Ziele "absolutistischer" Herrscher

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Brissotin, 13. Dezember 2011.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Kann man den Herrschern des "Absolutismus" irgendwelche weitgesteckten politischen Ziele zurechnen? Ich meine Ziele, die weitergehen als die Konsolidierung der Staatsfinanzen oder die Rüstung der Armee?

    Im Falle von Louis XVI scheint dieses "Programm" relativ leicht erkennbar. Auch wenn seine Herrschaft in einem finanziellen Desaster und in einer politischen Bankrotterklärung mit der Einberufung der Generalstände, in einer Handlungsunfähigkeit und Sackgasse endete, so hatte man anfänglich hohe Erwartungen an ihn. Dies hing wohl damit zusammen, dass er religiös erzogen wurde und hingegen sein Großvater als verderbt galt und über seine Mätressen den Verleumdungen eine offene Flanke bot.
    Obwohl sich Louis XVI dem alten Maurepas anvertraute, der ein äußerst heterogenes Korps von Beratern zusammenstellte, scheint Louis XVI bestimmte Werte besessen zu haben. Seltsam scheint, dass er eigentlich über seine Eltern der Partei der Religiösen nahestand, dann aber durch Maurepas eher liberale Minister einstellte, welche eher der Fraktion der "philosophes" zuzurechnen sind, wie nicht zuletzt Turgot.
    Der Hauptfehler von Louis XVI soll in seiner Schwäche zu Entscheidungen gelegen haben, wodurch er von Fersen bspw. als "immer schwach und misstrauisch" bezeichnet wurde. Louis XVI war zutiefst gläubig, was sich auch in seiner Nächstenliebe offenbarte. Allein 70 % seiner im persönlich zustehenden Gelder der "Cassette du Roi" wendete er zur Unterstützung von armen Familien 1788 auf (1,2 Mio. Livres). Wohlmöglich war dies schon bekannt, und man erwartete deswegen 1789, er könne einfach so Brot für die notleidende Bevölkerung beschaffen, als der Zug der Marktweiber nach Versailles die unabhängige Regierung des Königs endgültig zum Einsturz brachte?
    B. Fay betonte in seiner Biographie, Louis XVI wollte "dieses christliche Frankreich, das Frankreich der kleinen Leute und des Volkes retten". Tatsächlich wollte Louis XVI eine religiöse und moralische Erneuerung erreichen, auch wenn dazu die Weggefährten zum Teil wohl nicht unpassender sein konnten. Louis XVI war zweifelsohne wie kaum ein anderer Herrscher von einem Pflichtbewusstsein geprägt, das der sakralen Tradition des Königtums entsprang. In wie weit seine Überzeugungen zeitgemäß waren, bleibt schwer zu sagen. Man darf sicherlich nicht unterschätzen, dass bei allen Schmähungen der Monarchie durch die Intellektuellen doch die im agrarisch geprägten Frankreich überwiegende Landbevölkerung noch immer religiös war, was sich dann während der Revolution im Bürgerkrieg noch stärker offenbarte.

    Kennt jemand ähnliche Charakterisierungen der Ziele anderer Herrscher?
     

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