Wo sind die Exponate von der Pariser Weltausstellung 1937?

Dieses Thema im Forum "Kunstgeschichte" wurde erstellt von don_lemur, 19. April 2015.

  1. don_lemur

    don_lemur Neues Mitglied

    Hallo,
    es interessiert mich, wo sich die Exponate der Länder von der Pariser Weltausstellung von 1937 befinden. Die Frage hat sich ergeben,als ich nach dem Schicksal des deutschen Exponats - Reichsadler (+Hakenkeuz?) gesucht habe.
    Interessanterweise bin ich derzeit beruflich in Moskau und werde heute das Museum der "Kolchozarbeiterin und des Arbeiters" besuchen :D - das ist das sowjetische Exponat von 1937.
    Möglicherweise werde ich dort etwas über das deutsche Exponat erfahren können.

    Grüße
    Don_lemur
     

    Anhänge:

  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die sowjetische Skulptur soll 1938 in Einzelteilen zurück verfrachtet worden sein.

    Über den gigantischen deutschen Adler auf dem Monument habe ich nichts gefunden. Es gibt - nachdem die Weltausstellung nicht nach 1938 hinein verlängert wurde - lediglich eine Anfrage des RWiMin über die weitere Verwendung eines vierteiligen Gobelins von Prof. Ziegler (?). Kabinettsprotokolle der Regierung Hitler, Band V, 1938.
    Zum "Adler" gibt es keine Anfrage an das Kabinett in 1938.

    Die Steine des deutschen Pavillons sollen für den Pariser Straßenbau verwendet worden sein.
     
  3. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Thema der Weltausstellung: „Künste und Technik angewendet im modernen Leben“.<?xml:namespace prefix = "o" ns = "urn:schemas-microsoft-com:eek:ffice:eek:ffice" /><o:p></o:p>

    Etwas zur Geschichte.<o:p></o:p>

    Der deutsche Pavillon stand ja in direkter Nachbarschaft zum Sowjetischen Pavillon.<o:p></o:p>
    Albert Speer hatte wohl im Vorfeld Kenntnis von der Plastikfigur des sowjetischen Pavillons.<o:p></o:p>

    Die Gruppe Kolchosbäuerin (in der Hand die Sichel) und Arbeiter (in der Hand den Hammer) interpretierte er als Ansturm auf Deutschland.<o:p></o:p>

    Dies prägte dann den deutschen Pavillon, den Albert Speer als Abwehrgeste verstanden wissen wollte. Oben thront Adler mit Hakenkreuz.<o:p></o:p>

    Spanischer Pavillon...<o:p></o:p>

    Am bekanntesten Picassos Werk „Guernica“ (jetzt in Madrid), Alexander Calder „Quecksilberspringbrunnen“ (jetzt in Barcelona) und Miro „Der Schnitter oder Katalanischer Bauer“ (gilt wohl als verloren).<o:p></o:p>
     
  4. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Der neun Meter hohe Steinvogel ist wohl kaum in einer geheimen Privatsammlung gelandet. Wenn man aber von »Exponaten« spricht (was der Vogel ja nicht unbedingt bezeichnet werden kann), dann drängen sich zuallererst jene vier Grazien auf, die heute in der Pinakothek der Moderne sitzen.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Bzgl der Steine habe ich nur das Bauwerk angesprochen.

    War der Adler nicht aus Bronze?
     
  6. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Der war aus Gips… also kaum transportfähig.
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Hast Du dazu Literatur?
     
  8. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Hm, Du bist gut, Ornithologie war nie so meine Stärke. Aber Frau Dr. Büttner des Bundesministeriums weiß mehr, wenn sie schreibt:
    »[…] errichtet Albert Speer den Deutschen Pavillon als eine 136 Meter lange Halle, dominiert von einem insgesamt 65 Meter hohen, mit Werksteinen verkleideten Stahlturm als Kopfbau. Diesen lässt er von Kurt Schmid‐Ehmen mit einem neuneinhalb Meter Bronzeadler bekrönen […]
    C. Büttner, Geschichte der Kunst am Bau in Deutschland, PDF, Bundesministerium f. Verkehr, Bau u. Stadtentw., Berlin 2011, S. 18

    Der Gipsvogel muss mich wohl im Traum verfolgt haben.
     
  9. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Kleiner Nachtrag: Hab noch einen Kollegen gefragt, wie so ein großer Bronzevogel gebaut wird.

    Zunächst werden kleine Skulpturen modelliert; aus Ton, Wachs, Gips, was auch immer, bis das Werk gutgeheißen wird. Dann etwas Größere, bis schließlich ein 1:1 Gipsmodell gebaut wird, das später für den Guss in viele Einzelteile zerteilt werden muss. Die Bronzeplatten werden erst vor Ort zusammengeschweißt und auf Stahlträger montiert (anspruchsvoll, da sich die Außenhaut aus Bronze bei Sonnenwärme extrem ausdehnt). Anschließend muss die Skulptur geschliffen werden, damit die Schweißnähte verschwinden. Die Herstellung so einer großen Bronzeskulptur würde heute mehrere 10-Millionen Euro kosten.

    Hier noch die Fotos, die mich getäuscht haben (leider ohne das Bild, wo der Gips auf das 1:1 Modell aufgetragen wird.): »How to build a big eagle« (aus einem Forum, das sich The World’s Fair Community nennt).

    Der Abtransport wird also dennoch nicht ganz so einfach gewesen sein, aber wer weiß… (grausig die Vorstellung, die mich unweigerlich an den Abtransport einer bronzenen Quadr…, nein, sonst gibt es nur Albträume mit einem Bronzevogel.)


    Übrigens: Was hat das Museum gesagt? Haben sie paar Bronzeteile im Keller? :red:
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist die sowjetische Skulptur zerlegt und in Einzelteilen nach Moskau verbracht worden.

    Zu der deutschen habe ich nichts gefunden (siehe Akten oben, es gibt nur eine Anfrage an die Reichsregierung zur Innenausstattung des Pavillons).
     
  11. don_lemur

    don_lemur Neues Mitglied

    Wow, sehr interessant alles!
    Allerdings habe ich ebenfalls das Internet durchstöbert auf der Suche nach dem Schicksa des Adlers, aber auch nichts gefunden. Leider.

    Ein 9 Meter großer (Info aus dem Forum, wohin Mashenka veweist) Adler kann doch nicht verschwinden :)
     
  12. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Warum kann der nicht verschwinden? Es gab doch tatsächlich noch einen Krieg von 1939 bis 1945 da könnte es schon sein, dass das eine oder andere Stück nicht mehr auffindbar ist. Weil es einfach zerstört wurde.
     
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich vermute, die beiden Pavillons wurden schon vor 1940 abgerissen. Der großdeutsche Protzbau zwischen Trocadero und Eiffelturm ist mir jedenfalls von keinem Foto aus Paris während des Krieges bekannt.

    Aber vielleicht findet ja jemand ein Paris-Foto?

    Die deutschen Kabinettsprotokolle kann man so deuten, dass an der Baulichkeit schlicht kein Interesse bestand, da hatte man anderes im Sinn.
     
  14. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    nun ja man hat in Kriegen Kirchenglocken eingeschmolzen,warum nicht auch Bronzeadler
    Und in der Nachkriegszeit war der Rohstoff auch begehrt
    Er könnte natürlich auch weggeflogen sein ;) :D
     
  15. don_lemur

    don_lemur Neues Mitglied

    Verschwinden im Sinne von "ohne Dokumentation". Sei es eingeschmolzen, in die Luft gesprengt oder anderes. Erstaunlich, dass es keine Info dazu gibt (im Internet).
     
  16. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Im Internet findet man noch längst nicht alles. Es gibt so eine Institution die nennt sich Archive. Vielleicht findest du da was. Sei es im Bundesarchiv Berlin oder in Paris oder sonst wo. Da musst du die Archive durchforsten. Gibt da gute Suchmaschinen. Musst dann aber schon zum Archiv hinreisen umd die Dokumente anschauen zu können.
    Aber auch hier gibt es Lücken, denn auch Dokumente gingen im Krieg verloren. So erstaunlich ist das nun auch wieder nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Mai 2015
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Und ergänzend sei noch einmal darauf hingewiesen, dass nach dem Kabinettsarchiv offenbar nur Interieur nach Ablauf der Weltausstellung interessant war.

    Was den Schluss offen lässt, ob der Rest und das Gebäude in Berlin irgendjemand interessiert hat. Die Frage ist wohl nur in Archiven zu beantworten.
     

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