Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von Eiscube, 23. Mai 2009.

  1. Eiscube

    Eiscube Neues Mitglied

    Hallo :)

    Ich hab eben beim Sufen im Netz auf diesen Wikipedia-Artikel gestoßen:
    Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg ? Wikipedia

    Ich interessiere mich sehr für chinesische Geschichte und würd vor allem dieses Ereignis gerne verstehen, da ich nicht ganz durchblicke in dem Thema.

    Was sind beispielsweise die Ursachen für den Krieg?
    Die Japanischne Expansionsbestrebungen aufgrund der Weltwirtschaftskrise?
    Die vorsätzliche Sprengung der Eisebahnlinie um einen Vorwand für den Einmarsch zu haben?

    Ich kann in diesem verzwickten Thema leider nicht die richtige Ursache ausmachen. Vielleicht könnt ihr mir helfen?
     
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Grob gesehen ist das schon richtig.

    In Japan gab es damals starke nationalistische, quasi faschistoide Tendenzen die für einen Japanischen Imperialismus plädierten, mit Fernost als der japanischen Einflusssphäre. China war die größte "natürliche Beute" in diesem Weg, man blickte jedoch auch auf die Philippinen (unter US-Verwaltung) Holländisch Indonesien (dort gab es wichtige Erdölvorkommen), das britisch regierte Malaysia und Französich-Hinterindien, hauptsächlich wegen den dortigen Kautschuk-Vorkommen.

    China galt als wichtiger Exportmarkt und verfügte über große Kohlen- und Eisenvorkommen. In der Mandschurei , in Harbin und Shenyang, stehen noch heute die Stahlwerke die von den Japanern einst eingerichtet wurden. Einige der damaligen Hochöfen standen bis vor kurzem noch in Dienst.

    Diese Politik war zum Zeitpunkt des Ausbruches des zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges nichts Neues. Sie stand in der Fortführung der früheren Konflikte und Annexionen so wie der Europäischen und US-Amerikanischen Politik gegenüber Chinas seit den Opium-Kriegen und des Boxer-Aufstands. Japan wollte nicht weniger sein als die westlichen Großmächte und viele Japaner fürchteten ins Hintertreffen zu geraten, wenn man nicht ein eigenes Imperium aufbaute. Zu dieser Zeit wurden mehrere als moderat geltende Politiker durch exaltierte Offiziere der Armee und Marine umgebracht.

    Zu erwähnen wäre noch der US-Amerikanische Boykott gegen Japan und die Militärhilfe an China, die einen wesentlichen Einfluss auf die Entscheidung für den Angriff auf Pearl Harbor hatten.
     
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  3. Eiscube

    Eiscube Neues Mitglied

    klingt schon mal echt gut! Danke für die rasche Antwort!

    Aber mein größeres Problem ist nun die genaue ursache für den japanisch chinesischen krieg, unabhängig von sowjetischer oder amerikanischer Hilfe.

    War es wirklic hallein dieses Expansionsbestreben + die chinesischen handelsboykotte gegenüber dne Chinesen, worauf die japanischen Handelseinnahmen drastisch sanken?

    Das Thema ist wirklich sehr verworren, da ja zurselben zeit Guomindang und KPCh um das Ansehen im lande kämpfen um endlich eine intakte Republik zu gründen.

    Gegen den Kommunismus wollten die Japaner wohl nicht vorgehen, oder? china als Feind war ja sogesehen "vorprogrammiert" aufgrund des Landes und der Rohstoffe im Lande.
    Der Anlass zur ganzen Sache, der zündete Funke war ja der Vorfall an der Marco-Polo-Brücke. Es is tzwar umstritten ob die japaner das Feuergefecht begannen aber ich denke davon ist stark auszugehen um ebenso wie bei der Sabotage der Eisenbahn einen Grund zu haben, gegen die Chinesen vorzugehen. ist doch richtig so, oder?
     
  4. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied


    Ich würde den Japanischen Expansionsdrang als eigentliche Ursache sehen. Dass andere sind Umstände und Bedingungen die den genauen Zeitpunkt des Ausbruchs bestimmen. Die aggressive Politik Japans gegenüber China dauerte zu der damaligen Zeit schon über 30 Jahre an.
    ...
    Japan war 1936 den Antikominternpakt eingegangen. Die Bekämpfung chinesischer Kommunisten war jedoch bestimmt nicht der Grund. Diese befanden sich damals nach dem "Langen Marsch" in der Defensive im Hinterland und erst die Japanische Invasion gab ihnen wieder Aufwind.


    Würde ich auch so sehen. Die Sprengung der Eisenbahn war eindeutig eine eigene Verdeckte Operation des japanischen Geheimdienstes. Der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke war wohl nicht inszeniert, die Japaner hatten aber nicht das geringste Recht dort zu sein und man kann es ruhig als eine nicht provozierte Agression betrachten.
     
  5. Eiscube

    Eiscube Neues Mitglied

    Also denkst du, dass die Chinesen das Feuer eröffneten, wobei die Japaner keine Berechtigung hatten an diesem ort zu sein?

    Morgen möcht ich nochmals genaustens den Verlauf udn die Folgen betrachten. Wärst du Mittags-Nachmittags hier ansprechbar? Würde mich freuen, da du mir schon sehr geholfen hast und ich es nach udn nach immer besser verstehe! :)
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die japanische Expansionsrichtung (mit ihren Zielen und Folgen) war durchaus in den verschiedenen Lagern in Japan umstritten, mindestens zwischen Heer und Marine, so bereits 1931 und 1936:

    http://www.geschichtsforum.de/f67/die-kwantung-armee-der-mandschurei-7697/


    Die Aufnahme der militärischen Expansion könnte man auch weiter in den Kontext stellen, um das japanische Vorgehen zu beleuchten:

    - Haltung der USA 1922/1937 bis zur Quarantäne-Rede
    Nine-Power Treaty - Wikipedia, the free encyclopedia
    http://en.wikipedia.org/wiki/Twenty-One_Demands
    http://en.wikipedia.org/wiki/South_Manchuria_Railway_Zone

    - Spanischer Bürgerkrieg und Bindung der europäischen Mächte

    - japanische Einschätzung des russischen militärischen Potentials
     
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  7. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Wer nun genau als erstes das Feuer eröffnete ist heute wohl kaum noch festzustellen. Fakt ist jedoch, dass die Chinesischen Truppen zu Hause und die Japaner sich in einem Fremden Land befanden, wodurch ich unabhängig davon, wer zuerst schoss, die Chinesen im Recht sehe. Das ist aber eine moralische und keine historische Betrachtung.

    Ich bin heute leider nicht dauernd da, schaue nachher jedoch nochmal ins Forum. Vorab kannst du dir den von Silesia gesetzten Link anschauen, dort sind auch einige interessante Infos.
     
  8. kevin-biene

    kevin-biene Gesperrt

    Ich bin ein Chinesen.
    Was die Regierung die "Begriff" in meinem Kopf eingepragten ist (verdammt Kommunism) natuerlich unterschiedlich als das von einem Japaner, so Sie muessen von der beiden Seite hoeren dann selbst denken.
    Angesichts Chinas ist natuerlich Japan als "Angriffer".
    Wenn ein Land sehr klein und modern und stark, will es nicht expandieren in dieser Zeit? Als nebem ihm eine grosse und Schwache Toerte schon teillich geschnitten legt?Will Japan gar keine Kolonie bekommen? Japans Resource ist nicht genug.
    Entweder "Ich bin ein guter friedlicher Jung" oder "Ich mache wie anderes mache" fuer sie war damals, denke ich.

    Aber viele Chinesischer Geschichtsprofessoren meinen dass die Japanische Unteroffizieller hatten es erst gemacht und die HQ in Japan folgt, weiss ich nicht genau ob es richtig ist, weil es die Information von Japan benoetige.
     
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  9. Großfürst Pavel

    Großfürst Pavel Neues Mitglied

    Die Präsenz von japanischen Truppen in diesem Gebiet Chinas war durch den Pekinger Schlussprotokoll vom 7.9.1901 rechtlich grundsätzlich legitimiert.
    Auch wenn die chinesische Seite moralisch 1937 im Recht war, ist es falsch ihr grundsätzlich moralische Überlegenheit bei Auseinandersetzungen mit Nicht-Chinesen in China zuzusprechen.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Daz hätte ich gerne einmal eine Erläuterung bzgl. des Umfanges der Truppen und des Anwendungsbereiches des Boxerprotokolls ;)


    Grundsätzlich falsch ist es, sich einen Zwischenfall herauszupicken und den Kontext japanischer Invasionspolitik entgegen aller Verträge mit China und übrigen "engagierten" Nationen zu übersehen.

    HyperWar: International Military Tribunal for the Far East [Chapter 5]
    Nine-Power Treaty - Wikipedia, the free encyclopedia
    http://www.geschichtsforum.de/f62/21-forderungen-japans-china-28499/
    Lansing?Ishii Agreement - Wikipedia, the free encyclopedia

    Das ist dann weniger eine Frage der Moral, als vielmehr der fortgesetzten Vertragsbrüche mit dem Ziel einer japanischen Hegemonialsphäre.
     
  11. Großfürst Pavel

    Großfürst Pavel Neues Mitglied

    Das die japanische Armee damals auch gegen das Boxerprotokoll verstiess bestreite ich ja gar nicht.
    Es geht hier nicht wie, sondern ob überhaupt japanische Truppen in Nordchina sein durften.

    Zweifellos zielte Japan darauf China oder zumindest einen erheblichen Teil davon an sich zu binden und brach dafür auch völkerrechtliche Vereinbarungen.

    Was an diesem Zwischenfall interessant ist, das anders als beim Mukden-Zwischenfall sechs Jahre davor sich direkte keine Schuld der Japaner belegen lässt.
    Der Schusswechsel wurde von chinesischer Seite begonnen und das Motiv dafür ist unklar.
    Dass das japanische Militär das Ganze letztlich zu einem großen Krieg eskalieren lies, macht die Japaner rückblickend nicht automatisch für diesen Zwischenfall verantwortlich.
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Begreif es einfach als Mittel zum Zweck an geeigneter Stelle (die Einkreisung von Peking) und zum geeigneten Zeitpunkt.

    Theoretisch hätte einem Unteroffizier auch ein Hund entlaufen können. Der Anlass war doch für die japanische Seite völlig zweitrangig.
     
  13. Großfürst Pavel

    Großfürst Pavel Neues Mitglied

    Nicht die japanische Seite, sondern ein Teil der japanischen Seite war dazu entschlossen diesen Zwischenfall militärisch auszunutzen.
    Einen anderer Teil hingegen meinte, ,,man könne und sollte den Konflikt durch Verhandlungen auf lokaler Ebene lösen".[1]
    Als Folge dieser unterschiedlichen Positionen wurde zunächst am 11. Juli von der Regierung entschieden, ,,japanische Truppen aus der Mandschurei und Korea zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in Nordchina einzusetzen, doch wies Premierminister Kono'e zunächst an, den Konflikt nicht ausweiten zu lassen".[1]
    Zu einer Eskalation kam es erst im Zuge der japanischen Reaktion auf die Nachricht, dass die Regierung der chinesischen Republik in Nordchina eigene Truppen zu sammeln begann, was für die Japaner, die wie früher auf eine Verschiebung des militärischen Gleichgewichts zu ihrem Ungunsten aggressiv reagierten und ihre uneinige Führung wieder zunehmend einte. Hier schienen für sie ,,Japans besondere Interessen in der Mandschurei ... bedroht".[1]
    Am 27.Juli entschied die japanische Regierung ,, weitere drei Divisionen von Japan aus in Marsch zu setzen", was zuvor immer wieder verschoben wurde. Zusätzlich wurde ,,je eine Division aus der Mandschurei und Korea entsandt".[1]
    Am gleichen Tag erhielt der kommandierende General der Streitkräfte der Republik China im Nordosten, Song Zheyuan, das Ultimatum ,,unverzüglich Peking und Tianjin zu räumen".[2]
    Am nächsten Tag begann der Krieg.

    Festzustellen ist, das auf japanischer Seite keine Hemmung bestanden, die eigene Stellung in China offensiv durch Krieg zu sichern, allerdings waren die radikalsten und aggressivsten Kräfte Japans noch keinesfalls so stark wie später, als sie in den Weltkrieg eintraten.

    [1] Rudolf Hartmann: Geschichte des modernen Japans. Von Meiji bis Hensei. Berlin 1996, S. 185

    [2] siehe oben, S. 186
     
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  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Seite hat sich durchgesetzt, was für den Angriffskrieg faktisch zählt.

    Irgendwie, irgendwo, irgendwann ist immer irgendwer dagegen. Das findet man bekanntlich bei jedem Angriffskrieg. Die unterschiedlichen Fraktionen in Japan (die hier auch schon genannt wurden) sollen damit selbstverständlich nicht unterdrückt werden, sie haben sich aber sichtbar nicht durchgesetzt. Dieser Krieg der Koalitionen begleitet im Übrigen die japanische Aufrüstungsphase seit den 1920ern, und hatte sich kurzfristig während der Weltwirtschaftskrise aus ökonomischen Gründen gegen die Rüstungs-, spätere Kriegsfraktion durchgesetzt.

    Das ist ja prima, nach japanischer Verletzung des Abkommens in Bezug auf den Umfang der Truppenstationierungen entlang der Eisenbahnlinien und nach Einkreisung von Peking. Schau Dir mal im Übrigen mal das japanische Schema an: von 1914 über 1937 bis 1941: Ausnutzung europäischer Konflikte

    Hartmann scheint hier einer gewissen Trübung seines Blicks zu unterliegen.
    Welche Truppen, in welchem Umfang wurden auf chinesischem Territorium im Nordabschnitt vor dem 25.7.1937 versammelt? Quelle dazu? Chinesische Aggressionsabsichten bzgl. "japanischer Interessen" in der Mandschurei?
    Komisch, dass sich das chinesische Angriffspotential in den folgenden Monaten doch etwas unzureichend darstellte.
    Battle of Beiping?Tianjin - Wikipedia, the free encyclopedia
    Komisch auch, dass bereits vor dem 27. Juli , nämlich am 25.7.1937 die 20. Division eintraf und im Norden zum Angriff überging.

    Oder ist etwa den Angriff auf Shanghai gemeint? Das liegt allerdings entgegengesetzt zur Besorgnis betr. Mandschurei.
    Battle of Shanghai - Wikipedia, the free encyclopedia
     

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