Wie viel Trinkwasser konnte Kolumbus auf den Karavellen mitnehmen?

wdschnucke

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Schließlich wusste er nicht, wie lange die 1. Fahrt nach "Indien" dauern würde; und sie hat länger gedauert als angenommen (über zwei Monate).

Hätte er mit der Mannschaft nach einer bestimmten Zeit auf hoher See, bei Ausbleiben des Erfolges nicht gezwungenermaßen umkehren müssen, um nicht zu verdursten?

Danke.
 
Schließlich wusste er nicht, wie lange die 1. Fahrt nach "Indien" dauern würde; und sie hat länger gedauert als angenommen (über zwei Monate).

Hätte er mit der Mannschaft nach einer bestimmten Zeit auf hoher See, bei Ausbleiben des Erfolges nicht gezwungenermaßen umkehren müssen, um nicht zu verdursten?

Danke.

Ich habe hier einen Ausrüstungsplan der Schiffe des Magellan.
Die Gesamttonnage der 5 Schiffe wurde mit 480 Tonnen bezeichnet, dabei wurden 45 Tonnen an Fässer für z.B. Wasser mitgeführt. Eine genaue Anzahl der Fässer mit Trinkwasser liegt aber leider nicht vor.
Außer Trinkwasser wurden 417 Schläuche Jerezwein (nach anderen Angaben 508 Flaschen) und 253 Fässer Jerezwein (nach anderen Angaben 420 Fässer) mitgeführt.

Quelle: Risse von Schiffen des 16. und 17. Jahhunderts / Hoeckel, Jorberg, Loef, Szymanski, Winter / Seite 57
 
Die Bezeichnung Trinkwasser dürfte nach einigen Wochen geschmeichelt gewesen sein. Da es in den Laderäumen zu warm war, wurde das Wasser ab einem bestimmten Zeitpunkt zu einer veralgte und faul stinkende Brühe. Man wird aber auch zusätzlich Regenwasser in Fässern aufgefangen haben.
 
Die Bezeichnung Trinkwasser dürfte nach einigen Wochen geschmeichelt gewesen sein. Da es in den Laderäumen zu warm war, wurde das Wasser ab einem bestimmten Zeitpunkt zu einer veralgte und faul stinkende Brühe. Man wird aber auch zusätzlich Regenwasser in Fässern aufgefangen haben.

Von daher gingen die meisten großen Seereisen bis zum Ende des 15. Jahrhunderts auch immer an den Küsten entlang.
Letzte Tankstadion in die Richtung Amerika sind wohl die Azoren oder Canaren.
 
Von daher gingen die meisten großen Seereisen bis zum Ende des 15. Jahrhunderts auch immer an den Küsten entlang.
Letzte Tankstadion in die Richtung Amerika sind wohl die Azoren oder Canaren.
Bei Kolumbus waren es die die Kanaren, dort ließ er die Karavelle Pinta von Lateiner-auf Rahsegel umtakeln.
 
Kannte man eigentlich Methoden, das Trinkwasser etwas haltbarer zu machen?
Nein, die Fässer konnten beim Nachfassen von Wasser auch gar nicht ausreichend gesäubert werden. Man mischte vor dem trinken etwas Essig oder Wein( in späteren Zeiten Rum) dazu, wenn man noch etwas davon hatte. Das Getränk dürfte ungefähr wie altes Blumenwasser, wenn es zu lange in der Vase stand geduftet haben. Empfindliche Mägen und ein ausgeprägtes Ekelgefühl durften die Seeleute nicht haben wenn sie nicht verdursten wollten.
 
Ums Schiff rum gab es reichlich "gepökeltes" Wasser.

Aber im Ernst. Das Wasser wurde in Holzfässern transportiert, die "atmen". Die dadurch entstehende Verdunstungskälte dürfte einen Beitrag zu einer gewissen Konservierung geleistet haben. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass Kolumbus auch schon praktizierte, was später in der Royal Navy üblich war.
Grog ? Wikipedia
 
Kannte man eigentlich Methoden, das Trinkwasser etwas haltbarer zu machen?

Eigentlich hätten nur Essig oder hochprozentiger Alkohol das Trinkwasser haltbarer und bekömmlicher machen können. Als ein relativ billig produzierbares Nebenprodukt der Zuckerrohrverarbeitung war bereits im 16. Jhd Rum verfügbar, der schon bald zum Inventar englischer Kriegsschiffe gehörte, wo pro Mann eine beachtliche Schnapsration ausgeschenkt wurde. Der Ausschank von reinem Schnaps erwies sich allerdings als problematisch, weil Schlägereien mit teils fatalen Folgen nicht ausblieben. Der hochprenzentige Rum wurde daher gewässert, und erhielt nach dem Spitznamen eines britischen Asdmirals den Namen Grog. Bis 1970 hielt die Royal Navy an dieser schönen Tradition fest, und pro Sailor wurden 1/2 Pint Rum ausgeschenkt.

Gemessen an der durchschnittlichen Wasserqualität, war es vielerorts tatsächlich gesünder, leicht alkoholische Getränke zu trinken, als Wasser.
 
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Außer Trinkwasser wurden 417 Schläuche Jerezwein (nach anderen Angaben 508 Flaschen) und 253 Fässer Jerezwein (nach anderen Angaben 420 Fässer) mitgeführt.

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Wein wurde immer in rauhen Mengen mitgenommen. Ich habe jedoch irgendwo gelesen, dass Flaschen aus Glas erst ab 1720 in größeren Mengen verwendet wurden. Es ist wahrscheinlicher dass es sich um Schläuche, Krüge oder eben Fässer handelt.


Ums Schiff rum gab es reichlich "gepökeltes" Wasser.

Aber im Ernst. Das Wasser wurde in Holzfässern transportiert, die "atmen". Die dadurch entstehende Verdunstungskälte dürfte einen Beitrag zu einer gewissen Konservierung geleistet haben. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass Kolumbus auch schon praktizierte, was später in der Royal Navy üblich war.
Grog ? Wikipedia

Im Madrider Marinemuseum sind die Funde aus dem Wrack der Galleone San Diego ausgestellt, 1600 vor den Philippinen gesunken. Dabei sind zahlreiche Tonkrüge enthalten, die zur Wasseraufbewahrung dienten. Anscheinend standen die Spanier damals eher auf solchen Behältnissen als auf Fässern. Das Wasser hält sich etwas länger als in Holzbehältern.

Bei einem Wrack dass im Hafen von Buenos Aires gefunden wurde, fand man 5 große Tonkrüge für Olivenöl.

Hier ist ein Krug oder eher eine Anphore die man vor Juan Fernandez in Chile fand, ebenfalls aus einem spanischen Wrack aus dem 17. jahrhundert:

ANTIGUA Y MEDIEVAL: Equipo de científicos descubre un jarrón de greda del siglo XVII en Juan Fernández (Chile)
 

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Hätte er mit der Mannschaft nach einer bestimmten Zeit auf hoher See, bei Ausbleiben des Erfolges nicht gezwungenermaßen umkehren müssen, um nicht zu verdursten?

Bei Segeln in unbekannte Gefilde hätte er nach Verbrauch der Hälfte des Wasservorrats noch umkehren können. Point of no Return. (in der Praxis muss man natürlich Strömung und vorherrschende Windrichtung mit einrechnen, aber überlassen wir das mal Kolumbus)

Der vorsichtige Entdecker (gibt´s den ??) sagt sich jetzt: Mist, die Fässer sind schon halbleer. Wir drehen um.

Der wagemutige Entdecker (gibt´s andere??) sagt sich jetzt: Cool, schon so weit gekommen und immer noch sind die Fässer halb voll.

Nach dem Stichtag ist es eh zu spät, da hilft nur noch Augen zu und durch.
 
Das Trinkwasser war immer ein Problem der Schifffahrt, egal ob gerudert oder gesegelt wurde. Man fing auf den Segelschiffen das Regenwasser mit Persenningen ein, um die Vorräte zu strecken. Wie lange eine Reise dauerte war nämlich nicht bekannt. Man hatte in etwa Erfahrungswerte, aber was nützten diese, wenn man in einer Flaute fest lag, oder der Wind aus der falschen Richtung kam. Das erde erst ab etwa 1850 mit der Auswertung der Logbücher durch die US Navy besser. Da wurden dann statistische Methoden verwandt wann und wo der Wind meist her kam.
Zum anderen wurde auch wenn das Wasser knapp wurde die Ration gekürzt, um länger damit aus zu kommen. Aber nach einigen Wochen im Fass wird es wohl auch nicht mehr geschmeckt haben.

Apvar
 
Im Bordbuch ist an Trinkbarem nur Wasser ausdrücklich erwähnt.http://de.wikipedia.org/wiki/Bordbuch_des_Christoph_Kolumbus
Nicht ganz:
Eintrag 26. Dezember 1492 schrieb:
y así tendrán tablas para hacer todas las fortalezas de ellas y mantenimientos de pan y vino para más de un año y simientes para sembrar y la barca de la nao y un calafate y un carpintero y un lombardero y un tonelero y muchos entre ellos hombres que desean mucho, por servicio de Vuestras Altezas y me hacer placer, de saber de la mina donde se coge el oro.
Eintrag 25. Januar 1493 schrieb:
Mataron los marineros una tonina y un grandísimo tiburón, y dice que lo habían bien menester, porque no traían ya de comer sino pan y vino y ajes de las Indias.
Eintrag 14. Februar 1493 schrieb:
Ayudaba a acrecentar el peligro que venía el navío con falta de lastre, por haberse alivianado la carga, siendo ya comidos los bastimentos y el agua y vino bebido, lo cual, por codicia del próspero tiempo que entre las islas tuvieron, no proveyó el Almirante, teniendo propósito de lo mandar lastrar en la isla de las Mujeres, adonde llevó propósito de ir.
 
Danke Quijote. Man sollte eben doch nicht zu früh mit dem Lesen aufhören. Auf den Kanaren wurde also offenbar nur noch einmal frisches Wasser nachgeladen, Wein hatte man genug.
 
In Spanien streitet man sich nicht ob, sondern welchen Wein Kolumbus auf seinen Fahrten mitführte. Kandidaten sind nebst Sherry der Toro, Condado de Huelva und Ribeiro.
Der letztere Anspruch kann sogar belegt werden. Ein 2006 durch die Archivarin Isabel Aguirre im Archivo General de Simancas entdecktes Dokument der Bobadilla Untersuchung gegen Kolumbus im Jahr 1500 enthält die Zeugenaussage des Juan de Salaya zum Fall eines verstorbenen galicischen Geistlichen. Diesem seien nämlich ein oder zwei Pipas Wein aus Ribadavia (Ribeiro) weggenommen worden und als er dann krank war und um ein, zwei Arrobas Wein bat, verweigerte ihm Kolumbus dies und der Mann starb.

Yten, dize que a un clérigo gallego le fue tomada una pipa o dos de vino de Ribadavia, e que estando enfermo pidió una arroba o dos de vino porque la raçón que le davan hera poco para su dolencia, e no ge lo quisieron dar, e lo vio morir e demandar el dicho vino.

Dieser Weinraub wurde als Ungeheuerlichkeit betrachtet und Kolumbus musste die Erben des Geistlichen entschädigen.

Zur Zeit der Untersuchung soll 1 Pipa Wein 480 Liter gewesen sein. 1 Arroba hatte 8 Azumbres und das waren 16 Liter.
Die spanischen Flüssigkeitsmaße der Vergangenheit sind noch schwieriger zu fassen als die Längenmaße.
Es müssen Unmengen an Wein auf die Inseln transportiert worden sein, wenn ein einziger Mann schon so viel für sich beanspruchen konnte.

zum Teil aus: O viño do Ribeiro foi o primeiro caldo en chegar ao Novo Mundo
 
Die Arroba (@) wird heute noch in Spanien verwendet, mindestens im Sherry-Dreieck. (Ja, das @-at-Zeichen ist eigentlich ein Flüssigkeitsmaß, eben arroba von arab. ar-rub'a - 'das Viertel'; die von Naresuan erwähnte azumbre - von arab. aṯ-ṯumun - 'das Achtel').[Warum acht Achtel ein Viertel ergeben, lasse ich an dieser Stelle mal hintangestellt.]

Dem von Naresuan verlinkten Artikel ist zu zudem zu entnehmen, dass jedem Matrosen zwei Liter Wein/Tag als Teil ihrer Verpflegung zustanden.
 
Die Arroba (@) wird heute noch in Spanien verwendet, mindestens im Sherry-Dreieck. (Ja, das @-at-Zeichen ist eigentlich ein Flüssigkeitsmaß, eben arroba von arab. ar-rub'a - 'das Viertel'; die von Naresuan erwähnte azumbre - von arab. aṯ-ṯumun - 'das Achtel').[Warum acht Achtel ein Viertel ergeben, lasse ich an dieser Stelle mal hintangestellt.]

Dem von Naresuan verlinkten Artikel ist zu zudem zu entnehmen, dass jedem Matrosen zwei Liter Wein/Tag als Teil ihrer Verpflegung zustanden.

Von Arrobas ist nicht nur im Zusammenhang mit Sherry in Spanien die Rede. Das Gewicht von Kampfstieren wird heute in Kilogramm angegeben. Ein Kampfstier wiegt etwa 500 kg. Im Umfeld der Stierzüchter, Stierkämpfer und Stierkampfbegeisterten wird heute noch das Gewicht der Stiere in Arrobas angegeben.
 
Kannte man eigentlich Methoden, das Trinkwasser etwas haltbarer zu machen?
Man kannte wohl die Möglichkeit, Brunnen oder Zisternen mit Kalksteinen auszukleiden (Kalk desinfiziert) und die Osmanen haben Fische die Algen abweiden lassen, dadurch soll Zisternenwasser auch eine bessere Qualität bekommen haben. Aber im Fass (oder der Amphore, siehe @Bdaian) sind Fische natürlich keine Option.
 
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