Ziele, Verlauf und Rüstung im Pazifikkrieg 1941/45

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von Soralion, 12. September 2010.

  1. Soralion

    Soralion Mitglied

    Hallo,

    Es gibt unzählige Dokus, Berichte etc. zum 2ten Weltkrieg in Europa, aber über den Pazifikkrieg finde ich nicht so viel.
    Vor allem interessieren mich da ein paar Dinge:

    -Mir scheint die Japaner waren von Anfang an, Rüstungstechnisch und Materiell unterlegen, wieso starteten sie trotzdem einen Krieg gegen die Amerikaner?

    -Was waren die Ziele der Japaner? Die hätten doch damit rechnen müssen, dass die US-Boys früher oder später zurückkommen.

    Wieso konnten die Amerikaner so schnell die Materiellen Verluste ausgleich, und wieso gelang dass den Japanern nicht?

    Waren die Abwürfe auf Nagasaki und Hiroshima tatsächlich notwendig? War Japan da nicht schon ziemlich am Ende?
     
  2. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Wenn Du Japan und 2. Weltkrieg in eine Suchmaschine eingibst, bekommst Du etliche Treffer.

    Zu Deiner letzten Frage, Japan war zwar wirtschaftlich am Ende, aber der Ehrenkodex des Japanischen Militäres hätte einen Invasion für die Amerikaner sehr verlustreich gemacht. Der Präsident der USA währe bei den hohen Verlusten in arge Schwierigkeiten gekommen.

    Die Umstellung der amerikanischen Wirtschaft begann schon vor Pearl Harbour. Die USA haben ja die Alliierten schon Ende 39 unter der Hand unterstütz.

    Apvar
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das wurde auch in der japanischen Führung so gesehen. Bis 1941 mühte man sich, bzgl. der im Pazifik letztlich entscheidenden Seestreitkräfte ein 70%-Verhältnis zur US-Flotte zu halten. Mit den durch den europäischen und den japanisch-chinesischen Krieg eingetretenen Krisen formulierten die USA eine "Two-Ocean-Navy". Die Rüstungsprogramm war 1941 angelaufen; ein japanisches Nachziehen war finanziell, roh- und treibstoffbezogen unmöglich. Zudem erzeugte II./1941 der europäische Krieg außergewöhlich günstige Konstellationen für ein militärisches Vorgehen in Ostasien (Frankreich geschlagen, Großbritannien - ebenfalls als große Seemacht - völlig gebunden, Sowjetunion ebenfalls im Krieg)


    Tja, rechnen müssen. Die Pläne sahen kurzgefaßt wie folgt aus:
    1. Zerschlagen des Flottenkerns.
    2. Gewinnung einer weiträumigen Defensivlinie im Pazifik zum Schutz der inneren Rohstoffquellen in Südostasien
    3. Ggf. Abwehr einiger halbherziger Angriffsversuche
    4. Friedensschluß auf Basis des Erreichten - mit einer kriegsmüden USA und einem von Invasionsängsten geschüttelten Australien


    Schnell ist relativ; Ende 1942 lagen die Kriegsgegner aufgrund der Verluste etwa gleich auf. Die Rüstungen begannen Ende 1943 zu wirken und sicherten bei den See- und Luftstreitkräften bald die US-Überlegenheit. 1944 war die japanische Flotte, geschwächt von Verlusten und durch Treibstoffknappheit eingeschränkt, chancenlos.
     
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  4. mhorgran

    mhorgran Gesperrt

  5. Soralion

    Soralion Mitglied

    diverse Fragen zum Pazifikkrieg

    Hallo Leute,

    ich hätte da ein paar Fragen zum Pazifikkrieg, bzw. den Geschehnissen des 2ten Weltkriegs im Pazifik.:

    Zuallererst, in wie weit unterschied es sich von dem Krieg der zeitgleich in Europa stattfand`?

    Wieso griffen die Japaner überhaupt die USA an? Gut sie mögen Kokurrenten gewesen sein, aber mir scheint es muss von anfang an klar gewesen sein, dass Japan unterlegen ist, vor allem materiell.

    Mit der Produktion der USA konnte Japan doch schon damals nicht mithalten, war ihnen nicht klar dass die Niederlage vorprogrammiert war?

    Und warum unterlagen die Japaner auf voller Linie, waren deren Strategien zu starr? Bzw. nicht flexibel genug? Oder lag es auch an der Technischen Unterlegenheit?

    Gab es überhaupt Panzerschlachten im Pazifikkrieg? Oder wurde er neben den Seegefechten, und Luftschlachten, hauptsächlich von Infanterie ausgetragen?

    Was für Panzer nutzen die Japaner überhaupt?
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Es war kein Landkrieg, sondern wurde primär durch die Marinestreitkräfte in Kombination mit Luftstreitkräften geführt. Zusätzliches Kennzeichen waren die amphibischen Operationen bzw. die Anlandung von Armeeeinheiten an feindlichen - japanisch besetzten - Stränden.

    Psychologisch unterschied er sich auch durch eine noch höhere Konsequenz der Kriegsführung, vor allem von Seiten der Japaner, in deren Weltbild die Möglichkeit einer Kapitulation nicht vorhanden war (der Krieg im Osten D. vs SU war ebenfalls, aus anderen Gründen , sehr brutal und hart).

    PortalPazifikkrieg ? Wikipedia

    Pazifikkrieg ? Wikipedia

    Kriegsverlauf im Pazifik 1941-1945

    Die Antwort ist in der spezifischen Entwicklung Japans begründet. Es mag Araki (ex-Kriegsminister) zitiert werden: "...es sei die wahre Mission Japans, die kaiserliche Herrschaft bis ans Ende der Weltmeere auszudehnen und sie überallhin zu verherrlichen. Ein Ungleichgewicht der Kräfte braucht uns nicht zu beunruhigen. Warum sollten wir uns um Dinge sorgen, die lediglich materieller Natur sind?" (R. Benedict, s.unten, S. 29)

    Zwei hervorragende und wirklich sehr lesenswerte Bücher zu diesem Thema, japanische Kultur und Weltbild, sind:
    Chrysantheme und Schwert: Formen der japanischen Kultur - Ruth Benedict - Google Bücher
    und
    Spiegel, Schwert und Edelstein - Kurt Singer - Google Bücher

    Die Äußerung von Araki sind natürlich Teil eines kulturellen Selbstbildes der Japaner. Die sich andererseist durchaus im klaren waren, dass der Krieg auch durch Waffensysteme entschieden wurde, wenngleich auch immer die qualitative, mentale Überlegenheit betont wurde. Gerade die Marine und die Armee lieferten sich härteste Duelle um die Nutzung der Rohstoffe (Stahlkontingente etc.)!

    In 1940/41 bezog Japan ca. 80 % !!!!! der kriegswirtschaftlich relevanten Rohstoffe aus den USA!!!! Ein Angriff auf die USA war somit ein fast "selbstmörderische Akt", der lediglich durch den schnellen Aufbau eines möglichst autarken Wirtschaftsgebiets kompensiert werden konnte (Stahl, Öl, Kautschuk). Aus diesem Grund sah man sich aus wirtschaftlichen Gründen veranlasst, den Krieg nicht nur auf dem asiatischen Festland zu führen, sondern auch in südlicher und südostlicher Richtung.

    Großostasiatische Wohlstandssphäre ? Wikipedia

    Dabei ist zu betonen, das Japan ursprünglich - vor 1940 - sich auf einen Krieg gegen die UdSSR vorbereitet hatte! und die Kriegsführung im Süden eigentlich lediglich die materielle Absicherung für den eigentlichen Krieg gegen die UdSSR bilden sollte!!!!

    Es war die Überdehnung der japanischen Streitkräfte und die Unterschätzung der logistischen Anforderungen der komplexen, maritimen Kriegsführung.

    Island Hopping (Pazifikkrieg) ? Wikipedia

    Zudem konnten die Japaner nach Midway den Amerikanern keine gleichwertige maritie Rüstung entgegensetzen.

    Schlacht um Midway ? Wikipedia

    Es gab im Vorfeld des WW2 eine "Panzerschlacht", in der den Japanern klar wurde, dass ihre Landstreitkräfte den europäischen Armeen / UdSSR nicht mehr gewachsen waren.

    Japanisch-Sowjetischer Grenzkonflikt ? Wikipedia

    Am Ende des WW2 überannten die sowjetischen Streitkräfte die Reste der japanischen Armee in China und Korea.

    Es gab japanische Panzer, die jedoch mit den europäischen Typen technisch nicht mithalten konnten. Die Dienstvorschriften der japanischen Armee betonten eher die direkten Kampfqualitäten der Infantrie.

    Insgesamt muss man jedoch sagen, dass es wohl keine wirklich qualitative Überlegenheit - durchschnittlich - gab, trotz eines "mörderisch" harten Drills in der Armee. Wie aktuell Zimm belegt.

    The Attack on Pearl Harbor: Strategy, Combat, Myths, Deceptions - Alan Zimm - Google Bücher
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Januar 2012
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  7. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Dann werde ich einmal versuchen sie nach bestem Wissen (und Gewissen) zu beantworten.

    Der Krieg im Pazifik war größtenteils ein maritimer Krieg und weniger ein Landkrieg. Dort wo es ein Landkrieg war, war das Gelände für Kriege schlecht geeignet.

    Aufgrund des Japanisch-Chinesischen Krieges (1937-1945) hatten die USA ein Öl-Embargo gegen Japan verhängt. Japan war klar, dass ihm nur die Möglichkeit blieb die Rohstoffreichen Gebiete der europäischen Kolonien Südostasiens zu erobern. Ein Eingreifne der USA war hier aber sehr wahrscheinlich. Also entschloss man sich zum Präventivschlag.

    Dem japanischen Generalstab war diese Tatsache durchaus bewusst, deshalb mussten sie auch die Pazifikflotte in Pearl Harbour zerstören um so lange freie Hand zu haben, um sich die wichtigen Rohstoffvorkommen zu sichern, die sie für die Kriegsführung benötigten. Sie hofften dann darauf, dass die Regierung der USA vor einem langen blutigen Waffengang zurückschrecken würden und deshalb in Friedensverhandlungen eintreten würden.

    Bis 1942 waren die Japaner sehr erfolgreich. Sie eroberten weite Teile des Pazifikraumes, bedrohten Indien und Australien und schlugen mehrere erfolgreiche Seeschlachten und beschossen sogar mit einem U-Boot die US-westküste, die daraufhin umfassend gesichert werden musste. Die Schlacht um Midway, bei der die Japaner 4 Flugzeugträger verloren, war schließlich der Wendepunkt. Am Ende war es das Glück und die Zahlenmäßige Überlegenheit der US-Amerikaner, dass die Japaner schlug. Auch ein spätes Ausbildungsdefizit (ab Winter 43/44) der Piloten und die mangelnde Rohstoffversorgung machte es für die Japaner schwer ordentliche militärische Operationen durchzuführen.

    Das Gelände eigente sich kaum für Panzerschlachten. Der Urwald und die kleinen Inseln waren für mobile Kriegsführung nicht geeignet.

    Zumeist leichte Panzer.
     
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  8. friedi32

    friedi32 Neues Mitglied

    Die "Erfolge" der Japaner sind aber hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass die USA einige Zeit brauchten, um ihre Kriegsmaschinerie auch im Pazifikraum "auf Trab" zu bringen - bis dahin waren alle Ressourcen ja in die Unterstützung der westlichen Alliierten, v.a. GB´s, geflossen. Jetzt musste im Pazifik erst einmal die Flotte auf volle Kampfstärke gebracht werden (wieder, denn die Schäden von Pearl Harbour mussten ja auch erst mal repariert werden), zusätzlich musste die Streitkräfte aufgestockt werden und dann mussten ja auch erst mal die Fronten geklärt werden. Das passierte in der Schlacht von Midway, wo die USA erstmals ihre ganze Stärke ins Spiel bringen konnten.

    Erst das Bemühen, mit den USA mithalten zu können, bei gleichzeitigen enormen Verlusten an Soldaten wie auch an Material brachte die Japaner in die Zwangslage, z.B. kaum ausgebildete Piloten zum Einsatz bringen zu müssen, mit denen die "Profis" der USA natürlich einigermaßen leichtes Spiel hatten - auch wenn´s mich immer wieder überrascht, wie schwer sich die Amis trotzdem noch taten.
    Dass zuletzt auf den unbedingten Kampfeswillen der Japaner gebaut werden musste, bis hin zu (nur in wenigen Fällen freiwilligen) Kamikaze-Einsätzen, zeigt doch, wie verzweifelt die japanische Lage schon relativ früh im Verlauf des Krieges war.
    Die USA konnten es sich leisten, gleichzeitig im Atlantik (und dann in Europa selber) und im Pazifik einen Krieg zu führen, bei dem klar war, dass man einen (im Rahmen seiner Möglichkeiten) höchst effizienten und vor allem fanatisierten Gegner erst mal niederringen musste, bevor man ihn besiegen würde können.

    An der Wirtschaftsleistung der USA kam in den 40ern niemand vorbei, das konnte keiner toppen. In meinen Augen liegt hierin der eigentliche Grund für den Sieg der USA im PAzifikraum (und letzten Endes auch auf dem europäischen Kriegsschauplatz, die eigenständigen "ERfolge" - wegen der überaus hohen Verluste an Soldaten in Anführungszeichen gesetzt - der Roten Armee durchaus mit eingerechnet...)

    Friedi
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Nur in Ergänzung, thanepower hat das eigentlich schon umfassend beantwortet :winke:

    Die angestrebte japanische "Großasiatische Hegemonialzone" hätte Japan aller Rohstoffsorgen entledigt.

    Kohle und Stahl waren in den zu besetzenden chinesischen Gebieten und in der japanisch kontrollierten Mandschurei im Aufbau (Bergwerke, Stahlwerke etc.), Öl, Kautschuk etc. sollten aus dem südostasiatischen Bereich (Borneo, Malaya, usw.) gewonnen werden.

    Die See-Luftmacht würde für den militärischen Ausgang entscheidend wirken. Als Ausgangspunkt war dabei aus japanischer Sicht die Flottenstärke zu sehen, die sich etwa auf dem Niveau 7:10 zugunsten der USA befand, die aber zu wesentlichen Teilen auch den Atlantik abzudecken hatte. Der Stand des Krieges in Europa wurde als günstig für Japan eingeschätzt (GB und FRA fielen in Fernost quasi aus, Rußland war im Juni 1941 durch Hitler angegriffen worden).

    Das Verhältnis würde sich aus japanischer Sicht in den nächsten Jahren nach 1941 zudem durch die immense US-Flottenrüstung entscheidend verschlechtern (Bau der Two-Ocean-Navy).

    Mittels des Präventivschlags erhoffte man sich, die südostasiatische Expansion zügig abwickeln zu können (was so auch gelang) und die USA durch die Verluste kriegsmüde werden zu lassen: angestrebt war also ein Patt, nachdem sich Japan die Rohstoffgebiete gesichert haben würde.

    Zu den Panzern:
    In den Inselschlachten spielten Panzer auf japanischer Seite keine große Rolle (wenngleich von Guadalcanal bis Guam immer kleine Stückzahlen eingesetzt wurden), wegen der räumlichen Ausdehungen und dem ungünstigen Terrain. 1944 wurde eine japanische Panzerdivision auf die Philippinen verlegte, wo sich im Verlauf der Kämpfe auf Luzon aufgerieben wurde.
    Swift: The annihilation of the Japanese 2nd Armored Division (Geki Force) on Luzon, January-February, 1945
    http://en.wikipedia.org/wiki/2nd_Tank_Division_(Imperial_Japanese_Army)
    "Panzerschlachten" gab es im Pazifik-Krieg also nicht.
     
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  10. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Richtig, aber das war halt ihre Strategie, möglichst schnell, möglichst weite Gebiete erobern und Ressourcen sichern um später in günstige Friedensverhandlungen treten zu können. Technisch und taktisch war man grundsätzlich bis 1944 gleichwertig. Bei Midway war es auch nur ein glücklicher Zufall (ein eigenmächtiger Kommandeur eines amerikanischen Jagdbombergeschwaders), der den US-Amerikanern den eindeutigen Sieg ermöglichten und nicht die tatsächliche technische oder taktische Überlegenheit. Im Gegenteil, bei Midway zeigte sich, dass die amerikanischen Piloten vergleichsweise schlecht ausgebildet waren.
     
  11. Devin Cant

    Devin Cant Neues Mitglied

    Nach dem bereits erwähnten Ölembargo stand Japans Führung vor der Wahl, den Imperialismus aufzugeben und sich langfristig auf die japanischen Hauptinseln zurückzuziehen oder mit einem schnellen und erfolgreichen Feldzug die alliierten Kräfte im Pazifik zu vernichten und die südostasiatischen Gebiete zu erobern, mit deren Rohstoffen man sich gute Chancen ausrechnete, gegen die USA (die im besten Fall ihre gesamten Pazifikbesitzungen bis dahin verloren hätten) bestehen zu können. Man hoffte natürlich darauf, dass die USA nach dem Verlust ihrer Pazifikflotte und der wichtigsten Stützpunkte im Pazifik nachgeben und um Frieden bitten würden.

    Man muss dazu sagen, dass Japan seit seiner Öffnung in der Mitte des 19. Jahrhunderts mehrmals von den Großmächten gezwungen worden war, auf hart erkämpfte Eroberungen zu verzichten. Insbesondere Großbritannien und die USA hatten Japan mehrfach deutlich gezeigt, dass sie das Kaiserreich nicht als gleichberechtigte Macht anerkannten, was die Japaner natürlich in ihrer Ehre verletzte. 1941 fühlten sie sich endlich stark genug, sich durchzusetzen.


    Dafür, dass sie "auf voller Linie" unterlagen, haben sie sich aber ganz gut gehalten, selbst nach Midway und Guadalcanal dauerte es noch über zwei Jahre, bis die Alliierten sich an die japanischen Hauptinseln herangekämpft hatten.

    Hauptsächlich leichte Panzer zur Infanterieunterstützung wie z.B. den Typ 95, die sich in China bewährten, gegen die amerikanischen oder sowjetischen Modelle aber chancenlos waren.
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die "Eindämmung" traf in der Tat auf eine jahrzehntelange japanische territoriale Expansion. Eine Schlüsselszene:
    http://www.geschichtsforum.de/f67/quarant-ne-rede-von-roosevelt-17677/

    - Kolonisation und Unterwerfung der Mandschurei und Nordchina 1931/41
    Second Sino-Japanese War - Wikipedia, the free encyclopedia
    - Besetzung Indochinas
    - Druck auf Thailand (Stützpunkte)
    - Erpressung der niederländischen Gebiete in Südostasien (Öl!)
    - Druck auf GB, was zeitweise zur Schließung der "Burma-Straße" führte
    - militärische Nutzung der Völkerbundmandate im Pazifik

    Louise Young: Japan's Total Empire - Manchuria and the Culture of Wartime
    Imperialism
    Japan's Total Empire: Manchuria and the Culture of Wartime Imperialism - Louise Young - Google Bücher
     
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  13. Soralion

    Soralion Mitglied

    Danke Leute für die Ausführlichen Erklärungen, ich hätte da noch ein paar Fragen zu diesem Thema:

    1.) Die Fanatische Einstellung der Japaner, war sie ihnen förderlich beim Kampf gegen die US-Streitkräfte, oder eher hinderlich?

    Wenn ich mich recht enstinne hab ich irgendwo gelesen, dass die Japaner bei der Verteidigung von Iwojima an die 26 000 Mann verloren haben, und die Amerikaner lediglich etwas über 6 000, da erscheint mir als Geschichtsinteressiertem, der Kampf der Japaner absolut sinnlos.

    2.) Warum störte die USA die Expansions Japans, wenn ich mich nicht irre, hatten sie doch beste Beziehungen zueinander? Wärs nicht logisch gewesen, einen gleichwertig Starken Partner im Pazifikraum, als Gegenpol zu der aufstrebenden Kommunistischen Macht "Sowjetunion" zu haben?

    3.) Japan, und das Hitler-Regime waren Verbündtete. Warum? Was hatten sie gemeinsam? Wie ernst ist das ganze zu nehmen? Oder war das nur so ein Diplomatischer-Blabla-Vertrag?

    4.) Irgendwo hab ich mal aufgeschnappt, dass das Verhältnis zwischen China und Japan auch noch heute wegen des 2 WK belastet ist, offenbar gab es Massenhinrichtungen an Chinesen durch die Japaner.
    -Warum haben die Japaner das getan?
    -Hassten die Japaner die Chinesen, so wie die Nazis die Juden hassten und verfolgten? Oder hatte das andere Ursachen?

    -Was ich noch lesen konnte war, dass die Kriegsgefangenen die die Japaner nahmen äußerst schlecht behandelt wurden. Warum? Weil es als unerenhaft galt sich zu ergeben?
     
  14. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Norman Mailer: The Naked and The Death, 1948 (Roman)
    das ist keine wiss.-histor. Quelle, aber die Beschreibung der amerikan. Eroberung einer Pazifikinsel ist recht aufschlußreich, ebenso die Sekundärliteratur zu diesem Roman
     
  15. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    zu 1. Eine für Japaner völlig unsinnige Fragestellung. Mit dieser Frage betonst Du materielle Aspekte, während für die Japaner eher Aspekte der "Ehre" relevant waren. Und genau dieses kulturelle Mißverständnis ist auch die Ursache für das sehr komplizierte und teilweise brutale Verhältnis der Japaner zu ihren Kriegsgefangenen, die sie als "entehrt" ansahen.

    So verachteten die Japaner beispielsweise die Amerikaner für ihre Sicherheitsvorkehrungen in den Flugzeugen (z.B. B-29). Und nur ehrenvoll galt derjenige, der das Risiko des Todes bewußt auf sich nahm.

    Vor diesem Hintergrund ging Japan mit der "Blüte" seiner Soldaten aufgrund kulturellen Normen sträflich um. Ehrenvoll zu sterben war wichtiger, als eine Aufgabe zu erfüllen, die Menschen und Material geschont hat. Wie das für die US-Armee - meistens - selbstverständlich war.

    Im Bereich der japanischen Armee war allerdings auch kein Sanitätswesen etabliert, das mit den westlchen Vorstellungen korrespondierte und auch dazu führte, das Lazarette, sofern überhaupt vorhanden, nicht evakuiert wurden, sondern die Verwundeten, teilweise durch ihre eigenen Offiziere, liquidiert wurden bzw. mit Handgranten Selbstmord begingen.

    Ein wichtiger Aspekt, das "Ausbluten" im wahrsten Sinne des Wortes, für den Verlust des Krieges durch Japan.

    Im einzelnen dazu:
    Kategorie:Japanisches Kaiserreich ? Wikipedia

    Banzai ? Wikipedia

    Staats-Shint? ? Wikipedia


    zu 2. Verweis auch auf Hull und die entsprechenden, weiterführenden Links auf Wiki.

    Diplomatische Beziehungen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten ? Wikipedia

    Cordell Hull ? Wikipedia

    zu 3. der gemeinsame Feind war vor allem die Sowjetunion

    http://de.wikipedia.org/wiki/Antikominternpakt

    zu 4. Der sino-japanische Krieg (wie auch die internen chinesischen Konflikte zwischen KMT und den Rot-Chinesen) wurde extrem brutal geführt mit Millionen von Toten. Ein Konflikt, der in der Dimension in Europa meistens unterschätzt wird.

    Massaker von Nanking ? Wikipedia

    Die Anzahl der kriegsgefangenen Japaner stand in einem deutlichen Mißverständnis zu den getöteten. Teilweise kam auf einen Kriegsgefangenen um die 200 getötete Japaner. Gegen Ende des Krieges gab es aber auch Einzelfälle, bei denen sich eine größe Anzahl von Japanern ergeben hat.

    Am meisten hat die Amerikaner noch während des Krieges irritiert, da es keine Anweisung für Verhalten in Gefangenschaft für die gefangenen Japaner gab, das sich viele als extrem kooperationsbereit mit der US-Armee gezeigt haben, bis hin zu aktiver Kollaboration. Diese Erkenntnis war wohl nicht unwichtig für die Einschätzung der zukünftigen Rolle Japans in einer post WW2-Ära im westlichen Lager.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Januar 2012
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  16. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Das Buch ist allerdings unter dem Titel "The Naked and the Dead" schneller zu finden.
     
  17. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Japan war schon durch das Washingtoner Flottenabkommen Hoffnungslos in der Tonnage unterlegen.
    Flottenkonferenzen ? Wikipedia
    Deshalb setzte das Japanische Militär auf den Überraschungseffekt mit Pearl Harbor. Das hat nur nicht ganz geklappt, da die ganzen Flugzeugträger aus Pearl Harbor vorher ausgelaufen waren.
    Bedingt durch die immensen Dimensionen im Pazifik wurde die Tonnagenmäßige Unterlegenheit sehr schnell offenbar.

    Warum wurde der Krieg schon 1945 gewonnen? Weil die USA zwei A-Bomben auf Japan geworfen haben. Auf den Hauptinseln von Japan hätte sich der Wiederstand der Japaner verstärkt, so die Befürchtung des Amerikanischen Militärs.

    Apvar
     
  18. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Mailer gelang hier ein großer Roman. Obwohl er bewusst auf Realnamen verzichtet, ist hier mit hoher Wahrscheinlichkeit die Schlacht von Guadalcanal beschrieben, so wie in "Der schmale Grat", der wegen der 90er-Jahre-Verfilmung mittlerweile bekannter ist. Mailer verzichtet dabei weitgehend auf die Schilderung großer Schlachten, im ersten Teil geht es um Geschehnisse in einem Lager während einer Ruhepause und später um ein Spähtruppunternehmen.
     
  19. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das möchte ich doch etwas arg relativieren. Die Japaner haben eine ganze Reihe von Schlachten gegen Chinesen, Briten, Niederländer, Australier und Amerikaner gewonnen, bevor sie dann nach und nach ins Hintertreffen gerieten. Die Eroberungen Singapurs und der Filipinen waren brilliant und wurden teilweise gegen zahlenmäßig überlegene Gegner durchgeführt (z.B. auf den Phillipinen 2:3 zugunsten der Verteidigung). Noch 1944 haben Japanische Einheiten die von Amerikaner und Briten trainierten und ausgerüsteten chinesischen Armeen vor sich hergetrieben: Operation Ichi-Go - Wikipedia, the free encyclopedia

    Den Technologischen und vor allem Industriellen Wettlauf konnten sie nicht mithalten, haben aber trotzdem zu ende des Krieges noch relativ gute Jagdflugzeuge produziert (auch wenn viel zu wenige davon) wie die Nakajima ki 84 , Kawasaki Ki 100 und Kawanishi N1K, so wie ein paar gut entworfene aber weniger gut gebaute Großkampfschiffe. (z.B. Yamato und Shinano).

    Ich würde annehmen, dass die japanische Führung hoffte, mit den Amerikaner dasselbe wie 1905 mit dem Russischen Reich zu machen. Dem Gegner eine verheerende Niederlage verpassen und dann ein günstigen Frieden aushandeln. Dass sie längerfristig gegen das Industriepotenzial der USA keine Chance hatten muss ihnen klar gewesen sein.

    Ein m.E. wesentlicher Faktor bei ihrer Niederlage war, dass sie (ähnlich wie das deutsche Reich oder Italien) es versäumten rechtzeitig dafür zu sorgen die Verluste mit gut trainierten Personal zu ersetzen. Die Qualität ihrer Piloten nahm so z.B. sehr schnell ab.

    Bei ihren Landstreitkräften war das Material überwiegend veraltet (sie hatten z.B. keine modernen Panzerbrechende Waffen und kaum Maschinenpistolen) die Soldaten waren aber sehr gut trainiert und geführt und haben bei halbwegs gleichen Bedingungen die Alliierten häufig geschlagen.

    Panzer gab es auch, sie hatten jedoch den Standard der bei anderen um 1935 üblich war: kleine Fahrzeuge mit genieteten Panzerungen und relativ kleinen Kanonen bestückt (z.B. Type 97 Chi-Ha - Wikipedia, the free encyclopedia). In China wurden diese auch in etwas größeren Zahlen eingesetzt. Sie wurden auch geschickt bei der Eroberung Malayas und der Phillipinen eingesetzt und konnten sich dort gegen die kleineren amerikanischen Modelle messen wie z.B. der Stuart M-3, nicht aber gegen größere Panzer.

    Auf den Inseln wurden sie seltener verwendet. Auf Saipan gab es den einzigen etwas größeren Panzerangriff. Auf Okinawa gab es ganze 27 Japanische Panzer gegen mehr als 800 amerikanische.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Januar 2012
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  20. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Sehr guter Beitrag!

    Den Beurteilungen der Japaner zu Lande würde ich noch den Burma-Feldzug hinzufügen, in dem eine relative kleine Streitmacht den britisch-indischen Streitkräften 1942/45 entgegen trat, zeitweise die indische Grenze bedrohte und sich dann gegen eine Übermacht sher lange zäh verteidigte. Beispiel:
    http://www.geschichtsforum.de/f68/schlacht-bei-imphal-9964/
    Burma Campaign - Wikipedia, the free encyclopedia

    Wesentliche Teile der Trägerflugzeuge gingen nicht - wie landläufig angenommen - bei Midway verloren, sondern (erst) in den langwierigen Kämpfen 1942/43 im Südwestpazifik (Salomonen, Rabaul etc.), wo sie teilweise aus Trägermangel und Mangel an Heeresflugzeugen von Flugplätzen aus operierten. Da hatten sich die Stärkeverhältnisse aber wegen der laufenden US-Rüstung bereits zu Ungunsten von Japan entscheidend verschoben.
    Shattered sword: the untold story of the Battle of Midway - Jonathan B. Parshall, Anthony P. Tully - Google Bücher

    Richtig ist aber, dass die Verluste eben nicht schnell bzw. überhaupt mit angemessen trainiertem Piloten ausgeglichen werden konnten. Die absolvierten Flugstunden waren 1943/44 ebenso wie bei den Deutschen erheblich niedriger als bei den Amerikanern oder Briten, auch aus Mangel an Flugbenzin für die Flugschulen. Was dann 1944 in der Trägerschlacht vor den Marianen auf japanischer Seite aufgeboten wurde, führte dann trotz großer Stückzahlen zum "Truthahnschießen".
    Battle of the Philippine Sea - Wikipedia, the free encyclopedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Januar 2012
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