Wie lebten Schwerhörige Kinder zur Zeit des Nationalsozialismus ?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Rikadea, 23. Januar 2007.

  1. Zur Situation speziell der Schwerhörigen ist oben schon viel gesagt worden. Deshalb möchte ich nur noch anmerken, dass das Gesetz nach dem die Verfolgung Behinderter erfolgte, „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ hieß. Betroffen waren also (zumindest grundsätzlich) nur Behinderte, deren Behinderung als erblich bedingt galt. Erworbene Behinderungen, insbesondere Kriegsverletzungen, fielen nicht darunter. Klumpffüßigkeit wäre vielleicht ein Grenzfall gewesen. Wenn Derjenige aber außerdem ein lautes Organ hatte, um Propaganda für das "erbgesunde Herrenmenschentum" zu machen, dann wurde jedenfalls darüber hinweggesehen.
     
  2. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Wieso "nur"?
    Was galt in der damaligen NS-Medizin als vererbbar?
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Den NS-Medizinern war auch klar, dass eine Maus, der man den Schwanz abschnitt, nicht Mäuse zeugte, die keinen Schwanz hätten. Deshalb "nur" Erbkrankheiten oder was man dafür hielt.
     
  4. Das "nur" sollte selbstverständlich keine Verharmlosung sein, sondern war im Sinne von ausschließlich gemeint als Abgrenzung zu anderen Ursachen. Aber so hast du es wahrscheinlich auch verstanden.

    Zum Eigentlichen ein Zitat aus dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses:

    (1) Wer erbkrank ist, kann durch chirurgischen Eingriff unfruchtbar gemacht (sterilisiert) werden, wenn nach den Erfahrungen der ärztlichen Wissenschaft mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, daß seine Nachkommen an schweren körperlichen oder geistigen Erbschäden leiden werden.
    (2) Erbkrank im Sinne dieses Gesetzes ist, wer an einer der folgenden Krankheiten leidet:

    1. angeborenem Schwachsinn,
    2. Schizophrenie,
    3. zirkulärem (manisch-depressivem) Irresein,
    4. erblicher Fallsucht,
    5. erblichem Beitstanz (Huntingtonsche Chorea),
    6. erblicher Blindheit,
    7. erblicher Taubheit,
    8. schwerer erblicher körperlicher Mißbildung.

    (3) Ferner kann unfruchtbar gemacht werden, wer an schwerem Alkoholismus leidet.


    Quelle: documentArchiv.de - Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (14.07.1933)

    Das "Beitstanz" soll übrigens Veitstanz heißen.

    Daraus erklärt sich auch, weshalb der kurzsichtige Himmler keine Verfolgung zu befürchten hatte. Seine Behinderung war mit dem wenig aufwendigen Mittel einer Brille auszugleichen, so dass er (auf grausige Weise) ein "nützliches" Mitglied der Nazi-Gesellschaft war. Dass er als "germanischer Recke" nicht weit gekommen wäre, störte da nicht.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 27. August 2007
  5. Hurvinek

    Hurvinek Gast

  6. Rikadea

    Rikadea Mitglied

  7. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Vielen Dank. Das ist sehr informativ.
     
  8. Rikadea

    Rikadea Mitglied

    Fand ich auch und ich muss sagen die waren damals echt erfinderisch.
     
  9. Rikadea

    Rikadea Mitglied

    Huhu ^__^

    Mein letzter Eintrag ist nun schon wieder eine ganze Weile her und ich hab in der Zwischenzeit auch wieder drei interessante Links gefunden.

    1.) http://www.kugg.de/download/Ausstellung3Reich_DGZ.pdf

    Der Text ist von einer Ausstellung, aber darin sind eine Menge Informationen über Gehörlose und im unteren Teil über Hörgeschädigte im Dritten Reich.
    Es ist sehr gut geschrieben und auch gut verständlich.

    2.) Sehen statt Hören 2000 Jüdische Gehörlose

    3.) Sehen statt Hören 2003 Zeitlin

    Diese beiden Links handeln einmal von jüdischen Gehörlosen und einem Maler der den Holocaust überlebte, ich glaube er ist auch gehörlos.
    Link 2 u. 3 sind das Textliche was als Untertitel bei der Sendung "Sehen statt hören" läuft.
    Ich hoffe ihr könnt damit etwas anfangen.

    Liebe Grüße, ein schönes Wochenende und einen wunderschönen ersten Advent.

    eure Rikadea-Sophie Hakura :winke:
     

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