Wirtschaftsnationalismus und Globalisierung

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von andreassolar, 11. Mai 2020.

  1. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Die gab es doch schon vor Jahrhunderten, ob die Hanse, diverse Handelskompanien, der Sklaverei-Baumwollhandel ab dem 17. Jh., Fugger usw. Die Idee einer nationalen Politik als obersten Orientierungs- und Kontrollrahmen entstammt dem 19. Jh., meine ich.
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    @abdreassolar: Der Versuch einer Präzisierung: Seit 1871 waren die einzelnen "Nationalökonomien" im Rahmen von Staatsnationen organisiert. Sie unterlagen komplett dem nationalstaatlichen Ordnungsrahmen. Das hat sich verändert.

    Mit dem Ausbilden einer globalisierten Ökonomie hat sich zunehmen seit den achtziger Jahren eine Lösung von großen Konzernen vom nationalstaatlichen Ordnungsrahmen vollzogen und sie agieren relativ frei von diesem Ordnungsrahmen. Das geht so weit, dass sie durch eine monopolartige Stellung im Rahmen der globalen Ökonomie den einzelnen Nationalstaaten als relativ eigenständige Player entgegentreten. Das ist die eine Ebene, die neu ist.

    Parallel dazu ist die Frage zu betrachten, wie sich die nationalstaatliche Souveränität parallel zu Entwicklung von europäischen Institutionen verhält. Und durch welche Prozesse diese beiden Ebenen ihre Legalität und Legitimität generieren können. Die Beschreibung der Krise der EU, die seit längerem anhält, ist bei Offe konsensual für das links-liberale Spektrum ausformuliert.

    Die Problematik der Legitimation einer europäischen Politik vor dem Hintergrund nationalstaatlicher Interessen und nationaler Souveränität beleuchtete konkret u.a. Scharpf für unterschiedliche Politikfelder. Und schrieb: "Wenn europäische Politiknetzwerke in der Tat Lösungen erreichen können, die allen betroffenen Rechnung tragen, dann wäre die output-orienierte Legitimität gewährleistet und das demokratische Defizit nicht mehr von Bedeutung." (S. 32) . Das ist aber nicht so und deswegen ergeben sich die Finanzierungs- und Verteilungskonflikt in der EU.

    Insgesamt verstärken diese Entwicklungen das Gefühl in Teile der Bevölkerung, dass sie als Wähler und Staatsbürger, selbst wenn sie engagiert, informiert und wohlwollend sind, durch ihr Verhalten als Wähler nicht mehr eine angemessene korrigierende "Korrektur der Politik" wahrnehmen können, die dem Anspruch von parlamentarischen, repräsentativen Demokratien entspricht. Es ergibt sich vermutlich ein Zusammenhang zwischen Politikverdrossenheit, dem Gefühl der politischen Entfremdung und der Anfälligkeit für Verschwörungstheorien.

    Und vor diesem Hintergrund ist vermutlich die Einschätzung zu sehen, dass Verschwörungstheorien die Mitte der Gesellschaft erreicht haben, wenn sich selbst Spitzenpolitiker wie der sächsische Ministerpräsident vom Verhalten von multinationalen Tech-Konzernen erpresst bzw. dann auch entfremdet zeigt.

    Das kann man alles ignorieren oder sich die Frage stellen, was falsch gelaufen ist bei der sachlichen und objektivierenden Informierung und Aufklärung der Staatsbürger und der Frage der Partizipationsmöglichkeit. Ein einfaches weiter so, wird die Virulenz der Verschwörungstheorien weiter anheizen und es wird ein politisches Problem auf der Ebene des Bundestages werden.

    Offe, Claus (2016): Europa in der Falle. Berlin: Suhrkamp
    Scharpf, Fritz W. (1999): Regieren in Europa. Effektiv und demokratisch? Frankfurt am Main, New York: Campus.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Mai 2020
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  3. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    OT:
    Das überzeugt mich persönlich weniger, Boris Barth schreibt unter anderem:
    (S. 43) [...] Erst seit den späten 1970er bzw. in den 1980er Jahren ist es wieder gelungen, ein Maß an weltwirtschaftlicher Integration zu erreichen, das mit der Zeit von vor 1914 vergleichbar gewesen wäre. Auch wenn dieses sehr pauschale Bild auf der regionalen und sektoralen Ebene einiger Korrekturen bedarf, so handelt es sich um den derzeit grundsätzlich akzeptierten Forschungsstand. (S. 44)[...] Gerade im Bankwesen bestand ferner eine sehr enge deutsch-britische Kooperation. Es wäre grundsätzlich falsch anzunehmen, dass "deutsche" Banken stets auch im "deutschen" Interesse handelten. Das gleiche gilt für die großen Finanziers der City of London. Gerade wegen der umfangreichen globalen Verflechtungen orientierten sich Finanziers an Profitmöglichkeiten und nur in Ausnahmefallen an den vorgeblichen oder wirklichen "nationalen" Interessen ihrer Regierungen. In dieser Hinsicht markierte der Erste Weltkrieg einen scharfen Einschnitt, weil er in einem bisher quantitativ nur schwer abschätzbaren Maße die Nationalisierung des zuvor weit-. gehend internationalen Kapitals beförderte. Politisch und militärisch bestand zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich seit der Jahrhundertwende eine wachsende und scharfe Konkurrenz, denkt man an koloniale Rivalitäten oder an den Flottenbau. Der rasante Aufstieg der deutschen Wirtschaft hatte viele Ursachen, aber die rapide deutsche ökonomische Expansion in die Weltmärkte war nur deshalb möglich, weil das Empire existierte. [...]
    Q: DIE AUSWIRKUNGEN DES KRIEGSAUSBRUCHS AUF EINE GLOBALISIERTE WELTWIRTSCHAFT. Einführung: Ökonomische Globalisierung vor 1914. In: Wandel, Umbruch, Absturz : Perspektiven auf das Jahr 1914 / Jürgen Angelow ; Johannes Großmann (Hrsg.). - Stuttgart : Franz Steiner, 2014. S. 43-56.
     
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die zitierte Stelle ist als Widerspruch wenig aussagekräftig. Ich sprach von "Nationalökonomien", die im Rahmen von Staats-Nationen organisiert wären. Das trifft für viele der damaligen Schlüsselindustrien zu und geht bis runter auf die Infrastruktur wie den Bau von Eisenbahnlinien. Und nicht nur über den Bankensektor.

    Ansonsten, und das kann man an der Berlin-Bagdad-Bahn schnell nachvollziehen, wurden deutsche Kreditinstitute auch herangezogen für die Verfolgung nationaler Politiken. Allerdings konnten die deutschen Banken mit ihren deutlich schlechteren internationalen Verbindungen, deutlich schlechter wie französische oder britische Banken, den realen Finanzbedarf der Kaiserreichs bei diesem Projekt nicht ausreichend decken.

    Die Nationalisierung der Industrie und des Kredit war im 3. Reich auf einem relativen Höhepunkt, da Industriepolitik und Geldmarktpolitik sich den nationalen Interessen der Aufrüstung unter zu ordnen hatte.

    Meine zentrale These würde lauten, dass die deutschen Unternehmer einen ausgeprägten nationalstaatlichen Patriotismus von 1871 bis weit in die 1970er Jahre gezeigt haben. Erst dann erodierte der unternehmerische Patriotismus, auch durch die abnehmende nationalistische Haltung der deutschen Außenpolitik.

    Aber es wäre ein interessantes Thema, das sicherlich ausführlich diskutiert werden sollte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Mai 2020
  5. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Die Eisenbahn wurde z.B. in UK vor 1914, wenn ich mich recht erinnere, keineswegs von der zentralen Regierung organisiert, für das Deutsche Reich vor 1914 gilt das ebenso. Dass stabile, einheitliche politische Rahmenbedingungen sehr förderlich waren, bedeutet andererseits nicht, meine ich, von einem vor 1914 durch die jeweilige Regierung eines Nationalstaates durchgesetzten ordnungspolitischen Rahmen im heutigen Sinne sprechen zu können. Weder sähe ich in UK noch im Deutschen Kaiserreich einen Nationalstaat analog zu Frankreich in gleichen Zeitraum.
    Was die Banken angeht, zu beziehe ich mich auf die Großbanken, die Geschäftsbanken vor 1914, Baring, Rothschild etc. Diese waren m.M. nach keineswegs durchweg national organisiert worden.

    @thane, falscher Faden für diese Dis., vielleicht weiter in der Wirtschaftsgeschichte? Ich kann andererseits keine substanzielleren Beiträge meinerseits im Voraus versprechen. Ein Gedanke noch: Sofern Deine These für die Zeit vor 1914 zuträfe, für das DR, wie verstehst Du das Aufkommen des verschwörungstheoretischen radikalen Antisemitismus nach der so genannten Gründerzeit-Krise?
     
  6. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Marx schrieb u.a. im Manifest der Kommunistischen Partei, 1848:

    »Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muss sie sich einnisten, überall Verbindungen herstellen. […] An die Stelle der alten, durch Landerzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeitund Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. Die nationale Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich, und aus den vielen nationalen und lokalen
    Literaturen bildet sich eine Weltliteratur. Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterte Kommunikationen alle, auch
    die barbarischsten Nationen in die Zivilisation.« (Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei. London 1848; Auszug)
    [Zitiert nach Peter Fäßler, Globalisierung. Ein historisches Kompendium. Köln 2007, S. 74.]

    Fäßler notiert weiterhin zur ersten Globaliserungsphase 1840-1914 u.a.:
    Tatsächlich setzte um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller (75) Verflechtungsschub globalen Ausmaßes ein, wie er bis dahin noch nicht beobachtet worden war. Eigentlich sollte man erwarten, dass die zur gleichen Zeit durch Nationalstaatsbildungen und übersteigerte Nationalismen errichteten politischen und mentalen Barrieren globalisierungsdämpfende Effekte hervorgerufen hätten. Solche Effekte sind auch nachzuweisen, wurden letztlich aber von gegenläufigen Entwicklungen überlagert. Denn etliche Faktoren trugen zur raschen Erosion vielfältiger Interaktionsbarrieren bei und verliehen der ersten Globalisierungsphase ihre ungeheure Dynamik und eigene Qualität. (zitiert S. 74f.)

    Fäßler schreibt von zwei Generationen dieser ersten Phase (S. 76). Typische Kennzeichen der ersten Phase nach Fäßler (S. 77):
    Produktions-, Transport- u. Kommunikationsrevolution; Entstehung integrierter Weltmärkte; Global Players und Internationale Ordnungselemente; Hegemon Großbritannien; politische Leitideen mit globalem Geltungsanspruch; Kulturelle Erfahrungsräume.

    Jürgen Osterhammel & Niels Petersson, Geschichte der Globalisierung, München 2019, 6. aktualisierte Auflage, bemerken u.a. (zitiert nach S. 68, Weltkapitalismus und Weltkrisen, 1880-1945)
    [...] Globaliserungsprozesse im 19. Jahrhundert erfassten keineswegs bereits zusammenhängende, nationalstaatlich integrierte Volkswirtschaften, die sie vernetzt und unter Anpassungsdruck gesetzt hätten. Globalisierung verlief vielmehr parallel und simultan zur Nationsbildung.[...]

    Ein Beispiel für die transnationale Wirtschaftsaktivität ist das von Siemens und Direct United States Cable Company verlegte Atlantik-Seekabel, welches 1875 in Betrieb genommen wurde.

    Osterhammel u.a., Globalisierung, schreiben S. 15f., [...] In den 1860er und 1870er Jahren wirken erstmals auf wirtschaftlichem Gebiet wahrhaft globale Interdependenzen, von denen sich einige sogar statistisch ziemleich exakt nachweisen lassen. Nach 1880 setzt eine Politisierung der Globalisierung ein: Die nun nationalstaatlich verfassten Gesellschaften wollen die (S. 16) Auswirkungen weltwirtschaftlicher Vernetzung politisch einhegen. Nach außen wird Weltwirtschaft als Weltpolitik, als Funktion nationaler Macht, aufgefasst. [...]

    Der nach dem Börsenkrach 1873, in der so genannten 'Großen Depression'/Deflation der Weltwirtschaft aufkommende moderne oder radikale Antisemitismus ab etwa 1879 im Deutschen Reich könnte man vielleicht auch als Teil dieser (antiliberalen) Politisierung in Form von antisemitischen Verschwörungsvorstellungen betrachten.

    Die Zeitschrift 'Capital' hat in der Serie 'History' einen Artikel des Journalisten und Historikers Teja Fiedler vom April 2020 mit dem Titel 1873 - die Gründerzeit endet mit einem heftigen Crash veröffentlicht, online frei zugänglich. Sehr lesenswert zu den Ereignissen, der (wirtschafts-) liberalen Zeit wie der transnationalen Vernetzung und dem aufkommenden Antisemitismus.
     
  7. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    OT Bagdadbahn:

    Die Deutsche Bank unter Führung von Georg Siemens sah sich zur Führung der Finanzierung gedrängt, versuchte selbstredend wie bei Großprojekten üblich ein transnationales Bankenskonsortium (u.a. britische, amerikanische und französische Banken) zur Finanzierung aufzustellen (das Auswärtige Amt drängte anscheinend auf eine weitgehende Finanzierung über den deutschen Kapitalmarkt).

    Siemens schrieb an seinen zukünftigen Schwiegersohn dazu:

    Die anatolische Bahn wird ja augenblicklich von der deutschen Presse, welche sonst so wenig hat, in den Himmel gehoben. Aber als Geschäft? Du lieber Himmel! Da bleibt sie immer eine Nebensache, wie der Klub der Harmlosen. Mir persönlich war diese Bahn recht nützlich, weil seit dieser Zeit die Leute angefangen haben, an mich zu glauben, und das ist nützlich, wenn man ernsthaft große Dinge verfolgt, aber diese Bahn selbst ist nur ein toter Strang und die Begeisterung Seiner Majestät für Mesopotamien ist ohne tieferen Wert für die deutschen Interessen.
    Zitiert nach Lothar Gall u.a.: Die Deutsche Bank, 1870–1995. C.H.Beck, München 1995, S. 82.

    Gall u.a., notieren S. 81 u.a. weiterhin: [...]
    Die Unterhändler der Deutschen Bank berücksichtigten bei den Verhandlungen über den Bau, den Streckenverlauf und die Finanzierung der Bagdadbahn zwar sorgfältig die politischen Gegebenheiten, doch in erster Linie verstanden sie sich als Geschäftsleute.

    Gall u.a., S. 82, schreiben u.a.:
    [...] Einer der vielen Historiker, die sich mit dem Komplex des Bagdadbahnbaus beschäftigt haben, kommt denn auch zu dem Schluß, dass es der Deutschen Bank 'in erster Linie zum die Sicherung der im Bagdadunternehmen angelegten Kapitalien' gegangen sei: 'Von einem Kampf um die Vorherrschaft des deutschen Exports und des deutschen Handels kann auf Seiten der Deutschen Bank kaum die Rede sein'. [...]

    Der bei der Ausführung des Baues führende Baukonzern Philipp Holzmann AG galt damals längst als international aufgestellter Konzern.


     
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  8. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Die beiden Initiatoren zur Gründung der Deutschen Bank, Adelbert Delbrück und Ludwig Bamberger, hatten bereits vor der Gründung des Deutschen Reiches (1871) die Idee einer Außenhandelsbank mit dem Namensteil 'deutsch' postuliert - für 'überseeischen' Handel musste damals noch weitgehend auf britische Banken & Kredite in London zurück gegriffen werden. Die Deutsche Bank selbst wurde im März 1870 in Berlin gegründet. (Q: Gall u.a., Deutsche Bank, S. 4f.)

    Während Delbrück, Bankier, die Gründerkrise und die nachfolgende so genannte Große Depression unbeschadet überstand, bekam Bamberger, 1848er Revolutionär & international vernetzter Bankier & nationalliberaler (Währungs-) Politiker wie auch Vertreter des so genannten Manchesterkapitalismus, aufgrund seiner Herkunft aus Mainzer Familie jüdischen Glaubens jenen Antisemitismus ab 1879 deutlich zu spüren. Als typischer 1848er hatte er in den 1860er Jahren schließlich einen spürbaren deutschen Patriotismus entwickelt, ein echter Nationalliberaler. Umso mehr hat Bamberger anscheinend die Entwicklung ab 1879 im Deutschen Reich enttäuscht - der aufkommende Antisemitismus, die nationalkonservative Wende nicht nur bei Bismarck und in der Wirtschaftspolitik. 1880 trat Bamberger aus der Nationalliberalen Reichstagsfraktion aus, mit weiteren linksliberalen Abgeordneten.

    • Winfried Becker: Das Bismarck-Reich - ein Obrigkeitsstaat? Die Entwicklung des Parlamentarismus und der Parteien 1871-1890. In: Ulrich Lappenküper (Hg.), Otto von Bismarck und das 'lange 19. Jahrhundert'. Paderborn 2017, S. 178f.
    • Marie-Lise Weber: Ludwig Bamberger. Ideologie statt Realpolitik. Stuttgart 1987.
     
  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Es ist ein komplexes Thema, das im weiteren Sinne ca. 200 Jahre umfaßt und im engeren noch 100 Jahre. Es ist auch deswegen so komplex, weil der Startpunkt meiner Argumentation in die Phase des Aufschwungs des transatlantischen, globalisierten Kapitalismus und der damit zusammenhängenden ersten Industriellen Revolution und dem Aufstieg im Zuge der „Großen Divergenz“ lag. Von diesem Punkt aus führte die wirtschaftliche und machtpolitische Sicht seit ca. 1850 verstärkt in die Ideologie des Imperialismus und den Kampf um regionale oder globale hegemoniale Positionen, im Rahmen der nationalstaatlichen Politik (vgl. z.B. Morris, S. 473ff)

    Im Kern geht es dabei um die Frage, in welchem Zusammenhang staatliche und wirtschaftliche Interessen stehen. Im Zuge des Konflikts von Frankreich mit GB wird in großem Stil deutlich, wie Napoleon politische, militärische und wirtschaftliche Ziele verschränkte. Verkürzt diente dabei die Kontinentalsperre dazu, den Export von britischen Waren auf den Kontinent zu verhindern und damit den Export französischer Waren zu erleichtern. Das Motiv und die Umsetzung war in seinen zentralen Momenten die Blaupause für spätere Konstellationen, in denen die nationalen Interessen zur Hegemonie in Europa erweitert werden sollten.

    Diese Entwicklung verlief im 19. Jahrhundert in unterschiedliche Phase und in einzelnen Ländern noch zusätzlich unterschiedlich. So bezeichnet Aydin die Phase zwischen 1815-1882 als „Epoche der imperialen Selbststärkung“, in der vor allem die atlantischen Mächte sich durch Kolonien erweiterten.

    Auf das Scheitern von Napoleon folgte in Preußen und den deutschen Staaten eine Phase der nationalen Konsolidierung, die mit der Schaffung einer „innerdeutschen“ Zollunion, der Diskussion von Schutzzöllen und dem verstärkten Interesse an der Förderung einer nationalen Verkehrsinfrastruktur, vor allem an Eisenbahnen, einherging. Stark propagiert von Personen wie List, der sich aber nicht durchsetzen konnte gegen die Mehrheit liberaler Wirtschaftstheoretiker.

    Und so verfolgte das Deutsche Reich bis zum Winter 1878/79 eine eher liberale Wirtschaftspolitik (Etges, S. 252). Die sich daran anschließende nationalstaatliche Neuausrichtung der Wirtschaft durch Bismarck wurde teilweise – wohl überzeichnet – als „zweite Reichsgründung“ bezeichnet. Und in diesem Kontext verlief ein starkes Wirtschaftswachstum durch das Aufkommen neuer Industriezweige im Deutschen Reich, parallel zu den USA, das auch als „Zweite Industrielle Revolution“ bezeichnet worden ist.

    Propagandistisch wurde die Neuausrichtung durch den Kreis um Schmoller vorangetrieben, die forderten, „Deutschland den Deutschen“ oder „Schutz der nationalen Arbeit“. Bismarck`s Rhetorik war nicht weniger martialisch in der Betonung nationaler Interessen, wenn er forderte „Die Interessengemeinschaft Nation muss sich für ihre Mitglieder auszahlen“ und man müsse einhellig für die Interessen der Nation eintreten, „Sonst drohe dem Reich Gefahr“. (Etges, S. 273)

    Mit dieser Wendung nach 1879 war die „Nationalisierung“ der Wirtschaftspolitik vollzogen und bedeutete, wer dafür war, war „Patriot“ und wer dagegen war, war „undeutsch“ und „unpatriotisch“. Dieser Anspruch auf die Deutungshoheit, was im Interesse des Staates sei, sollte im Kontext der Ideologie des Nationalstaates die Grundlage der wilhelminischen Vorstellung und Durchsetzung von einem „Platz an der Sonne“ oder der „Ellbogenfreiheit“ bilden.

    Der Kern wird dann aber dennoch benannt. „Die deutschen Interessen“, die in ähnlicher Form von anderen großen kapitalistischen Großmächten formuliert worden sind. Und genau das ist der zentrale Orientierungspunkt, seit den Arbeiten von Machiavelli, der die Interessen des „Fürsten“ in das Zentrum des Rechtfertigung staatlichen Handelns verortete (Beyme, S. 92ff). Das Thema ist eng verbunden mit dem Aufkommen von Nationalstaaten und dem, was von diesen Nationalstaaten als „Staatsräson“ oder auch als „Nationales Interesse“ bezeichnet wird (Woyke, S. 151)

    Die Definition, was der Staatsräson entspricht, entspringt. Folgt man Acemoglu (S. 225) dann verfolgte beispielsweise Franz I. bzw. Franz II. eine Politik, die sowohl auf eine Ablehnung der Industrialisierung als auch der Ablehnung von Eisenbahnen hinauslief. Die Staatsräson orientierte sich dabei an der Stabilität der Gesellschaft und wollte durch die Verhinderung der Industrialisierung das Anwachsen eines städtischen Proletariats nahe der Städte vermeiden. Eine ähnliche Haltung nahmen die Zaren im 19. Jahrhundert ein und verhinderten vor allem auch die Erschließung des Landes durch den Eisenbahnbau.

    Auf der anderen Seite ist GB zu finden und die relativ autonome Position der Britischen Ostindien-Kompanie bei der Erschließung von Kolonien und kolonialem Handel. Relativ deutlich wird die enge Verbindung von britischen Interessen und den Handelsinteressen der BOK am Konflikt um den exponentiellen Anstiegs des Exports von Opium nach China und die – widerwillige - Bereitschaft von GB, einen Krieg zu führen (Morris, S. 498) An dieser Beziehung zwischen der britischen Regierung und der BOK kann man das Zurückdrängen privatwirtschaftlicher kolonialer Ambitionen erkennen und der zunehmenden Bedeutung der Verwaltung von Kolonien durch staatliche Instanzen und somit die Durchsetzung des „nationalem Interesse“.

    Noch eine Bemerkung zur speziellen Rolle der Banken im Rahmen der globalen Ausweitung des Handels. Mit der Betonung der besonderen internationalen Position des Bankenwesens im Deutschen Reich wird im wesentlichen die globale Ausrichtung der deutschen Wirtschaft betont. Parallel zur Differenzierung der Strukturen der Nationalstaaten „vagabundierte“ das europäische Kapital, allen voran das britische und das französische, in globale Unternehmungen. (Topik & Wells, S. 617-620). Allerdings ist einzuschränken: „Entstanden mit Auslandsinvestitionen daher auch Brücken, Straßen und mitunter Schulen, so trugen sie zugleich dazu bei, koloniale oder neokoloniale Regime am Leben und Ungleichheiten aufrechtzuerhalten – und unterschieden sich darin nicht so sehr von Kanonenbooten oder Besatzungstruppen.“ (Topik & Wells, S. 618). Das betrifft allerdings nicht die auch von deutscher Seiten relativ hohen Direktinvestitionen in den USA und belegt, dass die europäischen Banken dort investierten, wo Gewinne zu erhoffen waren, die staatlicherseits abgesichert waren. Wie beispielsweise die umfangreichen französischen Investitionen in die zaristische Wirtschafts- bzw. Rüstungsindustrie (Topik & Wells, S. 619).

    Dass „andreassolar“ meiner These von der Nationalisierung der Wirtschaft mit dem Hinweis auf die Banken widersprochen hat, ist m.E. inhaltlich nicht gerechtfertigt. Der Widerspruch blendet die Bedeutung des Nationalismus und des Wirtschaftsnationalismus aus und betont zu einseitig die Tendenzen zur Globalisierung. Die nach 1879 ablaufende deutliche Dynamisierung des Nationalismus im Deutschen Reich förderte die Ausbildung eines „patriotischen Geistes“, den man an zentralen Wirtschaftsmagnaten wie Rathenau, Ballin und in ganz besonderem Maße auch bei Stinnes zu erkennen war.

    Zu erinnern sei, dass Stinnes sich ursprünglich gegen einen Krieg ausgesprochen hat, da er die wirtschaftliche Eroberung des Balkans für realisierbar hielt. Und an diesem Punkt kann man deutlich erkennen, in welch hohem Maße das „deutsche Interesse“, sich ein „Platz an der Sonne zu erobern“, in Übereinstimmung mit der Sicht wichtiger Industrieller war und die wirtschaftliche Eroberung als "gleichwertige" Form der Beherrschung eines Territoriums angesehen worden ist.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Historische_Schule_der_Nationalökonomie
    https://de.wikisource.org/wiki/Friedrich_List_und_die_erste_große_Eisenbahn_Deutschlands

    Acemoglu, Daron; Robinson, James A. (2012): Why nations fail. The origins of power, prosperity and poverty. London: Profile Books.
    Beyme, Klaus von (2009): Geschichte der politischen Theorien in Deutschland 1300 - 2000. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
    Aydin, Cemil (2016,): Regionen und Reiche in der politischen Geschichte des langen 19. Jahrhunderts (1750 - 1924). In: Sebastian Conrad und Jürgen Osterhammel: Wege zur modernen Welt. 1750-1870. Hg. v. Akira Irie und Jürgen Osterhammel. München: C.H. Beck, S. 35–254.
    Etges, Andreas (1999): Wirtschaftsnationalismus. USA und Deutschland im Vergleich (1815-1914). Frankfurt: Campus Verlag.
    Morris, Ian (2012): Wer regiert die Welt? Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden. Frankfurt, M., New York, NY: Campus Verlag
    Topik, Steven C.; Wells, Allen (2013): Warenketten in einer globalisierten Wirtschaft. In: Akira Iriye und Jürgen Osterhammel (Hg.): Geschichte der Welt. Weltmärkte und Weltkriege : 1870-1945. Rosenberg, Emily S (HG.) . 1. Aufl. München: C.H. Beck, S. 589–814.
    Woyke, Wichard (Hg.) (2000): Handwörterbuch Internationale Politik. 8. Aufl. Leverkusen: Leske + Budrich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Mai 2020
  10. schaf

    schaf Neues Mitglied

    Zur Überschrift passen die komparativen Kostenvorteile ganz gewiss.
    Komparativer Kostenvorteil – Wikipedia

    Handel lohnt sich auch wenn in einem Land alles teurer hergestellt wird als im anderen falls es für Produkte innerhalb eines Landes reale Unterschiede gibt.
    Trotzdem gibt es Nachteile und darüber habe ich schon ergebnislos diskutiert.
     
  11. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Vielen Dank, Thane. Im Beitrag # 6 hatte ich u.a. dies zitiert.

    Die erste Globalisierungsphase vor 1914 wird von diversen Wissenschaftlern und Publikation neuerer und neuester Zeit prominent wie glaubwürdig substanziell vertreten. Das scheint mir wichtig zu sein.
    Gerne las ich auch Scherrer/Kunze, Globalisierung, Göttingen 2011, oder besonders Cornelius Torp, Die Herausforderung der Globalisierung. Wirtschaft und Politik 1860-1914, Göttingen 2005.

    Ich selber kann Publikationen auf Basis von Wirtschaftsdaten zur weltwirtschaftlichen Integration der 'Volkswirtschaften' nur empfehlen. Am anderen Ende meiner Skala stehen Publikationen wie jene von Andreas Etges, Wirtschaftsnationalismus. USA und Deutschland im Vergleich (1815-1914), welche ganz und gar ohne konkrete Wirtschaftsdaten auskommt, so weit ich gesehen habe.

    Ein transnationaler Blick hilft sehr, die wirtschaftliche Dynamik & Interaktion, ausgehend von GB, dann Frankreich, ab ca. 1850, nach mehr ab 1860 in Zentral- und Westeuropa zu verstehen. Torp, Die Herausforderung der Globalisierung. Wirtschaft und Politik 1860-1914, referiert ab S. 121 den Cobden-Vertrag GB-FR (1860) als Ausgangspunkt für das nachfolgend entstehende Freihandelssystem, an dem Preussen mit dem Handels-Vertrag mit Frankreich ab 1862 partizipiert. Ein beachtliche wirtschaftliche Prosperität setzt wohl ein, weiter verstärkt ab 1866.

    Das Ende des recht liberalen Freihandelssystem wird für das Deutsche Reich ins Jahr 1879 gesetzt, mit den Schutzzöllen u.a. für Schwerindustrie und Agrarindustrie

    Obwohl schon oben zitiert, nochmals Fäßler:
    Peter Fäßler, Globalisierung. Ein historisches Kompendium, notiert weiterhin zur ersten Globaliserungsphase 1840-1914 u.a.:
    Tatsächlich setzte um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller (75) Verflechtungsschub globalen Ausmaßes ein, wie er bis dahin noch nicht beobachtet worden war. Eigentlich sollte man erwarten, dass die zur gleichen Zeit durch Nationalstaatsbildungen und übersteigerte Nationalismen errichteten politischen und mentalen Barrieren globalisierungsdämpfende Effekte hervorgerufen hätten. Solche Effekte sind auch nachzuweisen, wurden letztlich aber von gegenläufigen Entwicklungen überlagert. Denn etliche Faktoren trugen zur raschen Erosion vielfältiger Interaktionsbarrieren bei und verliehen der ersten Globalisierungsphase ihre ungeheure Dynamik und eigene Qualität. (zitiert S. 74f.)

    @Thane, wie lassen sich denn anhand objektiv feststellbarer Wirtschafts-Kennziffern die Wirtschaftsaktivitäten von 'national' geführten Konzernen vor 1914 fest machen, von mir aus im Vergleich zu irgendwelchen Konzernen ohne bekannt national gesinnte Führungsebene? Rathenau war bestimmt Patriot, aber doch nicht nur oder hauptsächlich (besonders 'national' gesinnt wahrscheinlich sowieso nicht im Sinne eines exkludierenden Nationalismus).
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Acemoglu bringt diese Beispiele, empirische Relevanz außen außen vor gelassen, in Zusammenhang mit absolutistischen Strukturen, Technologiefurcht, Blockade der Tendenzen einer "kreativen Zerstörung" alter Strukturen durch Industrialisierung.

    Das sind mE keine geeigneten Beispiele für einen Wirtschaftsnationalismus kontra Globalisierungstendenzen im 19. Jahrhundert (ganz abgesehen von fehlenden empirischen Nachweisen).
     
  13. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die Einwände gehen an meiner Argumentation vorbei. Von mir wurden relativ deutlich mit Hinweis auf die "Staatsraison" bzw. das "Nationale Interesse" der Wirtschaftsnationalismus als veränderte Verschränkung von staatlichen Interesse und wirtschaftlichem Handeln definiert.

    Und in diesem Zusammenhang ist das Beispiel von Acemoglu hilfreich, da es aus der "Staatsraison" heraus Entscheidungen für Infrastrukturentscheidungen erklärt. Die Karte zum Eisenbahnnetz ist für ihn ein "empirischer" Beleg. Ansonsten führt er konkrete Entscheidungssituationen an.

    Generell hätte ich mir erhofft, dass Erwiderungen sich auf das beziehen, was von mir geschrieben wurde.

    Die Sicht von Etges wird bei Kitchen ähnlich ausformuliert. Auch ohne "Statistiken".

    Kitchen, Martin (2020): The political economy of Germany, 1815-1914. New York, NY: Routledge
     
  14. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    @Thane, wir diskutieren irgendwie aneinander vorbei...großen Respekt vor Deinen qualitätvollen, sehr umfangreichen Antworten/Beiträgen.

    Was war der Ausgangspunkt? Der Ausgangspunkt war meine Behauptung, dass es auch vor 1914 eine bedeutende Phase gab, die man wissenschaftlich berechtigt als Globalisierung bezeichnen kann (hatte ich im Laufe diverser Jahre u.a. bei der Erforschung der lokalen Wirtschaft vor 1914 bemerkt). Das war und ist, meine ich, hinreichend wissenschaftlich belegt und anerkannt, auch für das Deutsche Reich. Doch hatte ich anfangs zu einseitig jene Globalisierung verabsolutiert.

    Wie schon diverse andere Autoren notierten, bestand zwischen 'Nationalstaat' und Globalisierung in der sehr komplexen Realität keine Dichotomie in der konkreten geschichtlichen Entwicklungen ab 1850. Ein Hegemon wie die britischen Regierungen konnte vor 1914 global vielfach seine Produkte wie Handels- und Industrieauffassungen schützen, durchsetzen oder auf Verhandlungsbasis in Verträgen internationalisieren.

    Überspitz formuliert, ist ein Wirtschaftsnationalismus allein, der übrigens - soweit ich sehe - weit weniger wissenschaftlich sinnvoll & eindeutig definiert werden kann im Vergleich zum schon vielfältigen Begriff Globalisierung, nicht die Ursache für wirtschaftliche Prosperität und weltwirtschaftlich erfolgreiches Agieren. Nationale Gesinnung für sich führt m.E. weder zu Innovationen, wirtschaftlich erfolgreichem Handeln, zu transnational wettbewerbsfähigen Produkten und Strategien, noch zu den notwendigen transnationalen Abkommen, Vereinheitlichungen, Transportwegen wie Absatzmärkte.

    Noch ein Beispiel: Die so genannten Weltausstellungen ab 1851 zeigen wohl recht schön die einsetzende Globalisierung und den gleichzeitigen Impuls von Regierungen, die eigene, gerne national interpretierte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zur Hebung des nationalen Prestiges dort heraus zustellen.
    Wirtschaftlich notwendig oder erfolgreich war die Ausstellungen anscheinend für die teilnehmenden Firmen und Konzerne weniger.

    Joachim Radkau, Technik in Deutschland vom 18. Jahrhundert bis heute (2008), notiert S. 165 entsprechend,
    [...] Für einen Großteil der deutschen Industrie waren jedoch die Ausstellungen als solche, rein geschäftlich betrachtet, kaum interessant. [...] Ausgerechnet in den beiden Jahrzehnten nach der Reichsgründung gab es in weiten Teilen der deutschen Industrie eine regelrechte Trotzreaktion gegen die 'Ausstellungepedemie' (Siemens), mit dem bemerkenswerten Ergebnis, dass die für Berlin 1885 geplante Weltausstellung nicht zustande kam und bis zur Hannoveraner Expo 2000 nie eine Weltausstellung in Deutschland stattfand.[...]

    Die nach Krupp größten Industriekonzerne AEG wie Siemens kann man wohl direkt vor 1914 als multinationale Konzerne betrachten; 1913 hatte die Elektrotechnische Industrie des Deutschen Reiches einen Weltmarktanteil von gut 46% (Q: Torp, Die Herausforderung der Globalisierung. Wirtschaft und Politik in Deutschland 1860-1914, 2005, S. 104).
     
  15. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Aus den kurzen inhaltlichen Ausführungen läßt sich wenig an konstruktiver Fortführung oder Kritik erkennen. Oder es werden Strohmänner aufgebaut oder offene Türen mühelos eingetreten.

    Ein seit mindestens 100 Jahren vorhandener Erkenntnisstand und hängt sehr stark mit dem "maritimen Imperialismus" (R. Hobson) zusammen. Eine offene Tür.

    Ja, "transnationale Blicke" sind hilfreich. Zumal sich die Entwicklung in Anlehnung an das "Empire of Cotton" (Beckert) und einer damit zusammenhängenden "World that Trade created" (Pommeranz & Topik) entwickelt hatte und zur "Great Divergence" (Pommeranz) mit entsprechender Vormachtstellung des "Westens" entwickelt hatte. Eine weitere offene Tür.

    Das Ende wird nicht "ins Jahr 1879 gesetzt", sondern es waren Machtnetzwerke im DR, die es gezielt angestrebt haben. Dabei war Bismarck die treibende Kraft und es ging um die Stärkung seiner Position und die wirtschaftliche Fundierung der weiteren "inneren Reichsgründung" im Zuge des damit zusammenhängenden "Sozial-Imperialismus" (Wehler)

    Durch das Thema "Eisenbahn" bin ich auf ein Fallbeispiel gestoßen, das die enge Verbindung illustriert. In 1895 wurde durch Bismarck ein kaiserlicher Schutzbrief für "Deutsch Ost Afrika" ausgestellt und im gleichen Jahr wurde über den Bau der "Central-Bahn" verhandelt. (S. 109) Dem ursprünglichen Konsortium gehörten Banken an und mit der Ausführung wurde Holzmann beauftragt.

    https://books.google.de/books?id=PpnlxwBteSQC&pg=PA114&lpg=PA114&dq=Ostafrikanischen+Eisenbahngesellschaft&source=bl&ots=bReL8Eqfze&sig=ACfU3U1iFSNXMMQ-eNzwieIAoLbCEkgwmw&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjGkofVzsnpAhUBnVwKHfO7CH04ChDoATABegQIChAB#v=onepage&q=Ostafrikanischen Eisenbahngesellschaft&f=false

    Insgesamt ist die deutsche Phase des Imperialismus widersprüchlich und teilweise eher in seinen Ansätzen zu beobachten. Wie generell sich der "Imperialismus" für das DR nicht "gerechnet" hat, was wir schon häufiger im GF konstatiert haben.

    Dennoch wird in der Aktivität des DR deutlich, dass die Staatsräson bzw. das nationale Interesse hinter den kolonialen Aktivitäten stand. Das wird deutlich beispeilsweise an den zwei "Fast-Kriegen" gegen die USA vor Venezuela (1902/03) (Herwig: Politics of Frustration und Mitchel: The danger of dreams) oder vor Manila/Phillipinen (1898). Und setzte sich fort in den Marokko-Krisen (1905/06 und 1911) fort.

    An irgendwelchen "objektiven Wirtschafts-Kennziffern" kann man gar nichts feststellen. Weil es kein eindeutiges Kriterium für "national gesinnte Führungsebene" gibt. Aber die Gründung entsprechender Organisationen oder Vereine zur Förderung deutscher Interessen in Kolonien ist als politisches Netzwerk betrachtet, ein Hinweis auf Kommunikationsstrukturen und Machtkonzentrationen. Allerdings waren die unternehmerischen Interessen des deutschen Maschinenbaus und der Leichtindustrie nicht deckungsgleich zur Schwerindustrie, so Kitchen. Und deswegen sind pauschale Aussagen auch häufig nicht korrekt.

    Rathenau ist als Beispiel sehr gut geeignet. So resümiert Gall (S. 132) "Unbestreitbar aber bleibt, dass in diese Phase gekennzeichnet war durch eine immer stärkere Verbindung von Finanzkapital und Industrie unter Führung und organisatorischen Einfluss der großen Banken. Und hierbei spielte Walter Rathenau sozusagen als Mittelsmann zwischen Industrie und Bankenwelt, von früh auf, ........ seit 1902, eine immer größere Rolle."

    Und diese Verbindung stellten im Deutschen Reich im wesentlichen die Netzwerke dar, die entsprechend den Vorgaben der "Staatsräson" gefördert, gefordert und protegiert werden, die deutschen Interessen im Rahmen des "Platzes an der Sonne" wahrzunehmen. Mit dem Ziel der inneren Stabilisierung, wie Schmoller es gefordert hatte.

    Gall, Lothar (2009): Walther Rathenau. Portrait einer Epoche. München: C.H. Beck.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Mai 2020
  16. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Nein, der Ausgangspunkt war ein anderer.

    "@abdreassolar: Der Versuch einer Präzisierung: Seit 1871 waren die einzelnen "Nationalökonomien" im Rahmen von Staatsnationen organisiert. Sie unterlagen komplett dem nationalstaatlichen Ordnungsrahmen. Das hat sich verändert.

    Mit dem Ausbilden einer globalisierten Ökonomie hat sich zunehmen seit den achtziger Jahren eine Lösung von großen Konzernen vom nationalstaatlichen Ordnungsrahmen vollzogen und sie agieren relativ frei von diesem Ordnungsrahmen.


    Die Ausgangsvermutung zielte darauf ab, dass es in der Phase der 2. Industriellen Revolution bzw. des Imperialismus eine neuartige Rolle für den Staat gab.

    Diese hat sich in der Folge der "neo-liberalen" Revolution gewandelt und den Staat zum Rückzug gezwungen. Wie an nachfolgenden Autoren deutlich wird. Vernon äußerte die These dabei schon in den siebziger Jahren. Dieser Sicht ist aus einer Reihe von Gründen widersprochen worden, u.a. aus der Position der "offensiven Realisten", die den Staat weiterhin als zentralen Akteur behandeln.

    Barnet, Richard J.; Cavanag h, John (1995): Global dreams. Imperial corporations and the new world order. New York: Touchstone.
    Korten, David C. (2015): When corporations rule the world. Third edition. Oakland, California: Berrett-Koehler Publications, Inc.
    Strange, Susan (1996): The retreat of the State. The diffusion of power in the world economy. Cambridge: Cambridge University Press (Cambridge studies in international relations, 47).
    Vernon, Raymond (1973): Sovereignty at bay. The multinational spread of U.S. enterprises. Australia: Penguin Books (The Harvard Multinational Enterprises series).
     
  17. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Ich schrieb: Die erste Globalisierungsphase vor 1914 wird von diversen Wissenschaftlern und Publikation neuerer und neuester Zeit prominent wie glaubwürdig substanziell vertreten. Das scheint mir wichtig zu sein.

    Du antwortest darauf: Ein seit mindestens 100 Jahren vorhandener Erkenntnisstand und hängt sehr stark mit dem "maritimen Imperialismus" (R. Hobson) zusammen. Eine offene Tür.

    Nun, die einschlägigen, von mir zitierten Publikationen meinen mit der ersten Phase der Globalisierung die weltwirtschaftliche Verflechtungen vor 1914.

    Das taten sie offenkundig nicht und zahlreiche transnationale Verträge/Abhängigkeiten übersiehst Du anscheinend konsequent. Auch die Idee eines vollkommen souveränen, transnational gänzlich desintegrierten Nationalstaates samt 'Nationalökonomie' überzeugt nicht, zumal man staatlicherseits vielfach in volkswirtschaftlichen Kategorien dachte. Daher mein Rekurs, mein Beharren auf die zunehmende weltwirtschaftliche Verflechtung und Abhängigkeit, die man eben belegen kann, sofern man sich der realen Welt mit ihren Daten nähern will.

    Sehr romantisch....die AEG, Siemens und Krupp & Co. entwerfen, produzieren und exportieren Waren nach Vorgaben der Staatsräson, nach der Idee des deutschen Imperialismus - und sind selbstverständlich damit ungemein erfolgreich, weil der deutsche Genius automatisch weiß, was der Weltmarkt will - oder der deutsche Imperialismus macht sich den Weltmarkt und die Mitbewerber gefügig...Deine voluntaristische Ideengeschichte in Ehren, Du scheinst auf alle 'reale', 'kritische' Überprüfung zu verzichten. Gall sagt dies, Deine Schlussfolgerung dann jenes. Gall als Wirtschafts-Historiker...

    Hören wir doch Walter Rathenau selber:
    Auf eine Anfrage der Wiener „Neue Freie Presse“ antwortete Walther Rathenau mit einem Beitrag über „Unser Nachwuchs“, der am 25. Dezember 1909 abgedruckt wurde. Im Unterschied zu anderen Führungsschichten erklärte der bekannte Industrielle und Unternehmer, dass die wirtschaftlichen Eliten eine Art Oligarchie darstellten, vergleichbar mit der Exklusivität der Dogen des alten Venedig. Selbstbewusst definierte er diese mit den viel zitierten Worten: „Dreihundert Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents und suchen sich Nachfolger aus ihrer Umgebung“. [...]
    Zitiert nach Wolfgang Michalka, Vernetzt auf unterschiedlichen Ebenen: Walther Rathenau als Krisenmanager und Visionär „kommender Dinge“. Sonderdruck aus Botho Brachmann u.a. (hg.), Die Kunst des Vernetzens. Festschrift für Wolfgang Hempel. Berlin 2006, S. 235.



    Dass der deutsche Imperialismus keineswegs identisch war mit dem Phänomen der weltwirtschaftlichen Verflechtung im Sinne einer Globalisierungsphase vor 1914, das mag für 'Progressive' wohl nicht akzeptabel sein. ;-)

    Soweit ich sehe, hast Du konsequent alle zitierte Lit. z.B. aus dem Beitrag #6 übersehen:

     
  18. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Nochmals zu den Weltausstellungen, die für 1885 in Berlin von der deutschen Industrie abgelehnt bzw. abgesagt wurde. Fässler, Globalisierung, S. 84 u.a.:

    Weltausstellungen: Die Reflexion über den an Bedeutung gewinnenden globalen Handlungs- und Erfahrungsraum spiegelte sich in wohl kaum einer anderen Veranstaltung so eindrücklich wieder, wie auf den Weltausstellungen
    des 19. Jahrhunderts. Als Foren nationaler Abgrenzung und internationalen Wettbewerbs stellen sie einen äußerst interessanten »Brennpunkt« ambivalenter Globalisierungsgeschichte dar.



    Torp, Die Herausforderung der Globalisierung. Wirtschaft und Politik in Deutschland 1860-1914 (2005), notiert S. 31f. zu den Voraussetzungen für das enorme Wachstum des Welthandels vor 1914, zu Recht, u.a. die transportation revolution mit ihren dauerhaft wirkenden, 'dramatischen' (Torp) Kostensenkungsimpulsen via Eisenbahn und Dampfschifffahrt. Die notwendige technische Entwicklung beider Transportmittel ist nicht die Folge einer imperialistischen Teleologie, meine ich...

    Torp zeigt S. 33 tabellarisch das Wachstum der Eisenbahnstrecken in verschiedenen Staaten, S. 34, wie die Vernetzung und Vergrößerung des Eisenbahn- und Dampfschifffahrtsnetzes ab 1850 zu einem starken, Abfall der Weizenpreis-Differenzen zwischen Chicago und Liverpool führen. Lag laut Torp 1850/1859 der Weizenpreis in Liverpool aufgrund der hohen Transportkosten 92% über dem Weizenpreis in Chicago, so betrug die Differenz im ersten Jahrzehnt ab 1900 durchschnittlich 16% aufgrund gefallener Transportkosten. Torp referiert weiterhin z.B. die Differenz zwischen den Roheisen-Preisen in Philadelphia und London: Sie fällt von 85,2 % (1870) auf 19,3% (1913). Torp kann den Fall der Preisdifferenzen global belegen, so für Reis in London und Rangoon in den vier Jahrzehnten vor 1914 von 93% auf 26%. Siehe auch Fässler, Globalisierung (2007), S. 80.
    Analog hat sich der Welthandel zwischen 1850 und 1913 etwa verzehnfacht (Torp S. 29.).

    Die vor 1914 erreichte internationale Kapitalmobilität ist zudem ohne die Kommunikationsrevolution so nicht vorstellbar. Der Börsenkrach 1873 im Deutschen Reich wurde wesentlich mit vom us-amerikanischen Kapitalmarkt ausgelöst, die Berliner Börse notierte damals beispielsweise Aktien von 26 US-Eisenbahngesellschaften, welcher aufgrund fehlender Gewinnaussichten bzw. ausbleibender Gewinne der Eisenbahngesellschaften nach überhitzter Nachfrage ab September 1873 von Panikverkäufen und einer Pleitewelle geprägt wurde, die im Oktober auch den deutschen Kapitalmarkt stark traf (Q: Teja Fiedler, 1873 - die Gründerzeit endet mit einem heftigen Crash, im April 2020 online gestellter, kostenfrei zugänglicher Artikel der Serie Capital History aus der Zeitschrift Capital).
     
  19. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Schmoller war wer? Dieser hier (Gustav)?:
    [...] Wohl aber ist hervorzuheben, daß Schmoller in seinem Lehrbuch neben den hier geäußerten auch auf noch eine andere Auffassung vertritt, in dem er nämlich sagt: 'Nur wo Menschen derselben Rasse und derselben Sprache, verbunden durch einheitliche Gefühle und Ideen, Sitten und Rechtsregeln zugleich einheitliche nationale Wirtschaftsinstitutionen haben....sprechen wir von einer Volkswirtschaft'. Hier wird also im völligen Gegensatz zu der nüchternen ersten Formulierung dem Begriff der Volkswirtschaft mancherlei vindiziert, was ihm zweifellos fremd ist. Gleiche Rasse, gleiche Sprache, einheitliche Gefühle, Ideen und Sitten! Demnach gibt es weder eine Österreichische noch eine Schweizerische Volkswirtschaft, und in Deutschland stünden die Polen außerhalb der deutschen Volkswirtschaft, [...]. Diese Vermengung von Kulturgemeinschaft und Volkswirtschaft, die zudem noch mit allen möglichen staatsrechtlichen Theorien durchsetzt wird, ist nicht nur für die terminologische Darlegungen Schmollers verhängnisvoll geworden [...], sondern sie ist charakteristisch für die historisch-politische Schule überhaupt, [...]. Den Anstoß zu solcher Vermischung an sich wesensfremder Dinge hat schon Friedrich List gegeben, [...]. (Q: Harms, S. 8f.)

    Harms, S. 2:
    Den Unterschied zwischen Weltökonomie und Nationalökonomie hat am wirkungsvollsten Friedrich List dargelegt. Seine Auffassung ist vielfach - vor allem in Deutschlands politische-historischer Schule - auch heute noch vorherrschend, weshalb es darauf ankommt, zunächst einmal mit aller Schärfe zu betonen, daß wir Jüngeren, die wir von Volks- u n d Weltwirtschaft reden, die Begriffsformulierung der sog. historisch-politischen Schule unter allen Umständen ablehnen. [...] Es gibt nämlich für jene Richtung einzig und allein die Alternative Volkswirtschaft oder Weltwirtschaft! [...]
    Bernhard Harms, Weltwirtschaft und Weltwirtschaftslehre (zugleich als Einführung in das Archiv), in: Weltwirtschaftliches Archiv : Zeitschrift für Allgemeine und Spezielle Weltwirtschaftslehre, 1. Band Januar 1913, Heft 1, S. 1-36.

    Wer war Bernhard Harms? Das Kieler Institut für Weltwirtschaft schreibt auf seiner Website zu seinem Gründungsdirektor Harms:
    Unterstützt vom Preußischen Kultusministerium und städtischen Kaufleuten sowie von der Reichsmarine, der Industrie und aus Kolonialkreisen gründete Harms im Februar 1914 das 'Königliche Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Kaiser-Wilhelm-Stiftung.'

    Harms hatte bereits 1911 als Prof. für Nationalökonomie eine weltwirtschaftliche Abteilung an der Christian-Albrecht-Uni Kiel gegründet, als unmittelbarer Vorgänger des Königlichen Institut für Seeverkehr & Weltwirtschaft. Das Königliche Institut galt entsprechend als staatsnah (Preußen) und Harms wollte es ursprünglich 1913 aus Anlass der 25jährigen Wiederkehr des Tages der Thronbesteigung Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. gründen.

    Dominanz der Nationalökonomie? Keinesfalls beim offenbar staatsnahen Harms, der wohl wie seine Unterstützer die Bedeutung der Globalwirtschaft, der weltwirtschaftlichen Verflechtung erkannte bzw. verstand.
     
  20. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Niels P. Petersson, Das Kaiserreich in Prozessen ökonomischer Globalisierung, in: Conrad/Osterhammel, Das Kaiserreich transnational. Deutschland in der Welt 1871-1914 (2006), S. 60, merkt sinngemäß an, die Publikationen über die globale Verflechtung der deutschen Wirtschaft seien bemerkenswert überschaubar geblieben, der Schwerpunkt liege auf der innergesellschaftlichen Strukturfragen.

    Hat sich seit 2006 daran Wesentliches geändert?

    Petersson notiert S. 58 u.a. sinngemäß, die vergleichsweise weniger kapitalkräftigen deutschen Banken hätten auch in der Phase der zunehmenden Relevanz 'nationaler Erwägungen' eine kosmopolitische Strategie aus Notwendigkeit verfolgt. Angesichts der weltwirtschaftlichen Verflechtung sei sowohl nicht nur den deutschen Banken wie ihrer Kundschaft aus Handel und Industrie nur schwer bestimmbar gewesen, wie 'nationales Interesse' zu definieren wäre.
     

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