Wieso haben Kaiser's Heer sah die belgier als "rassisch minderwertig", wenn sie dieselbe ethnische Z

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von MLHalloween1981, 27. Februar 2020.

  1. MLHalloween1981

    MLHalloween1981 Neues Mitglied

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  2. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Hallo @MLHalloween1981,
    einen unvollständigen und gebeugten Satzbau im Threadtitel, und als Eingangsbeitrag dann ein einziges Zeichen (wie auch schon an anderer Stelle) - das erachte ich für mehr als dürftig als Appetizer für Austausch und Diskussion!
     
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  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Prinzipiell wäre ein Thread über die Einschätzung der belgischen Armee und der Zivilbevölkerung in Belgien von Seiten des deutschen Offizierskorps interessant, wobei da gleich mit dem Threadtitel anzufangen wäre. Gewisse Elemente von Hochmut, von Abscheu gegen angebliche "Franctireurs" und weibliche Kombattanten als es gegen die Pariser Commune ging, zogen sich durch Berichte deutscher Offiziere und ähnliche Narrative wiederholten sich in Belgien. Nach heutigem Kenntnisstand war die Franctireurbedrohung ein Mythos, es gab militärischen Widerstand, aber keine Greueltaten von belgischen Freischärlern gegen deutsche Soldaten, diese Meldungen wurden aber als Rechtfertigung für deutsche Greueltaten gegen Zivilisten.

    Die freilich gab es zweifellos, und sie wurden dann wiederum übertrieben in der alliierten Kriegspropaganda in Form von angeblich wahren Begebenheiten von belgischen Kindern, denen die "Boches" oder die "Huns" die Hände abgehackt haben sollten bis zu einem 1915 in Flandern gekreuzigten Kanadier.

    Übergriffe deutscher Militärs gegen belgische Zivilisten gab es in großer Zahl, ob diese aber tatsächlich rassistisch motiviert war, gilt es zu hinterfragen. Die Deutschen hatten sich für den Bruch der belgischen Neutralität entschuldigt und Belgiens Souveränität versprochen nach dem Krieg wiederherzustellen und militärische Notwendigkeiten geltend gemacht, so als würden sie nur mal einen Vorgarten betreten. Belgien und seine Armee wurde verspottet als "Praliné-Soldaten. Der äußerst heftige und zähe Widerstand der belgischen Truppen überraschte und verbitterte viele deutsche Offiziere. Es kam zu Todesfällen durch "friendly fire", und die deutschen Militärs reagierten nervös und brutal, es wurden Zivilisten deportiert und exekutiert. Das waren sicher Kriegsverbrechen, und Belgiens staatliche Souveränität wäre bei einem deutschen Siegfrieden trotz Versprechen 1914 in großer Gefahr gewesen. Das Vorgehen deutscher Militärs in Belgien, die Zerstörung von Löwen und die zahlreichen willkürlichen Erschießungen von Zivilisten waren zweifellos Kriegsverbrechen, barbarisch im höchsten Maß, ob sie aber aus rassistischen Motiven verübt wurden wie es der Threadersteller als Tatsache unterstellt-das ist meiner Meinung nach problematisch. Im 1. Weltkrieg wurden in Belgien, Serbien und Galizien Massaker an Zivilisten verübt, es gab Maßnahmen, die ethnischen Säuberungen glichen erinnerten und im Schatten des Krieges wurde der Völkermord an den Armeniern verübt.

    Ein Rasse- und Vernichtungskrieg wie es der deutsch-sowjetische Krieg 1941-45 gewesen, war der Krieg gegen Belgien 1914-18 nicht und auch rassistische und rassenbiologische Deutungsmuster spielten keine überragende Rolle.
     
  4. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Das war ganz gewiss kein Rassenkrieg.

    Literatur zum Untergrundkrieg in Belgien:

    Ulrich Keller: Schuldfragen mit einem sehr informativen Vorwort von Gerd Krummreich. Krummreich räumt ein, das es für die eigene Karriere nicht opportun ist, Positionen zu vertreten, die nicht Mainstream sind. Im vorliegenden Fall eben von den deutschen Verbrechen in Belgien gegenüber der Zivilbevölkerung. Keller weist beispielsweise nach, das Horne und Kramer so gut wie keine deutsche Akten als Quelle für Ihr Werk herangezogen haben.

    Gunter Spraul: Der Franktireurkrieg 1914. Dieser Titel ist im Prinzip eine sehr umfängliche Gegenrede von John Horne und Alan Kramers Werk, Die deutschen Kriegsgreuel 1914.
     
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Dem würde ich doch in der Stoßrichtung widersprechen. Gerade in der Historiographie leben einzelne Karrieren geradezu vom Widerspruch. Nur als "Revisionist" hast Du die Chance wahrgenommen zu werden. Das gilt u.a. für Fischer, Wehler oder die provokativen Thesen von Taylor.

    Eine Ausgrenzung aus den akademischen, konservativen Zirkeln in den geschichtswissenschaftlichen Fachbereichen haben in den letzten 100 Jahren vor alle diejenigen erleben müssen, die einen "sozialistischen" theoretischen Hintergrund gehabt haben. Insofern war der Mainstream vor allem gegen "linke" Positionen gerichtet. Wie beispielsweise gegen Eckart Kehr.

    Wiki: "Sein Lehrer Meinecke äußerte wegen der damals radikalen These Bedenken bezüglich Kehrs Karriereaussichten. ....
    Die Historische Kommission beim Reichsarchiv stellte gegen die Einwände Gerhard Ritters die „überlegene Qualität“ der Arbeit fest und sprach Kehr das Preisgeld zu, verweigerte ihm aber die eigentliche Auszeichnung mit dem Preis unter Verweis auf die „unorthodoxen Schlußfolgerungen“."


    Einen ähnlichen Lebenslauf hatte Arthur Rosenberg auszuweisen, der ebenfalls vom einem konservativen Mainstream in seiner akademischen Laufbahn behindert worden ist.

    In diesem Zusammenhang kann man deutlich insgesamt die kritikwürdige Haltung von Gerhard Ritter benennen. In Bezug auf Kehr waren politische Überlegungen für ihn relevant. In ähnlicher Weise hat er versucht, die akademische Laufbahn von Fischer zu behindern, indem er über diplomatische Kontakte versucht hatte, beispielsweise eine USA-Vortragsreise zu verhindern.

    Mir ist zumindest kein Beispiel bekannt, dass ein Historiker wegen konservativer Positionen in seiner Karriere behindert worden ist. Warum auch, das war ja in der Regel der "Mainstream".
     
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  6. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Krumreich wird aber doch als anerkannter Historiker sicher wissen, wovon er schreibt.
     
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