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Alt 10.10.2006, 15:31   #1
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Beitrag Stunde Null

Warum spricht man eigentlich ab dem 9.5.1945 (Gesamtkapitulation Deutschlands) von der "Stund Null" in Deutschland? Das würde mich mal interessieren. Schonma danke!

Geändert von Leopold Bloom (11.10.2006 um 10:57 Uhr).
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Alt 10.10.2006, 15:57   #2
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Ganz einfach: Nach der Kapitulation hörten alle politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Institutionen Deutschlands auf zu existieren. Deshalb "Stunde Null" - auch wenn der Bruch nicht überall so scharf, wie manchmal angenommen wird.
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Alt 10.10.2006, 16:09   #3
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Penseo befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Aus der englischen Wikipedia:

Zitat:
From Wikipedia, the free encyclopedia

Stunde Null is the German language equivalent of "zero hour", a military planning term indicating the beginning of some operation or event. Historically, Stunde Null specifically refers to the capitulation of the Nazi government on May 8, 1945, at midnight, marking the end of World War II in Germany. The period immediately following this time is the Nachkriegszeit -- the "time after the war".
http://en.wikipedia.org/wiki/Stunde_Null

Die dicken Heraushebungen sind übrigens von mir.
Aus dem Textausschnitt siehst Du, dass nach Inkrafttreten der Kapitulation um Mitternacht schon die Nachkriegszeit anfängt.
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Geändert von Penseo (10.10.2006 um 16:13 Uhr).
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Alt 12.10.2006, 08:54   #4
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reisensburg955 ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Die "Stunde Null" ist ein etwas merkwürdiger Begriff. Auf der eine Seite war für den Großteil der Bevölkerung der Krieg schon vor dem 8. Mai zu Ende. Auf der anderen Seite stellt die "Stunde Null" keinen totalen Bruch der deutschen Geschichte dar.

Zitat:
Ashigaru Beitrag anzeigen
Deshalb "Stunde Null" - auch wenn der Bruch nicht überall so scharf, wie manchmal angenommen wird.
Ich würde sogar noch etwas weiter gehen. Denn schlussendlich war es gar nicht möglich, alle/alles auszutauschen. Eine große Anzahl der Leute, die im Dritten Reich Positionen innehatten, haben später ähnlich hohe Stellungen besetzt. Die großen Industrieunternehmen wie Krupp oder Siemens sind mit neuen Maschinen, nachdem die alten zerstört oder demontiert worden waren, wieder große Firmen geworden.
Während des Krieges mussten die Menschen hungern und hatten in den Städten durch Bombardierungen ihre Wohnung verloren. Dies besserte sich nach dem Krieg nicht schlagartig, noch bis 1949 gab es Lebensmittelmarken, die Reichsmark war nichts mehr wert. Dazu kam, dass für die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen ebenfalls eine Bleibe gefunden werden musste. Für die einfache Bevölkerung ging es fast so weiter wie zuvor. Sie mussten allerdings nun keine Bombardierungen der Alliierten oder Terrormaßnahmen der Staatsmacht befürchten.
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Alt 13.10.2006, 13:29   #5
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saxo kann nur auf Besserung hoffen
Für mich wäre als "Stunde" Null am ehesten die Zeit zwischen der Einnahme Berlins und der bedingungslosen Kapitulation nachvollziehbar. Also 5 Tage, in denen Deutschland praktisch nicht regiert wurde.
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Alt 13.10.2006, 14:40   #6
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Zitat:
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Warum spricht man eigentlich ab dem 9.5.1945 (Gesamtkapitulation Deutschlands) von der "Stund Null" in Deutschland? Das würde mich mal interessieren. Schonma danke!
Interessant wäre m.M. nach erstmal zu klären, wen du mit " man " meinst.
Der Ausdruck selbst ist doch die reine Geschichtsklitterung. Als ob man
nach der Kathastrophe des WK II. alle pers.Verantwortlichkeit und Schuld quasi selbst amnestieren will.
Das wurde in der restaurativen Adenauerrepublik z.B. von den eigentlich belasteten Juristen am besten vorgeführt . Eine späte Frucht der preußisch-hegelschen Staats-und Beamtenphilosophie , aus der man durchaus mit reiner Weste aus den Verstrickungen der Nazi-Zeit überdauern konnte und die Karriere durchaus nicht auf "Null" stellen mußte. Nur die lästigen Umstände wurden auf Null gestellt, die Opfer nicht nachgezählt...

Die Verwendung des Ausdrucks " Stunde Null " gilt eigentlich heute als ahistorisch und verbirgt eher eine Absicht, denn eine Beschreibung .
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Alt 13.10.2006, 20:05   #7
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Zitat:
Arcimboldo Beitrag anzeigen
Interessant wäre m.M. nach erstmal zu klären, wen du mit " man " meinst.
Der Ausdruck selbst ist doch die reine Geschichtsklitterung. Als ob man
nach der Kathastrophe des WK II. alle pers.Verantwortlichkeit und Schuld quasi selbst amnestieren will.
Das wurde in der restaurativen Adenauerrepublik z.B. von den eigentlich belasteten Juristen am besten vorgeführt . Eine späte Frucht der preußisch-hegelschen Staats-und Beamtenphilosophie , aus der man durchaus mit reiner Weste aus den Verstrickungen der Nazi-Zeit überdauern konnte und die Karriere durchaus nicht auf "Null" stellen mußte. Nur die lästigen Umstände wurden auf Null gestellt, die Opfer nicht nachgezählt...

Die Verwendung des Ausdrucks " Stunde Null " gilt eigentlich heute als ahistorisch und verbirgt eher eine Absicht, denn eine Beschreibung .
Dieser Begriff ist aber in den Medien, besonders im Fernsehen, oft zu hören, wenn es um die Kapitulation Deutschlands geht und daher kommt sicher auch das "man".
Und die Stunde "Null" markiert tatsächlich den Neubeginn, der natürlich erst nach der Gesamtkapitulation Deutschlands beginnen konnte, nicht aber nach der Kapitulation
Berlins am 2. 5. 1945 ( oder vielleicht nach der Kapitulation der letzten Wehrmachtstruppen in Kurland und Böhmen am 10. 5. ´45? )
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Alt 13.10.2006, 20:45   #8
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Zitat:
Barbarossa Beitrag anzeigen
[SIZE=2]Dieser Begriff ist aber in den Medien, besonders im Fernsehen, oft zu hören, wenn es um die Kapitulation Deutschlands geht und daher kommt sicher auch das "man".
Ja das Fernsehen und manche Medien.... Aber als Geburtstunde der Bundesrepublik taugt der Begriff m.M. überhaupt nicht. Wie gesagt, ich empfinde ihn als marginalierierend. Es gibt keinen Nullpunkt- es ist aber ein bequemer Ausdruck für Vieles und Viele ......
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Alt 13.10.2006, 21:34   #9
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Zitat:
Arcimboldo Beitrag anzeigen
...Es gibt keinen Nullpunkt- es ist aber ein bequemer Ausdruck für Vieles und Viele ......... Aber als Geburtstunde der Bundesrepublik taugt der Begriff m.M. überhaupt nicht...
Ganz klar nein. Damit hat das nun wirklich nichts zu tun. 1945 war ja noch nicht mal klar, wie es genau weiter gehen würde. Daß es eine 40 Jahre andauernde Teilung Deutschlands geben würde mit einer mörderischen Mauer dazwischen, konnte noch niemand absehen, wird wohl auch kaum einen Deutschen in dieser Zeit wirklich interessiert haben, schätze ich, denn in der "Stunde Null" ging es einfach nur ums überleben, so wie in den letzten Kriegsjahren auch und in den Jahren danach. Insofern gebe ich dir recht.
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Alt 13.10.2006, 21:57   #10
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Zitat:
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Der Ausdruck selbst ist doch die reine Geschichtsklitterung. Als ob man nach der Kathastrophe des WK II. alle pers.Verantwortlichkeit und Schuld quasi selbst amnestieren will.
So hat es der Gast sicher nicht gemeint, und auch ich habe Probleme, Deinen Gedankengängen zu folgen. Für mich beschreibt Stunde Null genau das Gegenteil: Eine Distanzierung vom Faschismus und die Bereitschaft zum Neuanfang. Das betraf natürlich auch die, die Schuld auf sich geladen hatten. Aber kein Verbrecher wurde dadurch amnestiert (wäre ja auch schlimm). Die Mehrheit der Deutschen aber gehörte ja selbst zu den Opfern. Und die haben, je länger der Krieg dauerte, diese Stunde Null herbeigesehnt. Vielleicht ist Stunde Null dasselbe wie die Kapitulation. Nur daß sich das letztere auf die Vergangenheit bezieht, der Ausdruck Stunde Null aber auif das, was danach kommt.
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Alt 16.10.2006, 22:58   #11
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Zitat:
saxo Beitrag anzeigen
...
Die Mehrheit der Deutschen aber gehörte ja selbst zu den Opfern. Und die haben, je länger der Krieg dauerte, diese Stunde Null herbeigesehnt.
Hannah Arendt läßt grüßen.

Zitat:
saxo Beitrag anzeigen
Vielleicht ist Stunde Null dasselbe wie die Kapitulation. Nur daß sich das letztere auf die Vergangenheit bezieht, der Ausdruck Stunde Null aber auif das, was danach kommt.
Kurz vor Mitternacht griff Konrad Adenauer zum feierlichen Wort: "Es ist für uns Deutsche der erste frohe Tag seit dem Jahr 1933". Dieser frohe Tag war ein Sonntag, der 8. Mai 1949. Soeben hatte der Parlamentarische Rat das Grundgesetz angenommen.

Süddeutsche Zeitung, 16.10.2006, S 8
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Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken,
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Faust II, Vers 6809 f.
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Alt 17.02.2007, 13:42   #12
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donna ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Die Mehrheit der Deutschen aber gehörte ja selbst zu den Opfern.
Und auch zu den Tätern. Meiner Meinung nach waren die meisten Deutschen in das Unrechtssystem des Dritten Reiches verstrickt, sei es was die Diskriminierung und Verfolgung der Juden anbetrifft, sei es die Unterstützung der Kriegspläne (zumindest bis Stalinggrad) von Hitler.
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Alt 11.04.2017, 18:38   #13
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thanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekannt
Ein paar sehr eindrucksvolle Bilder zur "Stunde Null" in Berlin.

Berlin 1950 und 1951: Nachkriegsfotos von Ernst Hahn - SPIEGEL ONLINE
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Alt 11.04.2017, 20:21   #14
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Zur zeitlichen Präzision, mit der versucht wird die "Stunde null" zu fassen :
Hat es juristisch in der Praxis einen scharfen Unterschied gemacht? Wurde z.B. jemand für eine Tat anders verurteilt, wenn die Tat unmittelbar nach der Stunde Null begangen wurde?
Es müssten sich ja auch neue Tatbestände ergeben haben, wie Angriffe auf Besatzungstruppen, Sabotage o.ä., welche eben eine Stunde vorher noch "reguläre" Kampfhandlungen darstellten.
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Alt 12.04.2017, 07:40   #15
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Zitat:
Matze007 Beitrag anzeigen
Es müssten sich ja auch neue Tatbestände ergeben haben, wie Angriffe auf Besatzungstruppen, Sabotage o.ä., welche eben eine Stunde vorher noch "reguläre" Kampfhandlungen darstellten.
In der "Stunde Null" haben die meisten Deutschen andere Probleme gehabt wie weitere Kampfhandlungen zu begehen.

Und waren eher auf Kooperation ausgerichtet. Interessant für diese Sicht die Briefe von Adenauer aus dieser Periode (Briefe über Deutschland 1945-1955)
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Alt 12.04.2017, 15:51   #16
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Zitat:
Matze007 Beitrag anzeigen
Wurde z.B. jemand für eine Tat anders verurteilt, wenn die Tat unmittelbar nach der Stunde Null begangen wurde?
Ja, es war schon etwas anders. Es herrschte in vielen Gegenden kurzfristig sowas wie eine Anarchie. Wobei es eher der Fall ist, dass nicht ermittelt wurde, also z.B. in häufig gar keine Mordprozesse eröffnet wurden.

Was das zeitliche betrifft: Die "Stunde Null" wandert für mich eigentlich mit der Front nach Osten bzw. nach Westen (von der roten Armee ausgehend). Münklers Studie "Machtzerfall" über das Kriegsende in Friedberg/Oberhessen kann stellvertretend für viele Städte im Bereich der Westfront stehen, ganz typische Phänomene und Entwicklungen, wie sie sich innerhalb weniger Tage vor und nach Einnahme einer Stadt ereigneten. Aber obwohl die ersten deutschen Städte schon 1944 erobert wurden, würde ich im engeren Sinne zudem die "Stunde Null" als Phase zwischen März und Juni/Juli 1945 sehen. Also vom totalen Zusammenbruch zunächst der West- und dann der Ostfront bis zum Wiederaufbau zumindest der kommunalen amtlichen Strukturen.
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Alt 12.04.2017, 17:53   #17
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Matze007 wird schon bald berühmt werden
@Ashigaru
Es scheint also auch bei der Rechtsprechung keine scharfe Trennlinie gezogen worden zu sein, danke der Auskunft
Hatte gedacht, evtl spielte es z.B. für ein Mitglied dieser "Werwolf"-Organisation mal eine Rolle, auch wenn die kaum in Erscheinung traten. In den sowjetisch besetzten Gebieten (oder auch den anderen) hätte das ja den Unterschied zwischen Lager und Galgen machen können.

Geändert von Matze007 (12.04.2017 um 17:56 Uhr).
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Alt 12.04.2017, 19:36   #18
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Zitat:
Matze007 Beitrag anzeigen
Es scheint also auch bei der Rechtsprechung keine scharfe Trennlinie gezogen worden zu sein, danke der Auskunft
Es wurde eine klare Linie verfolgt!

Kapitel V des G-5- Handbuch (August 1944) trug die Überschrift "Legal". Es wurde u.a. die wichtigsten Unterschiede der Rechtssysteme (USA&GB vs 3. Reich) und die spezifische Form der Zerstörung des Rechtsstaats der Weimarer Republik durch den Nationalsozialismus im 3. Reich.

Das für Deutschland vorgesehene "Law Applicable in Occupied Territory" sollte den Übergang und die Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit sicher stellen.

Es sollten die Prinzipien der Verhältnismäßigkeit von Strafe, der Nachprüfbarkeit richterlicher Entscheidungen etc. wieder hergestellt werden, die gravierend durch die Jurisdikation im 3. Reich eingeschränkt war.

Aus diesem Grund waren die Funktionen der Justizverwaltung und auch der Jurisdiaktion - vorübergehend - auf die Militärregierung übertragen worden.

Die Rechtsgrundlage für dieses Vorgehen war das internationale Recht, bei dem die Regierungsgewalt in einem besetzten Land auf den Befehlshaber der Besatzungstruppen übergeht.

Eine Praxis, die den deutschen Soldaten - aus der Perspektive der Besatzer - durchaus nicht fremd war.

Die Direktive vom 7. Juli 1945 zielte darauf ab, möglichst schnell deutsche Gerichtsbarkeit wieder einzusetzen, allerdings sah man vor, dass in strittigen Fragen, die Gerichtsbarkeit der Militärregierung entscheidend sei.

Die "Legal Officers" beaufsichtigten zunächst die relativ schnell wieder arbeitenden Amts- und Landgerichte und man wollte möglichst gering in die Arbeit der Gerichte intervenieren.

(vgl. ausführlich: Gerhard: Soziologie der Stunde Null, S. 96ff)
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Geändert von thanepower (12.04.2017 um 19:42 Uhr).
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