Wirtschafts- und Sozialpolitik im Dritten Reich

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Anselm, 23. März 2009.

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  1. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    Es folgt der Versuch, 30 Seiten hier einzustellen. Bestimmt klappt es nicht. Mich würde eure grundsätzliche Meinung und jede Kritik interessieren!

    Anselm
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. März 2009
  2. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    [FONT=&quot]1. Loyalitätswahrende Maßnahmen der Nationalsozialistischen Führung 1933 bis 1945[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]Im nationalsozialistischen Deutschland stand die Sozialpolitik einerseits in einem Kontinuum zur Weimarer Republik, andererseits unterschied sie sich aber durch den Aktionismus, der die NSDAP wie jede Partei, die sich als „Bewegung“ stilisiert, prägte. Kontinuität zeigte sich – abgesehen von der Gleichschaltung – in der Beibehaltung der Altersabsicherung der Arbeiter, den Krankheits- und Invaliditätsversicherungen.[FONT=&quot][1][/FONT] Zwar gab es vonseiten der DAF unter Robert Ley durchaus Bestrebungen, die Sozialkassen neu zu gründen, jedoch wurden diese bis 1939 strikt abgeblockt. Die Debatte um die Gründung des Deutschen Sozialwerkes[FONT=&quot][2][/FONT], welche sich dann 1939 entspann und dessen Finanzierungskonzept recht abenteuerlich angelegt war, verzögerte sich durch die aktuellen Kriegsgeschehnisse und ging später in den Eigeninteressen der einzelnen Institutionen des Staates unter.[FONT=&quot][3][/FONT][/FONT]
    [FONT=&quot]1.1 Die Lohnpolitik:[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]Eine andere Situation stellte sich in der Lohnpolitik dar. Aufgrund der gestiegenen Arbeitszeit und der parallel dazu gesunkenen Löhne ergab sich ein komplexer Zustand, der hier nur vereinfacht wiedergegeben werden kann. Die Entwicklung der Wochenlöhne verlief wie folgt: 1929: 118%; 1932: 100%; 1936: 107/108%.[FONT=&quot][4][/FONT] Deutlich wird hierbei, dass die Lohnsätze nicht wie propagiert bereits 1936 die Folgen der Weltwirtschaftskrise überwunden hatten, sondern weiterhin deutlich darunter lagen. Diese Propagandalüge wurde dadurch noch verstärkt, dass die Steigerung nach 1932 allein auf die gestiegenen Arbeitszeiten zurückzuführen ist.[FONT=&quot][5][/FONT] Wegen der deutschen (Auf-)Rüstungspolitik stiegen die Löhne des kriegswichtigen Produktionsgütersektors zwischen 1933 und 1936 um 10,6% bis 23,8%. Daneben stagnierten die Löhne der Konsumgüterbranche bei leichten Veränderungen von 5,4% bis -1%. Dies spaltete die deutsche Arbeiterschaft in zwei Lager. Da aufgrund der Verschiebung der Wirtschaftskräfte auf den kriegswichtigen Sektor der Bedarf an Arbeitskräften im Konsumgütersektor sank, sanken dort die Löhne dementsprechend auch. So kann man sagen, dass die Lebensverhältnisse der Arbeiter der beiden Produktionssektoren sich deutlich voneinander abgrenzten.[FONT=&quot][6][/FONT] Als sich diese strukturellen Probleme ausweiteten, erging vonseiten des Reichsarbeitsministers der Vorschlag, die Löhne allgemein anzugleichen. Hiergegen regte sich Widerstand der Vielverdiener – da ihr Lohn hätte beschnitten werden müssen, wollte man andererseits den Geringverdienern mehr zahlen können – repräsentiert vom Hamburger Gauleiter Kaufmann. Nach einigen Debatten erging eine, von Hitler gutgeheißene, Weisung, auf die sich anschließend bei lohnpolitikrelevanten Fragen wiederholt zurückbezogen wurde: „Keine Veränderung der Tarifsätze, aber auch keine Einschränkung der übertariflichen Lohnbildung!“[FONT=&quot][7][/FONT] Dadurch wurde dieses Gefälle zementiert, und die Arbeiter aus den schlechter bezahlten Branchen begannen, in besser bezahlte Berufsgruppen zu wechseln. Dies gefährdete jedoch die Befriedigung des Bedarfes an Arbeitskräften, beispielsweise im Bergbau. So fehlten Anfang Juli 1939 bereits 30.855 Hauer. Auch die Druck- und die Brauereiindustrie verzeichnete vermehrt Abwanderungen.[FONT=&quot][8][/FONT] Da diese Tendenz die Planbarkeit der Arbeiterzahlen und die Produktivität der betroffenen Branchen gefährdete, mussten bald Maßnahmen getroffen werden, sollte außerdem auch die Loyalität der Arbeiter nicht dauerhaft auf eine harte Probe gestellt werden. [/FONT]
    [FONT=&quot]1.2 Die Rolle der Deutschen Arbeitsfront[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]In diesen Maßnahmen fand die DAF eine Möglichkeit, den ihr, wie jeder anderen nationalsozialistischen Organisation, innewohnenden Aktionismus und den Kampf um weitere Kompetenzen umzusetzen. Ihre Aufgabe wurde die „Hinführung der Arbeiterklasse zum nationalsozialistischen Staat“, was nichts anderes bedeutete als Hinführung zu einer homogenen, „arischen Volksmasse“.[FONT=&quot][9][/FONT] Da sich die Existenz und die Verschiedenheit der Sozialschichten vom Arbeiter bis zum Gelehrten allein schon durch die Arbeitsplätze und die Bildung manifestierten, konnte es der nationalsozialistischen Führung trotz der propagierten Einheit der „Arbeiter der Hand und der Stirn“, nie gelingen, die geleugnete Existenz der Sozialklassen und Schichten aufzuheben.[FONT=&quot][10][/FONT] Dies akzeptierte Hitler später: „Der Nationalsozialismus stellt in seiner Volksgemeinschaft ein zeitloses Ziel auf, das nur durch fortgesetzte und dauernde Erziehung angestrebt, erreicht und erhalten werden kann.“[FONT=&quot][11][/FONT] So war ein langfristig anführbarer Grund für die Existenz der DAF gegeben und ihr Aktionismus legitimiert. Mit Aktionen wie „Schönheit der Arbeit“ und „Kraft durch Freude“ sowie dem „Reichsberufswettkampf“ prägte sie fortan das Bild der deutschen Sozialpolitik des Dritten Reiches.[/FONT]
    [FONT=&quot]1.3 Sozialpolitische Maßnahmen zu Kriegsbeginn[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]Auf die Phase der Aufrüstung von 1933 bis 1939 folgte der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Der Krieg war aufgrund der angewendeten Blitzkriegstrategie als eine Abfolge kurzer, erfolgreicher Feldzüge konzipiert. Danach sollte aus den Besatzungskostenhaushalten der besetzten Länder die militärische Stärke aufgefrischt und die Kosten und Verluste des Feldzuges gedeckt werden. Aufgrund dieser Konzipierung unterblieben praktisch zuerst größere fiskalische Maßnahmen gegenüber dem deutschen Durchschnittsbürger. Theoretisch wurde schon am 4. September die Kriegswirtschaftsverordnung (KWVO) verabschiedet. Diese Verordnung sah einen 50-prozentigen Aufschlag auf Lohn- und Einkommensteuer vor. Außerdem wurden die Zuschläge für Überstunden, Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit gestrichen. Allerdings galt diese Maßnahme nur für Jahreseinkommen von über 2400 Reichsmark, was damals nur 30 Prozent der Bevölkerung betraf. Die Arbeiterklasse blieb quasi vollkommen unter der Grenze, ebenso die Angestellten und große Teile der „kleineren“ Beamten, beispielsweise von Post und Bahn.[FONT=&quot][12][/FONT] Mit zunehmender Kriegsdauer trat eine deutliche Sorge um die Erhaltung der Loyalität des deutschen Volkes ihrer Regierung gegenüber auf. So verhinderte die Regierung die vorgeschlagene Absenkung der Freigrenze für den Kriegsbeitrag von 2400 RM auf 1800 RM[FONT=&quot][13][/FONT]. Als des Weiteren eine Zusatzsteuer auf Einkommen und bestimmte Haushaltswaren erhoben werden sollte, unterband Hitler dies persönlich.[FONT=&quot][14][/FONT] Alsbald kamen die Vertreter einer stärkeren fiskalischen Heranziehung des deutschen Volkes um Staatssekretär Reinhardt und Reichsfinanzminister Krosigk zu der „Übereinstimmung darüber, dass zur Zeit überhaupt keine Aussicht sei, irgendwelche steuerlichen Dinge beim Generalfeldmarschall und dem Führer durchzubringen“.[FONT=&quot][15][/FONT] Als bald darauf auch die Zuschläge für die Überstunden-, Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit wieder vollständig ausgezahlt wurden, war die KWVO quasi außer Kraft gesetzt. Wenig später wurden die Mehrarbeitszuschläge auch von jeglichen Sozialabgaben befreit und zu Weihnachten 1940 wurde beschlossen, die Weihnachtszuwendungen von der Kriegssteuer auszunehmen.[FONT=&quot][16][/FONT] Diese Maßnahmen sind höchstens dadurch zu rechtfertigen, dass jeder im Deutschen Reich davon ausging, dass der Krieg nun bald beendet sei, was ja in der Natur der Blitzkriege lag und auch unabdingbar war, wenn man davon ausgeht, dass Deutschland durch seine Mittellage bei einem längeren Kriege, wie auch 1914-1918, in Versorgungsschwierigkeiten kommen müsste.[FONT=&quot][17][/FONT][/FONT]
    [FONT=&quot] [/FONT]

    [FONT=&quot][1][/FONT] Vgl. Recker (1985), S. 109 ff.

    [FONT=&quot][2][/FONT] Das „Sozialwerk des Deutschen Volkes“ sollte folgende fünf Aufgabenbereiche bündeln:
    1.[FONT=&quot] [/FONT]Altersversorgung,
    2.[FONT=&quot] [/FONT]Gesundheitswerk, nebst Freizeit- und Erholungswerk,
    3.[FONT=&quot] [/FONT]Reichslohnordnung,
    4.[FONT=&quot] [/FONT]Berufserziehungswerk,
    5.[FONT=&quot] [/FONT]Soziales Wohnungsbauprogramm.

    [FONT=&quot][3][/FONT] Vgl. Recker (1985), S. 109.

    [FONT=&quot][4][/FONT] Ein interessanter Aspekt wäre der internationale Vergleich der Lohnentwicklungen, welcher hier jedoch leider nicht berücksichtigt werden kann.

    [FONT=&quot][5][/FONT] Vgl. Mason (1975), S. 64.

    [FONT=&quot][6][/FONT] Vgl. Mason (1975), S.65.

    [FONT=&quot][7][/FONT] Vgl. Mason (1975), S. 68.

    [FONT=&quot][8][/FONT] Auch die Druck- und die Brauereiindustrie verzeichnete vermehrt Abwanderungen, da auch hier aus verschiedenen Gründen die lohnpolitischen Bedingungen schlecht waren. In der Druckereibranche ist dies auf die aus der Schließung vieler oppositioneller Zeitungen herrührende Unterbeschäftigung zurückzuführen. In der Brauereibranche entstand die Problematik dadurch, dass oft anderen Agrarprodukten beim Anbau der Vorrang vor Hopfen gegeben wurde, weil der Reichsnährstand – eine Weiterentwicklung der vormaligen Genossenschaften – zentral plante und so indirekten Druck auf die Wahl der angebauten Pflanzen ausübte. (Führerstaat, S.11 ff.)

    [FONT=&quot][9][/FONT] Vgl. Mason (1975), S. 79f.

    [FONT=&quot][10][/FONT] Vgl. Mason (1975), S. 80.

    [FONT=&quot][11][/FONT] ebenda.

    [FONT=&quot][12][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 68.

    [FONT=&quot][13][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 70.

    [FONT=&quot][14][/FONT] Vgl. Recker (1985), S. 54ff.

    [FONT=&quot][15][/FONT] Des Weiteren ließ sie die Zuschläge für Mehrarbeitsbeträge über zehn Stunden wieder auszahlen. Auch wurde eine Zusatzsteuer für Kleinhandelsumsätze in Höhe von 25 Prozent zwar eingeführt, jedoch nicht auf Lebens- und Genussmittel, Tabakwaren, Wasser, Gas, Strom, Brennstoffe, sowie bezugsscheinpflichtige Kleidung und Schuhwaren, auch auf Waren die bezugsscheinpflichtig waren oder per Kinderbeihilfe bezogen wurden: (Vgl. Götz (2006), S. 70 und Recker (1985), S. 56)

    [FONT=&quot][16][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 70.

    [FONT=&quot][17][/FONT] Staatssekretär Reinhardt äußerte am 18.6.1940 brieflich Schwerin von Krosigk gegenüber, dass man sich solch eine Politik ja erlauben könne, „vorausgesetzt natürlich, dass der Krieg im Jahr 1940 zu Ende geht“.
     
  3. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    [FONT=&quot]1.4 Loyalitätsorientierte Sozialpolitik 1939-1940[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]Obwohl allerseits nur ein kurzer Krieg erwartet wurde, was unter Anwendung des Blitzkriegskonzeptes die einzige Aussicht auf Sieg mit sich trug, wurde alsbald der sogenannte Einsatz-Familienunterhalt eingeführt, der die Einkommensverluste der Familien ersetzen sollte, wenn der Ehemann als Wehrmachtssoldat im Krieg war. Beschlossen wurden die Zahlungen am 28. August 1939 im Einsatz-Wehrmachtsgebührnisgesetz. Dieses führte einen Familienunterhalt ein, der „die Erhaltung des Besitzstandes in der bisherigen wirtschaftlichen Schichtlage“[FONT=&quot][1][/FONT] ermöglichen sollte. Neben diesen so bemessenen Zahlungen wurden auch Beihilfen für Abonnements, Lebensversicherungen, Ratenkäufe, Bauspardarlehen und Hypotheken eingeführt.[FONT=&quot][2][/FONT] Durch diese Zahlungen kam es dazu, dass die zurückgebliebenen Familienangehörigen im Durchschnitt 72,8 Prozent[FONT=&quot][3][/FONT] ihres letzten Vorkriegseinkommens zur Verfügung hatten. Da aber der Mann als zumindest einer der Haupt-Esser wegfiel, muss man die 70% sogar noch höher bewerten, weil sie nur noch für Kind und Frau reichen mussten. (Hinzu kamen übrigens noch die Soldzahlungen an die Familienväter.) Dieses Gesetz zeigt einmal mehr die Angst der führenden Politiker vor einer Wiederholung der Zustände von 1918 auf. Als 1941 der Krieg immer noch tobte, wurden im Reich die Renten erhöht. Als die gewünschte freudige Reaktion der Rentner folgte, wollten das Reichsarbeitsministerium die Renten im Jahre 1942 erneut anheben. Diesmal konnte sich jedoch der Finanzminister gegen diesen irrationalen Vorschlag behaupten. Dieser Vorgang wiederholte sich noch einmal – im Jahre 1944![FONT=&quot][4][/FONT] Solche Versuche der Stimmungspolitikerriege um Hitler und Goebbels, die Zustimmung des Volkes zu erkaufen, ziehen sich durch die deutsche Sozialpolitik des Krieges. Dass die Loyalität des Volkes das vornehmliche Ziel der Führungsriege war, zeigt sich auch im Umkehrschluss, insofern, als dass jegliche Mehrbelastungen für „den kleinen Mann“ ausblieben. Zwar versuchten die Finanzpolitiker mehrfach auf verschiedene Art, neue Belastungen durchzubringen, jedoch wurden diese immer abgeblockt oder in der Dimension abgeschwächt, so dass ihr gewünschter Effekt fast gänzlich ausblieb. So erging es beispielsweise dem Finanzministerium, welches 1943 die unteren Einkommensschichten mit einem generellen Lohnsteuerzuschlag in Höhe von 25 Prozent belasten wollte. Während Hitler sich auf seine militärischen Aufgaben berief und auswich, lehnte Göring diese Maßnahme grundsätzlich ab. Auf ähnliche Weise wurden die Erhöhung der Biersteuer und die Einführung einer Kohlensäure- und Mineralwassersteuer geblockt.[FONT=&quot][5][/FONT] Nach dem italienischen Seitenwechsel bestätigte Goebbels diese Politik der Zugeständnisse erneut, indem er meinte, dass man sich „noch sozialistischer als früher […] an das Volk anzuschließen“ habe.[FONT=&quot][6][/FONT] Am 3. März 1943 brachte Martin Bormann, der Leiter der Parteikanzlei, die bisherige Richtlinie auf den Punkt:[/FONT]
    [FONT=&quot]„Der Führer betonte: 1. an sich wäre es das Beste, wenn während des Kriegs von Steuererhöhungen abgesehen würde! Abschöpfung aller Kriegsgewinne nach dem Kriege mit einem Schlage wäre das Beste! 2. Will man während des Krieges besteuern, dann nur Erhöhung der Einkommensteuer! Dabei erst Besteuerung ab 6000 Mk. 3. Kaufkraft-Abschöpfung. Der Führer betonte mehrfach, die Großeinnahmen belasteten die Kaufkraft nur wenig. Da zögen lediglich die Preise der Kunstgegenstände und dergleichen an, und das sei völlig ungefährlich. Die Kaufkraft der breiten Massen sei das Wesentliche! Sie wende sich an die Dinge des täglichen Lebens, suche sie zu ergattern – Lebensmittel, Kleidung etc.“[FONT=&quot][7][/FONT][/FONT]
    [FONT=&quot]Somit unterblieb auf dem Höhepunkt der deutschen Kriegsführung – 1940 – die verstärkte Belastung des Volkes durch Steuern oder Abgaben, weil man meinte, es sei nicht notwendig, ebenso noch im Februar 1945 (!), als die Rote Armee die Oder schon überschritten hatte.[FONT=&quot][8][/FONT] Dies wiederum brachte der damalige Reichsfinanzminister Freiherr Schwerin von Krosigk auf den Punkt, als er ernüchternd konstatierte: [/FONT]
    [FONT=&quot]„Es lassen sich zu allen Zeiten Gründe dafür vorbringen, dass Steuererhöhungen nicht zeitgemäß seien, im Frühjahr oder beim Siegen, dass man den durch die Jahreszeit oder die Siegesfreude verursachten Stimmungsaufschwung nicht verderben, im Herbst oder bei Rückschlägen, dass man die infolge des kommenden Winters oder der Frontnachrichten gedrückte Stimmung nicht noch verschlechtern dürfe.“[FONT=&quot][9][/FONT] [/FONT]
    [FONT=&quot]Diese aus den verschiedenen Kompetenzen herrührenden Differenzen in den Zielsetzungen zwischen den Finanz- und den Stimmungspolitikern mussten sich durch Goebbels‘ verschiedene Sonderaktionen noch verstärken. Die Quantität dieser Sonderaktionen nahm im Verlauf des Krieges zu.[/FONT]
    [FONT=&quot] [/FONT]
    [FONT=&quot]1.5 Loyalitätsorientierte Sozialpolitik 1940 - 1945[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]Nachdem mit dem Scheitern der „Operation Seelöwe“ die Wehrmacht ihre erste Niederlage erlebte und abzusehen war, dass die ersehnte Erfolgsmeldung der Eroberung Moskaus zumindest vorerst ausbleiben würde, sorgte sich die Riege der Stimmungspolitiker um einen Ersatz für die ausbleibenden guten Frontnachrichten. So ließ Alfred Rosenberg im Dezember 1941 verlauten, man könne ja den Hausrat „der geflohenen oder noch abreisenden Juden“ „in den westlichen besetzten Gebieten“[FONT=&quot][10][/FONT] beschlagnahmen. Hierbei spielte er auf die Besitztümer der Juden aus Frankreich, Belgien, Holland und Luxemburg an. Ursprünglich war geplant, die beschlagnahmten Güter in die besetzten Ostgebiete zu bringen, um dort die „furchtbaren Wohnungszustände“[FONT=&quot][11][/FONT] für die Wehrmachtsangehörigen zu verbessern. Nachdem Hitler von der alsbald „Möbelaktion“ genannten Idee unterrichtet worden war, genehmigte er sie. Allerdings bestand er darauf, „dass die beschlagnahmten Güter Reichseigentum würden“. Hinter dieser Maßregelung stand die Bestrebung, die Güter nicht an die Ostfront zu transportieren, was er aus Kalkül als militärisch unmöglich abtat, sondern sie „für das Reich“ zu nutzen. Hinter dieser Bestrebung standen die zunehmenden britischen Luftangriffe, welche der Moral der deutschen Zivilbevölkerung arg zusetzen. Daher wurde geplant, nach den Angriffen die Möbel an die Bombengeschädigten auszugeben.[FONT=&quot][12][/FONT] Die genauen Dimensionen wurden in einer, für die Bürokratie des deutschen Regimes typischen Akribie umfassend überliefert. So gingen bis Sommer 1944 zahllose Wagenladungen an die Deutschen Städte. Wobei die potentiell am meisten betroffenen Städte besonders umfassend beliefert wurden. Karlsruhe empfing 481 Waggons mit Möbeln, Mannheim 508, Berlin 528, Düsseldorf 488, Essen 518, Duisburg 693, Oberhausen 605, Hamburg gigantische 2.699, Köln und Osnabrück ebenfalls enorme 1.269, Rostock immerhin 703, Oldenburg 884, Wilhelmshaven 441, Münster 523, Bochum 555, Kleve 310. In einer ganz anderen Dimension wurde jedoch Delmenhorst beliefert. Die Stadt empfing 3.260 (!) Waggonladungen beschlagnahmter Möbel. Damit nicht genug wurden 8.191 Waggons zentral deponiert um sie bei Bedarf in die betroffenen Städte verschieben zu können. Auch erhielt die Reichsbahn aufgrund der besonders gefährdeten Reichsbahnerwohnungen an den Gleisen eine Sonderlieferung von 1.576 Waggons. Zu guter Letzt ließ sich auch die SS mit etwa 500 Waggons zur besonderen Verteilung an verdient gemachte SS-Offiziere beliefern.[FONT=&quot][13][/FONT] Insgesamt wurden also etwa 26.000 Waggonladungen Möbel im Reiche verteilt. Nachdem die Lieferungen in den Städten angekommen waren, oblag es dem zuständigen Oberfinanzpräsidenten, das Geraubte zu reprivatisieren. So wurden Bezugsscheine für die Bombenopfer ausgeteilt, mit denen sie bei den bald üblich gewordenen Versteigerungen Vorrechte eingeräumt bekamen. Auch in Prag wurden die verfolgten Juden enteignet.[FONT=&quot][14][/FONT] So lagerten dort im Februar 1943 Wohnungseinrichtungen für 4.817 Schlafzimmer, 3.907 Küchen, 18.267 Schränke, 25.640 Sessel, 1.321.741 Haus- und Küchengeräte, 778.195 Bücher, 34.568 Paar Schuhe, 1.264.999 Stück Wäsche und Kleidung. Diese wurden ab Sommer 1943 in Städte wie Köln ausgeliefert und an die Bombenopfer verteilt.[FONT=&quot][15][/FONT] Die Organisatoren berichteten von der[/FONT]
    [FONT=&quot]„rein psychologische[n] Wirkung auf die betreffenden Volksgenossen durch rascheste Versorgung mit Wohnungseinrichtungen [sei] nicht zu unterschätzen […]. Wenn, wie es z.B. vorgekommen ist, schon einige Stunden nach einem Großangriff schwer betroffene Familien wieder in eine komplett eingerichtete Wohnung gesetzt werden können, so kann dies als maßgeblicher Faktor unserer Kriegsmoral gesehen werden.“[FONT=&quot][16][/FONT] [/FONT]
    [FONT=&quot]Oberstleutnant Hencke, ein persönlicher Freund Görings, gründete gleichzeitig die „Außenstelle West“ (A.W.), welche Kleidungsstücke und Stoffe aus niederländischen, französischen und belgischen Warenbeständen kaufte oder in den dortigen Fabriken fertigen ließ. Auch ließ die A.W. monatlich auf den Schwarzmärkten der besetzten Länder für 8 Millionen Reichsmark Textilien kaufen und sie ins Reich verschicken. Dieses Verfahrensmuster wurde später von Göring persönlich übernommen, als er die erste „Weihnachtsaktion“ ersann. Die Idee war, auf den Schwarzmärkten der besetzten Ländern Spielwaren und Genussmittel einzukaufen und sie nach Deutschland zu verschicken, wo ja aufgrund der umgestellten Wirtschaft kaum solche Güter produziert wurden. Für diese auch „Schwarzmarktaktion“ genannten Vorgänge wendete der französische Besatzungskostenhaushalt 1942 3 Milliarden Reichsmark auf.[FONT=&quot][17][/FONT] Die aufgekauften Güter wurden in 2.306 Waggons und einigen Binnenschiffen ins Reich gebracht. Dort kam die Mehrheit der Güter in die zerbombten Städte. Andere Lieferungen wurden in die Gebiete geleitet, wo die Loyalität bereits sank, so zum Beispiel nach Königsberg, Wien, Breslau und in die schlesischen Industriegebiete.[FONT=&quot][18][/FONT][/FONT]

    [FONT=&quot][FONT=&quot][/FONT][/FONT]
     
  4. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    [FONT=&quot][FONT=&quot][1][/FONT][/FONT][FONT=&quot] Götz (2006), S. 87.[/FONT] [FONT=&quot][2][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 87.

    [FONT=&quot][3][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 89.

    [FONT=&quot][4][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 72.

    [FONT=&quot][5][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 73.

    [FONT=&quot][6][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 75.

    [FONT=&quot][7][/FONT] Es fällt auf, wie wenig sich die Führungsriege über die großen Anforderungen der zeitgenössischen Tiefenrüstung (nachhaltige Optimierung der Infrastruktur und der Industrie auf die speziellen Anforderungen des Krieges) und dem zunehmenden finanzpolitischen Charakter der Kriegsführung bewusst zu sein schien oder sie verdrängte. Dies mutet seltsam anachronistisch, fast nostalgisch an, wenn man noch die Bestrebung, Wehrhöfe in den „Wäldern des Ostens“ zu errichten, und die Germanenkulte, die Vorsehungsgabe des Führers sowie die konservative Haltung des Regimes gegen moderne Tänze wie Swing und Jazz, welche als „Negerpop“ verschrieen wurden, hinzusetzt. Auch das beschworene Kontinuum zwischen Friedrich dem Großen, Bismarck, Hindenburg und Hitler deutet darauf hin, dass die nationalsozialistische Führung mit ihrer Volksgemeinschaft einem Zustand nacheiferte, der in Teilen allenfalls hundert Jahre früher passend gewesen wäre. Dies ist nicht mein Thema, jedoch empfiehlt es sich, diese These einmal aufzugreifen und näher zu beleuchten. (Vgl. Götz (2006), S. 73).

    [FONT=&quot][8][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 72.

    [FONT=&quot][9][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 75.

    [FONT=&quot][10][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 141

    [FONT=&quot][11][/FONT] ebenda.

    [FONT=&quot][12][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 141.

    [FONT=&quot][13][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 148.

    [FONT=&quot][14][/FONT] Diese Vorgänge hätten genauso gut in das zweite Kapitel gepasst, allerdings entschied ich mich für das erste, da dieses Beispiel sehr schön zeigt, was die deutsche Führung alles in Bewegung setzte, um die Loyalität der Deutschen zu wahren.

    [FONT=&quot][15][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 151.

    [FONT=&quot][16][/FONT] Götz (2006), S. 155.

    [FONT=&quot][17][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 157.

    [FONT=&quot][18][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 156.
     
  5. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    [FONT=&quot]2. Ausbeutung anderer Völker zugunsten der Deutschen Regierung und Bevölkerung[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]2.1 Ursachen der loyalitätsorientierten Sozialpolitik[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]Die innenpolitische Hauptsorge der führenden Politiker des Dritten Reiches war die Erhaltung der Loyalität. Dies ist aus mehreren Gründen nachvollziehbar. Wäre die Stimmung gekippt und hätte sich Unmut erst einmal weiträumig unter denjenigen deutschen Staatsbürgern, die als arisch oder artverwandt eingeordnet wurden, verbreitet, dann hätten Aktionen der Sicherheitspolizei und der Gestapo nichts mehr bewirkt – allein schon deshalb, weil das Vorgehen gegen Arische und Artverwandte in großem Stil propagandistisch nicht zu erklären gewesen wäre. Es ist des Weiteren anzunehmen, dass die Führungsriege die von ihnen und insbesondere ihren Vorgängern und anderen Nationalisten geprägte Dolchstoßlegende nicht nur propagierte, sondern selbst davon überzeugt war und so die Frage nach der Erhaltung der Loyalität des Volkes im Kriege in den Vordergrund stellte.[FONT=&quot][1][/FONT] Als die geplante „Umerziehung des Volkes“ durch die DAF gescheitert war und als permanent bestehende Aufgabe stilisiert wurde,[FONT=&quot][2][/FONT] entstand eine zunehmend aktionistisch geprägte Rücksichtnahme auf das Volk. Durch steigende Sozialausgaben und starke Schonung des Volkes bei der Steuergesetzgebung[FONT=&quot][3][/FONT] stand dies in Wiederspruch zu den steigenden Kosten der Aufrüstungspolitik im Zeichen des Vierjahresplanes. Speer kommentierte dies später in bemerkenswerter Klarheit.[/FONT]
    [FONT=&quot]„Es bleibt eine der verblüffenden Erfahrungen dieses Krieges, dass Hitler dem eigenen Volke jene Belastungen ersparen wollte, die Churchill oder Roosevelt ihren Völkern ohne Bedenken auferlegten. Die Diskrepanz zwischen der totalen Mobilisierung der Arbeitskräfte im demokratischen England und der lässigen Behandlung dieser Frage im autoritären Deutschland charakterisiert die Sorge des Regimes vor einem Wechsel der Volksgunst. Die führende Schicht wollte weder selbst Opfer bringen noch dem Volk Opfer zumuten und war bemüht, es durch Zugeständnisse in möglichst guter Stimmung zu erhalten. Hitler und die Mehrzahl seiner politischen Gefolgsleute gehörten der Generation an, die im November 1918 die Revolution als Soldaten erlebt und nie verwunden hatten. In privaten Gesprächen ließ Hitler oft durchblicken, dass man nach der Erfahrung von 1918 nicht vorsichtig genug sein könne.“[FONT=&quot][4][/FONT][/FONT]
    [FONT=&quot] [/FONT]
    [FONT=&quot]2.2 Kategorisierung und Dimensionierung der Ausbeutung und der Kriegskosten,[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot] was zahlten die Deutschen selbst?[/FONT]
    [FONT=&quot]Das Deutsche Reich importierte in den Jahren von 1939 bis 1945 Waren im Wert von mehr als 170 Milliarden Reichsmark aus besetzen Ländern. Nach dem gängigen Umrechnungskurs von Reichsmark in Euro entspräche das heute 1,7 bis 2 Billionen Euro.[FONT=&quot][5][/FONT] Die 170 Milliarden Reichsmark möchte ich im Folgenden als „indirekte Ausbeutung“ bezeichnen, da der Zusammenhang zwischen den ausgebeuteten Bürgern der besetzten Länder und den deutschen Staatsbürgern nur über staatliche Institutionen herzustellen ist. Hinzu kommt noch die meist materielle, „direkte Ausbeutung“, wie ich die Aktionen nennen möchte, wie zum Beispiel die Möbelaktionen, die Weihnachtsaktionen und die Schwarzmarktaktion, bei denen Waren und Wertbestände direkt aus den besetzten Ländern zum deutschen Staatsbürger als unbewusstem Profiteur gelangten. Dabei muss allerdings deutlich gemacht werden, dass die Kosten der drei Aktionen jeweils vom Besatzungskostenhaushalt getragen wurden und somit in den 170 Milliarden schon berücksichtigt sind. Die Differenzierung ist allerdings trotzdem berechtigt, da bei diesen und ähnlichen Aktionen stets Waren vom Enteigneten zum deutschen Staatsbürger gelangten und nicht wie bei der indirekten Ausbeutung als Zahlungen an den Staat flossen.[/FONT]
    [FONT=&quot]Vergleicht man die Summe der Einnahmen aus der indirekten Ausbeutung (170 Mrd. RM) mit der Summe der Steuereinnahmen aus dem deutschen Volk, so stellt sich heraus, dass das deutsche Volk insgesamt nur 30 Prozent der laufenden Kriegskosten zu tragen hatte.[FONT=&quot][6][/FONT] Wenn man nun diese Steuereinnahmen während des Krieges weiter differenziert, so stellt sich heraus, dass 60 der rund 80 Millionen der Deutschen nur ein Drittel der Zahlungen aufbrachten, wohingegen die restlichen Staatsbürger die verbleibenden zwei Drittel finanzieren mussten.[FONT=&quot][7][/FONT] Daraus geht hervor, dass der wesentliche Anteil der deutschen Bevölkerung von einer größeren Belastung durch den Krieg verschont wurde. Daher kamen unter diesem Aspekt auf die Mehrheit der deutschen Bürger während des Krieges nur geringe Aufschläge zu und sie blieben der deutschen Führung dadurch wohl eher loyal, als wenn man sie stärker finanziell belastet hätte. So ergibt sich auch der Zusammenhang zwischen der Ausbeutung der Besiegten und der sozialpolitischen Loyalitätserhaltungspolitik der deutschen Führung.[/FONT]
    [FONT=&quot] [/FONT]
    [FONT=&quot]
    [/FONT]
    [FONT=&quot]2.3 Die „Judenbuße“[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]Vor dem Krieg begrenzte sich die Ausbeutung vornehmlich auf die jüdische Bevölkerung der damaligen Reichsgebiete, Im Jahr 1938 gab es jedoch mehrere Entwicklungen. Zum einen hatte die deutsche Staatsverschuldung schwindelerregende Höhen erreicht.[FONT=&quot][8][/FONT] So waren die Finanzbeamten des Reichsfinanzministeriums ab 1937 ständig in Sorge, wie die bis dahin angehäuften Schulden überhaupt noch zurückzuzahlen seien.[FONT=&quot][9][/FONT] Des Weiteren war spätestens im Jahre 1938[FONT=&quot][10][/FONT] eine Vollbeschäftigung erreicht. Daher konnte die Wirtschaft unter den Aspekten einer nationalen Arbeitspolitik ohne Anreize für eventuell zuzugsbereite, arbeitsuchende Ausländer nicht weiter wachsen. In diesem Zusammenhang suchten die Finanzbeamten der deutschen Regierung nach neuen Möglichkeiten, den Haushalt zumindest provisorisch zu einer gewissen Stabilität zu führen. Die Enteignung von Verfolgten – vor allem der Juden als größte verfolgte Gruppierung innerhalb Deutschlands – begrenzte sich bis Ende 1937 auf eine eher neben-, allenfalls mittragende Bedeutung für den Haushalt und wurde vor allem durch Handlungen von Privatpersonen geprägt.[FONT=&quot][11][/FONT] Im Kontext der Haushaltslage 1938 änderte sich dies jedoch deutlich. Nach dem Anschluss Österreichs wurde umgehend ein Sonderbeauftragter, namentlich Wilhelm Keppler, entsandt, der unter anderem der Aufgabe nachkommen sollte, die österreichischen Betriebe aus jüdischem Besitz zu „arisieren“.[FONT=&quot][12][/FONT] Während dies den Beginn einer wachsenden Ausbeutung darstellte, wurden im Jahre 1939 die Mefo-Wechsel, mit deren Hilfe die Aufrüstung seit 1934 mit 12 Milliarden Reichsmark mitfinanziert worden war, fällig. Da die Reichsbank für die Briefkastenfirma „Metallurgische Forschungsgesellschaft“ – kurz „Mefo“ genannt – bürgte, musste sie im Jahre 1938 zusehen, dass sie die Gelder zusammenbekam, um die Wechsel zurückzahlen zu können. Da aber im gleichen Jahr die Wehrmacht allein 11 Milliarden aus dem Haushalt anforderte, um ihre Aufrüstung fortsetzen zu können, mussten die benötigten Gelder anderweitig beschafft werden. Dass dies geschah, indem der Reichsfinanzminister Schwerin von Krosigk Schatzanleihen, welche vergleichbar mit dem Prinzip des Bundesschatzbriefes waren, ausgab, anstelle die deutsche Bevölkerung steuerlich weiter zu belasten, zeigt einmal mehr, welch hohen Stellenwert der Loyalität der Bevölkerung noch vor haushaltspolitischen Belangen eingeräumt wurde. Ein wesentlicher Unterschied zu den heutigen Bundesschatzbriefen war aber die Fälligkeit nach nur einem halben Jahr. Dies bedeutete, dass nach dem halben Jahr erneut Geld gebraucht würde um die Schatzbriefforderungen zu bezahlen, mit deren Hilfe die Mefo-Wechsel bezahlt werden mussten.[FONT=&quot][13][/FONT] Dieser absehbare Finanzbedarf ließ die Finanzstrategen ausnahmsweise mit den Stimmungspolitikern an einem Strang ziehen. So wurde am 26. April 1938 eine Verordnung erlassen, welche alle Juden aufforderte, ihr Vermögen, sofern es 5000 Reichsmark überschritt, zu melden. Dies war einerseits den Stimmungspolitikern als endgültige Eliminierung der Juden aus dem Wirtschaftsleben und andererseits den Finanzpolitikern als neue Geldquelle recht. Mit der Verordnung mussten die entsprechend vermögenden Juden des Weiteren sämtliche Veränderungen in ihrem Besitzstand melden. Am 29. April 1938 wurde beschlossen, die 4,8 Mrd. jüdischen Vermögens, welche liquide, also nicht in Sachwerten gebunden waren, nach und nach in Staatsanleihen umzuwandeln. Juden wurden im Juli 1938 verpflichtet, ihre ausländischen Wertpapiere den deutschen Banken zum Kauf anzubieten, um den deutschen Bedarf an Devisen für notwendige Importe zu stillen.[FONT=&quot][14][/FONT] Als im November 1938 die Reichspogromnacht die nächste Stufe der Judenverfolgung einläutete, konnten die jüdischen Vermögen wesentlich offener angetastet werden. Der erste Schritt zur wirtschaftlichen Vernichtung war die sogenannte „„Judenbuße““, welche sarkastischer Weise die Juden verpflichten sollte, für die durch den Terror vom Novemberpogrom entstandenen Schäden aufzukommen. Am 21. November 1938 erging vonseiten des Reichsfinanzministers die „Durchführungsverordnung“, in der die „Judenbuße“ auf 20 % (später 25 %) der Vermögen der meldepflichtigen Juden (also die mit einem Besitz von über 5000 Reichsmark) festgesetzt wurde. Als den Juden am 12. November die konkrete Summe von einer Milliarde Reichsmark abverlangt wurde, welche in vier Teilschritten zu zahlen war,[FONT=&quot][15][/FONT] kamen diese in finanzielle Nöte. Da die mit der Forderung belegten Juden aufgrund der Meldepflichtuntergrenze von 5000 Reichsmark allesamt als wohlhabend galten, waren die meisten von ihnen zu besseren Zeiten auch in der Lage gewesen, ihre Gelder in Schatzbriefen anzulegen. Es war also absehbar, dass viele der vermögenden Juden versuchen würden, diese Schatzbriefe aufzulösen um Geld zur Verfügung zu haben und den Forderungen nachkommen zu können. Durch massenhafte Auszahlungen von Schatzbriefen wäre die finanzielle Schieflage des Reiches jedoch noch bedrohlicher geworden. Deshalb wurde den Juden die Auflösung derselben verboten.[FONT=&quot][16][/FONT] Für die Juden gab es nunmehr nur noch die Option, ihre Vermögenswerte und ebenso ihre Immobilien und Sachwerte zu veräußern.[FONT=&quot][17][/FONT] Auf diese Weise wurden Gelder in Höhe von 1,2 Mrd. Reichsmark[FONT=&quot][18][/FONT] in die deutsche Staatskasse gespült.[FONT=&quot][19][/FONT] Die Erlöse aus der „Judenbuße“ gingen ausschließlich dem Reich und damit zu wesentlichen Anteilen der Aufrüstung zu, wie Göring ankündigte.[FONT=&quot][20][/FONT][/FONT]

    [FONT=&quot][1][/FONT] Vgl. Mason (1975), S. 2.

    [FONT=&quot][2][/FONT] Vgl. Kapitel 1 und Vgl. Mason (1975), S. 79/80.

    [FONT=&quot][3][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 67f.

    [FONT=&quot][4][/FONT] Mason (1975), S. 10.

    [FONT=&quot][5][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 324.

    [FONT=&quot][6][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 326.

    [FONT=&quot][7][/FONT] ebenda.

    [FONT=&quot][8][/FONT] Der genaue Betrag der Reichsverschuldung für 1937 ist nicht bekannt. Da aber im Jahre 1939 die Staatsverschuldung 37,4 Milliarden Reichsmark betrug und zwischen 1937 und 1939 keine nennenswerte Neu- oder Umorientierung in der Haushaltsstruktur zu verzeichnen war, muss der Schuldenstand damals schon sehr hoch gewesen sein: Vgl. Götz (2006), S. 52.

    [FONT=&quot][9][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 54.

    [FONT=&quot][/FONT]
     
  6. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    [FONT=&quot][10][/FONT] Jäger/Keitz (2001), S.412, M12c. [FONT=&quot][11][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 54.

    [FONT=&quot][12][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 55.

    [FONT=&quot][13][/FONT] ebenda.

    [FONT=&quot][14][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 61.

    [FONT=&quot][15][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 62.

    [FONT=&quot][16][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 60.

    [FONT=&quot][17][/FONT] ebenda.

    [FONT=&quot][18][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 62.

    [FONT=&quot][19][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 62ff.

    [FONT=&quot][20][/FONT] Die ehemals jüdischen Waren wurden an lokale Museen und Verkaufshäuser, Sammler und Antiquariate verkauft, Göring deutete nur undifferenziert an, dass der Nutzen dieser Verkäufe – wie bereits erwähnt – alleine an das Reich ginge. Jedoch kann damit nicht der gesamte Verkaufserlös gemeint gewesen sein, da dieser an die Juden ging, die mit diesem Erlös die „Judenbuße“ zahlten. Ein einziger, vielleicht erklärender Hinweis findet sich, als Aly Götz die Besteuerung der Verkäufe erwähnt. Meine Recherche in anderen Werken ergab leider keine weiteren Erkenntnisse, was wohl auch der Tatsache geschuldet sein mag, dass Aly Götz mit seinem Werk viele neue Gesichtspunkte vertritt: Vgl. Götz (2006), S. 59.
     
  7. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    [FONT=&quot]2.4 Die Lage der dt. Wirtschaft 1939[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]Schon zu Beginn der verstärkten Aufrüstung des Dritten Reichs war eine Umorientierung, von der normalen Bedürfniswirtschaft hin zur Kriegswirtschaft, vor sich gegangen. Seit der Aufstellung des Vierjahresplanes 1936 wurden vermehrt Güter für die Anforderungen des Krieges produziert. Im Zuge dieser Mehrproduktion sank die Produktion von zivilen Gütern ab, da keine allgemeine Produktionssteigerung, sondern eine Produktionsumschichtung zuungunsten der zivilen Produktionsbranchen die Rüstungsindustrie begünstigte. Mit Kriegsausbruch verstärkte sich diese Verschiebung auf die kriegswichtigen Produktionssektoren noch weiter. Im selben Zuge wurden nun auch vermehrt Sonderschichten und Überstunden geleistet, um der enormen Nachfrage seitens der Wehrmacht nachzukommen. Durch den großzügig bemessenen Einsatz-Familienunterhalt sowie die Soldatenlöhne stieg mit Kriegsbeginn die Geldmenge, die sich in privater deutscher Hand befand, deutlich an. Problematischer Weise hatte jedoch die Umstellung der Industrien zur Folge, dass weniger Güter für den privaten Bedarf produziert wurden und so der Nachfrage der deutschen Konsumenten nicht mehr voll nachgekommen werden konnte. Die damit rasch aufklappende Schere zwischen Kaufkraft und Angebot hatte gleich mehrere absehbare Folgen. So wurden vermehrt Güter des Schwarzmarktes gehandelt, da dort noch ein größeres Angebot bestand. Eine weitere, logische Folge dieser Diskrepanz war ein erhöhter Inflationsdruck. Auf dem deutschen Markt äußerte sich das dadurch, dass nun vermehrt Hamsterkäufe zu verzeichnen waren, da der Verbraucher sein ungenutztes Kapital irgendwo anlegen wollte. In diesem Zusammenhang wurde 1939 eine gestiegene Nachfrage für Wäsche und Bettzeug, später auch für Geschirr und Glaswaren um 30 bis 45 Prozent verzeichnet.[FONT=&quot][1][/FONT] Doch diese Erscheinung konnte nur vorübergehend eine Kaufkraftabschöpfung mit sich führen, zwangsläufig waren irgendwann die Warenbestände so erschöpft, dass auch auf diesem Wege keine Geldmittel mehr vonseiten der Konsumenten in den Geldkreislauf zurückgeführt werden konnten. Diese Entwicklung verstärkte sich noch, aber aus Rücksicht auf die Loyalität des Volkes wurden dennoch keine Steuererhöhungen durchgesetzt wurden. So erhöhten sich die privaten Guthaben zwischen 1939 und 1941 um 21 Prozent und damit die ungedeckte Kaufkraft des Volkes von 14 auf 31 Milliarden Reichsmark. [FONT=&quot][2][/FONT][/FONT]
    [FONT=&quot] [/FONT]
    [FONT=&quot]2.5 Ausbeutung von besetzten Staaten[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]Mit dem Überfall auf Polen erübrigte sich die Frage, weshalb so viel Geld in die Rüstung fließen musste. So stieg einerseits der Finanzbedarf für den Rüstungshaushalt durch Nachrüstungen, Ausbesserungen, Soldzuschläge und Waffenentwicklungen auf einen noch höheren Anteil des Staatshaushaltes, als es vor Kriegsbeginn der Fall war. Andererseits stiegen mit der Ausweitung der deutschen Einflussgebiete aber auch die Möglichkeiten der Finanzpolitiker, die enormen Ausgaben zu decken. Nach dem Sieg über Frankreich konnte Deutschland auf belgische, niederländische, luxemburgische, dänische, norwegische und französische Besitztümer und Warenbestände zurückgreifen. Ein Jahr später kamen auch Griechenland und der Balkan unter deutschen Einfluss, sowie Teile der ebenso überfallenen Sowjetunion. In diesen Gebieten entwickelte sich alsbald eine jeweils landesspezifische Ausbeutungsmaschinerie. [/FONT]
    [FONT=&quot] [/FONT]
    [FONT=&quot]2.5.1 Lösung der Probleme der deutschen Wirtschaft ab 1940[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]In diesem Kontext entschied sich die Reichsführung für eine Orientierung auf das besetzte europäische Ausland, welche gleich zweierlei Nutzen haben sollte. So wurde einerseits angestrebt die Einnahmen des Reiches zu erhöhen und andererseits die Kaufkraft der eigenen Massen zu verringern, um die akute deutsche Inflationsgefahr zu bekämpfen. Es wurde die Devise ausgegeben, „wenn schon eine Inflation, dann lieber dort als in Deutschland“[FONT=&quot][3][/FONT], worin sich die stimmungspolitisch und wirtschaftlich orientierten Politiker einig waren.[/FONT]
    [FONT=&quot] [/FONT]
    [FONT=&quot]2.5.2 Lukrative Besetzungen[/FONT][FONT=&quot][/FONT]
    [FONT=&quot]Diese Politik wurde nach dem eröffnenden Feldzug gegen Polen mehr und mehr perfektioniert. Neben einzelnen, an den jeweiligen wirtschaftlichen Besonderheiten des besetzten Landes orientierten Aktionen gab es auch ein sich immer wiederholendes Schema von Grundbeiträgen, die jedes okkupierte Land zu leisten hatte. Deutlich wurde die finanzielle Ausbeutung durch die Wehrbeiträge geprägt, die Jahr für Jahr anstiegen. So wurde beispielsweise Polen anfangs mit 150 Millionen Zloty, was damals 75 Millionen Reichsmark[FONT=&quot][4][/FONT] entsprach, belastet, ab 1942 rückwirkend mit 500 Millionen und 1943 mit drei Milliarden.[FONT=&quot][5][/FONT] Auch berechnete die Wehrmacht Besatzungskosten, welche den Truppenunterhalt in den jeweiligen Ländern decken sollten. Diese Maßnahme wurde wiederholt mit der Order „Sie kennen unseren grundsätzlichen Standpunkt, wonach die gesamten Wehrmachtskosten in einem Gebiet von diesem Gebiet zu tragen sind.“[FONT=&quot][6][/FONT] bekräftigt. Auch in Dänemark stiegen die Besatzungskosten im Jahre 1944 mit 86 Millionen Reichsmark auf das Dreifache der veranschlagten Kosten von 1941.[FONT=&quot][7][/FONT] Diese Abgaben waren nach der Haager Landkriegsordnung zwar erlaubt, jedoch setzt diese in Artikel 52 eine verpflichtende Verhältnismäßigkeit fest.[FONT=&quot][8][/FONT] Dass diese nicht berücksichtigt wurde, geht schon allein daraus hervor, dass für den Wehrbeitrag Polens mit 100 Millionen Zloty eine Truppenstärke von 400.000 Mann angerechnet wurde, wobei die tatsächliche Truppenstärke nur 80.000 Mann entsprach.[FONT=&quot][9][/FONT] Sehr intensiv wurde Frankreich durch diese Forderungen belastet. Bis zum Ende der deutschen Besatzung wurden der französischen Wirtschaft Werte von 680 Milliarden Francs entzogen.[/FONT]
    [FONT=&quot] [/FONT]
    [FONT=&quot]2.5.3 Die Reichskreditkassenscheine[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]Ein weiteres, perfide angelegtes System war die Einführung der Reichskreditkassenscheine, kurz RKK-Scheine genannt. Diese Scheine wurden den in fremde Länder einrückenden Wehrmachtssoldaten als Zahlungsmittel mitgegeben. Sie waren ihrer Wertigkeit nach von 0,50 bis 50 Reichsmark notiert. Der Einsatz dieser Zahlungsmittel war nur im Ausland erlaubt und ersparte dort den mühseligen Weg von Ankäufen über Quittungen und Beschlagnahmungen. Der wohlkalkulierte Nachteil für die Wirtschaft des besetzten Landes lag darin, dass ihre Banken und Sparkassen verpflichtet waren, die RKK-Scheine entgegenzunehmen und wieder in der jeweiligen Landeswährung zu entgelten. Darin lag für viele Unternehmer und Bauern der besetzten Länder der Anreiz oder zumindest eine wenig abschreckende Möglichkeit, über den Verkauf von Waren an die Wehrmacht an RKK-Scheine und damit über ihre Notenbank an Gelder zu kommen. Fatalerweise reichten die Geldinstitute ihrerseits die eingenommenen RKK-Scheine an die Notenbanken weiter, um sie dort wieder in richtiges Geld der Landeswährung rücktauschen zu können. Die Notenbanken mussten die ihrerseits erhaltenen RKK-Scheine umgehend bei den Reichskreditkassen in den besetzten Ländern abliefern – von wo aus sie wieder in den Umlauf gesetzt wurden – ohne dafür einen Gegenwert zu bekommen. Um weiter liquide zu bleiben und die RKK-Scheine, die vonseiten der Banken und Sparkassen angeboten wurden weiterhin umtauschen zu können, mussten sie alsbald weitere Banknoten drucken lassen. Durch die gestiegene umlaufende Geldmenge bei gleichbleibender bzw. wegen der Wehrmachtskäufe tendenziell sogar rückläufiger Warenmenge mussten die Inflationsraten deutlich ansteigen.[FONT=&quot][10][/FONT] Das System war so ausgelegt, dass an keiner Stelle der verhängnisvolle Kreislauf durchbrochen werden konnte. Die Notenbanken waren zur Ablieferung an die Reichskreditkassen verpflichtet, die Sparkassen und Notenbanken mussten ihre Liquidität wahren, und die Händler, die für RKK-Scheine verkauften taten dies aus ihrer kriegsbedingten Existenzangst heraus, zumal ihnen durch die RKK-Scheine selber ja nur unmerklich, also über die Inflationsrate Schaden zukam. Die Aussicht auf Profit ließ die Verkäufer sogar soweit gehen, dass sie gezielt weitere Waren heranschafften, die sonst der Kenntnis und dem Einflussbereich der Wehrmacht entzogen geblieben wären. Das Vorhandensein der Aussicht auf Profit, so fasste Helmut Kasten (Fußnote: HK dissertierte bei Jens Jessen, einem damals wichtigen Nationalökonom und späterem Widerstandskämpfer) zusammen, würde entgegen der offiziellen, gegenwertlosen Enteignung, der sogenannten Requisition, deutliche Vorteile haben:[/FONT]
    [FONT=&quot]„Durch Requisition dagegen – die stets als Ausplünderung empfunden wird, da ein greifbarer Gegenwert nicht in Erscheinung tritt, werden die nationalen Gefühle des Hasses durch den erlittenen wirtschaftlichen Nachteil noch verstärkt und führen zu offenen und versteckten Schädigungen des Gegners. Von der Vernichtung der vorhandenen Vorräte bis zur Vergeltung durch Sabotageakte, Kleinkrieg oder offenen Aufstand reichen die Gegenwirkungen der durch Requisition geschädigten und aufgereizten Bevölkerung.“[FONT=&quot][11][/FONT][/FONT]
    [FONT=&quot]Es wird deutlich, wie arglistig die deutschen Finanzpolitiker das Prinzip der RKK-Scheine kalkulierten, wenn man sich deren Auswirkungen vor Augen führt. Im Juli 1943 kauften Wehrmachtsangehörige für insgesamt 125 Millionen Reichsmark ein. Eine Folge des durch dieses System populär gewordene Aufkaufen war, dass die Deutschen damit begannen, aus der Heimat überflüssige Kaufkraft in Geldmitteln in die besetzten Gebiete zu schicken. Dies wurde vonseiten der Befehlshaber unterstützt, indem die Obergrenzen für Überweisungen aus der Heimat an die Soldaten großzügig bemessen wurden.[FONT=&quot][12][/FONT] Infolgedessen wurden beispielsweise 1940 34 Millionen nach Belgien überwiesen.[FONT=&quot][13][/FONT] Das schwächte die Kaufkraft im Deutschen Reich und steigerte gleichzeitig den Warenbestand im Reich, wohingegen dieser Umstand in den besetzten Gebieten durch diese Entwicklung genau gegenläufige Folgen hatte. Das führte dazu, dass die oben beschriebene Inflationsgefahr im Reich verringert und die im Ausland – beispielsweise in Frankreich – bewusst erhöht wurde. Man kann also von einem Export der Inflation sprechen.[FONT=&quot][14][/FONT][/FONT]

    [FONT=&quot][1][/FONT] Vgl Götz (2006), S. 93.

    [FONT=&quot][2][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 94.

    [FONT=&quot][3][/FONT] Götz (2006), 94.

    [FONT=&quot][4][/FONT] Vgl. Götz (2006), 401.

    [FONT=&quot][5][/FONT] Vgl. Götz (2006), 94.

    [FONT=&quot][6][/FONT] ebenda.

    [FONT=&quot][7][/FONT] Vgl. Götz (2006), 96.

    [FONT=&quot][8][/FONT] Vgl. Götz (2006), 97.

    [FONT=&quot][9][/FONT] Vgl. Götz (2006), 95.

    [FONT=&quot][10][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 103.

    [FONT=&quot][11][/FONT] Götz (2006), S. 107.

    [FONT=&quot][12][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 114.

    [FONT=&quot][13][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 115.

    [FONT=&quot][14][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 126ff.
     
  8. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    [FONT=&quot]2.5.4 Frankreichs Sonderrolle[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]Die RKK-Scheine wurden meistens nach Waffenstillstand wieder aus dem Umlauf genommen, wie es beispielsweise in Dänemark der Fall war. Eine tragische Ausnahme bildete dabei Frankreich, wo die RKK-Währung nach dem Waffenstillstand von Compiegne im Umlauf blieb.[FONT=&quot][1][/FONT] Auf Frankreich möchte ich mich im folgenden konzentrieren, da die besetzten Länder aus Platzgründen nur exemplarisch abgehandelt werden können und Frankreich die deutsche Ausbeutung am besten verdeutlicht Dies hatte zur Folge, dass Truppen, die zur Auffrischung – meist von der Ostfront – nach Frankreich verlegt wurden, ein reges Aufkaufen sämtlicher verfügbarer Warenbestände begannen. Bald wurde es außerdem Teil der Strategie deutscher Banken und Unternehmen, über den Import von französischen Waren Gewinn zu machen.[FONT=&quot][2][/FONT] Ebenso wie die privaten Unternehmen war auch die deutsche Regierung daran interessiert, rüstungsrelevante Güter aus Frankreich nach Deutschland zu schaffen. Rechnet man die Aufkäufe und Exporte nach Deutschland durch deutsche Unternehmen und Regierungsaufträge mit dem Einkaufsvolumen der Wehrmachtssoldaten zusammen, summiert sich der Wert der über RKK-Scheine dem Land entzogenen Waren auf 120 Milliarden Francs, was etwa 6 Milliarden Reichsmark entsprach.[FONT=&quot][3][/FONT] Die deutsche Seite hingegen profitierte doppelt von den Aufkäufen. Zum Einen blieb die Versorgung mit Rohstoffen in Schwung und zum Anderen verdiente – wie schon erwähnt – die deutsche Seite über die Reichsbank an jedem Import über die Emission von RKK-Scheinen mit. [/FONT]
    [FONT=&quot] [/FONT]
    [FONT=&quot]2.5.5 Manipulation der Wechselkurse[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]Eine weitere Methode, um an die Wertbestände anderer Staaten heranzukommen, waren die manipulierten Wechselkurse zwischen jeweiliger Landeswährung und Reichsmark. Nachdem die Kontrolle über ein Land errungen war, wurde dort alsbald der Wechselkurs zwischen Reichsmark und der jeweiligen Landeswährung festgesetzt. Der französische Franc, vormals 100 ffrs zu 6,60 Reichsmark gehandelt, wurde um 25% auf 100 zu 5 abgewertet. Als 1943 Italien besetzt wurde, senkte die deutsche Führung den Kurs von 100 Lira zu 13,10 Reichsmark auf 100 zu 10. Die tschechische Krone wurde nach Errichtung des Generalgouvernements gegenüber der Reichsmark um ein Drittel abgewertet. Alles wurde noch vom Rubel übertroffen, der sage und schreibe 470% Wertminderung aufgedrückt kriegte.[FONT=&quot][4][/FONT] Die Kontrolle der Wechselkurse brachte den Besatzern gleich mehrere Vorteile. Da die Soldzahlungen für die Soldaten nicht den Wechselkursen angepasst wurden, stieg so der reale Wert dieser Zahlungen, was die loyale Haltung der Wehrmachtssoldaten förderte. Die Tatsache, dass die Reichsmark „viel zu hoch gegenüber den europäischen Währungen“[FONT=&quot][5][/FONT] stehe, wurde von den zuständigen Finanzpolitikern wohlwissend in Kauf genommen, da diese Neubewertungen in ihrer Tendenz, zugunsten der Reichsmark, Importe nach Deutschland verbilligten und Exporte verteuerten, was den Notwendigkeiten der Mobilisierung der wirtschaftlichen Reserven der besetzten Länder für die Kriegsführung zupass kam. Auch durch diese Manipulation begünstigt, entwickelte die Außenhandelsbilanz der deutschen Wirtschaft einen defizitären Charakter, es wurden also mehr Waren ein- als ausgeführt.[FONT=&quot][6][/FONT] Diese Bilanz musste auf Dauer als bedeutender Kostenpunkt auf den Haushalt des Reichs drücken. Allerdings fanden auch hier die Finanzexperten des Reiches ihre Mittel und Wege, um die Folgen dieser Politik in Grenzen zu halten. Eine Methode war die Clearingverrechnung[FONT=&quot][7][/FONT], die man auch als Zwangskredite bezeichnen kann. [/FONT]
    [FONT=&quot] [/FONT]
    [FONT=&quot]2.5.6 Das Clearing-Verfahren[/FONT][FONT=&quot][/FONT]

    [FONT=&quot]Das Clearing-Verfahren wurde im konkreten Fall wie folgt eingesetzt. Eine wichtige Rolle spielte einmal mehr die Reichsbank einerseits und die Staatsbanken der besetzten oder verbündeten Länder andererseits. Importierten deutsche Unternehmen nun Waren – was durch die Manipulation der Währung billiger wurde, ließ man diese Importe per Clearing zentral anschreiben, sodass sie nicht direkt bezahlt werden mussten, sondern als Saldobetrag stehenbleiben konnten. Da dieser aufgrund der vielen Importe immer weiter zuungunsten der deutschen Seite stieg, sammelte die Reichsbank bis 1944 29 Milliarden Reichsmark Verbindlichkeiten gegenüber besetzten oder verbündeten Ländern, welche gewissermaßen nichts anderes als Zwangskredite waren, da die Notenbanken der besetzten Länder durch die erzwungene Stundung der ausstehenden Forderungen quasi Geld an Deutschland ausliehen.[FONT=&quot][8][/FONT] Anders als bei den Reichskreditkassenscheinen war hier irgendwann ein Punkt erreicht, an dem die Verkäufer der Waren ihr Geld schmerzlich vermissen müssten, da es schlichtweg noch nicht ausgezahlt sein würde. Reichsbankpräsident Funk bezeichnete diese ausstehenden Posten trotz der aussichtslosen militärischen Situation des Deutschen Reiches 1944 öffentlich als „wertbeständige Anlage“[FONT=&quot][9][/FONT], wohl auch um diejenigen, die dem Reich die dringend benötigten Waren verkauften, zu beruhigen.[/FONT]
    [FONT=&quot] [/FONT]

    [FONT=&quot][1][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 105.

    [FONT=&quot][2][/FONT] Die privaten Unternehmen und Banken ertauschten sich zu diesem Zwecke bei der Reichsbank RKK-Scheine, welche sie im besetzten Gebiet wieder veräußerten. Die Franzosen büßten in diesem Kontext gleich zweimal Wertbestände ein. Zum einen wurden ihnen die Waren weggekauft, zum anderen musste die französische Notenbank die RKK-Scheine entgelten, die die Verkäufer ihnen alsbald hinhielten. Folgende Auflistung soll die Dimensionen verdeutlichen, in denen deutsche Banken und Unternehmen sich mit RKK-Scheinen ausstatten ließen. AEG/Oberschönweide: 4,3 Millionen RM; Deutsche Bank: etwa 1 Million RM; Cautio Treuhandgesellschaft/Berlin: 7,5 Millionen RM; Dresdner Bank: 5 Millionen RM; Berliner Handelsgesellschaft: 2,3 Millionen RM. (Vgl. Götz (2006), S. 175 und 401).

    [FONT=&quot][3][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 171.

    [FONT=&quot][4][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 99.

    [FONT=&quot][5][/FONT] Götz (2006), S. 99.

    [FONT=&quot][6][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 100.

    [FONT=&quot][7][/FONT] Unter Clearingverrechnung versteht man die zentrale Sammlung von Forderungen eines abgegrenzten Teilnehmerkreises. Die Forderungen der Parteien werden untereinander so verrechnet, dass nur der Saldo – der Differenzbetrag – ausgezahlt wird. So vereinfacht und verringert sich die Anzahl an Geldtransfers und damit der Verwaltungsaufwand erheblich. Allerdings sind Clearing-Vorgänge oft mit dem Vorwurf behaftet, die wahren Transfergänge im Zuge von Geldwäsche zu verschleiern. (Vgl. Brockhaus (1989), Bd. 4, S. 602).

    [FONT=&quot][8][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 100.

    [FONT=&quot][9][/FONT] Vgl. Götz (2006), S. 101.
     
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  9. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Moderatorenhinweis

    Hallo Anselm,

    uns erschließt sich nicht ganz, welchen Sinn das Einstellen ganzer Arbeiten haben soll.
    Überlege doch bitte einmal, was das werden sollte, wenn dies jedes Mitglied tun würde.
    Wer soll denn solch lange Texte über mehrere Seiten hier im Forum lesen?

    Wir möchten Dich daher bitten, das Gegenlesen einer ganzen Arbeit auf anderem Wege abzuhandlen.
    Eine Möglichkeit dafür wäre bspw. via Email: "Wer interesse hat meine Arbeit gegenzulesen, der kann mir eine Private Nachricht mit der Mailadresse zukommen lassen." Dann kann man die Arbeit per Mail versenden.

    In diesem Sinne
    Das Moderatorenteam
     
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