Wie viel Trinkwasser konnte Kolumbus auf den Karavellen mitnehmen?

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Entdeckungen (15. - 18. Jhd.)" wurde erstellt von wdschnucke, 5. Juli 2013.

  1. wdschnucke

    wdschnucke Neues Mitglied

    Schließlich wusste er nicht, wie lange die 1. Fahrt nach "Indien" dauern würde; und sie hat länger gedauert als angenommen (über zwei Monate).

    Hätte er mit der Mannschaft nach einer bestimmten Zeit auf hoher See, bei Ausbleiben des Erfolges nicht gezwungenermaßen umkehren müssen, um nicht zu verdursten?

    Danke.
     
  2. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Ich habe hier einen Ausrüstungsplan der Schiffe des Magellan.
    Die Gesamttonnage der 5 Schiffe wurde mit 480 Tonnen bezeichnet, dabei wurden 45 Tonnen an Fässer für z.B. Wasser mitgeführt. Eine genaue Anzahl der Fässer mit Trinkwasser liegt aber leider nicht vor.
    Außer Trinkwasser wurden 417 Schläuche Jerezwein (nach anderen Angaben 508 Flaschen) und 253 Fässer Jerezwein (nach anderen Angaben 420 Fässer) mitgeführt.

    Quelle: Risse von Schiffen des 16. und 17. Jahhunderts / Hoeckel, Jorberg, Loef, Szymanski, Winter / Seite 57
     
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  3. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Die Bezeichnung Trinkwasser dürfte nach einigen Wochen geschmeichelt gewesen sein. Da es in den Laderäumen zu warm war, wurde das Wasser ab einem bestimmten Zeitpunkt zu einer veralgte und faul stinkende Brühe. Man wird aber auch zusätzlich Regenwasser in Fässern aufgefangen haben.
     
  4. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Von daher gingen die meisten großen Seereisen bis zum Ende des 15. Jahrhunderts auch immer an den Küsten entlang.
    Letzte Tankstadion in die Richtung Amerika sind wohl die Azoren oder Canaren.
     
  5. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Bei Kolumbus waren es die die Kanaren, dort ließ er die Karavelle Pinta von Lateiner-auf Rahsegel umtakeln.
     
  6. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Kannte man eigentlich Methoden, das Trinkwasser etwas haltbarer zu machen?
     
  7. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 5. Juli 2013
  8. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Nein, die Fässer konnten beim Nachfassen von Wasser auch gar nicht ausreichend gesäubert werden. Man mischte vor dem trinken etwas Essig oder Wein( in späteren Zeiten Rum) dazu, wenn man noch etwas davon hatte. Das Getränk dürfte ungefähr wie altes Blumenwasser, wenn es zu lange in der Vase stand geduftet haben. Empfindliche Mägen und ein ausgeprägtes Ekelgefühl durften die Seeleute nicht haben wenn sie nicht verdursten wollten.
     
  9. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Ums Schiff rum gab es reichlich "gepökeltes" Wasser.

    Aber im Ernst. Das Wasser wurde in Holzfässern transportiert, die "atmen". Die dadurch entstehende Verdunstungskälte dürfte einen Beitrag zu einer gewissen Konservierung geleistet haben. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass Kolumbus auch schon praktizierte, was später in der Royal Navy üblich war.
    Grog ? Wikipedia
     
  10. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Eigentlich hätten nur Essig oder hochprozentiger Alkohol das Trinkwasser haltbarer und bekömmlicher machen können. Als ein relativ billig produzierbares Nebenprodukt der Zuckerrohrverarbeitung war bereits im 16. Jhd Rum verfügbar, der schon bald zum Inventar englischer Kriegsschiffe gehörte, wo pro Mann eine beachtliche Schnapsration ausgeschenkt wurde. Der Ausschank von reinem Schnaps erwies sich allerdings als problematisch, weil Schlägereien mit teils fatalen Folgen nicht ausblieben. Der hochprenzentige Rum wurde daher gewässert, und erhielt nach dem Spitznamen eines britischen Asdmirals den Namen Grog. Bis 1970 hielt die Royal Navy an dieser schönen Tradition fest, und pro Sailor wurden 1/2 Pint Rum ausgeschenkt.

    Gemessen an der durchschnittlichen Wasserqualität, war es vielerorts tatsächlich gesünder, leicht alkoholische Getränke zu trinken, als Wasser.
     
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  11. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Wein wurde immer in rauhen Mengen mitgenommen. Ich habe jedoch irgendwo gelesen, dass Flaschen aus Glas erst ab 1720 in größeren Mengen verwendet wurden. Es ist wahrscheinlicher dass es sich um Schläuche, Krüge oder eben Fässer handelt.


    Im Madrider Marinemuseum sind die Funde aus dem Wrack der Galleone San Diego ausgestellt, 1600 vor den Philippinen gesunken. Dabei sind zahlreiche Tonkrüge enthalten, die zur Wasseraufbewahrung dienten. Anscheinend standen die Spanier damals eher auf solchen Behältnissen als auf Fässern. Das Wasser hält sich etwas länger als in Holzbehältern.

    Bei einem Wrack dass im Hafen von Buenos Aires gefunden wurde, fand man 5 große Tonkrüge für Olivenöl.

    Hier ist ein Krug oder eher eine Anphore die man vor Juan Fernandez in Chile fand, ebenfalls aus einem spanischen Wrack aus dem 17. jahrhundert:

    ANTIGUA Y MEDIEVAL: Equipo de científicos descubre un jarrón de greda del siglo XVII en Juan Fernández (Chile)
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 6. Juli 2013
  12. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Bei Segeln in unbekannte Gefilde hätte er nach Verbrauch der Hälfte des Wasservorrats noch umkehren können. Point of no Return. (in der Praxis muss man natürlich Strömung und vorherrschende Windrichtung mit einrechnen, aber überlassen wir das mal Kolumbus)

    Der vorsichtige Entdecker (gibt´s den ??) sagt sich jetzt: Mist, die Fässer sind schon halbleer. Wir drehen um.

    Der wagemutige Entdecker (gibt´s andere??) sagt sich jetzt: Cool, schon so weit gekommen und immer noch sind die Fässer halb voll.

    Nach dem Stichtag ist es eh zu spät, da hilft nur noch Augen zu und durch.
     
  13. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Das Trinkwasser war immer ein Problem der Schifffahrt, egal ob gerudert oder gesegelt wurde. Man fing auf den Segelschiffen das Regenwasser mit Persenningen ein, um die Vorräte zu strecken. Wie lange eine Reise dauerte war nämlich nicht bekannt. Man hatte in etwa Erfahrungswerte, aber was nützten diese, wenn man in einer Flaute fest lag, oder der Wind aus der falschen Richtung kam. Das erde erst ab etwa 1850 mit der Auswertung der Logbücher durch die US Navy besser. Da wurden dann statistische Methoden verwandt wann und wo der Wind meist her kam.
    Zum anderen wurde auch wenn das Wasser knapp wurde die Ration gekürzt, um länger damit aus zu kommen. Aber nach einigen Wochen im Fass wird es wohl auch nicht mehr geschmeckt haben.

    Apvar
     
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  14. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Im Bordbuch ist an Trinkbarem nur Wasser ausdrücklich erwähnt. Was nicht ausschließt, dass unter dem "Sonstigen" auch Alkohol war.
    Es ist auch von einem kräftigen Regenschauer die Rede. Das hätte auch die oben angedachte Sammlung von Regenwasser ermöglicht.
    Diario de a bordo del primer viaje de Cristóbal Colón: texto completo - Wikisource
    Bordbuch des Christoph Kolumbus ? Wikipedia
     
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nicht ganz:
     
  16. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Danke Quijote. Man sollte eben doch nicht zu früh mit dem Lesen aufhören. Auf den Kanaren wurde also offenbar nur noch einmal frisches Wasser nachgeladen, Wein hatte man genug.
     
  17. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    In Spanien streitet man sich nicht ob, sondern welchen Wein Kolumbus auf seinen Fahrten mitführte. Kandidaten sind nebst Sherry der Toro, Condado de Huelva und Ribeiro.
    Der letztere Anspruch kann sogar belegt werden. Ein 2006 durch die Archivarin Isabel Aguirre im Archivo General de Simancas entdecktes Dokument der Bobadilla Untersuchung gegen Kolumbus im Jahr 1500 enthält die Zeugenaussage des Juan de Salaya zum Fall eines verstorbenen galicischen Geistlichen. Diesem seien nämlich ein oder zwei Pipas Wein aus Ribadavia (Ribeiro) weggenommen worden und als er dann krank war und um ein, zwei Arrobas Wein bat, verweigerte ihm Kolumbus dies und der Mann starb.

    Yten, dize que a un clérigo gallego le fue tomada una pipa o dos de vino de Ribadavia, e que estando enfermo pidió una arroba o dos de vino porque la raçón que le davan hera poco para su dolencia, e no ge lo quisieron dar, e lo vio morir e demandar el dicho vino.

    Dieser Weinraub wurde als Ungeheuerlichkeit betrachtet und Kolumbus musste die Erben des Geistlichen entschädigen.

    Zur Zeit der Untersuchung soll 1 Pipa Wein 480 Liter gewesen sein. 1 Arroba hatte 8 Azumbres und das waren 16 Liter.
    Die spanischen Flüssigkeitsmaße der Vergangenheit sind noch schwieriger zu fassen als die Längenmaße.
    Es müssen Unmengen an Wein auf die Inseln transportiert worden sein, wenn ein einziger Mann schon so viel für sich beanspruchen konnte.

    zum Teil aus: O viño do Ribeiro foi o primeiro caldo en chegar ao Novo Mundo
     
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  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Arroba (@) wird heute noch in Spanien verwendet, mindestens im Sherry-Dreieck. (Ja, das @-at-Zeichen ist eigentlich ein Flüssigkeitsmaß, eben arroba von arab. ar-rub'a - 'das Viertel'; die von Naresuan erwähnte azumbre - von arab. aṯ-ṯumun - 'das Achtel').[Warum acht Achtel ein Viertel ergeben, lasse ich an dieser Stelle mal hintangestellt.]

    Dem von Naresuan verlinkten Artikel ist zu zudem zu entnehmen, dass jedem Matrosen zwei Liter Wein/Tag als Teil ihrer Verpflegung zustanden.
     
  19. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Von Arrobas ist nicht nur im Zusammenhang mit Sherry in Spanien die Rede. Das Gewicht von Kampfstieren wird heute in Kilogramm angegeben. Ein Kampfstier wiegt etwa 500 kg. Im Umfeld der Stierzüchter, Stierkämpfer und Stierkampfbegeisterten wird heute noch das Gewicht der Stiere in Arrobas angegeben.
     

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