

    Anstatt:

    "Goebbels & Co. glaubten Benito Mussolinis Idee des Faschismus, jedoch deutscher Prägung wie ihn Adolf Hitler vertrat."

    Klingt so umständlich, und ich mags einfach.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. April 2011
  7. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Wowow, du bringst hier die Entwicklung zum Nationalsozialismus mit desen Verwirklichung nach 33 durcheinander.

    Wie willst du z.B. einen Zusammenhang, zwischen dem Nationalsozialismus ab 33 und dem VV von 1918/1919 herstellen?

    Und die Dolchstoßlegende, ist ein vom Nationalsozialismus aufgegriffene Geschichte, die keine sachliche historische Begründung hat.

    Setzten, Sechs!
     
  8. stormy

    stormy Neues Mitglied

    Wirtschaftskrise (Inflation) ?
    Nunja, also 1923 gab es vielmehr eine Hyperinflation und bei der Weltwirtschaftskrise eine DEFLATION (1929).
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    In derf Tat liegt die Antwort auf die Frage, wie Hitler Handlanger für seine Ziele gewinnen konnte, zwar natürlich in der Ideologie, das eigentlich erschreckende ist aber, dass bei weitem nicht alle seiner "Handlanger" auch wirklich entsprechend ideologisiert waren, selbst spätere Rückgriffe der Täter auf die Ideologie sind nicht unbedingt ein Zeichen dafür, sie sollen nur die Taten rationalisieren (etwa Euphemismen wie "Bandenbekämpfung" für die Morde an Teilen der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten).

    Um also Antworten auf die Frage zu finden, muss man auf sozialpsychologische Thesen und Experimente rekurrieren, etwa Milgram oder Stanfort Prison. Die Ergebnisse diese Experimente haben die Psychologen veranlasst einige Strategien zu beschreiben, die dazu beitrugen, "ganz normale Männer" zu gefügigen Mördern zu machen.
     
  10. Bommel

    Bommel Neues Mitglied

    Danke schoneinmal.
    Also das mit der Ideologie scheint sinnvoll, aber ich denke, dass nicht alle wirklich daran geglaubt haben. Könnte es sein, dass sie Angst hatten, wenn sie nicht "mitschwimmen", was haltet ihr davon?

    Das mit den Theorien hört sich interessant an.
     
  11. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Also "Handlanger" im Sinne einer aktiven Unterstützung:

    Handlanger =
    1. aktive Parteimitglieder
    2. aktive Sympathisanten

    aber keine passiven Mitläufer oder Wähler, die aus welchen Gründen auch immer, die NSDAP gewählt haben.

    Vor diesen Hintergrund wurde die Entstehund der NS-Bewegung bzw. Revolution bereits diskutiert.

    In ähnlicher Sichtweise wie es EQ thematisiert hat.

    http://www.geschichtsforum.de/f66/der-nationalsozialismus-eine-jugendbewegung-33000/

    Dabei spielen natürlich eine Vielzahl von Umgebungsfaktoren in die Entwicklun mit herein
     
  12. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    @Bommel

    Bitte beantworte mir doch mal die Frage aus #2:
    Was meinst du mit "Handlanger".
    Die Kamarilla um Hitler (Goebbels, Göring & Co.) oder den Deutschen, der nach '33 brav und enthusiastisch dem Führer folgte und Befehle, auch wenn es Befehle für ein Verbrechen waren, befolgte?
    Oder beides?
     
  13. stormy

    stormy Neues Mitglied

    Worauf willst du genau hinaus?
    Spielst du auf eine Kollektivschuld der Deutschen an?
     
  14. Bommel

    Bommel Neues Mitglied

    @iamNex
    Ja damit meine ich Goebbels, Frick, Funk, Heß, Goering, Fritzsche und wie sie doch alle hießen.

    @stormy hmmm..Kollektivschuld der Deutschen. Nunja, es war ja fast jeder in der NSDAP, aber ich meine nur speziell die bekannten, nicht die Deutschen allgemein, also z.B. die genannten Namen. Sozusagen auch die, die bei den Nürnberger Prozessen verurteilt wurden.
    Fritzsche zum Beispiel war Nachrichtensprecher, der sozusagen Propaganda betrieben hat. Er wurde allerdings in NP freigesprochen. Er scheint mir nicht wirklich an diese Ideologien geglaubt zu haben. Er hat nur ausgeführt, was ihm gesagt wurde.
     
  15. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    In der Gruppe gab es eben Leute, die an die Ideologie glaubten, Leute die nur an Hitler selbst glaubten, Karrieristen & Opportunisten.
     
  16. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Ich möchte mal die Frage nach dem Fanatischen in Frage stellen, die in Variationen durch die Nachkriegsgeschichte geistert:

    Von "Wie konnten wir uns von diesem Fanatiker nur verführen lassen?" bis zu "Welche Deutschen waren eigentlich so wahnsinnig und machten dabei mit?" wird das scheinbare Problem dabei in seiner gesamten Bandbreite aufgeworfen.

    "Scheinbar" nenne ich das Problem deshalb, weil der Bezug zum Fanatismus, zum Wahnsinn zwei Dinge leistet, eins jedoch nicht.

    1. Er leistet Distanz herzustellen zwischen den Wahnsinnigen "da oben" und den Normalen "hier unten". Einfacher: Zwischen dem Wahnsinnigen und dem Volk. Das wirkt übrigens nach: Über Welzers "Opa war kein Nazi" haben wir hier ja schon zu genüge diskutiert.

    2. Er leistet eine gefühlte Minderung individueller Schuld - es war halt ein Fanatiker, sein Fanatismus hat uns angesteckt, infiziert und eigentlich, eigentlich sind wir gar nicht so.

    Was er nicht leistet: Wer Hitlers Programm mit Begriffen wie "Fanatismus" o. ä. dauerhaft in Verbindung bringt, blendet aus, dass die Forderungen der NSDAP in weiten Teilen in der Bevölkerung mehrheitsfähig waren: "Versailles", "Dolchstoßlegende", "Arbeitslosigkeit", "Wirtschaftskrise", selbst das "Neutralisieren der Gegner" waren durchaus Punkte, mit denen Stimme zu machen war.

    Die Frage rückt also das Fanatische zu sehr in den Vordergrund und kann damit dazu dienen, Fragen nach weiteren Ursachen, wie z. B. nach dem Verhalten der "ganz normalen Männer"* in den Hintergrund zu drängen.



    * Vgl.: Browning, Christopher: Ordinary Men. Reserve Police Battalion 101 and the Final Solution in Poland, New York, HarperCollins, 1992, deutsche Ausgabe: Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen. Rowohlt, Reinbek 1993
     
    2 Person(en) gefällt das.
  17. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Um genau herauszufinden wie die von dir genannten zur Ideologie standen und ab wann sie Gefolgsleute wurden, musst du jede einzelne Biographie anschauen.

    Goebbels zum Beispiel hatte ab 1924 den ersten Kontakten mit nationalsozialistischen Kreisen. Hier aber noch zu Strasser. Ab 1926 war er dann bedingungslos an Hitler gebunden.

    Göring war seit 1922 in der NSDAP und machte am Hitler-Putsch mit.

    Und Hess um noch ein Beispiel zu nennen, war schon 1920 Mitglied der NSDAP.

    Sie alle glaubten an die Ideologie der NSDAP. Sie waren Antisemiten etc. Im übrigen entstand diese Ideologie nicht durch Hitler, die war vor ihm schon da. Siehe Strasser und die div. völkischen Bewegungen.


    Hans Fritzsche konnte sich gut verkaufen. Man konnte ihm nichts nachweisen und ihm auch nicht widerlegen, dass er nur ein Gutgläubiger war. Beim Nürnberger Prozess wurde er zwar freigeschprochen, was ihn aber nicht vor einer Verurteilung in Bayern schützte. Er wurde im Entnazifizierungsverfahren zu neun Jahren Arbeitslager verurteilt, kam bereits 1950 wieder frei. Danach gehörte er zum Naumann-Kreis. Dieser Kreis wollte aus der FDP eine NS-Kampftruppe machen. Soviel dazu er sei nicht hinter der Ideologie gestanden.
     
    1 Person gefällt das.
  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Guter Hinweis!

    Und das sollte man auch von den Polizeibataillonen und unmittelbar "händisch" tätig werdenden Mördern trennen. Schließlich gab es daneben zB einen Repressionsapparat, der sich gegen Widerstand in der eigenen Bevölkerung wie gegen die besetzen Länder richtete. Dazu weiterere Hinweise:

    Generation des Unbedingten: das ... - Google Bücher
    Elite im Verborgenen: Ideologie und ... - Google Bücher
     
  19. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Zu nennen ist hier auch die Rüstungsindustrie wie Flick, Krupp, Junkers, Herman Göring Werke etc.etc. die im Dienste des Vaterlandes immer mehr Zwangsarbeiter benötigten und brutal ausbeuteten und unmenschlich behandeln ließen. So ganz nebenbei hat man dann ganz groß Kasse gemacht.
     
  20. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ganz richtig.

    Und dann wären da noch die Wissenschaft
    Forschen für den Führer: deutsche ... - Google Bücher

    bzw. die Vorgänge an den Universitäten, den Gerichten, der öffentlichen Verwaltung wie zB der Finanzverwaltung usw. Einige dieser Bereiche sind hier auch schon im Forum behandelt worden.
    http://www.geschichtsforum.de/f66/drittes-reich-und-funktionselite-22608/
    http://www.geschichtsforum.de/f66/holocaust-wie-schaffte-es-hitler-9368/
    http://www.geschichtsforum.de/f66/frauen-als-ns-t-terinnen-35169/
    http://www.geschichtsforum.de/f66/organisation-der-arisierung-im-dritten-reich-36610/
     

Diese Seite empfehlen