Wirtschaft in Deutschland 1933-39

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Gast, 11. Dezember 2005.

  1. Gast

    Gast Gast

    Ziele der NS-Wirtschaftspolitik

    Guten Tag ,
    Die Hauptziele der NS-Wirtschaftspolitik waren ja die Beseitigung der Arbeitslosigkeit und die "Wehrhaftmachung". Daraus folgte jedoch ein Zielkonflikt. Aber warum und was für einer? Die beiden Ziele waren ja sogar eng miteinander verknüpft ( Autobahnbau , allgemeine Wehrpflicht etc..)

    Des weiteren würde mich noch interessieren wie ich dies am besten in ein Referat aufbauen kann also die Ziele und Merkmale der NS-Wirtschaftspolitik.

    So und die letzte Frage : Was waren die ausschlaggebenden Faktoren für das "Wirtschaftswunder" im 3.Reich?
     
  2. Balduin

    Balduin Gesperrt

    http://www.geschichtsforum.de/f66/ziele-der-ns-wirtschaftspolitik-9166/
    Wirtschaft

    Viel Spaß beim Stöbern :winke:

    P.S.:
    Von diesem Zielkonflikt habe ich noch nichts gehört und so wie du ihn mit den zwei Hauptzielen in Verbindung bringst, gibt es da auch keinen Konflikt :fs:
     
  3. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Spätestens 1942 bestand akuter Arbeitskräftemangel auf Grund der Tatsache, dass ein großer Teil der männlichen Bevölkerung zur Wehrmacht o. ä. eingezogen worden war. Ob das aber der "Zielkonflikt" ist, der hier gemeint ist? Jedenfalls das einzige, was mit grad einfällt...

    Keine Ahnung. Sowas solltest du aufgrund deiner Recherchen selbst entscheiden. Klassisch wäre: 1. Zielsetzungen, 2. Methoden der Umsetzung, 3. Erfolge/Misserfolge.

    Ich würde sagen: Massive Staatsverschuldung, Geldentwertung und Rückgriff auf das "Volksvermögen" (habe gerade nicht im Kopf, wie das Anleihensystem hieß und funktionierte, mit dem massiv Privatvermögen requieriert worden ist - weiss das jemand?)
     
  4. Petra_44

    Petra_44 Neues Mitglied

    Zu den ausschlaggebenden Faktoren:
    Die weltweite Finanzkrise (Weltwirtschaftskrise) war zu Ende. Das war zwar nicht das Verdienst der Nazis, aber man schrieb es ihnen zu. Mit anderen Worten: Es ging wieder aufwärts, und man glaubte, das den Nazis zu verdanken.

    Dann ist noch der Autobahnbau und die Rüstungsindustrie zu erwähnen. Beides "Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen" in gigantischem Ausmaß. Natürlich fanden es die Leute toll, plötzlich wieder Arbeit zu haben. Nur: Man hatte gar kein Geld für diese Maßnahmen. Das lief alles auf Kredit.

    Übrigens, apropos Kredit: Zur Rückzahlung von Krediten aus dem Ausland sah man sich nicht mehr verpflichtet. Das Ergebnis war natürlich auch, dass man keine neuen Kredite mehr bekam. Erzwungene Autarkie sozusagen. :grübel:

    Das mit dem "Zielkonflikt" habe ich nicht verstanden. Die Arbeitslosigkeit wurde ja u.a. auch durch die Rüstungsindustrie beseitigt. Ist das eine Vorgabe des Lehrers?

    Hm. Keine Ahnung, was er damit meint. Mir fällt dazu nur noch ein, dass plötzlich viele Arbeitskräfte fehlten. Also mussten Frauen in Berufen einspringen, die bislang den Männern vorbehalten waren, die sie aber problemlos ausführen konnten. Ich denke da z.B. an eine Tätigkeit als Straßenbahnschaffnerin etc. Ich habe da mal ein Foto von einer Frau gesehen, die mit irgendwelchen Seilen die Anzeigetafeln für den Zug umschaltete. Bildunterschrift: "Hier wird der Fahrtrichtungsanzeiger von zarter Hand bedient". (Als ob man dazu viel Kraft bräuchte. Dazu würde man heute einfach eine x-beliebige Zeitarbeitskraft einteilen, wenn es so einen Job noch gäbe.)

    Schöne Grüße

    Petra
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Juni 2008
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Wirkungen der Staatsverschuldung, die wesentlich durch die Aufrüstung verursacht wurde, sind komplex und nach Fristigkeiten sowie Realgüter- und Geldmarkt zu unterscheiden. Einige Betrachtungen:

    1. In einem anderen Thema war bei den Maßnahmen - die durch Verschuldung 1933/34 finanziert wurden - bereits auf die Priorität militärischer Aspekte hingewiesen worden. Das muss nicht unbedingt "Kanonen" heißen, auch die Infrastrukurmaßnahmen wurden im Dritten Reich danach ausgewählt, was militärisch sinnvoll ist - siehe Kanal-, Eisenbahn- und Straßenbau. Dazu lassen sich in den Protokollen des Kabinetts Hitler bereits im März-April 1933 klare Vorgaben für den militärischen Nutzen finden. Problem solcher Prioritäten ist klar: langfristiger volkswirtschaftlicher Sinn/Nutzen der an sich zunächst einmal unverdächtigen Ausgaben; dieses kann als Aspekt/Vorstufe zu dem weiter ausgreifenden Kanonen-statt-Butter-Problem gesehen werden.


    2. Kurzfristig ist das Rüstungsprogramm ein deficit spending, ein auf Verschuldung beruhender Ausgabenimpuls des Staates, der eine auf Investitions- und Konsummangel beruhende Konjunkturkrise - kurzfristig - beseitigen kann und ggf. in einen Aufschwung überleiten könnte. Problem: dieses Ausgaben-/Rüstungsprogramm ist nicht kurzfristig als Überleitung in den angestrebten Aufschwung mit Vollbeschäftigung angelegt gewesen, sondern lief weiter, trieb bis 1939 die Verschuldung in nicht mehr anders als durch Geldvermehrung (Mefa-Wechsel etc.) darstellbare Höhen. Beleg: die Kapitalmarktfähigkeit der deutschen Neuverschuldung war bei Null angekommen, staatliche Anleihen konnten 1938/39 nur noch im Bruchteil am Kapitalmarkt platziert werden.

    3. Ergebnis: Kurzfristig kann damit Arbeitslosigkeit bekämpft werden, die Menschen werden durch eine verschuldensbasierte staatliche oder mittelbar staatliche (Staatsaufträge) Beschäftigungspolitik zunächst in Arbeit gebracht. Mittelfristig-/Langfristig ist diese Arbeit nicht bezahlbar: es gibt in Form der Rüstungsbindungen keine Gegenwerte am Konsum- und Investitionsgütermarkt; ist die Arbeit aufgrund des Kollapses nach Verschuldung nicht bezahlbar, ist auch die staatliche Beschäftigung zu beenden. Eine Diktatur hält natürlich diesen Umstand etwas länger aus. Weiteres Ergebnis: die Konsumgüterzufuhr ist mangels geschaffener Realgüter durch die verschuldensbasierte Beschäftigung (in Rüstung) nicht mehr bezahlbar: Importkrisen kritischer Waren, Fettkrise, Nahrungsmittelversorgung im allgemeinen etc. sind zu beobachten; weiterhin ist die eingegangene Verschuldung kaum tilgbar, mangels geschaffener Gegenwerte; damit tritt man in einen Kreislauf weiterer Probleme ein, die auch wieder auf den Arbeitsmarkt nachteilig durchschlagen ("Staat hat kein Geld", fällt als Nachfrager aus etc.)


    Soweit in Ansätzen, worin der Zielkonflikt bestehen könnte: man sollte sich über die mittel-/langfristigen ökonomischen Wirkungen des Kanonen-statt-Butter-Prinzips klar sein (wobei es nicht im nur Kanonen sein müssen, siehe den Hinweis auf Kanäle :D oben)
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Sascha Howind,
    Kraft durch Freude und die Illusion eines besseren Lebens: Sozialpropaganda im Dritten Reich 1933 - 1939,
    Dissertation Hannover 2012


    online:
    DissOnline Katalog
     
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Was sind denn Deine primären Kritikpunkte an Tooze? Oder anders, was ist aus Deiner Sicht korrekt dargestellt und wo siehst Du Defizite?
     

Diese Seite empfehlen