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| | #1 |
| Mitglied Registriert seit: 01.2012
Beiträge: 30
![]() | Möglichkeit einer Verschwörung in der Roten Armee? - Stalins "Großer Terror" Einerseits, wenn man sich die Verhörprotokolle der Anklage der führenden sowjetischen Kommandeure auf dem Juni Prozess 1937, ansieht, so scheinen solche Vorwürfe, wie die Spionage zugunsten Deutschlands oder der Plan einer bewussten Niederlage der RA, im Falle eines Krieges, reines Science-fiction Scenario, zu sein. Andererseits, lässt sich die Kampagne gegen die die Militärs, durch die persönlichen Motive, wie „Stalin mochte Tuchatschewski nicht“ oder durch die Desinformation des SD, auch nicht erklären. Stalin hatte durchaus viele andere Gründe zu denken, dass in den Reihen der RA eine Verschwörung heranwächst. Womöglich wollte er nicht den „High noon“ abwarten und zuerst losschlagen, bevor sich die antistalinschen Stimmungen zu einer konkreten Verschwörung formieren. Was spricht für eine mögliche Verschwörung in der RA? 1. Soziale und politische Instabilität Die Rote Armee war garnichtmal so Stalin bzw. Systemtreu, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Anfang der 30er Jahre war die innenpolitische Situation in der UdSSR höchst instabil. Diese Instabilität war auch in den Armeekreisen zu beobachten. Es gab auf der Kommandoeben durchaus viele Kommandeure mit trotzkistischer oder anderen linksradikaler Orientierung. Diese sahen im politischen Kurs Stalins „Aufbau des Sozialismus in einem Land“ eine Revision oder sogar Verrat an den revolutionären Idealen der „Weltrevolution“. Das Stimmung sprengartig war bestätigten solche Episoden wie: Die Drohung mit dem herausgezogenem Säbel, von Korpskommandeur Vitovt Putna an Stalin persönlich, nach dem Ausschluss Trozkijs aus der Partei 1927, er werde im die Ohren abschneiden. Oder auch der Versuch eines Kremlsturmes unter Stabskommandeur Artem Nechajev mit 200 Mann (5.8.1934). Die Unzufriedenheit mit der Kollektivierung, bei welcher auch die RA zum Einsatz kam, sollte bei Stalin Zweifel über die Loyalität der RA aufkommen lassen. Dazu kamen noch die „Salongespräche“ der ehemaligen zaristischen Offiziere, über den baldigen Kollaps des Bolschewismus. Diese Armeefronde führte 1930 zu der ersten großen Welle der Armeesäuberungen der s.g. Operation „Vesna“ (Frühling).2.Außenpolitische Instabilität: Der Kurs auf die Durchbrechung der außenpolit. Isolation und die Annäherung an die Westmächte, erforderte von Stalin eine neue Verhandlungsbasis zu schaffen. Ideologisch, wirtschaftlich und in allen anderen Aspekten, hatte die UdSSR für die Großmächte nichts zu bieten. Aber ein entsprechender militärisches Potential, würde die Großmächte interessieren. Um eben auf der „gleichen Augenhöhe“ zu verhandeln benötigte man eine moderne und vollmechanisierte Armee. Dazu diente z.B. die großangelegte Werbungsaktion der Kiewer Manöver von 1935. Daraus resultierten 2 Probleme. Erstens, wie soll diese moderne Armee ausgerüstet sein? Zweitens, wie soll die Militärdoktrin aussehen? Über diese Fragen entstanden im Volkskommissariat für Verteidigung massive Konflikte. Es ging soweit, dass im Jahre 1936 Tuchatschewskij, Jakir und Uborewitsch den Volkskommissar für Verteidigung Voroschilov abzusetzen versuchten. Der russische Historiker Mel’tjuchov spricht davon, dass im Falle einer Verschwörung, diese eher antivoroschilovschen, als einen antistalinschen, Charakter hatte. Auch andere führende Militärs wie Egorov (Leiter des Generalstabs) und Blücher (Befehlshaber der Besonderen Fernostarmee) gerieten in den Sog der Intrigen. 3. Personen & Verhalten Die bonaparitistischen Ambitionen und Karrierismus von Tuchatschewskij & co. waren allgemein bekannt. Tuchatschewskij stand bereits vor 1937 zweimal unter dem Verdacht des Geheimdienstes. 1923 als er noch die s.g. „Westfront“ kommandierte und 1931 in Verbindung mit der Operation „Vesna“. Iona Jakir (Befehlshaber des ukrainischen Militärbezirkes), und Ieronim Uborewitsch (Befehlshaber des weißruss. Militärbezirkes) wurden ihrerseits, durch die Befehlsgewalt in den jeweiligen Republiken, zu lokalen Machtzentren mit entscheidungsvollmachten in ihrem eigenem Revier. 4. Agenturberichte Im Verlauf der 20er & 30er Jahre lieferte die ausländische Agentur der GPU (z. B. Adolf Chajrowskij, Kurt von Possanner) ständige Gerüchte über die Existenz einer Militärverschwörung. Hier kommt aber eine zusätzliche Schwierigkeit ins Spiel. Die GPU stimulierte selbst diese Gerüchte. Dies geschah in Folge der großangelegten Desinformationskampagne der weißen Emigration (die s.g. Operation „Trest“). Kann sein, dass ein Teil diese Desinformation in Form der Agenturberichte nach Moskau zurückkam. Es ist aber unwahrscheinlich, dass eine solche Desinformation eine Dauer von 14 Jahre besitzen kann und es erklärt nicht einen ähnlichen Bericht aus der japanischen Quelle. Es existieren zwei weitere Positionen. 1. Es war eine Desinformation des deutschen SD, die mit Hilfe des Doppelagenten der ROWS Nikolaj Skoblin und dem tschechoslowak. Präsidenten Beneš nach Moskau kam. 2. Es war ein gezieltes Kompromat Spiel des NKVD. Man schickt ein „Kompromat -Bumerang“ ins Ausland und irgendwann kommt der „Bumerang“, als Auslandsbericht, nach Moskau zurück. Beides erscheint als unwahrscheinlich, da sich weder in Verhörprotokollen, noch in den russ. Archiven, jegliche Spuren und Erwähnungen solcher Materialien fehlen. Denn wozu so viel Aufwand für diese „Bumerangaktion“, um schließlich Kompromat zu erhalten, welches man nicht zu verwenden beabsichtigt? 5. Memoiren Es existieren viele Berichte von Menschen, denen man gerade nicht eine stalinistische Position, vorwerfen kann. z.B. Lilja Brik, die Ehefrau von KomKor Primakov , berichtete über die abendlichen Versammlungen der Kommandeure, hinter geschlossenen Türen, im Hause ihres Mannes. Auch der NKVD Überläufer Aleksandr Orlov bestätigte die Existenz einer Armeeverschwörung. |
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| | #2 |
| Premiummitglied | Gar nichts!!!!!!!!! ![]() Einschlägig ausgewiesene Historiker formulieren folgendes: Naveh resümiert, dass die Anklage gegen Tukhachevsky im wesentlichen auf gefälschten Dokumenten beruht mit dubioser Rolle deutscher Stellen (Naveh: Tukhchevsky: in Stalin`s Generals, Shukman Ed., 1993, bes. S. 269). Und Stoecker zitiert beispielsweise Nove auf die Frage nach den realen und objektiven Ursachen des Prozesses : "There seemed to be pathological expresses in the Stalin terror which defy all logical explanation." (Stoecker: Forging Stalin`s Army, 1998, bes. S. 186). Ansonsten: 1. Der Rahmen der Säuberungen von Trotzkisten, Links- oder Rechts-Abweichlern, Spionen, Kollaborateuren und Agenten etc. ist der neurotische Rahmen für das Drama der Säuberungen. 2. Die persönliche Dramatik zwischen diesen beiden Personen liegt im Konflikt vor Warschau 1922 angelegt. Und es war immer auch der Konflikt der 1. Kavallerie-Armee (auch Woroschilow) gegen die anderen, meistens kompetenteren Offiziere der RKKA. Die fachlich eher zu Tukha. neigten. Aus dem Umfeld der 1. Kavallerie Armee fielen fast keine Spitzen-Offiziere der Säuberung bis 1937 anheim. 3. Es ist auch der Konflikt zwischen dem klassischen politischen Offizier der Revolutionsarmee des Bürgerkriegs, der sich das politische Denken nicht verbieten lassen wollte. Und es ist kein Zufall, dass der technokratische Typ, wie Schposchnikow, die Nachfolge der revolutionären Offiziere antrat. 4. Grigorenkeo weist in seinen Memoiren darauf hin, dass Tukha über das Institut der unterschiedlichen Ausbildungs-Akademien einen "prägenden" Einfluss auf das Offizier-Korps hatte. Und somit auch über ein hervorragendes soziales Netzwerk verfügte. Das auch die jeweils innovativsten Inspekteure der einzelnen Truppengattungen (Fallschirmspriner etc.) umfaßte. Sofern es überhaupt einen Ansatzpunkt gibt, dass ein Potential für einen Putsch vorhanden war, dann ist er am ehesten in den latent vorhandenen Strukturen des Ausbildungssystems, bis hin zur Generlastabs-Akademie, zu suchen. Aber das sind letztlich Spekulationen. Ansonsten empfinde ich Deine - @Kindzadza - Darstellung subjektiv und den Versuch, einer Beeinflussung, da kein einziges wirklich belastbares Material vorgelegt wird.
__________________ "Nicht lachen, nicht trauern, nicht verachten, sondern verstehen." Spinoza |
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| | #3 |
| Premiummitglied | Dem möchte ich mich nicht so recht anschließen. Wohl aber frage ich mich, welches Verständnis von Verschwörung du hast. Wenn Du schon darin eine Verschwörung siehst, dass es, wie Thane dann wiederum so schön schreibt, , dann ist Deine Auffassung von Verschwörung höchst fragwürdig. Bei der kleinsten theoretischen und keinesfall bewiesenen Möglichkeit einer Verschwörung mit Schauprozessen und "Säuberungen" zu reagieren, ist - und auch da stimme ich Thane zu, schlichtweg neurotisch und sicher auch paranoid.
__________________ hier entsteht in nicht absehbarer Kürze eine neue Signatur |
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| | #4 | |||||||||
| Mitglied Registriert seit: 01.2012
Beiträge: 30
![]() | Versuchen Sie jetzt etwa mit den Autoritäten zu argumentieren? Soll das heißen, dass die Historiker, die auf der Position einer möglichen Verschwörung in der RA stehen, nicht “ einschlägig ausgewiesen“ sind? Zitat:
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Wieso jetzt ausgerechnet die Offiziere der RKKA, die sich an Tuchatschewskij orientierten „meistens kompetenter“ waren ist nicht klar. Tuchatschewskij war in Fragen der militärischen Kompetenz (wie viele andere) nicht gerade „der hellste Stern am Himmel“. Zitat:
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Welches belastbare Material erwarten Sie? Ich habe meine Argumentation versucht, in indirekte Hinweise zugunsten einer Verschwörung (innen-& außenpolit. Lage, Verhalten von Tuchatschewskij & co.) und direkte Hinweise (Berichte der Agentur, Memoiren) zu gliedern. Falls Bedarf besteht kann ich auch die nötigen Passagen zitieren (für mich ist’s bisschen zeitaufwendig, da ich diese aus dem Russ. ins Deutsche übersetzen muss). Das Problem mit den Verschwörungen ist ohnehin, dass sie erst beweisbar sind, nachdem sei erfolgt sind. Quellen Lage ist selbstverständlich defizitär. Vielleicht irre ich mich, aber wie es mir scheint bei der Verschwörung der dt. Generäle gegen Hitler ist die Quellenlage nicht viel anders.Geändert von Kindzadza (30.01.2012 um 23:33 Uhr). | |||||||||
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| | #5 |
| Mitglied Registriert seit: 01.2012
Beiträge: 30
![]() | NKVD Bericht, der auf den agentur Info basiert, wäre das für Genossen Stalin genug, um die Militärs zu verhaften und dabei nicht als paranoid zu erscheinen? |
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| | #6 |
| Moderator | Kleiner Zwischeneinwurf: Bestens dokumentiert ist die deutsche Aktenlage 1933/45, soweit das militärische und somit auch abwehrdienstliche Aspekte angeht. Da es keine deutschen Nachweise einer SU-Spiongae gibt (im Gegenteil: die SU war 1937 bis zum Angriff am 22.6.1941 militärisch eine black box. und basierte auf zusammengestoppelten Informationen), gibt es keine "Spionage" der Roten Armee. Völlig absurd ist die Vorstellung, eine solche "Spionage" würde von duodez-Regiments- oder Divisionskommandeuren in Transgeorgien, Kiew-Westlichen Militärbezirk oder Baikal betrieben, die aber massenhaft von den Säuberungen erfasst wurden. Den absurden Gedanken kann man sich aber schenken. Wo nichts ist, ist auch keine heiße Luft für Verschwörungen. Ebenso - militärisch - absurd (schon gerade unter dem Aspekt des Standes der Aufrüstung, und des im Ausland unbekannten Aufrüstungstmepos) ist die Vorstellung eines deutschen Angriffs 1937, mit absichtlichem sowjetischem Verlust. @Kindzadza Hier hast Du mal zum Ablauf der "Verschwörungen" biographische Details: http://www.geschichtsforum.de/558168-post40.html
__________________ Planen ist alles, Pläne sind nichts (Moltke d.Ä.) |
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| | #7 | |
| Moderator | Zitat:
Schema zur Quellenkritik Also: Datum, Absender, Adressat, Kontext der Berichterstattung im NKVD? Ist Dir eigentlich klar, wie in extrem repressiven und gewalttätigen Machtstrukturen solche Arbeiten und Informationsgewinnungen funktionieren?
__________________ Planen ist alles, Pläne sind nichts (Moltke d.Ä.) | |
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| | #8 | |
| Mitglied Registriert seit: 09.2009
Beiträge: 2.196
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Zitat:
Für eine Verschwörung innerhalb der RA spricht gar nichts. Warum nicht? Eine "bonarpartistische" Verschwörung hätte ein Ziel haben müssen, welches hätte es sein sollen? Die Aussschaltung Stalins, die Ausschaltung der KPdSU (B), zurück hinter 1917, oder gar den Verrat an eine fremde Macht (hier DR)? Die Marschälle, Generale und Offiziere waren selbst Parteimitglieder, tw. in hohen Gremien und absolut systemkonform. Die RA war Bestandteil der Geschichte der UdSSR und hatte klaglos alles "mitgetragen". Das wäre so einmal meine Meinung, als Ausgangslage des Argumentariums. Die "Verhörprotokolle" sind vllt. ein Blick in die Hölle von mehr als dantesken Format, aber als historische Quelle nicht brauchbar. Hätte es Staatsstreich- oder Landesverratspläne der Armeeführung gegeben, hätte die Stalin veröffentlichen lassen und zwar sehr genüßlich, tat er aber nicht, weil außer diesen "Verhörprotokollen" es nichts gab. Er hätte sie natürlich auch vom NKWD fabrizieren lassen können, so in der Art Gegenspionage, hatte er aber nicht nötig. Seit 1945 sind die Akten des RSHA (SD) und des Amtes Ausland/Abwehr für die Siegermächte und später auch für Historiker frei zugänglich, aber offensichtlich findet sich dort nichts, was auf eine Verschwörung innerhalb der Führung der RA hinweisen könnte, denn ein solcher Aktenfund wäre mehr als spektakulär. Selbst die exBDC Akten sind nunmehr seit fast 20 Jahren frei zugänglich, aber auch da ist nichts. Insoweit, quellenkritisch, Negativnachweis. Dort findet sich nichts, weil es nichts gab. Gerne verlinke ich Dich auf die entsprechenden Findbücher der Archive, wenn Du es magst. M.
__________________ Hic Rhodus, hic salta! | |
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| | #9 | ||||||
| Premiummitglied | Eine gewisse Darstellung der Rolle und der Leistung von Tukha findet sich unter folgendem Link und steht in deutlichem Widerspruch zu der Darstellung von Kindzadza. Und im Gegensatz zu ihm wird dort auf entsprechende weiterführende Sekundärliteratur verwiesen. Ideologie, Parteitage und Konflikte in der UdSSR zwischen 1927 und 1938 Und noch ein Link zu seiner Biographie und Darstellungen, die den Vermutungen bzw. Darstellungen von Kindzadza ebenfalls widersprechen: http://de.wikipedia.org/wiki/Michail...Tuchatschewski Zitat:
Zitat:
So äußerte sich Stalin am 02.06.1937 vor 116 Spitzenoffizieren der RKKA: "without a doubt a military-political conspiracy against Soviet power had taken place, stimulated and financed by German fascists". (Getty & Naumov: The Road to Terror, 2010, S. 169). Der Hintergrund für diese Äußerungen Stalins sind Aufenthalte von Tukha im Ausland und auch in Deutschland. Präpariert wurden belastenden Dokumente durch deutsche Dienststellen und durch tschechische Vermittlung, damit es Glaubwürdig ist, den Russen zugespielt. Die Rolle deutscher Stellen sollte separat dargestellt und belegt werden, bei Bedarf. Aber dass Du diese Rolle nicht kennst, irritiert mich schon ein wenig. Zitat:
Und gerade weil es ein Machtkampf war, der auch mit ideologischen Argumenten geführt wurde, sollte man ein wenig kritischer im Umgang mit "NKWD-Dokumenten" sein, wie Silesia und Melchior es ja auch verdeutlichen. Zitat:
The Soviet high command: a military-political history, 1918-1941 - John Erickson - Google Bücher Und Deine "merkwürdige" Einschätzung von Tukha. möchte ich gar nicht eingehender bewerten. Zumal die theoretischen Arbeiten von Tukha. zur "Deep Battle" als besonders wichtig angesehen werden, Gerade aktuell in der US-Army und der Generalstabsausbildung als besonders wertvoll angesehen werden (vgl, Glantz & Orenstein!!) Und als Alternative zur Theorie des bisherigen militärischen US-Paradigmas "dem Abnutzungskrieg" relevant sind. Operational art, 1927-1964 - Google Bücher Zitat:
Und offensichtlich übersiehst Du die Bedeutung der "literarischen Schlacht" in den zwanziger und dreißiger Jahren, in denen der schwarze Peter heftig hin und her geschoben wurde. Und unter anderem Schaposchnikow für Stalin, Budjenny und Woroschilow Partei ergriff. Vielleicht liest Du diesen Sachverhalt nochmal erneut nach! Zitat:
Sicherlich mehr wie das Geständnis eines Bukharin, das er an Yezhov schrieb, nachdem Tukha und die andern erschossen wurden. Und mehr als eine subjektive Vermutung von Anna Larina, die auf eine mögliche Verbindung von Militär und Politik hingewiesen hat (Priestland: Stalinism and the Politics of Mobilization, 2007, bes. 373ff (der sich ebenfalls auf Getty & Naumov bezieht) Ansonsten wäre es hilfreich für die Argumentation, anerkannte Historiker anzuführen, anstatt auf einer Metaebene mit "hätte" und "könnte" zu argumentieren. Wir sind im GF - normalerweise - nicht in der Lage in den einzelnen russischen Archiven zu recherchieren. Deswegen ist es wohl verständlich, die Historiker als Referenz zu wählen, die international durch andere Historiker und der Expertise als Standard anerkannt werden. So einfach ist zumindest meine kleine Welt und sie hat wenig Platz für phantasiereiche Verschwörungstheorien.
__________________ "Nicht lachen, nicht trauern, nicht verachten, sondern verstehen." Spinoza Geändert von thanepower (31.01.2012 um 10:10 Uhr). | ||||||
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| | #10 | ||
| Moderator | Zitat:
Wann soll er das "bestätigen", gegenüber wem, in welchem Kontext, und wie wird die "Bestätigung" nachgewiesen? Siehe auch: Zitat:
__________________ Planen ist alles, Pläne sind nichts (Moltke d.Ä.) | ||
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| | #11 |
| Premiummitglied | Ein paar Anmerkungen noch: Im Rahmen des Prozesses gegen die "Siebzehn" im Januar 1937 erwähnte Radek, als einer der Angeklagten, den Namen von Tukha.. Und erst in dieser Folge wurde die angebliche Verschwörung erkannt und durch den NKWD zielgerichtet verfolgt. Zum Vorwurf, der allerdings keine Rolle im Prozess gegen Tukha spielte, sagte Rosengolz im Rahmen der 3. Moskauer Prozesses aus, dass eine Gruppe Tukha ergebener Militärs in die Telefonzentrale des Kreml eindringen und in der Folge Stalin und andere hohe Funktionäre eleminieren wollten. Der Putsch sollte fieberhaft im April vorbereitet worden sein und bereits am 11.05.1937 wurde Tukha abgesetzt (verhaftet). (Die Moskauer Schauprozesse 1936-1938, Theo Pirker (Hg.), 1963, S.74) So oder so ähnlich waren dann auch die Geschichten, die Stalin seinem engsten Umfeld (Dimitroff etc.) erzählt hat. Auffallend ist bei all diesen Vorwürfen, dass betrachtet man den Umfang des angeklagten Personenkreises und ihre starke politische Bedeutung, so kommentiert Deutscher leicht ironisch die Vorgänge, dann: "It was as if the whole power of the Niagara Falls had been harnesse in order to move a toy boat" (I. Deutscher: Stalin. A Political Biography, 1967, S. 373). In diesem Sinne wurde Personen eleminiert, weil sie etwas hätten tun können, aber nicht weil sie etwas getan haben. Es war somit ein "präventiver-finaler-Machtkampf", den Stalin gegen alle!!! potentiellen "Anti-Stalinisten" geführt hat. [OT: Interessant sind die Bemerkungen von Himmler in seiner Posener Rede über Tukha. zur Wahrnehmung der Prozesse und ihrer verzögerten Wirkung in der Beurteilung. Wobei Himmler militärisch völlig inkompetent war und die Bedeutung von Tukha für die sowjetsiche Militärdoktrin und den Aufbau der RKKA kaum in der Lage war, einzuschätzen. Rede des Reichsführers SS bei der SS-Gruppenführertagung in Posen am 4. Oktober 1943. ] Dennoch wird auch an der Initialzündung der Anklage gegen Tukha deutlich wie zufällig und konstruiert die Anschuldigungen waren und sie passen insgesamt in die aktuelle Beurteilung der Prozesse als eines ziemlich ziellosen Wütens, in der Hoffung auch die Richtigen (also alle Anti-Stalinisten) zu treffen.
__________________ "Nicht lachen, nicht trauern, nicht verachten, sondern verstehen." Spinoza Geändert von thanepower (31.01.2012 um 20:14 Uhr). |
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| | #12 | ||||||
| Mitglied Registriert seit: 01.2012
Beiträge: 30
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| | #13 | |||||
| Mitglied Registriert seit: 01.2012
Beiträge: 30
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Zitat:
"Soziale und politische Instabilität Die Rote Armee war garnichtmal so Stalin bzw. Systemtreu, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Anfang der 30er Jahre war die innenpolitische Situation in der UdSSR höchst instabil. Diese Instabilität war auch in den Armeekreisen zu beobachten. Es gab auf der Kommandoeben durchaus viele Kommandeure mit trotzkistischer oder anderen linksradikaler Orientierung. Diese sahen im politischen Kurs Stalins „Aufbau des Sozialismus in einem Land“ eine Revision oder sogar Verrat an den revolutionären Idealen der „Weltrevolution“. Das Stimmung sprengartig war bestätigten solche Episoden wie: Die Drohung mit dem herausgezogenem Säbel, von Korpskommandeur Vitovt Putna an Stalin persönlich, nach dem Ausschluss Trozkijs aus der Partei 1927, er werde im die Ohren abschneiden. Oder auch der Versuch eines Kremlsturmes unter Stabskommandeur Artem Nechajev mit 200 Mann (5.8.1934). Die Unzufriedenheit mit der Kollektivierung, bei welcher auch die RA zum Einsatz kam, sollte bei Stalin Zweifel über die Loyalität der RA aufkommen lassen. Dazu kamen noch die „Salongespräche“ der ehemaligen zaristischen Offiziere, über den baldigen Kollaps des Bolschewismus. Diese Armeefronde führte 1930 zu der ersten großen Welle der Armeesäuberungen der s.g. Operation „Vesna“ (Frühling)." Zitat:
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Zitat:
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| | #14 |
| Mitglied Registriert seit: 09.2009
Beiträge: 2.196
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Die Akten sind, jedenfalls deutscherseits, einigermaßen erhalten. http://startext.net-build.de:8080/ba...D8&searchPos=8 Findbücher: Bundesarchiv; NS19, NS31, NS33, R58. Amt Ausland/Abwehr ist etwas schwieriger, aber auch da gibt es Akten: http://startext.net-build.de:8080/ba...8C96C58AF99851 Findbuch: RW5 Wenn Du dort was findest, inbezug auf eine "Verschwörung" der RA, insbesonder eventuell landesverräterischer Ansätze in Richtung DR. Das wäre die Sensation. M.
__________________ Hic Rhodus, hic salta! |
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| | #15 | ||||||||||||||||||
| Mitglied Registriert seit: 01.2012
Beiträge: 30
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-Sergej Minakov: 1937 Zagovor byl! Moskau 2010. -Jurij Žukov: Inoj Stalin. Političeskie reformy v SSSR v 1933-1937 gg. Moskau 2010. -Valentin Leskov: Stalin i zagovor Tuchačevskogo, Moskau 2003. -Aleksandr Šubin: 1937Anti-Terror Stalina. Moskau 2010. -Leonid Naumov: Stalin i NKVD, Moskau 2007. -Elena Prudnikova, Aleksandr Kolpakidi: Dvojnoj zagovor. Tajny stalinskich repressij, Moskau 2006. Zitat:
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Der Bedarf besteht. Würde gerne Primärquellen sehen und nicht die Verweis auf W. Schellenbergs Memoiren. Zitat:
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Ich behaupte nicht, dass der Mann völlig untalentiert war. Er hatte seine positive Rolle, bei der Ausarbeitung der Panzerindustrie usw. Die Sache ist aber die, dass Tuchatschevskij in der Zeit Chrušev höchst mythologisiert war. Ein allround Genie. Dieser Mythos zieht sich zum Teil bis heute hin. Die Theorie der „Tiefen Operation“ ist nicht nur auf T. zurückzuführen. Viel bedeutenderen Beitrag zur Ausbreitung dieser Theorie leisteten Triandofilov und Svečin. Svečin war in den theoretischen Fragen ein Kopf höher als T. Leider hat T. zum Fall von Svečin, einiges beigetragen. Zudem wird öfters ein Auge auf das negative Wirken von T., beim Reformierung der RA, zugedrückt. Dazu gehören solche Sachen wie, Plan „Belgien“. Eine völlig wahnsinnige Idee, die einen europäischen Krieg provozieren könnte. Sein destruktives Wirken bei der Reformierung der Artellerie. Der reale Zustand der RA in der „Tuchatschevskij Ära“ war weit von den propagandistischen Idealen entfernt. (gut dargestellt in dem Buch von Andrej Smirnov: Krach 1941-„Repressii ni pri čem!“ Moskau 2011.) Er war natürlich nicht alleine schuld, aber als einer der führenden Militärs, trug er auch die Verantwortung für die Lage der RA. Wie er sich in einem großen Krieg behaupten würde, wissen wir nicht. Seinen einzigen Krieg mit einer europäischen Armee, hat er “talentvoll“ versaut und danach noch Versucht seine Verantwortung auf Egorov und Stalin abzuschieben. Zitat:
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Berichte von Adolf Chajrowskij 1932 Bericht von A-256 „Avgusta“ Juli 1934 Berichte von „Venera“ Dezember 1934 Bericht von Vincenty Ilinič von November 1932 und 1934 Berichte über die Durchsuchung der japanischen diplomatischen Post im April 1937 Januar 1937, Brief des ehemaligen Leiters der GRU Artur Artuzov an den VK für inneres Ežov (Elena Prudnikova, Aleksandr Kolpakidi: Dvojnoj zagovor. Tajny stalinskich repressij, Moskau 2006.) Anzeige von Ivan S-v vom 27.08.1937 Briefe und Tagebücher von General Aleksej von Lampe (Sergej Minakov: 1937 Zagovor byl! Moskau 2010.) Zitat:
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(zitiert nach: Elena Prudnikova, Aleksandr Kolpakidi: Dvojnoj zagovor. Tajny stalinskich repressij S.508) Zitat:
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| | #16 |
| Mitglied Registriert seit: 09.2009
Beiträge: 2.196
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Nachtrag. Hier lehnt niemand etwas ab, schon gar nicht komplett. Aber "Literaturschlachten" sind wenig hifreich, ad fontes, zumal sie zugänglich sind und im Berliner S-Bahnbereich liegen, so sie fährt. M.
__________________ Hic Rhodus, hic salta! |
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| | #17 | |
| Premiummitglied | Zitat:
Inhaltlich auf die Schnelle eine kurze Antwort. Naumov wird von mir auch zitiert (Getty & Naumov) und zumindest in dieser Koproduktion / Buch habe ich keine Bejahung der Verschwörungstheorie durch die beiden Autoren gefunden. Und dieses Buch wird derzeit - in der angelsachsischen Literatur - als Referenzwerk zum Thema der Säuberungen im allgemeinen angesehen. Damit möchte ich lediglich auf den relativ raschen Informationstransfer aus der russischen Diskussion in die internationale Dikussion hinweisen. Dass eine potentielle Verschwörung in Russland diskutiert wird, dass wollte ich auch nicht leugnen. Wäre die Dikussion jedoch, auch aufgrund einer neuen Aktenlage, zu einer einheitlichen bzw. überwiegenden und eindeutigen Bejahung der Verschwörungstheorie gekommen, dann hätte sich das - sehr wahrscheinlich - in der angelsächsischen Literatur (Übersetzungen etc.) niedergeschlagen.
__________________ "Nicht lachen, nicht trauern, nicht verachten, sondern verstehen." Spinoza | |
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| | #18 | |
| Mitglied Registriert seit: 01.2012
Beiträge: 30
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| | #19 | |||
| Mitglied Registriert seit: 01.2012
Beiträge: 30
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Zitat:
Der Transfer erfolgt, aber dieser Transfer spiegelt nicht die Gesamtheit der historischen Positionen. Vielleicht unterliegt dieser Transfer einer bestimmten (nicht zwingend politischer) Konjunktur. Zitat:
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| | #20 | |
| Mitglied Registriert seit: 09.2009
Beiträge: 2.196
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Das "key word" ist in Deinem zitierten Posting "wahrscheinlich". Nur mal so aus ferner quellenkritischer Sicht, hätte es die "Säuberungen" auch ohne den vermuteten Anstoß durch den SD bzw. das Amt Ausland/Abwehr gegeben? Ich meine ja, da sie ja nicht nur die RA betrafen, sondern einer innenpolitischen "Eigendynamik" folgten. Hätte Stalin nach 1945 (Zugriff auf die Unterlagen) bzw. der NKWD es unterlassen, die Führung der RA damit zu konfrontieren? Hätte Chruschtschow in seiner Rede vs. des Stalinismus in 1956 es unterlassen, auf eine vermutete Verbindung der RA zum SD oder Amt Ausland/Abwehr hinzuweisen, denn damit wäre Stalin noch stärker diskreditiert gewesen - daß es Kontakte zwischen der UdSSR und des DR auf Geheimdienstebene gab, das wissen wir und ist auch dokumentiert - weißt Du aber. Jetzt bis Du in der "Pflicht" , die "SD-These" nachzuweisen.M.
__________________ Hic Rhodus, hic salta! | |
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