Wirtschaft in Deutschland 1933-39

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Gast, 11. Dezember 2005.

  1. Gast

    Gast Gast

    Wirtschaftspolitik im 3. Reich

    Hallo...ich hab hier folgende Aufgabe:
    Erarbeiten sie die Einstellung vieler Unternehmer und Arbeiter im 3. Reich und stellen sie dar, inwiefern diese der nat.soz. Wirtschaftspolitik nützten.
    Welche grundsätzliche Problematik ergibt sich aus dieser Einstellung?

    also den ersten Teil weiß ich in etwa:
    - hielten sich aus politik heraus - Politiker konnten ihr eigenes Ding durchziehen und waren sich sicher, dass sie von den Unternehmern keine Steine in den Weg gelegt bekommen
    - hatten keine Angst mehr, arbeitslos zu werden - können ihrer friedlich, aufbauenden Arbeit nachgehen/ haben Vertrauen in die Politik Hitlers, da sich seine Versprechen für sie bewahrheitet haben
    - Kraft durch Freude - für den schaffenden Unternehmer wird viel getan - Produktionssteigerung ohne nennenswerte Lohnerhöhung

    aber bei dem zweiten Teil fällt mir nicht so viel ein. Wäre also schön, wenn ihr mir da mal was schreiben könntet. Danke!
     
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

  3. Lizz

    Lizz Neues Mitglied

    Ziele der NS-Wirtschaftspolitik

    wunderschönen guten Morgen!
    Kann man die wirtschaftlichen Ziele Hitlers auf die Reduzierung der Arbeitslosigkeit und die Vorbereitung auf den Krieg beschränken? Welchen Einfluss hatten die Rohstofflieferung der SU auf die NS-Wirtschaft?
    Danke für eure Hilfe!
    Gruß Lizz
     
  4. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Wirtschlaftliche Ziele Hitlers ... ja, die Vorbereitung auf den Krieg ist sicherlich eines der Hauptziele. Die Reduzierung der Arbeitslosigkeit hängt damit zusammen. Einmal muss er die Arbeitslosenzahlen reduzieren, damit das Volk ihn überhaupt als Führer auf längere Sicht anerkennt - damit er also seinen Krieg führen kann.
    Andererseits wird durch die Vorbereitung auf den Krieg diese Arbeitslosenzahl auch reduziert.

    Zur Vorbereitung auf den Krieg gehört auch die Forderung, dass die dt. Wirtschaft autark - also unabhängig von Lieferungen aus dem Ausland - werden sollte. Es wurde versucht, z.B. Ersatzstoffe für bestimmte Rohstoffe zu finden.

    Rohstofflieferungen aus der SU? ... Vor allem in Folge des Hitler-Stalin-Pakts lieferte die SU Getreide. Zur Zeit vorher weiß ich aus dem Kopf nichts Genaues, kann daher auch über den Einfluss auf die Wirtschaft nicht sagen.

    Dass die Rohstoffe gebraucht wurden zeigt aber auch der Befehl Görings nach dem Überfall auf die SU zur wirtschaftlichen Ausbeutung der eroberten Gebiete.
     
  5. Renard

    Renard Neues Mitglied

    Die SU lieferte nach der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Pakts Erdöl sowie die sog. Stahlveredeler Mangan- und Chromerz an das Dritte Reich. (Durch die Besetzung Norwegens 1940 sicherte sich das Dritte Reich den Zugang zu den Eisenerzvorkommen in Schweden. Erdöl erhielt das Dritte Reich auch aus Rumänien.)
     
  6. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Von welchen Größenordnungen von Rohstofflieferungen ,außer Getreide und den o.g. gehst du hier aus ?
    Es war ja gerade die Rohstoffverknappung ,der auch die Herstellung von Ersatzstoffen nicht Herr wurde ,- die in Wirtschaftskreisen dazu geführt hat ,daß Hitlers These von der notwendigen territor. Expansion unterstüzt und genüzt wurde, ob man nun die autarkistische Ideologie des Nationalsozialismus anerkannte oder nicht. Mehr und mehr nahm man es hin, den Krieg auch ökonomisch als fast unvermeidlich zu betrachten.
    Lange vor einer Besprechung ,in der Hitler die Beschleunigung der Expansion mit der dt. Ernährungs-und Rohstofflage begründete(Hoßbach-Besprechung) postulierte dies seine (Hitlers) geheime Denkschrift zum Vierjahresplan (Aug. 1936).
    Die dt. Großindustrie folgte hier in blinder Fixierung auf Produktionssteigerung und Effizienz dem NS-Regime.
    Aufrüstung verschärfte die Rohstofflage,diese erforderte den Angriff, dieser bewirkte neue Rüstungsanforderungen. So stand die permanente Kriegswirtschaft getarnt im Gewand des kapitalist. Systems von Anfang an hinter der NS- Wirtschaftspolitik, deren Handlanger und prominente Profiteure nicht zu den Opfern im Nachkriegsdeutschland zählten, im Gegenteil !

    zu Hoßbach- Besprechung :

    http://www.zum.de/psm/ns/hp_ns_aussen.php
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Januar 2006
  7. Lizz

    Lizz Neues Mitglied

    Hallo,
    danke erst mal für eure Hilfe.
    @ Arcimboldo: Beide Dokumente sind mir in Auszügen bekannt (Hoßbachprotokoll und Denkschrift zu m Vierjahresplan), auch ist mir bewusst, dass Hitler auf eine autarke Wirtschaft abzielte. Doch habe ich irgendwo gelesen, dass die SU an Deutschland Metalle geliefert haben soll, die für die Rüstungsindustrie notwendig gewesen sein sollen! Mich interessiert v.a. ob Hitler abhängig von diesen Lieferungen war, oder ob er hätte darauf verzichten können. Wenn ersteres nämlich stimmen sollte, finde ich den Umstand interessant, dass die SU Rohstoffe geliefert haben soll, die im Krieg praktisch gegen sie eingesetzt werden sollte.
    Man findet jedoch keine wirklich einheitlichen und vollständigen Übersichten über den Lieferumfang der russischen Importe!
     
  8. Albatros

    Albatros Neues Mitglied

    Rolf-Dieter Müller hat dazu einen längeren Beitrag geschrieben: "Von der Wirtschaftsallianz zum kolonialen Ausbeutungskrieg" in Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd.4: Der Angriff auf die Sowjetunion, S. 98 - 189.
     
  9. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Letztendlich muss man sich vor Augen halten, dass dass NS-Regime die Autarkie als Ziel erkoren hatte. Nämlich die wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erreichen, um Weltherrschaftsansprüche geltend zu machen.
     
  10. Penseo

    Penseo Neues Mitglied

    Hallo Lizz,

    Hitler war unbedingt auf Rohstofflieferungen aus dem Ausland angewiesen. Die Rüstungsindustrie konnte nicht zu 100% ausgelastet werden, weil eben die Rohstoffe fehlten. Zugleich waren deutsche Produkte im Vergleich zum Weltmarktpreis zu teuer. Um Devisen-/Goldreservenabflüssen bzw einer Abwertung entgegenzuwirken wurden deutsche Exportgüter subventioniert. Eine weitere Möglichkeit waren Kompensationsgeschäfte, bei denen kein Handelspartner Devisen benötigte bzw. die Bezahlung in deutschem Geld.

    Hinsichtlich der Wirtschaftsbeziehungen zur UDSSR helfen Dir vielleicht diese Ausschnitte :

    "...Das sowjetische Interesse am Abschluß eines Nichtangriffsvertrages mit Deutschland ergab sich aus der Sicht des stalinistischen Regimes durch das Versagen der Politik der kollektiven Sicherheit. Insbesondere wurde das Münchener Abkommen vom 29. September 1938 kritisiert. Denn bei den Verhandlungen zwischen Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien über die Abtretung des Sudetenlands war die Sowjetunion ausgeschlossen und damit international isoliert worden. Nachdem Deutschland im März 1939 das Abkommen gebrochen und die Tschechoslowakei erobert hatte, boten sich Stalin aufgrund der britisch-französischen Garantieerklärung für Polen zwei Optionen künftiger außenpolitischer Orientierung: einen Bündnispakt mit Großbritannien und Frankreich gegen Deutschland abzuschließen oder sich mit Deutschland zu arrangieren. Die deutsch-sowjetischen Verhandlungen im Sommer 1939 ergaben, daß die nationalsozialistische Regierung das scheinbar bessere Angebot hatte: Da die Gespräche unter dem Druck der Vorbereitung des deutschen Angriffs auf Polen geführt wurden, versprach der Vertrag mit Deutschland der Sowjetunion Neutralität in dem zu erwartenden Krieg, eine Abgrenzung territorialer Interessen "von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer", eine Intensivierung des Warenaustausches mit Deutschland sowie ein Ende der militärischen Bedrohung der Sowjetunion durch Japan und damit die Beseitigung der Gefahr eines Zweifrontenkrieges für die UdSSR. "
    .
    .
    .
    "..Zugleich wurden jedoch die Wirtschaftsbeziehungen, die sich durch das Abkommen vom 11. Februar 1940 zum einem "Jahrhundertgeschäft" entwickelt hatten, von deutscher Seite weitergeführt. Das NS-Regime wollte soviel Rohstoffe wie nur möglich mit Hilfe der UdSSR beziehen; zugleich sollte die Wirtschaftskooperation vortäuschen, daß Deutschland an der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion festhalten wollte. Je gespannter das deutsch-sowjetische Verhältnis infolge der deutschen Balkanpolitik wurde, desto stärker kam es Stalin darauf an, die Verträge mit Deutschland zu erfüllen. Die nationalsozialistische Propagandaparole, Hitler werde nicht den Fehler begehen, einen Zweifrontenkrieg zu beginnen, traf sich letztlich mit Stalins durchaus rationalem Kalkül, daß es für Deutschland aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen unmöglich sei, an zwei Fronten - gegen Großbritannien und die Sowjetunion - gleichzeitig zu kämpfen. Die Sowjetführung hielt daher an der Partnerschaft mit Deutschland fest. So traf der deutsche Angriff eine bündnispolitisch isolierte Sowjetunion, deren Kriegsvorbereitungen nicht ausreichten, um den Vormarsch der deutschen Wehrmacht in den ersten Kriegsmonaten aufzuhalten. .."
    Diese Passagen stammen aus dieser Quelle:
    http://osteuropa.bsb-muenchen.de/di...eneric__BookTextView/22;cs=default;ts=default

    Der Vertrag vom 11. Februar 1940 beinhaltete den Austausch kriegsnotwendiger Rohstoffe.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Januar 2006
  11. Penseo

    Penseo Neues Mitglied

  12. Dernburg

    Dernburg Neues Mitglied

    Zu diesem Thema kann ich das Buch von Götz Aly:

    Hitlers Volksstaat empfehlen, sagt viel ausd wie andere Länder wirtschaftlich ausgebeutet wurden, um Hitlers Krieg zu finanzieren.
     
  13. Mercy

    Mercy unvergessen

    Hier eine Übersicht der doch unterschiedlichen Rezensionen:
    http://www.perlentaucher.de/buch/20266.html
     
  14. Lizz

    Lizz Neues Mitglied

    Ich danke euch! Ihr habt mir ein weiteres Mal erfolgreich weitergeholfen.
     
  15. Gast

    Gast Gast

    Hallo Leute!

    Im Geschichte-Leistungskurs soll ich einen Vortrag über die Wirtschaft von 1933-1939 in Deutschland halten. Genaue Aufgabenstellung ist jetzt egal. Da ich lange Zeit habe, wollte ich gern spezielle Literatur heranziehen und nicht das Internet als einzige Quelle nutzen. Daher meine Frage: Kann mir jemand Bücher (etc.) zu diesem Thema empfehlen?

    Danke im Voraus.
     
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Sehr speziell und aufschlussreich: Karlsch/Stokes: Faktor Öl, Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859-1974

    kompakt:
    Boelcke, Die Finanzpolitik des Dritten Reiches - Darstellung in Grundzügen
    +
    Ritschl, Wirtschaftspolitik im Dritten REich - Ein Überblick
    +
    Kranig, Arbeitnehmer, Arbeitsbeziehungen und Sozialpolitik unter dem Nationalsozialismus
    alles in :Bracher/Funke/Jacobsen, Deutschland 1933-45, Neue Studien zur Nationalsozialistischen Herrschaft, Schriften Nr. 314 der BpB, S. 95-153
     
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  18. hyokkose

    hyokkose Gast

    Sofern es um Zahlen (auch im Vergleich mit der Weimarer Republik) geht, würde ich empfehlen:

    Dietmar Petzina, Werner Abelshauser und Anselm Faust, Sozialgeschichtliches Arbeitsbuch III - Materialien zur Statistik des Deutschen Reiches 1914-1945, München 1978
     
  19. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Folgenden Text fand ich ganz aufschlussreich. Sieh doch hier einmal herein. Falls du es interessant findest, lies einfach in dem angegebenen Buch weiter:
    „...
    NATIONALER SOZIALISMUS - GEMEINNUTZ VOR EIGENNUTZ ?
    Anders als die Russische Revolution zerschlug die NS-Diktatur die vorgefundene Gesellschaft nicht und ge-staltete auch keine neue. Nach der Krise blühte der Privatkapitalismus wieder auf. Die Furcht vor abträglicher Veränderung war gebannt, da es, so ein Wirtschaftskapitän `heute Gott sei Dank einen Staat gibt, in den man nicht Sorge haben muss, dass in sechs Wochen andere Politik betrieben wird.´[Schmitt, Kurt (Generaldirektor der Allianz-Versicherung) auf einer Besprechung Hitlers mit Wirtschaftsführern am 29.5.33] Autoritäre Herr-im-Hause-Betriebsordnung, gezielter Terror, KdF-Sozialtechnik und `Volksgemeinschafts´- Propaganda hielten die ihrer Organisation und Rechte beraubten Werktätigen nieder.
    Das Reich gab Großfirmen billig Aktien zurück, die es ihnen als Krisenstütze abgekauft hatte. An ihrer Reprivatisierung verdienten z.B. die Vereinigten Stahlwerke 33. Mill. RM. Die Konzentration nahm zu: 1939 besaßen 2,8% der Gesellschaften 70,9% des Kapitals. Risikioarme Staatskonjunktur mit Subventionen, Steuernachlässen, Absatz- und Preisgarantien. Beute aus `Arisierung´ und besetzte Länder sowie Lohnstopp sicherten anschwellende Profite...
    Die Einkommen waren immer ungleicher verteilt. Von den 38 Mrd. RM Zuwachs der Privateinkünfte 1932 - 1939 flossen 16,5 Mrd. RM (43,3%) wenigen Besitzenden zu. 1938 ver-diente ein Prozent der Steuerzahler über 50.000 RM im Jahr und bezog damit 21 Prozent der Gesamteinkommen...
    Die Lohnsumme kletterte zwar knapp über den Vorkrisenstand, ihr Anteil am Volkseinkommen aber sackte 1932 - 1939 von 60,3% auf 53,3% (1929: 59,5%). Nimmt man den Verdienst einzelner Arbeitnehmer unter die Lupe, erkennt man deutlich:
    - Tariflöhne blieben trotz des Booms unter dem Krisentief, [der Tarifstundenlohn eines Industriearbeiters be-
    trug z.B. 1929 0,96 RM und 1939 0,81 RM]
    - Bruttostundenlöhne stiegen seit der Vollbeschäftigung, holten aber den Krisenverlust nicht auf,
    - Wochenlöhne wuchsen vor allem wegen längerer Arbeitszeit und Überstunden,
    - Bezüge im öffentlichen Dienst waren 1932 - 1940 um 20% gekürzt,
    - Gehälter von Angestellten (darin Manager, Funktionäre) zogen stark an, [1929 im Monat 207,-RM und 1939 231,- RM]
    - ausgezahlte Nettoverdienste lagen nach Steuer- und Sozialabzügen sowie `freiwilligen´Beiträgen und Spen-
    den rund 20 Prozent unter den Bruttosätzen...
    Das Innenministerium meldete Klagen über die Löhne, die `in einzelnen Industrien kaum die Unterstüt-zungssätze überstiegen, teilweise sogar dahinter zurückbleiben´...`Die Lohnstreitigkeiten´, 1935 noch selten, `waren meist durch das sofortige Eingreifen der Geheimen Staatspolizei in Zusammenarbeit mit dem Treu-händer der Arbeit und der Arbeitsfront rasch zu schlichten´. Einer der Treuhänder schrieb, gegen `in erschreckendem Maße noch rein klassenkämpferischen Geist´ habe er `des öfteren´ NSBO-Obleuten [NS-Betriebsorganisation/Ersatz für die ehem. gewählten gewerkschaftlichen Betriebsräte] `mit der Geheimen Staatspolizei drohen´ und sich `größtenteils für die Unternehmer einsetzen müssen´. Was Zahlen allein nicht sagen, steht als Alltagswirklichkeit in Berichten der... Gewerbeaufsichtsämter. Einige Beispiele von vielen:
    Von ihrer `Schutzzeit vor der Niederkunft machen die Arbeiterinnen im allgemeinen wegen der damit verbundenen Verdiensteinbuße keinen Gebrauch´... Fabrikanten warfen sie vor, `nicht selten nutzten sie die Arbeitskraft der jugendlichen und Frauen in einer zuweilen an Ausbeutung grenzenden Weise aus.´ Um eine `übermäßige Behinderung der Betrieb zu vermeiden,´ meldete die Reichsgruppe Industrie bei einem Jugend-schutz-Entwurf `Bedenken´ an `gegen die Heraufsetzung des Schutzalters auf 18 Jahre, die Einrechnung der Berufsschulzeit in die tägliche bzw. Wochenarbeitszeit, die Höchstgrenze für Arbeitszeitverlängerung, die Ruhepausen´ usw. Das Gesetz war denn auch von vielen Ausnahmeregeln durchlöchert (z.B. 10-Stunden-Tag, 54-Stunden-Woche für 16jährige)...
    Auch die Masse der Bauern lebte nicht so, wie es die Blut-und-Boden-Propaganda ausmalte. An der über-kommenen Besitzstruktur änderte sich wenig: 1939 gehörten den 56 Prozent Höfen unter 5 ha nur 13 Prozent der Fläche, den 0,6 Prozent Gütern über 100 ha dagegen 17 Prozent... Nach wie vor waren die ostelbischen Provinzen von Junker-Großgrundbesitz beherrscht und weite Gebiete Deutschlands mit Küm-merbetrieben übersetzt. Erst 1938/39 erlösten die Bauern auf dem Markt soviel wie zehn Jahre zuvor. Obwohl ihre Betriebsausgaben niedrig blieben, hinkte ihr Verdienst hinter der allgemeinen Entwicklung stets um 7 - 10 Prozent her... Oft überaltert, ungenügend ausgebildet, mussten sich die meisten Kleinbauern, ihre Frauen und Kinder auf untertechnisierten Höfen in überlangen Arbeitstagen abrackern....
    Am schlechtesten schnitten Alte und Arbeitsunfähige ab. Ley [Leiter der DAF], `so ist Sozialismus letzten Endes kein Mitleid und keine Wohlfahrt für den einzelnen Menschen, sondern Sozialismus ist die Frage: Was nützt Deutschland?´ 1929 waren 5,8 Prozent des Volkes über 65 Jahre alt, 1939 schon 7,8 Prozent. Doch der öffentliche Sozialhaushalt magerte 1931 - 1937 von 8,1 auf 5,2 Mrd. RM ab und stieg bis 1939 nur auf 7,7 Mrd., während der von 4,4 auf 10,1 Mrd. aufgefüllte Juliusturm des Sozialversicherungsvermögens für die Rüstungskasse geleert wurde. Bis 1941 die Kürzungen der Krisenzeit ganz aufgehoben waren, blieben die meisten Renten unter dem Fürsorge-Richtsatz und unter dem Erwachsenenexistenzminimum, das die DAF bei niedrigst denkbarer Lebenshaltung mit 45,45 RM im Monat errechnete...
    Für die meisten indes besserte sich der Lebensstandard, gemessen am Krisenelend - und daran maß man... Dem weder durch erhöhte Steuern noch Sammelbüchsen voll abgeschöpften Kaufkraftzu-wachs stand ein ungenügendes Konsumangebot gegenüber. Dennoch wurde bis Kriegsbeginn der Konsum kaum gelenkt... Während die Produktion gerade mit dem Bevölkerungswachstum Schritt hielt,... vervielfachte sich der Ausstoß solcher Waren, an denen das Regime politisch interessiert war, z.B. Jedermann-Radios [„Volks-empfänger“] und Autos (auch für späteren Zugriff durch die Wehrmacht). Natürlich aß man wieder mehr als im Krisenjahr 1932. Aber je mehr der Vierjahresplan Vorrang erhielt, desto karger war der Durchschnitts-tisch gedeckt...
    Die DAF zog Bilanz: `Der Wunsch, für sich und seine Familie möglichst gute Lebensbedingungen zu errei-chen, steht in Millionen von Fällen im schärfsten Gegensatz zu den Erfordernissen der Staatspolitik... Der Führer spricht nicht von Lohn- und Preispolitik, sondern von Seele, Rasse, Blut, Boden und Vaterland... [Denn:] Die soziale Frage ist kein Problem der Tarifverträge, sondern ein Problem der Erziehung und Schu-lung. [Also:] Sozialismus ist eine Sache der ehre, der Anständigkeit und ordentlichen Gesinnung.´ Klassen-gegensätze waren nicht in Wirklichkeit aufzuheben, nur im Bewusstsein. Harmoniepropaganda vernebelte Konflikte... Handfestes bot die der DAF angeschlossene NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“: `Für die Sicherung des Arbeitsfriedens.´“
    aus: Aleff, Eberhard (Hg.): Das Dritte Reich, Edition Zeitgeschehen, Hannover 191982, S.117-22 und an dieser Stelle weiter.
    Ansonsten findest du auch unter den Suchbegriffen "NS"+"Wirtschaftspolitik" sowohl Links als auch Literaturangaben im Netz.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. April 2007
  20. Gast

    Gast Gast

    Danke für eure Hilfe!!! Scheinen echt paar interessante Sachen zu sein. Muss nur aus finanziellen Gründen auf die örtliche Bibliothek zurückgreifen...mal sehen, was die hergibt.
    Danke nochmal!
     

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