Wirkung von Pfeilen

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von gast1, 14. Januar 2019.

  1. gast1

    gast1 Gast

    Hallo,

    ich habe vor ein paar Tagen einige " gesehen und habe mir dabei überlegt, inwiefern einige der gezeigten Szenen der Wirklichkeit entsprechen. Was mir besonders aufgefallen ist, dass Bogenschützen ihre Pfeile dabei recht oft in einem hohen Bogen verschießen und diese dann auf den Gegner herabregnen. Meine Frage ist, macht es nicht viel mehr Sinn, in einer relativ geranden Linie auf den Gegner zu schießen? Ich bin kein Waffen- oder Physikexperte, aber ich denke mir mal, dass der Pfeil doch den Großteil seiner Wirkung bzw. Energie verliert, wenn ich ihn erstmal hoch in die Luft schieße?
     
  2. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Bei Bögen kann die Schussweite fast nur durch den Abschuss-Winkel verändert werden. In einer direkten Linie zu schießen funktioniert nur bei einer recht kurzen Entfernung. Bei größeren Distanzen muss im Bogen geschossen werden.

    Der Energieverlust hält sich dabei mWn in Grenzen. Das relativ großen Eigengewicht des Pfeils bedeutet, dass hier Energie gespeichert und beim Herabfallen wieder freigesetzt wird.
     
  3. hatl

    hatl Premiummitglied

    Ohne Luftreibung kommt man mit 45° Abschusswinkel am weitesten. Mit Luftreibung ist der Winkel wenig niedriger, würd ich mal annehmen.
    Die Auftreffgeschwindigkeit auf gleicher Ebene ist im luftleeren Raum unabhängig vom Abschusswinkel.
    Und mit Luft?
    Das ist mathematisch kompliziert, aber sicher gibt es dazu vergleichende Versuche.
    Plausibel scheint mir, dass "der Pfeil" nicht den "den Großteil seiner Wirkung bzw. Energie verliert".
     
  4. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Gäbe es keinen Luftwiderstand, dann würde ein Pfeil mit der Energie einschlagen, mit der er den Bogen verlässt. Dann wäre die genaue Flugbahn irrelevant. Jetzt gibt Verluste durch die Luft, in Bezug auf die Energie bedeutet das, dass eine unnötig hohe Flugbahn (es muss mindestens so hoch geschossen werden, dass der Pfeil nicht vor dem Ziel runter fällt) ungünstig ist.

    Aber es kommt nicht unbedingt auf die Energie an, solange der Pfeil überhaupt trifft und Schaden anrichtet. Andere Überlegungen sind da wichtiger, z.B. das beim Herabregnen die Abwehr schlechter wird, bei gleichzeitigen Pfeilen von vorn und oben ein Schild weniger Schutz bietet, Pfeile von oben schlechter zu sehen sind usw.
     
  5. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Und nicht zu vergessen, das dich der Gegner in der Zeit vom lösen des Pfeils, bis zum treffen auf das Ziel bewegt. In den Schlachten des MA wurde deshalb grob in die Richtung der Gegner gezielt und ein Schwarm Pfeile losgeschickt. Irgendwie werden eh welche Treffen. Vergiss Robin Hood und Hollywood.
     
  6. corto

    corto Aktives Mitglied

    Hallo,

    hatl liegt richtig mit seiner Vermutung das die maximale Reichweite bei 45° erreicht wird.

    Und dann gibt es da noch unzählige Faktoren die man in ein Mittel bringen muss zwischen Wirkung und Reichweite.
    Maximal weit fliegt ein sehr leichter Pfeil mit möglichst wenig befiederung, der fast keine Spitzenlastigkeit aufweist um maximal flach zu segeln.
    Aktueller bestätigter Rekord liegt übrigens bei 1,2 km.
    Solch ein Pfeil hat dann aber kaum rüstungsbrechende Wirkung und man müsste auftgrund der waagerechten Fluglage schon fast hineinlaufen damit einen das spitze Ende trifft.

    Pfeile für den militärischen Gebrauch gegen Menschen sind da anders designt. Sie haben einen hohen FOC (forward of center) also der Pfeil ist sehr spitzenlastig und verlieren dadurch sehr an Reichweite - gewinnt aber an Wirkung auf Rüstung. (auch wenn die reine Kinetische Energie gleich ist - egal ob mit viel oder wenig FOC)
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Januar 2019
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  7. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    In der Realität stimmt das nicht. Auch nicht, obwohl es vielfach im Netz wiederholt wird. :D
    Immer wenn von 45° bei einer ballistischen Schussbahn geredet wird, dann zeigt sich die Unkenntnis des Autors in Bezug auf Physik.
     
  8. corto

    corto Aktives Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 15. Januar 2019
  9. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Wieso? Da steht doch
    "Die maximale Flugweite wird außerdem nicht bei 45° erreicht, sondern bei einem Startwinkel um 20°."
     
  10. corto

    corto Aktives Mitglied

    das gilt für einen Golfball, der bekanntlich nicht sehr gut segelt.

    das die 45° nicht genau sind sehe ich ein, aber die 20° sind es für Pfeile auch definitiv nicht.

    Die 45° gelten für den Luftleeren Raum. Im Wettbewerb beim Flightschießen wird in der Regel zwischen 43° und 45° geschossen, und die kennen sich ja nun ein wenig damit aus.
    Der Luftwiederstand eines Flight-Pfeils ist einfach sehr sehr gering.
    Im Mittelalter sah das freilich anders aus.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Januar 2019
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  11. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Warum sollte er falsch sein?

    Aber wenn Pfeile durch Federn stabilisiert werden, dann zeigt es doch wie schlecht die Beschreibung ohne Luftwiderstand ist. ;)
     
  12. corto

    corto Aktives Mitglied

    die 45° sind für die Frage des Threaderstellers wirklich falsch, er redet ja (sofern meine Glaskugel die " richtig deutet) vom Mittelalter. Das heißt wohl Langbogen und englische Pfeilgewichte von ~60g und damit maximale Reichweiten von ~200m. dazu weiß ich tatsächlich keinen Winkel, da müsste mir der Physiker mal helfen.

    In der Praxis des Weitschießens mit Bögen allerdings, sind keine Federn im eigentlichen Sinn verbaut, dort sind auf Carbonpfeilen nur dünne und sehr flache Finnen. ebenso sind die Pfeile viel kürzer als ihr Auszug, und werden mit siper verschossen. und da ist man dann sehr nah an den idealisierten 45°.
     
  13. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Wir haben hier einen recht umfangreichen Thread, ob dort bezüglich Abschusswinkel und Einsatzweisen was zu finden ist?
    Englische Langbogen

    Eine Publikation nicht nur zu englischen Langbögen von J. Junkmanns:
    Pfeil und Bogen
    mit umfangreichen technischen Ausführungen zur Effektivität etlicher Bögen von der Steinzeit bis ins Mittelalter, u.a. incl. experimentalarchäologischer (Weit-)Schussversuche. Beim ersten Anlesen auch für einen ballistisch-physikalischen Analphabeten wie mich durchaus verständlich.
     
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  14. corto

    corto Aktives Mitglied

    ich kann es leider nicht mehr editieren, aber die English warbow society schießt quarter pound arrows, also sogar 120,5 gramm schwere Pfeile. Joe Gibbs hat damit 242 Yard weit geschossen.
     
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