Zwangsarbeit in KZ's - "Ökonomisch?"

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von traumusa, 5. Mai 2014.

  1. traumusa

    traumusa Neues Mitglied

    Hallo und danke im Voraus für die Antworten,

    Ich hab das mal in dieser Rubrik gepostet, weil man für die Rubrik Drittes Reich erweiterte Schreibrechte brauch, die ich aber nicht habe.

    Für mein mündliches Abitur muss ich mich mit dem System der Konzentrationslager unter Berücksichtigung privatwirtschaftlicher Beteiligungen und Interessen beschäftigen.

    Daher die Frage ob die Zwangsarbeit überhaupt ökonomisch war?

    Ich weiß dass dieses Thema sehr umstritten ist.
    Danke!
     
  2. beetle

    beetle Aktives Mitglied

  3. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Die SS hat mit Zwangsarbeitern sehr viel Geld verdient, also lautet die Antwort grundsätzlich "ja". Auch für die Unternehmen, die im Krieg kaum an Arbeitskräfte kamen waren die Zwangsarbeiter sehr nützlich, wenn nicht unentbehrlich um die Aufträge zu erfüllen. Mir liegen allerdings keine Zahlen vor, in wie weit Zwangsarbeiter für Unternehmen billiger waren als normaler Arbeitskräfte in Friedenszeiten. Die Zwangsarbeiter, vor allem die KZ-Gefangenen unter ihnen, wurden ja bis zum Tode ausgebeutet. Dabei ist allerdings zwischen Arbeitsfeldern zu unterscheiden. Zwangsarbeiter in der Rüstungsindustrie und in anderen Schlüsselindustrieren waren "kostbar", während Häftlinge, die in Bereichen eingesetzt wurden, die ausschließlich zur "Vernichtung durch Arbeit" dienten weniger profitabel für die SS waren.
     
  4. traumusa

    traumusa Neues Mitglied

    Also ich habe mir zum Beispiel das Buna Werk Ausschwitz III Monowitz angeguckt. Dort wurde festgestellt, dass die Zwangsarbeit für das privatwirtschaftliche Unternehmen (I.G: Farben) auf keinen Fall rentabel war. Die Zwangsarbeiter wurden zwar deutlich geringer bezahlt (4 Reichsmark an die SS) , aber die I.G. Farben hätte sich eigentlich normale Arbeiter gewünscht. Diese waren nur nicht ausreichend vorhanden (wahrscheinlich alle an der Front). Trotzdem nahmen das viele war (auch Siemens, Krupp,...). Obwohl die Arbeitsleistung der Zwangsarbeiter natürlich durchschnittlich viel geringer war?
     
  5. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Adam Tooze (siehe Beitrag Beete) widmet dem Thema das Kapitel "Arbeit, Brot und Völkermord".

    Er berechnet tatsächlich die Ökonomie der Sklavenarbeit. Er kommt dabei je nach Branche und Ausbildung zu unterschiedlichen Ergebnissen, ob Sklavenarbeit lohnte oder nicht.

    In das Buch solltest du mal reinschauen.
     
  6. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

  7. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    "Ökonomisch" bzw. priofitabel war dieses System jedenfalls für die SS. Deren "Schnitt" schmälerte allerdings gleichzeitig den der Unternehmen, an die die Arbeitskräfte "vermietet" wurden.
    Diese Wirtschaftsweise, die man mit den nicht direkt darauf bezogenen Worten Himmlers zusammenfassen kann
    kann zwar kurzfristig profitabel sein, langfristig oder unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ist sie es aber nicht. Auch oder sogar gerade, wenn man Arbeitskräfte nur als Produktionsmittel betrachtet, darf man sie zwar "kurz halten", aber mutwillig verschleißen nicht. "Sinnvoll" war das für die Nazis nur, weil insbesondere die Juden sowieso umgebracht werden sollten und da konnte man vorher ihre Arbeitskraft mit möglichst wenig Aufwand noch ausbeuten ("Vernichtung durch Arbeit").
     
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  8. hatl

    hatl Premiummitglied

    Hierzu erhellend ist: Götz Aly - Hitlers Voksstaat ..
    siehe hierzu eine Buchbesprechung.
    Die Zwangsarbeit war "ökomisch sinnvoll" ebenso wie der Massenmord, den Götz Aly, in sehr eindrucksvoller und fundierter Weise, als einen kollektiven Raubmord darstellt und demaskiert.

    Die wirtschaftliche Bedeutung der Konzentrationslager ergibt sich, grob gesagt, aus dem Raubmord..

    ... während sich die vergleichbare wirtschaftliche Bedeutung der Zwangsarbeit aus einer Sklavenarbeit der Unterjochten zum Zweck des Ausgleichs eines Arbeitskräftemangels ergibt.
    Dieser ist eine Folge einer weit überdehnten militärischen Aggression, welche, folgt man dem Gedankengang, nur durch diesen Ausgleich, neben anderen Ausbeutungsstrategien, mit Erfolgsaussicht ermöglicht werden konnte.
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich würde zunächst einmal das "ökonomisch" in der Fragestellung durchdenken. Was ist damit eigentlich gemeint? Wenn man die bisherigen Antworten durchgeht, dann scheinen da mehrere Aspekte der Kriegswirtschaft iVm Zwangsarbeit auf: notwendig, rentabel, nachhaltig, effizient, effektiv, profitabel, produktiv, wirtschaftlich etc.

    Man kann das in einem weiten Sinn verstehen, sozusagen umgangssprachlich alle Kriterien darunter fassen. Oder im engen Sinn (ökonomisches Prinzip): wirtschaftlich. Mglw. wird die enge Fassung der Themenstellung nicht gerecht.

    Steffen04 hat oben auf Tooze verwiesen. Es ist ganz interessant, wie der das Thema beschreibt, indem er schrittweise vorgeht:

    - rüstungswirtschaftliche Notwendigkeit und Umfang der Zwangsarbeit (Arbeitsmangel, Rüstungsziele) - das System:
    Hintergrund: Mobilisierung Wehrmacht, Arbeitskräftemangel, rücksichtslose Ausbeutung der besetzten Länder in Bezug auf Arbeitskräfte, "Lösung" des Arbeitskräftemangels durch Zwangsarbeit in Rüstungswirtschaft, ziviler Wirtschaft bis hin zur Landwirtschaft

    - Verbindung zu ideologischen Zielen des NS: Vernichtung, Ausbeutung. Zwangsarbeit "zweitrangig" gegenüber ideologischen Zielen oder verschärfte Aushilfe im Krieg nach der Winterkrise 1941/42? Zwangsarbeit und Konzentrationslager/Selektionen/Vernichtung - "Kompromiss-These"?

    - Folgen der Zwangsarbeit: Opferzahlen?

    - Durchführung der Zwangsarbeit in der Wirtschaft: Sanktionssysteme, Organisation etc. iVm den realisierten Arbeitsleistungen

    - Rentabilität und Gewinne der Ausbeutung (wer?: Rüstungswirtschaft, Landwirtschaft, Organisation des SS-Wirtschaftssystems und Bereicherung) - (wie?: Vergleich von Zwangsarbeit und übriger Beschäftigung (Produktivität, Kostenvergleiche) - (warum?: Profitabilität in der Wirtschaft)

    Tooze arbeitet diese Aspekte der Reihe nach ab. Einige Hinweise zum Umfang und zur Bedeutung der Zwangsarbeit findest Du im Forum auch unter diesem Stichwort, unter anderem auch statistisches Material in bestimmten Wirtschaftssektoren und Unternehmensbeispiele.
     
  10. traumusa

    traumusa Neues Mitglied

    Also dass die SS davon profitiert hat, kann ich mir vorstellen, aber im Vordergrund für mich wird ja das privatwirtschaftliche Interesse sein.
    Ich bin gerade dabei mir alle Quellen anzugucken, die ihr mir geschickt habt.
    Nur ist für mich mich immer noch kein klares Ja oder Nein festzustellen.
    Selbst zu Ausschwitz III Monowitz gibt es Stimmen, die sagen dass es in gewisser Art und Weise profitabel für die IG Farben war, bzw. Stimmen die klar sagen dass es nicht profitabel war...

    Danke schonmal für die ganzen Antworten und Quellen!
     
  11. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Was die Kosten bzw. den Etrag der einzelnen Häftlinge beträgt, so wird immer wieder folgende Rechnung (aus Kogons "Der SS-Staat") als Beispiel angeführt, nachdem die Kosten für Verpflegung und Kleidung so gering angesetzt waren, dass jeder Häftling täglich 5,30 Reichsmark Gewinn für den Staat brachte:
    http://www.schule-bw.de/unterricht/...chen/zeitgeschichte/ns/friedrichshall/ab4.pdf

    Dies ist nun eine Beispielrechnung, in der viele Faktoren nicht eingeflossen sind.
    Insgesamt denke ich, dass die Zwangsarbeit für das Dritte Reich nicht nur profitabel, sondern von größter Notwendigkeit war. Sonst wäre es auch nicht zu den großen Greifaktionen von Arbeitskräften wie denen in Italien 1943/1944 gekommen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Mai 2014

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