Wieso haben die USA das menschliche Potenzial nicht stärker genutzt?

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von Griffel, 11. Juli 2021.

  1. Griffel

    Griffel Mitglied

    Ich möchte mal ein Thema ansprechen, dass zwar mit dem 2. WK zu tun hat aber meines Erachtens zu kurz kommt. :rolleyes:

    Wie jedes Land, das sich plötzlich in einem Krieg befindet, mussten die USA natürlich Vorkehrungen treffen! Dazu gehört natürlich auch die Suche und Sicherstellung von feindlichen Spionen. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurden ja hunderte Deutsche Staatsbürger und auch Deutschamerikaner interniert.:oops: Wie man heute weiß bzw. zugibt, die meisten zu Unrecht. Aber darum soll es nicht gehen!
    https://de.wikipedia.org/wiki/Inter...igten_Staaten_während_des_Zweiten_Weltkrieges

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gesch...en_Staaten#Deutsch-amerikanische_Internierung
    Mir ist dabei etwas aufgefallen, dass ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann? Warum, hat die Regierung der USA, sich dieses menschliche Potenzial nicht mehr zunutze gemacht. Selbstverständlich wurden die Leute bewacht, überwacht und verhört. Jedoch hätte man die Leute nutzen können um noch mehr Informationen über den "Feind" zu bekommen. Kriegsgefangene zu verhören, ist ganz normal. Allerdings, hätte man auch von den Zivilisten viel erfahren können. Dazu kommt noch ein weiterer Punkt:

    Viele der Menschen, die damals in den USA lebten, dürften mit großer Wahrscheinlichkeit, keine Nazis gewesen sein. Was hätte also näher gelegen, als diese Menschen zur Kooperation zu "überreden". Zwar gab es in den USA auch viele Flüchtlinge und Emigranten aber auf die kam ja relativ spät.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Camp_Ritchie
    https://en.wikipedia.org/wiki/Ritchie_Boys

    Das an sich war ja schon ein Vorteil. Aber wenn, man als kriegführender Staat, in der glücklichen Lage ist, über mehrere Tausend Einheimische zu verfügen, liegt es doch nahe deren Wissen zu nutzen. Eine Möglichkeit wäre ja gewesen, den Leuten Vergünstigungen in Aussicht zu stellen. Vielleicht wäre es auch geglückt, den einen oder anderen Kriegsgefangenen zur Mitarbeit zu überreden. Oder für mehr Überläufer zu sorgen. Im Kriegsfall, ist alles, was man Informationen bekommen kann, sprichwörtlich überlebenswichtig.

    Von daher wundert es mich schon. Vielleicht habt ja ihr ja mehr Informationen
     
  2. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Ah und welche Informationen en Detail hätte man da bekommen können? Militärische Geheimnisse NS-Deutschlands wohl kaum.
    Und wie viele konnten wohl noch direkt aus Deutschland herüber, nachdem der Krieg ausgebrochen war und die Royal Navy den Atlantik kontrollierte?

    Ich behaupte mal, militärisch bedeutsame Informationen ließen sich auf dem Weg nicht oder kaum gewinnen und die Informationen, die sich gewinnen ließen, waren seit 1-2 Jahren, wenn nicht länger veraltet, was in Kriegszeiten einer Ewigkeit entspricht.
    Welche Potentiale hätten da gewesen sein sollen?
     
  3. Griffel

    Griffel Mitglied

    Eventuell, hätten sich genauere Informationen über bestimmte Gegenden sammeln lassen. Zum Beispiel Straßennetze, Verkehrswege. Insbesondere "Schleichwege".;) Man hört es zwar nicht gern. Aber auch Schmuggel hat es schon zu allen Zeiten gegeben. Und im Allgemeinen sind diese Wege nur wenigen Menschen bekannt.

    Umgekehrt hätte man diese Nutzen können, um entweder Spione einzuschleusen oder Flucht willige auszuschleusen. Was zugegeben nach 1939, nur sehr schwer möglich war. Man hatte natürlich auch die Möglichkeit auf sogenanntes "offenes Material" zuzugreifen. Also Dinge wie Landkarten, Wanderkarten oder Reiseführer, welche normal verkauft wurden. Solche Gegenstände, werden eigentlich eher beiläufig beschafft. Es kommt ja gar nicht so selten vor, dass das Personal von diplomatischen Vertretungen, öfters mal im Gastland Urlaub macht.

    Ein weiterer Ansatzpunkt, wären nach meiner Meinung zumindest, regionale Kenntnisse gewesen. Jemand aus dem Norden oder Osten, also jemand der an der Küste lebt, kennt sich fast zwangsläufig mit den Gezeiten aus. Oder kennt Buchten und Plätze. Alles Dinge bzw. Fakten, welche sich in einem Krieg als nützlich erweisen können.

    Mit etwas Glück, hätte man unter den Internierten vielleicht Leute gefunden, die sich dem Kampf gegen die Nazis angeschlossen hätten? Dadurch hätte sich die Möglichkeit eröffnet, Kontakte zu Widerstandsgruppen zu knüpfen. Was natürlich im damaligen Deutschen Reich nur mit Mühe zu realisieren gewesen wäre. Aber offensichtlich hat es ja geklappt. Nach allem was man heute über die Verschwörer des 20. Juli weis, bestand ja durchaus Kontakte. Auch wenn, diese nicht besonders eng waren.

    Gewisse inoffizielle Kanäle gab es ja über die Schweiz.
     
  4. Berggeher

    Berggeher Neues Mitglied

    Wenn das getan wird, steht es nicht in der Zeitung.
    Das ist den Profis bekannt. Es wurde auch gemacht. Dass davon dir so wenig bekannt ist, liegt daran, dass es professionell durchgeführt wurde. Dein oberflächlicher Eindruck täuscht dich.

    Diese Informationen werden in den Jahrzehnten vor einem Krieg zusammen getragen. Man verlässt sich nicht darauf, dass man dann, wenn der Ernstfall eingetreten ist, schnell einen Ortskundigen von Irgendwo findet.
     
    Scorpio und dekumatland gefällt das.
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    In einem anderen Thread "Welchen Einfluss wenn überhaupt hatten die Emigranten" scheinst du davon auszugehen, dass der Einfluss von emigrierten Künstlern und Wissenschaftlern sehr gering gewesen ist. Da hast du geschrieben, dass die USA sicher Besseres zu tun hatten, als sich die Beschwerden von ein paar enemy aliens anzuhören und dass du dir beim besten Willen nicht vorstellen kannst, dass Leute wie Marlene Dietrich und Thomas Mann eine Rolle bei der Befreiung vom NS gespielt haben.


    In diesem Thread wirfst du den USA vor, dass sie das menschliche Potenzial nicht stärker genutzt haben. Ein Potenzial, bei dem du davon ausgehst, es habe dieses Potenzial gar nicht gegeben.

    Ja was denn nun?

    Es wäre auch zu fragen, ob die Prämisse die USA haben das menschliche Potenzial nicht genutzt, überhaupt zutreffend ist. Die überwältigende Mehrheit der Emigranten war-im Gegensatz zu Thomas Mann und Marlene Dietrich eben nicht weltberühmt. Ein Großteil kam überhaupt nicht oder nur unter größten Schwierigkeiten über Umwege in die USA, und längst nicht alle schafften es, sich in den USA einzuleben.

    In der Regel besitzen Militärs und Geheimdienstleute Kartenmaterial und es ist nicht üblich und auch nicht nötig, darauf zu warten, dass oppositionelle Emigranten hereinschneien und solche Informationen liefern. Andererseits sind Information eben auch selten, bei der überwältigenden Mehrheit der Emigranten war eben auch nicht unbedingt zu erwarten, dass sie Blaupausen von Flugzeugen oder Schiffen besaßen, dass sie hätten Auskunft geben können über Pläne Hitlers, dass sie Zugang zu kriegswichtigen Informationen hatten.

    Im Übrigen ist es ja durchaus geschehen, dass Emigranten sich in den USA gegen den NS engagiert haben, und natürlich hat man durchaus deren Potenzial erkannt und auch eingebunden in die Kriegsanstrengungen.
     
    dekumatland gefällt das.

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