Wieviel Schulden hatte die DDR?

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von MB-Grille, 1. April 2009.

Schlagworte:
  1. MB-Grille

    MB-Grille Neues Mitglied

    Wenn ich politische Debatten verfolge und ein Politiker belegen will, warum der Sozialismus nicht funktioniert, kommt oft das Argument: „die DDR war Pleite ..“. Kann mir jemand sagen, wie viel Schulden die DDR hatte und bei wem sie diese Schulden hatte.


    Was passiert eigentlich wenn die BRD pleite ist? Werden wir dann von Polen übernommen? :)



    Gruß Grille
     
  2. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Erst einmal: "pleite sein" ist ein schillernder Begriff.

    Man kann mehr Schulden als Vermögen haben - ist aber wegen ausreichenden Einkommens durchaus nicht "pleite".
    Man kann umgekehrt mehr Vermögen als Schulden haben - aber pleite gehen, weil man akute Forderungen nicht schnell genug bedienen kann.

    Im Falle DDR war es so, daß einerseits von der Substanz gelebt wurde (d.h. vorhandene Straßen, Maschinen, Wohnungen etc. wurden abgenutzt, ohne daß ausreichend in den Erhalt oder Neubau investiert wurde), andererseits war die Volkswirtschaft insgesamt defizitär und konnte nur durch beständige Geldzufuhr aus dem Westen weitermachen.
    So weit ich mich erinnere, wurde der Staatshaushalt 1990 zur Hälfte von der BRD bezahlt.

    Die eigentlichen Schulden nach außen (etwa 50 Milliarden DM nach Westen, einige Milliarden in Richtung RGW) waren hoch, aber entscheidend war, daß die DDR-Wirtschaft nicht in der Lage war, sie zu bedienen.

    Nach außen hat die DDR-Führung bis zum Schluß nicht zugegeben, daß ihr das Wasser bis über den Hals stand (und das führt bis heute zur Mythenbildung in gewissen politischen Kreisen).
    Aber intern gab es das "Schürer"-Papier, in dem eine hochrangige Arbeitsgruppe dem Politbüro vorrechnete, daß der Staat völlig am Ende war.

    Dann muß die Bundesregierung eingestehen, daß sie die Bundesschuldverschreibungen nicht mehr bedienen kann.
    Das wäre dann sehr traurig für alle Leute, die solche Papiere gekauft haben (oder indirekt bei Banken investiert haben, die solche Papiere haben).
    Es gäbe also einige Bankenpleiten, viele Millionen Sparer würden einen Teil ihres Geldanlagen verlieren und es gäbe eine handfeste Wirtschaftskrise.

    Und natürlich würde die Bundesregierung keine neuen Schulden machen können - sie müßte mit den (durch die Krise gesunkenen) Steuereinnahmen auskommen und ihre Ausgaben kräftig kürzen.

    Insgesamt wäre das alles wenig lustig, würde aber den Bestand des Staates nicht in Frage stellen.
     
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  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  4. Loudon

    Loudon Neues Mitglied

    was noch viel schlimmer wäre, der Staat kann Polizei und Militär nicht mehr bezahlen. Kann zu einem massiven Kriminalitätsanstieg führen und zu schweren sozialen Unruhen.
     
  5. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Ach was.
    Im 20. Jahrhundert war der deutsche Staat 2mal Pleite.
    Und was ist passiert?
    1923?
    1948?
     
  6. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    1923 war ja wohl das Krisenjahr der Republik. Das endete erst durch die Währungsreform, aber zunächst war ganz schön Not am Mann.


    Wieso war der deutsche Staat 1948 pleite? Jedenfalls sind mir da wirklich keine schlimmen Konsequenzen bekannt, aber das liegt mit Sicherheit auch daran, dass die Besatzungsmächte die Ordnung im Lande aufrecht erhielten.

    mfg
     
  7. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Whrungsreform

    Deutsche Bundesbank - Browser-Empfehlung

    http://de.wikipedia.org/wiki/Währungsreform_1948_(Westdeutschland)
     
  8. Repo

    Repo Neues Mitglied

    nun der Staat ist 2 mal vor seine Bürger hingestanden und hat gesagt:

    "Der Staat kann seine Schulden nicht mehr bezahlen. Alles was ihr habt ist futsch. Könnt ihr vergessen."


    Das ist passiert. Sonst gar nichts.
    Für die Betroffenen war es fürchterlich. Aber eben für die Bürger.

    Wie hieß es mal bei einer Bürgerversammlung: "Der Staat sind wir."
    Und die Antwort aus dem Publikum: "Jawoll, der Staat ist ein Rindvieh."

    Kommentar überflüssig
     
  9. Hamburger

    Hamburger Gesperrt


    Vom Grundsatz her kann ein Staat nicht pleitegehen, da er das "Geldmonopol" besitzt. Zahlungsunfähig kann er allerdings werden, wenn er seine Außenstände nicht mehr bedient. Dann allerdings schließt sich in der Regel eine Währungsreform an, um das verlorengegange Vertrauen in einen Staat, eine Regierung wiederherzustelllen.


    Zur DDR und ihren Schulden einmal eine "andere Sichtweise"
    http://www.memo.uni-bremen.de/docs/m2706b.pdf
    http://www.memo.uni-bremen.de/docs/m9921.pdf
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. April 2009
  10. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Aber nein.
    Es sind ja nur wenige Prozent des Staatshaushalts, die schuldenfinanziert werden.
    Über die Jahre summiert sich das natürlich - deswegen ist der heutige Schuldenstand auch so gigantisch.
    Aber die Kürzungen, um ohne neue Schulden auszukommen, wären nicht so wirklich schwierig, und da würde die Regierung wohl nicht bei der Polizei anfangen.
     
  11. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Das ist nicht richtig.

    Zum Einen gab es trotz Geldmonopols schon genügend Staatsbankrotte in der Geschichte.
    Bei vielen Staaten ist es ja auch so, daß sie sich gar nicht in der eigenen Währung (über die sie das Geldmonopol haben) verschulden (weil kein Gläubiger diese Währung akzeptiert), sondern in Fremdwährungen.

    Zum Anderen hat Deutschland sein Geldmonopol bei der Euro-Einführung aufgegeben.

    Au Backe - diese "Studien" haben aber nur kabarettistischen Wert.
     
  12. Hamburger

    Hamburger Gesperrt

    Und kann es sich jederzeit wieder zurückholen mit der Aufgabe zur Zugehörigkeit zur Euro- Währungsunion.

    Der Begriff "Bankrott" ist reine Umgangssprache.

    Um den Unterschied einmal zu verdeutlichen:

    Eine Person x hat 1.000.000 € Schulden, die sie aus Vermögen und Einnahmen nicht mehr bedienen kann. Ihr Vermögen ist und bleibt auf Lebenszeit negativ, einzig die Schulden werden ihr aus verschiedenen möglichen Gründen erlassen, der die Person schafft es trotzdem irgendwie, Einnahmen zur Tilgung zu erzielen.

    Ein Staat hat x Schulden. Er kann diese aus Einnahmen und Staatsvermögen ebenfalls nicht mehr tilgen. Er wird nun über sein Geldmonopol den Wert der Schuldendurch "Gelddrucken", also Inflation minimieren, bzw. wenn das nicht reicht seine Zahlungen dann die Gläubiger einstellen. Im gleichen Atemzug kann er aber eine neue Währung schaffen, mit der er wieder ein erhöhtes Vertrauen in die Staatswährung erhalten kann, sprich das Spiel beginnt von Neuem mit neuen Schulden.
     
  13. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Das nützt erst einmal wenig, weil die Schulden der Bundesrepublik in Euro (den es ja weiter gäbe) denominiert sind - die kann sie nicht nach Belieben mit irgendeiner neu zu druckenden Währung bedienen.

    Für die hier diskutierte Frage Staatsbankrott ist der Begriff völlig ausreichend.
    Staatsbankrott ? Wikipedia

    Das geht nur für vergangene Schulden in genau der Währung, die der Staat inflationieren kann.
    Das geht nicht, wenn er sich in Fremdwährungen verschuldet hat und er bekommt damit auch keine neuen Kredite.

    Eben. Das ist der klassische Staatsbankrott.
    Und normalerweise ist es dann sehr schwer und langwierig, bis wieder neues Vertrauen entsteht und damit neue Kreditwürdigkeit. Das Drucken neuer bunter Zettel mit einem anderen Währungsnamen hilft da wenig.
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Das ist eben der Punkt.
    Nur bei den eigenen Bürgern kann sich der Staat entschulden.
    Weder wurden Reparationen mit Papiermilliardenmark bezahlt, noch waren die Auslandsschulden des "Großdeutschen Reiches" mit Blech-Reichsmark zu begleichen.
    Da kam harte konvertible Währung auf den Tisch.

    Beschissen hat der deutsche Staat nur seine eigenen Bürger.
     
  15. Hamburger

    Hamburger Gesperrt

    Natürlich geht das problemlos, da die neue Währung ein beliebiges Verhältnis zum Euro aufweisen wird, das entweder durch einen Markt oder politisch festgelegt wird.


    Das ist so extrem allgemein geschrieben. Die Wirklichkeit ist hier sehr viel komplexer. Auf jeden Fall hat der Gläubiger auch hier das Nachsehen, wenn er nun statt "starker Währung x" ein Bündel derselben Währung in den Händen hält, deren Tauschwert am Markt aufgrund großer Geldmengenerhöhung gesunken ist.
    Ob der Schuldner nun neue Kredite bekommt, ist Sache der potentiellen Gläubiger. Im Falle Argentinien vor kurzer Zeit, war das z.B. absolut kein Problem, nachdem Argentinien die Altschuldner quasi vor vollendete Tatsachen stellte und seinen Schuldendienst nicht mehr bediente. Und auch das Land hat nach wie vor vollen Zugriff auf den Kapitalmarkt.
     
  16. EL_Mercenario

    EL_Mercenario Neues Mitglied

    Könntest du das konkretisieren?
     
  17. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Wir wollen hier nicht aktuelle Fälle wie Argentinien diskutieren, bei einem Vergleich lassen Gläubiger auch Federn.

    Fakt ist aber, dass der jungen Bundesrepublik keiner einen Dollar Pfund oder Fränkli gegeben hätte, wenn die Alt-Auslandsschulden nicht bezahlt worden wären.


    An den Inflationsgeschädigten des Jahres 1923 würde ich aber die geringe Akzeptanz die die Weimarer-Republik bei ihren Bürgern hatte, festmachen.
     
  18. MB-Grille

    MB-Grille Neues Mitglied

    Warum macht man dann nicht einfach keine Schulden und lebt von dem was man auch erwirtschaftete?

    Wer von uns glaubt denn ernsthaft noch, dass die BRD die 1,5 Billionen Euro abzahlen kann?

    Und was ich dann erst recht nicht verstehe: wenn ich merke dass ich kein Geld mehr habe, dann spare ich es und kaufe mir NICHTS mehr ... die BRD macht es genau anders ... noch mehr Schulden und ausgaben um eine marode Wirtschaft zu unterstützen.

    Ich habe im Internet noch etwas gesucht und gefunden, dass die DDR wohl 171 Mrd. Schulden hatte (Währung?) ...

    ich finde diese Aussage hat kabarettistischen Wert da sie nur so dahingeworfen ist, nur um etwas zu sagen! Und genau das ist es auch was mich an "POLITIK" stört ... da wird nur geschwafelt um den anderen runter zu machen anstatt gemeinsam eine Lösung zu finden.

    Gruß Grille
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. April 2009
  19. Hamburger

    Hamburger Gesperrt


    Das liegt am Monopol auf die Herstellung von Geld. Du und ich, wie alle anderen Staatsbürger und Unternehmen auch haben dieses Monopol nicht, sondern benutzen einzig das vom Staat zur Verfügung gestellte Tauschobjekt "Geld". Für uns ist es somit begrenzt. Für den Staat als solches ist "Geld" in seiner von ihm geschaffenen Währung aber unbegrenzt verfügbar, da beliebig herstellbar.
     
  20. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Wenn sich der Staat zB in der derzeitigen Krise so verhalten würde, wäre Schluss, aber total.
    Wir sind ein Geschichtsforum, also googel doch einfach mal nach Brüning.

    Weltwirtschaftskrise ab 1929, und Brüning hat eine Deflationspolitik betrieben. Es ging nichts mehr. Gar nichts.
     

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