Wie konnte sich gälisch in Irland bis heute durch setzen?

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von Backup, 21. März 2004.

  1. Backup

    Backup Gast

    Frage von Wolle :

    In Schottland u.Irland wird heute noch gälisch geprochen,sind sie die letzten Kelten?
    Ps.Für alle Kelten-Fans auf Arte kommt Heute 20:40Uhr "Auf der Spur der Kelten"eine Doku-Sendung.

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    Antwort von Hassiaceltica :

    Hallo Wolle,

    Scottland und Irland waren/sind die Randbereiche der "keltischen" Kultur. Sie waren weniger kulturellen Umbrüchen und Einflüssen ausgesetzt. Die Römer z.B. hatten nie wirklich Einfluß auf diese Bereiche.
    Deshalb konnten sich dort die keltischen Sprachen länger halten.
    Allerdings findest du auch in diesen gälischen Sprachen Einflüße und Lehenswörter aus dem Lateinischen, Englischen(Germanischen) und Französischen.
    Desweiteren sind es nur noch wenige Menschen, die Gälisch auch in diesen Regionen sprechen.
    Du findest "keltische" Sprachen auch noch in der Bretagne, Wales und auf der Ile of Man.
    In den letzten Jahren findet in diesen Regionen eine Rückbesinnung auf ihr kulturelles Erbe statt.
    Allerdings kann man auch hier nicht mehr von "keltischer" Kultur sprechen, sondern nur davon, dass der keltische Anteil größer ist, als in Zentraleuropa.
    (Wir finden auch im Deutschen noch Wörter aus dem keltischen: z.B. Eisen, Main, usw.)
    Ein gutes BEispiel sind die sog. keltischen Knotenmuster in Irland, die eindeutig nordischen Einflußes, als durch die Wikinger, sind.

    Schöne Grüße,

    Simon

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    Anmerkung von Legion :

    @Hassiaceltica "Du findest "keltische" Sprachen auch noch in der Bretagne, Wales und auf der Ile of Man." Widerspruch. Auf Ile of Man wird keine "keltische" Sprache mehr gesprochen. Dort gibt es sogar einen Grabstein wo steht - hier ruht der letzte Mann der "keltisch" (genaue Bezeillchnung des Dialekts kennne ich nicht mehr) sprach (sinngemäß).

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    Anmerkung von Hassiaceltica :

    Hallo Legion,

    da gebe ich dir teilweise Recht.
    Der letzte native Sprecher der Manx-Sprache (Y Ghailck) war Edward (Ned) Maddrell der 1974 starb.
    Allerdings gint es seit dieser Zeit ein Revival der Sprache.
    Derzeit gibt es ca. 600 Leute die die Sprache fließend sprechen. In einigen Schulen wird sie wieder als Unterrichtsfach angeboten. Das Radio und das Fernsehen senden Sendungen auf Manx.

    Mehr Infos unter:
    http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUID=40,156 %2C538%2C547&OCCURRENCEID=SL0011761691.SL001436887 4.5000065.3

    http://www.iomguide.com/manxlanguage.php

    Schöne Grüße,

    Simon

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    Anmerkung von Legion :

    @ Hassiaceltica. Cool!
    Ich hatte es mal in so einem Doku (6 oder 7 Teile) über die Kelten gesehen. Über den Revival sagten die leider nichts, meinten nur dass die Sprache ausgestorben ist. Sind wohl nicht auf dem laufendem, diese Doku-macher.
     
  2. Widukind

    Widukind Neues Mitglied

    In Irland wird die keltische Sprache eher künstlich am Leben erhalten.

    Sie ist für die Iren politisch wichtig, so wie das Neuhebräische für die Israelis.
     
  3. Nora

    Nora Neues Mitglied

    Dieser Thread ist zwar schon ein bißchen alt, aber ich gebe meinen verspäteten Senf trotzdem dazu.

    In Irland wurde in der ersten Hälfte des 19. Jh. von ca. 90 % der Bevölkerung immer noch der keltische Dialekt "Gälisch", oder wie es heute heißt "Irish" gesprochen.

    Wie oben schon angeführt hängt es auch grob damit zusammen, daß die Römer nicht so weit vorgestoßen sind, jedenfalls nicht so weit, daß sie das Land kolonialisieren konnten. Die Sache ist jedoch um einges komplexer, um sie hier in Gänze darzustellen.

    Durch die englische Kolonisierung kamen natürlich viele anglo-romanische Wörter hinzu. Aber das ist lingusitisch nicht ganz geklärt, welche Sprache dominant war. Zum Beispiel das irische cashel (was sich im Irischen noch mal anders schreibt, entspricht dem englischen castle oder dem deutschen Kastell. Das mag auch an dem normannischen Einfluß gelegen haben. Sprache im europäischen Raum ist ja sehr komplex.

    Die Iren mußten seit den penal laws, als die englischen Kolonialherren versuchten, alles Irische zu unterdrücken, schlichtweg Englisch lernen, um in den Genuß von Erziehung, Arbeit und Grundbesitz zu kommen. Es war buchstäblich Herrschaftssprache. Hinzu kam gerade im 19. Jh. die Auswanderung vor allem nach Amerika, wo Englisch bereits die dominante Sprache war.

    Je weiter das Selbstbewußtsein der Iren im späten 19. Jh. und im frühen 20 Jh. voranschritt- auch dank Yeats u.a. , obwohl die meist aus dem anglo-irischen Bürgertum kamen - desto mehr wurde auch das Irische populär und letztlich zum Brennpunkt der kulturellen Identifikation. Seit 1937 ist es auch per Verfassung die erste Amtsprache Irlands. Auch im heutigen Europa. Guckt mal in Euren europäischen Pass.

    Irisch, also Gälisch, ist heutzutage Pflichtfach an allen irischen Schulen. Mehr und mehr gibt es auch Schulen, die den gesamten Unterricht auf Irisch durchführen, was besonders in städtischen Bereichen beliebt ist.
    Ein höheres Amt, in Deutschland heißt das Öffentlicher Dienst, darf und kann man in Irland ohne Zeugnis in Irisch nicht innehaben.

    Und jedes Jahr werden die Kinder im Sommer in die Gaeltacht geschickt, um unter Strafandrohung nur Irisch zu sprechen - und zu lernen.
    Die Gaeltacht sind die offiziell rein Irisch-sprachigen Gebiete, die es noch immer gibt. Donegal gehört dazu, Teile von Kerry, und vor allem die Aran-Inseln vor der Küste von Clare, wo noch heute die Muttersprache Irisch ist. Nur mit Touristen spricht man Englisch.

    Aber Englisch sprechen alle in Irland. Es sind übrigens laut Statistik ca. 60.000 Iren, die ihre irische Muttersprache noch immer fließend beherrschen.

    Und dann ist da noch die Bedeutung der Sprache in Nordirland. Aber das ist eine ganz andere Geschichte....

    le grà
    Irisch für: alles Liebe
    Nora
     
  4. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich habe dort Leute gesehen , die mit Sammelboxen für die "Gaelic Leugue" oder so ähnlich sammelten.
     
  5. Nora

    Nora Neues Mitglied

    Nee, das ist nicht die Gaelic League, sondern die Gaelic Athletic Association, GAA. Die sammeln dauernd.

    Das ist nur nicht ein Sportverein, der ursprünglich irische Sportarten wie Gaelic Football, Hurling und Carmogie vertritt (fragt mich nicht! Ich kann nur prinzipiell erklären, was das ist - bin absolut unsportlich), sondern ein Verein, der pedantisch darauf bedacht ist, alles Irische zu bewahren.

    Zum Beispiel hat die GAA in jedem Kaff ihre eigenen Sportplätze, wo allerdings nicht-irische Sportarten absolut tabu sind. Weswegen es auch wegen jeder Olympiabewerbung Irlands, oder auch Fußball, zu grundsätzlichen Diskussionen kommt. Vorhandene Sportanlagen der GAA dürfen einfach per Verfassung nicht für Nicht-Irische Sportarten benutzt werden.

    Das ist hierzulande, in Irland, eine ständige politische Debatte. Es ist im Prinzip ja auch eine anti-europäische Haltung, eine Art von Nationalismus, die verzweifelt versucht, eine sterbende Kultur am Leben zu halten - und dabei trotz aller Sympathie ein bißchen an der Realität vorbeisegelt.

    Gute Güte, das ist hier in Irland eine tägliche und endlose Debatte.

    Slán = Tschüss
    (um beim Keltischen in Irland zu bleiben)
     
  6. askan

    askan Neues Mitglied

    Das die Iren sehr gern auf alten Kamellen herumreiten, merkt man jedes Jahr, wenn sie diesen Oraniermarsch durchführen.
     
  7. Nora

    Nora Neues Mitglied

    Grrrr....:motz:

    Askan, das ist eine ganz andere Geschichte.
    Die Oranier sind keine keltischen Iren in dem Sinne. Die betrachten sich als Britisch, also als Nicht-Irisch, und sind in der Regel englische und protestantisch-schottische Invasoren, bzw. deren Vorfahren waren es. Was nochmal eine andere Genealogie ist. Und eine blutige Geschichte.
    Die Geschichte von Nordirland, das Geschichtsbewußtsein dortselbst, ist eine komplizierte und sensible Sache. Das würde einen besonderen thread verdienen.

    In einem allerdings gebe ich Dir Recht:
    Nationalismus und uralte Animositäten sind besonders in einigen Teilen Nordirlands sehr ausgeprägt. (Habe mal anderthalb Jahre in Belfast gelebt).

    Bitte niemals Nordirland mit der Republik Irland verwechseln!

    Night, night
     
  8. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich weiß, ich weiß,

    Als ich in Irland war, stand sogar im Reiseführer, das man auch als Ausländer mit Iren über bestimmte Themen NICHT streiten sollte.

    Aber Iren und Schotten sich so beharken ist auch ein wenig sonderbar, denn eigentlich sind doch Schotten nichts anderes als ausgewanderte Iren. Ich denke da an das Reich von Dalriada (oder so ähnlich). :)
     
  9. rolo

    rolo Neues Mitglied

    Das stimmt, denn die Schotten sind ja schließlich auch Kelten, und haben sogar lange Zeit recht erfolgreich unter sich gelebt, ohne römische Einflüsse, Stichwort Hadrianswall.
     
  10. askan

    askan Neues Mitglied

    Also Rom hat seinen Einfluss in Irland aber in den letzten Jahrhunderten kräftig ausgebaut! Neben Polen erlebte ich noch kein Land, das so dermaßen Erzkatholisch ist!
     
  11. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Zurück zur gälischen Sprache, Die Engländer haben bis zum WKI in Irland alles versucht, um die gälische Sprache auszulöschen. Erst nachdem die Republik unabhängig gewordein st, konnte die gälische Sprache gefördert werden, Die Iren halten wie die Polen an ihrer katholischen Konfession deshalb so fest, um sich von iHren ehemaligen Besatzern, den Engländern besser unterscheiden zu können. :rolleyes:
     
  12. askan

    askan Neues Mitglied

    Stimmt, dann ohne dem entsprechendem Vorwissen über Eng- und Irland, könnte man die beiden Völker nun wirklich kaum auseinander halten.

    Ich muß mal mit einem Vorteil über Irland aufräumen! Es ist nicht das Land der roten Haare. Ich war 3 Wochen dort, ich habe gerade mal 2 Menschen mit auffallend rotem Haar gesehen. Und eine davon war eine deutsche Touristin.
    Ich finde die Iren sind mehrheitlich irgendwie schwarzhaarig!
     
  13. Cato

    Cato Gast

    Warum haben die Römer die grüne Insel nie besetzt ? Soweit ich informiert bin, hatte Agricola bereits eine Invasion in Betracht gezogen, die allerdings nie stattfand. Man hatte doch in der Unterwerfung keltischer Stämme große Erfahrung, so dass die Eroberung aus militärischer Sicht unproblematisch gewesen wäre. Offenbar zeigten Kaiser Domitian und seine Nachfolger kein Interesse an der Insel.
     
  14. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Askan,
    die Kelten waren sehr oft im Gegensatz zu Asterix und Obelix dunkelhaarig.Schau dir die Bretonen an, die sind auch meistens dunkelhaarig. In Schottland in Oban habe ich ein paar schöne Rothaarige gesehen, ob dass nun Engländerinnen oder Schottinen waren, konnt ich bei meinem Schulenglisch nicht feststellen :rolleyes: .
     
  15. Cato

    Cato Gast

    Irrtum !!
    In der Tat haben ALLE Iren rote Haare. Um aber nicht dem Klischee zu entsprechen und um deutsche Touristen zu verwirren, färben sich die meisten ihre Haare schwarz. :yes:
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 23. Juli 2004
  16. hyokkose

    hyokkose Gast

    Volle Zustimmung, lieber Cato!
    Endlich mal wieder eine richtig niveauvolle Friseur-Diskussion!
     
  17. Nora

    Nora Neues Mitglied

    Ja ja, die Iren sind überwiegend rothaarig, tragen Tweedjacken, trinken Whiskey, sind stets zu einem Schwatz oder einem Liedchen bereit.... :rolleyes:

    Is searbh an fhirinne, acht is milis an bhreug air uairibh - Die Wahrheit ist bitter, aber eine Lüge hat manchmal auch was Leckeres...

    Das war nun Irisch/Gälisch. Und nein, ich kanns nicht sprechen und schon gar nicht verstehen. Habe nur ein schlaues Buch zum Thema.

    Übrigens sind nur 4 % der Iren rothaarig, abgesehen von den Hennagefärbten. Ansonsten sind dort sämtliche Haarfarben vertreten wie in Deutschland auch, gerne auch die hübsche Mischfarbe Mausig.
    Viele Schwarzhaarige (meist mit blauen Augen und dichten schwarzen Wimpern - sehr attraktiv ;) ) gibt es überwiegend im Westen, wo sich die keltische Bevölkerung angeblich am "reinsten" erhalten konnte. Die Iren an sich sind ja auch nicht reine Kelten, sondern kräftig durchmischt mit der vorkeltischen Bevölkerung, die sich im Nordosten der Insel, heute Nordirland, am längsten erhalten konnte, laut genetischen Forschungen, dann Wikingern, Normannen, Anglo-Sachsen, auch Spaniern (jahrhunderterlanger Weinhandel zwischen Galway und Spanien, und wer weiß, was die spanischen Seefahrer in Galway außer Handel sonst noch getrieben haben).

    Das Keltentum als solches ist nunmal Teil der nationalen Identität, hat aber eigentlich kaum noch was mit der aktuellen Bevölkerung zu tun. Zudem sind die Kelten auch nicht die Urbevölkerung, sondern waren kriegerische Invasoren. Die alte Sage vom "Rinderraub von Cooley" beschreibt angeblich den Kampf zwischen den keltischen Invasoren und der vorkeltischen Bevölkerung.

    Warum die Römer sich Irland nicht auch unter den Nagel gerissen haben?
    Die Theorie ist, daß sie mit England und im Norden mit den Schotten schon alle Hände voll zu tun hatten, es ihnen da oben zu kalt war, das römische Reich ohnehin am bröckeln war und weder Lust noch genügend Ressourcen hatten, noch eine verregnete Insel zu erobern. Bin allerdings keine Spezialistin in Sachen Römer. Aber das mit dem verregnet kann ich gut nachvollziehen...
     
  18. askan

    askan Neues Mitglied

    Als ich vor vielen Jahren mein erstes Buch über Irland kaufte, war ich entsetzt. Irisch-keltische Heldensagen. Ich war unwissent und dachte jetzt eine Art Märchenbuch mit Kolbolden und Elfen in Händen zu halten.

    Naja, Elfen kommen drin vor, aber in zumeist richtig blut- und rachsüchtigen Geschichten.
    Mittlerweile finde ich es sehr interessant zu lesen, auch die Hintergründe, die vier Invasionen usw. Ich habe nur Probleme beim aussprechen der Namen, ich habe keinen blassen Schimmer wie die klingen sollen!
    Cuchulainn oder Deidre, spricht man es englisch betont aus oder so wie es dort steht oder haben die Iren eine eigene Art es auszusprechen, ich habe keine Ahnung.
     
  19. Nora

    Nora Neues Mitglied

    Oh ja, die haben in der Tat eine ganz eigene Art, die Wörter auszusprechen. Auch das irische Englisch ist ziemlich eigen, zudem von County zu County mit verschiedenen Dialekten gesegnet und mit etlichen gälischen Wörtern oder Ausdrücken durchsetzt..

    Die irisch-gälischen Wörter haben die dumme Eigenschaft, mehr Buchstaben zu haben als man dann spricht. Mit Cuchulainn bin ich mir gerade nicht sicher, meines Wissens spricht man es Cuulinn aus. Deirdre spricht sich Dirdra, Oisin ist Oschin, Meabhb bzw. Maeve ist Mäiw, Grainne ist Gronje, Diarmiut bzw. Dermot ist Dörmot etc.
    Der Taoiseach, der Titel des Ministerpräsidenten, was wörtlich übersetzt Häuptling heißt, spricht sich Tieschock.

    Ich kriege die Aussprache im Alltag etwas mit, da gälische Wörter dauernd auftauchen, es auch eine gälische Radiostatio und einen Fernsehsender gibt. Aber schwierig finde ich es trotzdem.
     
  20. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Toll, was ihr alles so wißt. Wie sah Eurer Meinung noch die vorkeltische Bevölkerung aus. War sie dunkelhaarig? Die Kelten von Asterix und Obelix sind ja meistens blond oder rothaarig. Wenn die Vorbevölkerung dunkelhaarig war, dann hat sie sich anscheinend im Aussehen doch weitestgehend durchgesetzt. :rolleyes:
     

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