Zitat „Braunschweig gewalttätig wie Neu-Mexiko…“

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von BerndHH, 8. April 2013.

  1. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Im Freistaat Braunschweig wurden die Natiionalsozialisten nicht nur durch ideologische und nackte machtpolitische Motive bei ihren Gewaltexzessen angetrieben. Gerade hier kompensierten die Nationalsozialisten ihre in vielen Parlamentsdebatten vor 1933 erfahrene intellektuelle Unterlegenheit mit brutaler Gewaltbereitschaft. Die Kleinräumigkeit der Region scheint zudem die vorhandene Aggressivität noch verstärkt zu haben. Dabei wurden auch ganz persönliche Rachegelüste gestillt. Die bei den Nazis besonders verhassten SPD-Politiker Heinrich Jasper (mehrfach Ministerpräsident des Landes Braunschweig, gestorben im KZ Bergen-Belsen), Ernst Böhme (bis 1933 SPD-Oberbürgermeister von Braunschweig), Otto Thielemann (Mitglied des Braunschweiger Landtags, gestorben im KZ Dachau) und Matthias Theissen (SPD-Abgeordneter im Braunschweiger Landtag, ermordet 1933 von der SS) bekamen das als erste zu spüren. Braunschweig erwarb sich den zweifelhaften Ruhm, frühe Hochburg der Gewaltexzesse in Deutschland zu sein.

    Kennzeichnend für Braunschweig war die exzessive Auslegung der Notverordnungen durch die hiesige Regierung. Bereits durch Verordnung vom März 1933 schuf der NSDAP-Innenminister Klagges eine ihm bedingungslos ergebene Gewaltformation, die "Hilfspolizei", die sich aus Angehörigen der SA und der SS (anfangs auch des Stahlhelms) zusammensetzte. Nach den Wahlen eskalierte die Gewaltanwendung. Am 9. März stürmten SS-Leute das Volksfreundehaus, in dem der sozialdemokratische Volksfreund gedruckt wurde und in dem sich die Geschäftsräume der SPD befanden. Das Mobiliar wurde demoliert, im Haus befindliche Mitarbeiter wurden wahllos misshandelt, einer erschossen. Leiter der Aktion war der berüchtigte SS-Führer Friedrich Alpers, der wenige Wochen später Braunschweiger Justizminiser (!) wurde.

    Das war allerdings erst der Anfang. In den folgenden Tagen wurden nahezu alle führenden Braunschweiger Sozialdemokraten verhaftet und gefoltert. Matthias Theissen (siehe oben), Vorsitzender der Bauarbeitergewerkschaft, prügelten SS-Männer zu Tode. Nur wenigen gelang die Flucht aus der Stadt. Heinrich Jasper, lamgjähriger Ministerpräsident, wurde unter Androhung vcn Gewalt aufgefordert, sein Amt niederzulegen, was er trotz schwerer Misshandlungen ablehnte. Der SPD-Oberbürgermeister Ernst Böhme wurde in "Schutzhaft" genommen und seines Amtes enthoben.

    Im Juli 1933 setzte eine neue Verfolgungswelle ein. Im Zuasmmenhang mit dem Tod eines SS-Mannes, der bei einer Razzia erschossen wurde, bezichtigte die SS die Kommunisten der Tat. Das setzte einen schlimmen Gewalt- und Terrorexzess in Gang. Hunderte Anhänger der KPD wurden verhaftet und wie Vieh in das Gebäude der AOK getrieben. Dort wurden sie unter entwürdigenden Umständen tagelang festgehalten, geschlagen und gefoltert. Aus dem Kreis der Gefangenen suchte SS-Führer Friedrich Jeckeln am 4. Juli neun kommunistische Arbeiter aus, ließ sie in das Gewerkschaftsheim "Pappelhof" nach Rieseberg transportieren und am selben Abend zusammen mit einem Studenten von SS-Leuten ermorden.

    Es gäbe noch viele Schandtaten der Braunschweiger Nationalsozialisten zu berichten, was zu dem angeführten Berliner NS-Zitat führte, das Braunschweig mit "Neu-Mexiko" verglich.
     
  2. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Als "Braunschweiger" möchte ich aber darauf hinweisen, daß Hitler so einfach nicht unsere Staatsbürgerschaft bekam.
    Einbürgerung Adolf Hitlers ? Wikipedia

    Warum allerdings Neu-Mexico mit Braunschweig gleichgesetzt wurde, weiß ich auch nicht. Möglicherweise in Anspielung auf den Lincoln County Cattle War?
     

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