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Alt 26.09.2014, 14:20   #1
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DerGreif wird schon bald berühmt werden
Welchen strategischen Wert hatten Burgen?

Hallo zusammen!

Ich habe eine Frage, die mich schon seit geraumer Zeit beschäftigt und konnte bislang noch kein brauchbares Buch finden, was darauf mir eine Antwort gegeben hätte:

Welchen strategischen Wert hatten Burgen im Hochmittelalter im westlichen Europa so ca. 1100/1150 bis 1250? Der Grund für diese Frage ist, dass ich in Romanen gelegentlich immer wieder lese, dass eine Burg bspw. einen Gebirgspass oder eine andere strategische Position "kontrollierte" und daher eine feindliche Armee zuerst diese Burg einnehmen musste, um zu ihrem eigentlichen Ziel vordringen zu können. Ich frage mich jetzt, ob Burgen tatsächlich so einen enormen srtategischen Wert haben konnten. Was ich mir vorstellen könnte wäre, dass die Burgbesatzung eine Bedrohung für eine mögliche Nachschubkette war. Aber gab es damals bereits ausgedehnte Nachschubketten, die bedroht werden konnten? Welche Bedrohung konnte eine - wie ich jetzt einmal annehme verhältsnismäßig deutliche kleinere - Burgbesatzung überhaupt für eine großen feindlichen Armee darstellen?

Ich wäre für jedwede Aufklärung äußerst dankbar (am liebsten bitte mit einem Hinweis auf eine wissenschaftliche Publikation). Herzlichen Dank schonmal im Voraus für alle Mühen.

Beste Grüße,
G.
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Alt 26.09.2014, 14:42   #2
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Mitgliederbild von El Quijote
 
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Ich will mal ein paar Beispiele aus der andalusischen Geschichte bringen. BIs zu Beginn des 11. Jahrhunderts (christl. Zeitrechnung) war das Kalifat von Córdoba der mächtigste Staat auf der iberischen Halbinsel. Mit dem Zusammenbruch des Kalifats in den Bürgerkriegen zwischen 1009 und 1031 und der Etablierung der Kleinkönigreiche (span. taifas von arab. ṭā'ifah) änderte sich die Situation und die christlichen Königreiche im Norden konnten größere Gebiete erobern. Mit der Eroberung des alten Metropolitensitzes und Wahlort der Westgotenkönige Toledo und der Annahme des Titels Imperator tocius Hispaniae ('Beherrscher ganz Spaniens'; in arabischen Quellen als Imbaratur du-l-millatayn, Beherrscher der zwei Religionen wiedergegeben) durch den König von Kastilien-León wurde der Anspruch deutlich. Aber Anspruch hin oder her, Alfons VI. der sich diesen Titel gegeben hatte, verfolgte zunächst einmal eine Politik der Auspressung. Zu diesem zweck etablierte er in den andalusischen Königreichen Burgen, die er mit einer Besatzung ausstattete, deren Aufgabe es war, Angst und Schrecken zu verbreiten. So hielt er etwa die Burg Almodóvar del Río, die Burg Aledo und eine Burg, die man span. als Belillos bezeichnet, deren Ort man aber nicht genau kennt. Belillos errichtete er gemeinsam mit dem König von Sevilla. Von diesen Burgen aus verheerten die Ritter das Gebiet um die Städte (Sevilla, Granada, Almería) und es wird immer wieder berichtet, wie die Ritter in Begegnungen auf dem Feld teilweise mit der zehnfachen Menge an gegen sie geschickte maurische Krieger fertig geworden seien. Ob letzteres stimmt, ist zweifelhaft, es ist vielmehr, so, dass die Geschichtsschreiber den Taifa-Königen, die sie wegen ihres Verhaltens für unislamisch hielten, Unfähigkeit vorwarfen, ein weiter Grund dafür, sie juristisch gerechfertigt absetzen zu können.
__________________
Chi vuku zik Ah xel roxa ru camay zak yuhuh.

Und darum Kinder eins bedenket: Wer Trollen respondieret Zeit verschenket!
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Alt 26.09.2014, 15:12   #3
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Mitgliederbild von muheijo
 
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muheijo ist einfach richtig nettmuheijo ist einfach richtig nettmuheijo ist einfach richtig nettmuheijo ist einfach richtig nett
@ Greif:
Mir ist nicht klar, weshalb du eine Sperr-Funktion einer Burg an von dir genannten Stellen bezweifelst.
Wenn man bei deinem Beispiel Gebirgspass bleibt, oder z.B. auch eine Bruecke oder Furt ueber einen Fluss, muss man unweigerlich die entspr. Burg passieren. Dabei ist man møglichem Beschuss ausgesetzt, ob man nun selbst schwer bewaffnet ist oder zum Nachschub einer Truppe gehørt.
Ausserdem kann die Besatzung Ausfælle machen, Gefangene nehmen usw.

Einen Gebirgspass kann man meist nicht (leicht) verlassen, um eine Burg zu umgehen, schon gar nicht mit Pferd, Wagen und anderem Geræt: Man muesste also andere Pæsse benutzen - sofern diese nicht ebenfalls gesichert sind. Zumindest kostet das aber Zeit - und die hat man meist nur knæpplich in Kriegszeiten.

Gleiches gilt fuer Burgen/Festungen an Flussuebergængen.
Und das alles trifft ja nicht nur auf das Mittelalter zu, sondern gilt auch in spæteren Zeiten.

Hast du einen konkreten Fall, wo dir der strategische Wert merkwuerdig vorkommt?

Gruss, muheijo
__________________
"Nicht diejenigen sind zu fürchten, die anderer Meinung sind, sondern diejenigen, die anderer Meinung sind, aber zu feige, es zu sagen." (Napoléon I.)
muheijo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.09.2014, 16:17   #4
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Mitgliederbild von steffen04
 
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steffen04 ist ein sehr geschätzer Menschsteffen04 ist ein sehr geschätzer Mensch
Ich nehme an, Greif stellt die Frage, warunm eine mobile Armee sich überhaupt die Mühe macht und die Verluste in Kauf nimmt, um irgendeinen Steinhaufen zu erobern, anstatt sich auf lukrative und wehrlose Städte, Kornschober, Minen etc. zu stürzen.

Tatsächlich kann ein Angreifer Burgen eine Zeitlang auch ignorieren, sie umgehen, links liegen lassen. Wenn sie nicht gerade wichtige Furten oder Pässe kontrollierten, wie Muheijo richtig schreibt.

Die Dänen haben in England die Befestigungen Alfreds oft ignoriert. Es gab auch mindestens einen Feldzug im Hundertjährigen Krieg, in dem die Engländer Befestigungen und Kämpfen überhaupt auswichen und sich auf Plündern und Verwüsten beschränkten.

Beide Beispiele zeigen aber auch, dass eine anhaltende Eroberung ohne Sicherung der befestigten Plätze nicht möglich war. Die Burgbesatzungen waren ständige Bedrohung für den Angreifer und verringerten dessen Kräfte: direkt durch Angriffe aus den Burgen, indirekt durch das Binden von Kräften durch Belagerung oder mindestens Kontrolle.
steffen04 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.09.2014, 16:31   #5
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DerGreif wird schon bald berühmt werden
Erst einmal ganz herzlichen Dank Euch beiden für die schnellen und kompetenten Antworten.

Ich kenne mich in der Zeitperiode nicht aus, interessiere mich aber sehr dafür. Ich habe früher gerne historische Romane, die in der Epoche angesiedelt waren gelesen, und habe dabei diesen postulierten strategischen Wert im Gedächtnis behalten. In letzter Zeit habe ich mich recht intensiv mit der Epoche befasst - rein privat - und irgendwo einen interssanten Satz aufgeschnappt, der irgendie hängen geblieben ist, aber mir erst später deutlich zu Bewusstsein kam, so dass ich auch grad die Quelle nicht mehr finde, was mich sehr ärgert. Waren einfach zuviele Bücher. Jedenfalls wurde in diesem Absatz darauf hingewiesen, dass Burgen nicht nur oder sogar nur einen geringfügigen militärischen Wert hatten, und vielmehr soziologisch zu begründen sind (als Statussymbol, wirtschaftliches Verwaltungszentrum, etc.). Sicherlich war das überspüitzt formuliert und militätrische Gesichtspunkte spielten eine wesentliche Rolle. Jedenfalls führte diese Bemerkung dazu, dass ich länger über den Sinn von BUrgen nachdachte und ich mich eben fragte, inwiefern eine Burg strategisch eine verhältnismäßig viel größere Armee bedrohen kann.

Was ich mir vorstellte (ohne besonders gute Kentnis der Epoche) bot eine BUrg jedenfalls der Bevölkerung im Umkreis Schutz, eine Möglichkeit zum Rückzu, darüber hinaus war sie ein Stützpunkt für die lokake Schutztruppe. El Quijotes Beschreibung liefert ein überzeugendes Argument dafür, dass die Burgen außerdem gute Stützpunkte sind, um von dort aus Angst und Schrecken zu verbreiten, die Wirtschaft des Feindes zu stören und Raubzüge zu starten. Wenn ich Dein Argument richtig verstehe, dann kann man bspw. an einer Burg, die einen Bergpass kontrolliert, eben nicht einfach vorbeiziehen, weil das zu erheblichen Verlusten durch Beschuss von den Mauern und durch schnelle Ausfälle führt. Die Burg kann man bei entsprechender Passeenge, die zugegebenermaßen regelmäßig gegeben sein dürfte, nicht weitläufig genug umgehen können, um diese Verluste zu vermeiden. Das erscheint mir jetzt so auch überzeugend und nachvollziehbar. Was ich mich persönlich halt gefragt hatte war, ob dieser Beschuss und diese Ausfälle bei entsprechender Heeresgröße wirklich so ins Gewicht fallen würden. Was ich in meiner Überlegung zunächst nicht bedacht hatte war auch, dass ein Großteil der "Soldaten" vermutlich gar nicht mit Schild und hinreichender Rüstung ausgestattet wären, um an so einem Beschuss einfach vorbei laufen zu können.

Ich hab leider keine konkrete Burg im Sinn gehabt als Beispiel, aber wenn jemand, der sich in der Epoche auskennt, so wie ihr, gerade zB für einen Gebirgspass kontrollierende Burg, ein Beispiel hättet, wäre ich dafür sehr dankbar. Auch Hinweise auf weiterführende wissenschaftliche Literatur bin ich stets sehr dankbar. Vielen Dank Euch beiden nochmals für die guten Antworten. Dank auch an El Quijote für das/die konkreten Beispiele. Das war höchst interessant und eine Funktion für eine Burg (quasi als Unterstützung/Vorbereitung der Offensive), die ich so noch nie in Betracht gezogen hatte. Ich war bisher der Burg eher mit dem typisch volkstümlichen unwissenschaftlichen Hintergrund als Mittel der Defensive begenet.

Bin weiterhin an allen Antowrten und Hinweisen zu diesem Thema interessiert. Nochmals herzlichen Dank!

Edit: @steffen04: Auch Dir ganz herzlichen Dank für die Antwort. Ja genau, das waren meine Denkansätze. Das eine lang anhaltende Eroberung auch die Einnahmhe der Burgen voraussetzt ist natürlich verständlich. Aber muheijo hat das recht gut erläutert, warum Burgen eben doch auch strategische Bedeutung erlangen können. (Sorry, hatte geantwortet, während DU geschrieben hast.)

Beste Grüße,
G.

Geändert von DerGreif (26.09.2014 um 16:34 Uhr).
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Alt 26.09.2014, 20:01   #6
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Bdaian ist jedem bekanntBdaian ist jedem bekanntBdaian ist jedem bekanntBdaian ist jedem bekanntBdaian ist jedem bekanntBdaian ist jedem bekanntBdaian ist jedem bekannt
Eine Burg die ein Gebirgspass beherrscht:

Festung Hohenwerfen ? Wikipedia
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Alt 26.09.2014, 20:12   #7
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Zitat:
DerGreif Beitrag anzeigen
Ich hab leider keine konkrete Burg im Sinn gehabt als Beispiel, aber wenn jemand, der sich in der Epoche auskennt, so wie ihr, gerade zB für einen Gebirgspass kontrollierende Burg, ein Beispiel hättet, wäre ich dafür sehr dankbar.
Mir fällt dazu Rochester Castle ( Rochester Castle ? Wikipedia ) ein, das eine Furt kontrollierte. Allerdings habe ich mein "Wissen" über diese Burg und ihre Belagerung im Bürgerkrieg zwischen König Johann Ohneland und aufständischen Baronen in erster Linie aus dem Film "Ironclad - Bis zum letzten Krieger", der sich jedoch einige historische Freiheiten erlaubte. Zumindest im Film wurde aber behauptet, dass die Burg der Schlüssel zur Kontrolle über Südengland sei. Inwieweit das stimmt, vermag ich leider nicht zu beurteilen; dafür kenne ich mich mit der wahren Geschichte dieser Burg und des erwähnten Bürgerkriegs zu wenig aus.
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Alt 26.09.2014, 20:55   #8
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Mitgliederbild von Galeotto
 
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Galeotto ist ein LichtblickGaleotto ist ein LichtblickGaleotto ist ein LichtblickGaleotto ist ein LichtblickGaleotto ist ein LichtblickGaleotto ist ein Lichtblick
Zitat:
DerGreif Beitrag anzeigen
Ich hab leider keine konkrete Burg im Sinn gehabt als Beispiel, aber wenn jemand, der sich in der Epoche auskennt, so wie ihr, gerade zB für einen Gebirgspass kontrollierende Burg, ein Beispiel hättet, wäre ich dafür sehr dankbar.
Der ganze Brennerpass ist mit Burgen gespickt. Besonders in Südtirol gibt es 450 Burgen , wie z. B. Burg Juval, welches heute Reinhold Messner gehört
http://upload.wikimedia.org/wikipedi...loss_Juval.jpg
oder die Haderburg
http://www.planet-wissen.de/laender_...ol_hader_g.jpg
__________________
Und aus dem Chaos sprach eine Stimme:
Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen.
Und ich lächelte und war froh - und es kam schlimmer!
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Alt 26.09.2014, 22:08   #9
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DerGreif wird schon bald berühmt werden
Ganz herzlichen dank Euch drei für diese Beispiele. Gibt es zu deren Verwiclung in tatsächlichen Auseinandersetzungen irgendwelche Sekundärliteratur oder Primärquellen? @Ravenik, gerade das mit Rochester Castle würde mich brennend interessieren! Ich werde mal schauen, was ich so an Literatur zu dem Bürgerkrieg finde. Falls Ihr noch Anregungen zu Literatur zu dem Thema habt, bin ich sehr dankbar.

Jedenfalls Euch allen ganz herzlichen Dank für diese vielen wertvollen Hinweise und Tips!

Eine letzte kurze Frage: Ein Freund hat mir vorhin zwei Bücher vorbeigebracht:
- Charles Coulson, The Castle in Medieval Society
- Abigail Wheatley, The idea of the castle in medieval England

Taugen die was? Auf den ersten Blick scheinen sie jedenfalls auf wissenschaftlicher Basis verfasst zu sein, was ich prinzipiell schon mal sehr gut finde.

Beste Grüße,
G.
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Alt 26.09.2014, 22:40   #10
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Mitgliederbild von dekumatland
 
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dekumatland ist ein Lichtblickdekumatland ist ein Lichtblickdekumatland ist ein Lichtblickdekumatland ist ein Lichtblickdekumatland ist ein Lichtblick
eine Sonderform der (spät)mittelalterlichen Burg ist die Zollburg ? Wikipedia - lesenwert ist Burg Pfalzgrafenstein ? Wikipedia

ebenfalls interessant und seinerzeit wohl auch strategisch von Nutzen die Kreuzfahrerburg ? Wikipedia

Tante Wiki hier nur als erste Anregung, wobei die Literaturliste in Burg ? Wikipedia ganz ok ist. Nützlich auch, was der deutsche Burgenverein so alles publiziert hat.
__________________
Tutto nel mondo è burla, l’uom è nato burlone. (Boito/Verdi, Falstaf)
dekumatland ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.09.2014, 22:52   #11
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Registriert seit: 08.2012
Beiträge: 47
DerGreif wird schon bald berühmt werden
Großartig, sehr hilfreich, Danke Dir!

Beste Grüße,
G.
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Alt 27.09.2014, 19:32   #12
Mitglied
 
Mitgliederbild von Fulcher
 
Registriert seit: 01.2006
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Beiträge: 347
Fulcher wird schon bald berühmt werden
Zitat:
Galeotto Beitrag anzeigen
Der ganze Brennerpass ist mit Burgen gespickt. Besonders in Südtirol gibt es 450 Burgen , wie z. B. Burg Juval, welches heute Reinhold Messner gehört
http://upload.wikimedia.org/wikipedi...loss_Juval.jpg
oder die Haderburg
http://www.planet-wissen.de/laender_...ol_hader_g.jpg
Sehr schön ist auch die bei Bozen gelegene Burg Runkelstein mit ihren um 1400 entstandenen Fresken:
Schloss Runkelstein ? Wikipedia
__________________
Läbbe die Kelde midde Germane in Fried?
Fulcher ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 27.09.2014, 20:36   #13
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Mitgliederbild von thanepower
 
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thanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekannt
Die kaum zu überschätzende Bedeutung von Burgen, primär von ca. 1000 bis 1300, illustrieren Brauer und van Tuyl anhand des Konzepts der "Opportunitäts Kosten".

Castles, Battles, and Bombs: How Economics Explains Military History - Jurgen Brauer, Hubert van Tuyll - Google Books

Da im Mittelalter die parallele Finanzierung von Armeen und von Burgen extrem schwer zu leisten war, stand für viele Adelige die Frage im Rahmen, eine Armee zu unterhalten oder aber Burgen zu bauen. Wenige reiche Adelige konnten beides in nennenswertem Umfang leisten und ruinierierten sich dabei nicht selten.

Das erklärt auch die Verschiebung in der Art des Burgenbaus von "kleinen Motten" zu sehr kostspieligen Steinburgen, die nur von großen reichen Adeligen finanziert werden konnten und somit ein entsprechender Zugang zu Steuermitteln - via territorialem Besitz - die Voraussetzung bildete.

Die meisten kleinen, mittleren und teilweise auch großen Adeligen haben sich aufgrund der "Opportunitäts Kosten" nur für Burgen entschieden und unterhielten nur sehr kleine Kontingente von "Soldaten".

Opportunitätskosten ? Wikipedia

Nicht zuletzt auch deswegen, da Burgen nur zu einem kleinen Teil militärische Aufgaben zu erfüllen hatten. Es waren "Kristallisationspunkte" für die beginnende Ausformung von komplexeren Staaten.

Es waren zunehmend Verwaltungssitze (Steuern etc.), es waren Orte der staatlichen Autorität und somit auch der Oppression der ländlichen Bevölkerung etc. und hatten somit auch explizite innenpolitische Wirkungen etc.
__________________
When the facts change, I change my mind. What do you do, sir? J.M. Keynes

Geändert von thanepower (27.09.2014 um 20:41 Uhr).
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Alt 27.09.2014, 22:25   #14
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Mitgliederbild von steffen04
 
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steffen04 ist ein sehr geschätzer Menschsteffen04 ist ein sehr geschätzer Mensch
Zitat:
thanepower Beitrag anzeigen
Da im Mittelalter die parallele Finanzierung von Armeen und von Burgen extrem schwer zu leisten war, stand für viele Adelige die Frage im Rahmen, eine Armee zu unterhalten oder aber Burgen zu bauen.
Wichtiger Punkt.

Automatisierung oder Handarbeit. Die Frage stellt sich heute noch täglich. Automatisierung lohnt bei wiederkehrenden, standardisierten Tätigkeiten und wenn Arbeitskraft teuer ist.

Eine Burg lohnt also immer dann, wenn die Zehntscheuer zum zehnten Mal geleert, die Furt zum zehnten Mal gestürmt, die Jungfrauen zum zehnten Mal geschändet (okay, hier hinkt irgendwas) wurden.

Oder wenn keine billigen oder vielleicht gar keine Soldaten zur Verfügung standen. Arbeitskräftemangel kann durch Automatisierung aufgefangen werden. Mancher Ritter hätte vielleicht lieber eine Armee ins Feld geführt, hatte aber nur Zugriff auf Typen, die Stein auf Stein setzen konnten.

Maschinen muss man sich aber auch leisten können. Auch wenn die Kalkulation klar zeigt, dass eine Maschine /Burg sich in ein paar Jahren amortisiert: davon muss ich erstmal meinen Banker überzeugen. Oder halt selbst genug Kapital auf der Seite haben.

Die Notwendigkeit von genug Kapital bzw. deren Akkumulation war sicher auch ein Punkt, der zur Entwicklung weg von vielen billigen, aber wenig leistungsfähigen Motten hin zu großen Festungen führte: Economies of Scales.

Geändert von steffen04 (27.09.2014 um 22:26 Uhr). Grund: tipfehler
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Alt 29.09.2014, 05:18   #15
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DerGreif wird schon bald berühmt werden
Nochmals ganz herzlichen Dank für alle weiteren Hinweise und Erklärungen! Das ist hochinteressant!

Beste Grüße,
G.
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Alt 29.09.2014, 06:46   #16
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silesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblick
Noch zwei weniger prominente Beispiele aus der Provinz, mit dem "Passmotiv" zum Teutoburger Wald:

Sparrenburg (Bielefelder Pass)
Sparrenburg ? Wikipedia

Burg Ravensberg (Holthusener Pass)
Stiftung Burg Ravensberg - Burg Ravensberg: Ausflugsziel im Teutoburger Wald
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Alt 29.09.2014, 11:55   #17
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Teresa C. wird schon bald berühmt werden
Im Zusammenhang mit Burgen als Wehranlage wäre noch auf eine weitere Variante der mittelalterlichen Wehranlagen hinzuweißen.

Die Wehrkirchen, die allerdings keine Burgen waren. Es handelte sich dabei um Kirchen, die Befestigungsmauern umgeben waren und meistens auch auf einer Anhöhe über der Siedlung standen. (Eine gut erhaltene Wehrkirche ist z. B. die Kirche von Weißenkirchen in der Wachau.) Die Hauptaufgabe dieser Befestigungen war nicht nur der Schutz der Kirche als solches, sondern sie war auch Zuflucht für die Ansiedler/innen, wenn es wieder einmal Angriffe gab.
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Alt 29.09.2014, 18:29   #18
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Zitat:
thanepower Beitrag anzeigen
Die kaum zu überschätzende Bedeutung von Burgen, primär von ca. 1000 bis 1300, illustrieren Brauer und van Tuyl anhand des Konzepts der "Opportunitäts Kosten".

Castles, Battles, and Bombs: How Economics Explains Military History - Jurgen Brauer, Hubert van Tuyll - Google Books

Da im Mittelalter die parallele Finanzierung von Armeen und von Burgen extrem schwer zu leisten war, stand für viele Adelige die Frage im Rahmen, eine Armee zu unterhalten oder aber Burgen zu bauen. Wenige reiche Adelige konnten beides in nennenswertem Umfang leisten und ruinierierten sich dabei nicht selten. ...
So interessant dieser Gedanke auch ist, ich denke dass er für das frühe Mittelalter ahistorisch ist.

Die früheren Motten und andere Erdwerke konnten noch von frohnpflichtigen Bauern und anderen ungelernten Arbeitern errichtet werden bzw. wurden bei der Normannischen Invasion in England solche durch die Invasionsarmee selbst errichtet. Bei Erd-und Holzwerken erfolgte so etwas erstaunlich schnell wenn man genügend Arbeitskräfte zur Hand hatte.

Steinburgen benötigten dagegen gelernte Fachkräfte und teures Material das bezahlt werden musste.

Eine Armee wiederum basierte im Hochmittelalter auf Lehnverhältnisse und nicht auf Geld. Söldnerheere kamen erst etwas später auf.

Die Wahl zwischen der Finanzierung einer Burg oder einer Armee stellt sich m.E. erst frühestens für den Zeitraum ab 1300. Stehende Heere kamen sowieso erst viel später auf.

Paradoxerweise wurden die größten Burgen zu einem Zeitpunkt erstellt, als das Mittelalter eigentlich schon zu ende ging ab 1400 und sogar nach 1500 als in Italien schon die ersten bastionierten Festungen erschienen.

Als diese großen Burgen entstanden, waren die kleinen Mittelalterlichen Ritterheere die auf persönlichen Treueverhältnissen basierten schon weitgehend geschichte und es kamen schon große Armeen zusammen, mit bedeutenden Anteilen an Söldnern.
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Geändert von Bdaian (29.09.2014 um 18:47 Uhr).
Bdaian ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.09.2014, 19:12   #19
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Teresa C. wird schon bald berühmt werden
Dass viele großen Burganlagen erst entstanden, als sie eigentlich nicht mehr gebraucht wurden, hängt vielleicht damit zusammen, dass erst ab dann überhaupt die Zeit für einen "richtigen" Bau gab. Immerhin wurden die meisten Burgen errichtet, weil sie gebraucht wurden bzw. wieder aufgebaut oder "geflickt", weil sie gerade zerstört oder beschädigt worden waren. Da war sicher meistens gar keine Zeit für zu viel Details.
Teresa C. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.09.2014, 22:06   #20
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Zitat:
Teresa C. Beitrag anzeigen
Dass viele großen Burganlagen erst entstanden, als sie eigentlich nicht mehr gebraucht wurden, hängt vielleicht damit zusammen, dass erst ab dann überhaupt die Zeit für einen "richtigen" Bau gab. Immerhin wurden die meisten Burgen errichtet, weil sie gebraucht wurden bzw. wieder aufgebaut oder "geflickt", weil sie gerade zerstört oder beschädigt worden waren. Da war sicher meistens gar keine Zeit für zu viel Details.
Hmmm! Gebraucht und genutzt wurden Burgen bis lange nach dem Mittelalter. Eigentlich bis in das 17. und sogar das 18. Jahrhundert. Nur waren sie ab dem 15. Jahrhundert militärisch zusehends überholt. Die meisten Burgen wurden in Deutschland im 30. Jährigen Krieg zerstört.

Dass im späten Mittelater immer größere Burgen gebaut wurden, hat mehr mit Machtkonzentration als mit "Zeit" zu tun.
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Geändert von Bdaian (29.09.2014 um 22:17 Uhr).
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