Wirtschaftsförderung - Historie - Verlgeich zu heute?

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von Gast, 3. März 2007.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo zusammen,

    das Forum hier gefällt mir sehr gut. Ich bin nur zufällig über das googlen auf diese Seite hier gestoßen.
    Da mir der Vergleich von heutigen „Gebräuchen“ und Verhalten mit dem Verhalten aus der Vergangenheit gefällt bin ich auf der Suche nach den Anfängen der Wirtschaftsförderung bzw. heute genannten Strukturpolitik.

    Es gab sicherlich schon früh in der Geschichte einzelne Ansätze der Wirtschaftsförderung der damaligen Herrscher (Träger) um sein Gebiet (Reich) weiter aufzubauen und wachsen zu lassen. (Heute sind die Träger staatlich, überstaatlich oder nichtstaatlich).

    Heute werden diese Ziele bsp. durch Subventionen und Steuererleichterungen angetrieben. Doch wie sah damals, in der Antike oder im Mittelalter die "Wirtschaftsförderung" aus? Hier wurden sicherlich die Ziele mit anderen Maßnahmen erreicht?!

    Ich bin mal gespannt welche parallelen sich finden lassen!

    Gruß
    Christian
     
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

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  3. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied


    Lieber Christian,
    Deine Fragestellung ist so weit gefasst, dass man darauf nicht so kurz antworten kann. Ich würde dir empfehlen, einmal eine Wirtschaftsgeshichte der Antike (z. B.De Martino, F., Wirtschaftsgeschichte des alten Rom. München 1991; Gehrke, H.J., Geschichte des Hellenismus. München 1990; Kloft, H., Die Wirtschaft der griechisch-römischen Welt. Darmstadt 1992; Pekáry, T., Die Wirtschaft der griechisch-römischen Antike. Wiesbaden 1979; L Rostovtzeff, M., Gesellschafts- und Wirtschaftsgeschichte der hellenistischen Welt. Bd 1-3, Darmstadt 1998 (Nachdruck der Ausgabe Darmstadt 1955). ) zur Hand zu nehmen oder aber deine Frage zu konkretisieren.
    Um ein Beispiel zu geben:
    Die Steuerpolitik des römischen Reiches war sehr differenziert. Einen thesenartigen Überblich zu einigen Problemen findest du u. a. hier
    http://www.bundesfinanzakademie.de/lg3/3_museum/fuehrer03.htm
     
  4. Gast

    Gast Gast

    Danke Klaus,
    werde zwar unter dem aufgeführten Link nich fündig, weil dieser nicht funktioniert, aber ich suche jetzt manuell auf dieser Seite. Heute übt vorwiegende der Staat die Wirtschaftsförderung durch Subventionen und Steuererleichterungen aus. Wie wurde es früher gemacht, damit die ansässige Produktion oder der Handel in einem bestimmten Gebiet zunimmt?

    Ich hoffe jetzt habe ich mich klarer ausgedrückt?!

    Ich bin weiterhin auf eure Antworten gespannt.

    Gruß
    Christian
     
  5. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied


    Hallo Christian,
    Der Link funktioniert schon - gerade habe ich ihn angeklickt und die Seite gefunden.
    Zu deiner Frage:
    Mittel der Wirtschaftsförderung waren und sind neben den von dir angeführten z. B. Zölle bzw. Schutzzölle als Abwehrmaßnahmen ausländischer Konkurrenz. Wenn du diese Begriffe oder ähnliche wie "Wirtschaftsprotektionismus" als Suchbegriffe alleine oder in Verbindung mit bestimmten Staaten oder z.B. "Mittelalter" in der Suchmaschine eingibst, findest du bestimmt hinreichend Informationen.
     
  6. Gast

    Gast Gast

    Hallo Klaus,

    der link funktioniert. Einfach draufklicken ist manchmal besser als diesen zu kopieren. Der Link ist wirklich interessant und greift auch weit nach hinten. Auch die von Dir aufgeführten Maßnahmen wie Schutzzölle & Co. sind mit Sicherheit korrekt. Aber das sind doch alles Gegenmaßnahmen, negative. Gab es nicht auch früher schon Steuererleichterungen unter unterstützende Maßnahmen damit die Händler sich dort niederlassen und nicht im benachbarten Gebiet. Wie wurde der Anreiz an die damaligen Händler geschaffen, so dass diese sich in einem bestimmten Gebiet niederlassen. Reichte es aus das dort ausreichend Bevölkerung / Abnehmer waren? War das Reiz genug? Und um die Neuansiedlung von Händlern zu regulieren wurden Steuern / Zölle erhoben.

    Das hätte ja nicht ganz so viel mit der heutigen Wirtschaftsförderung zu tun. Das wäre ja eher eine dämpfende Maßnahme. Was wurde früher unternommen um ein gewisses Gebiet zu belben, dem Gebiet leben & handeln einzuflösen.

    Gruß und noch einen schönen Tag
    Christian
     
  7. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Ich wollte schon früher antworten, aber ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Vorneweg: Wirtschaftsförderung ist ein diffuser Begriff.

    Wir leben bekanntermaßen in einem marktwirtschaftlichen System, indem den Marktgesetze die ökonomischen Tätigkeiten (Allokation der Ressourcen) steuern. Nach der Theorie kommt dem Staat eine ganz bestimmte Rolle bei der Schaffung von Grundvoraussetzungen zu, um die Marktgesetze wirken lassen zu können.

    In der Sozialen Marktwirtschaft wird die Tätigkeit des Staates zudem auf gesellschaftspolitische Aktivitäten ausgeweitet, die man auf Allokationsdefizite zurück führt.

    Soweit die Theorie.

    Wenn man nun die sozialistische Planwirtschaft heranzieht, inder der Staat die Ressourcenallokation selbst steuert, ist der Begriff "Wirtschaftsförderung" irrelevant. Wirtschaft nach Plan ist das Gegenteil von Wirtschaft nach Marktgesetzen.

    D.h. man muss erstmal den Begriff Wirtschaftsförderung erklären = definieren = abgrenzen. Meint er wirklich jeden staatliche Eingriff, welcher geeignet ist die wirtschaftliche Tätigkeit in einem Raum zu steigern?

    Der moderne Begriff der kommunalen Wirtschaftsförderung oder der EU-Strukturpolitik würde dem jedenfalls widersprechen. Dort sind der Wirtschaftsförderung als Instrument sehr enge Grenzen gesetzt.

    Ich würde einmal damit Anfangen, die Rolle, Ideologie und Mentalität des "Staats" in der Geschichte zu beleuchten und die damit verbundenen Ziele.

    Beispiel: Im Absolutismus ("L'etat, c'est moi!") war der Staat eine zentralisierte, monarchistische Institution, die den Wohlstand der Nation in der Repräsentativität ihrer kulturellen Leistungen gesehen hat. Das Ziel der Wirtschaftspolitik war die Maximierung der Steuereinnahmen und die Ausweitung des öffentlichen Haushalts.

    Die "Wirtschaftsförderung" zielte hier nicht auf die Ausweitung der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit und auf ein Entgegenwirken von Effekten des Marktversagens ab, sondern nutzte sämtliche Mittel, um die Staatskasse zu füllen. Wo der Markt versagte, wurde mit der Peitsche nachgeholfen.

    Das hört sich jetzt vielleicht sehr kleinlich an, aber ich habe Schwierigkeiten damit, den Begriff "Wirtschafsförderung" einfach so über die Jahrtausende hindurch anzuwenden, ohne sich dessen bewusst zu sein.
     
  8. Gast

    Gast Gast

    Hallo Pope,

    das ist in der Tat ein sehr weiter Begriff - Wirtschaftsförderung!
    Aber mein Grundgedanke ist es bzw. meine bisher ungeklärte Frage ist es wie der "Staat" damals sein Handeln wachsen lassen hat. Klar konnte er mit Strafen drohen, wenn keine Zölle und Steuern abgegeben wurden. Doch was war, wenn keine Handelsreisenden in die Stadt kamen. Wie hat der Staat dann die Leute angelockt?

    "Was wurde früher unternommen um ein gewisses Gebiet zu beleben, dem Gebiet Leben & Handel einzuflösen."

    Heute: Subventionen Früher: ?
    Heute: Steuervergünstigungen Früher: ?

    Wie könnte man das besser formulieren oder ist es jetzt ein bisschen verständlicher geworden.

    Oder gab es vielleicht früher keine Lockmittel vom Staat um den Handel zu beleben? Wurde als Lockmittel die Nichtanwendung von Strafen angewandt?
     
  9. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Privilegien nannte man das im Mittelalter. Das Salzregal war so eins. Eigentlich musste damals alles irgendwie genehmigt werden, was Geld brachte. Und Interessengruppen verstanden es, Einfluss zu üben, damit sie ihre Privilegien behalten oder ausweiten konnten.

    So war den Juden fast alles verboten, was auch nur irgendwem auf den Schlips treten konnte. Dazu mussten sie bei jedem Schritt spezielle Steuern zahlen. Kartelle, wie die Hanse oder die städtischen Zünfte, und Monopole, wie eben lüneburger Salz und venezianisches Glas, waren mächtige Institutionen.

    Freies Wirtschaften, wie in unserem heutigen Sinn, gab es damals einfach nicht. Und den Staat interessierte es auch nicht sonderlich. Wo Handel und Unternehmergeist Erfolg versprachen, wurde sofort abgeschöpft, wenn der Unternehmer sich nicht rechtzeitig beim "Staat" einschleimte und gebührend seine Dankbarkeit zeigte.

    Mit Wirtschaftsförderung hat das wenig zu tun. Eher mit Wirtschaftsgängelung.
     
  10. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied


    Hast du es schon einmal mit dem Suchbegriff "Handelskonzessionen" in der Suchmaschine versucht?!
    Solche Konzessionen dienten der Förderung des Handels zu verschiedenen Zeiten und in vielen Gegenden der Welt ( in Bezug auf Venedig s. z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Domenico_Michiel, http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b...cle/93225725-cc8c-4662-a748-95c8c65b9825.aspx, in Bezug auf die Fugger s. z.B. http://www.vsv-asg.ch/htm/htm_d/denaris_artikel.htm?id=19&artikel_id=64 usw.)
    In gewisser Weise stellten ja auch die Kaperbriefe des britischen Königshauses eine Art Wirtschaftsförderung dar, wenn man es ein wenig zynisch ausdrücken möchte.
     
  11. Gast

    Gast Gast

    Hallo Klaus, Pope und wer sonst noch mitliest !
    Durch das schreiben hier erhält man schon immer weiter eine Überblick wie die Wirtschaftsförderung damals ausgesehen haben könnte. Ich habe zwischenzeitlich auch viel nachgelesen. Die von mir so häufig genannten Aktionen wie Subventionen und Steuererleichterungen kann man garnicht so richtig mit Maßnahmen von früher vergleichen, da ein ganz anderer Markt herrscht. Früher wurden mussten die Händler zahlen oder Sie haben mit Ihrem Leben bezahlen müssen. Gut wachsenden Märkte bzw. Güter (Salz,Glas) wurden einfach durch den Staat monopolisiert. Somit konnte der Staat den größten Gewinn dadurch erzielen.
    Heute werden den Händlern viel mehr Rechte zugeteilt und somit haben diese eine ganz andere Stellung. Die Händler können sich ihren Standort aussuchen, die Städte kämpfen quasi darum, das sich große Firmen weiterhin in Ihrer Stadt ausbreiten. Eine Drohung auszusprechen, dass der Händler einen Wegzug bereuen würde, kann heutzutage wohl kaum ausgesprochen werden.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 7. März 2007
  12. Kunifer

    Kunifer Neues Mitglied

    Hallo Gast,

    es ist in der Tat schwer, Wirtschaftsförderung im Mittelalter mit den Werkzeugen der heutigen Politik zu vergleichen. Trotzdem gab es auch damals schon wirksame Methoden, Handel und Produktion anzuregen.

    Bekanntestes Mittel ist hier wohl die herrschaftliche Gründung von Städten. Gab man ihnen Marktrechte, machte sie zum Gerichtsplatz oder erteilte ihnen gar ein Münzregal, konnten sie schnell überregionale Bedeutung gewinnen.

    Lag eine Stadt außerdem noch strategisch günstig an einer Handelsroute, verdiente sie oft auch an Stapel- und Zollrechten.

    Viele Städte profitierten dabei von der Konkurrenz ihrer Landesherren (wie man es ja heute noch von Firmen kennt, die potenzielle Standorte gegeneinander ausspielen). Man denke nur an München als Gründung Heinrichs des Löwen in Konkurrenz zum Bischof von Freising. Oder an die Konkurrenzgründung zum Hamburger Hafen in Glückstadt. Auch Harburg stand ja immer in Konkurrenz zum glücklicheren und mächtigeren (weil freieren) Hamburg.

    Mitunter wurden Städte nicht einmal bevorzugt, sondern das Umland gezielt benachteiligt, etwa durch Gewerbe, die nur in Städten gegründet werden durften, durch Mühlenzwang, etc. Ein Beispiel hierfür ist das Herzogtum Lauenburg, in dem bis zum Ende der hannoverschen Zeit einige Berufe nur in den drei Städten ausgeübt werden durften.
     
  13. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Ich spiele mal weiterhin den Advocaten des Teufels ...

    Im HRRDN war Gott Eigentümer der Welt und seiner Geschöpfe. Gottes Stellvertreter (Papst) beauftragte/bestätigte einen Verwalter (Kaiser), der für die Einhaltung der irdischen aber dennoch göttlichen Ordnung sorgen sollte.

    Wie man daraus schon erkennt, gab es eigentlich keine Privatpersonen oder Privatinteressen wie heute. Eigentlich unterstand alles, was die diesseitige Welt betraf, dem Kaiser. Es brauchte nicht viel, um daraus einen Blankoscheck zur feudalen Ausbeutung der einfachen Menschen herzuleiten.

    So, und nun können wir uns gerne der Wirtschaftsförderung widmen.

    Da gibt es einige interessante Aspekte, wenn man durch die Geschichte streift, ohne den Begriff zu eng zu sehen.

    Neben den üblichen Infrastrukturprojekten wären da z.B. Maße und Gewichte festlegen (?), Einführung der Geldwirtschaft (erstmals in Lykien), Anlage von zentralen Warenspeichern (Kreta), Außenhandel, Sklaverei, und vieles mehr.
     

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