Aktuelle Geschichtsdokus

Der Podcaster Dwarkesh Patel hat auf seinem Youtube-Kanal ein informatives Interview mit Sarah C. Paine bereitgestellt, Professorin für Konfliktgeschichte an der Kriegsakademie der US-Marine, worin sie den russischen Imperialismus im Kontext sowohl der russischen als auch der Weltgeschichte analysiert und die strategischen Herausforderungen Russlands wie des Westens in diesem Konflikt erklärt. Absolute Empfehlung.

Link aus bekannten Gründen nicht.

Zur Einordnung: Paine promovierte in russischer und chinesischer Geschichte, und spricht beide Sprachen fließend.
 
Ich war am Wochenende irritiert über die Doku "Wer war Jan Conny?" (Ghana 2025)

Prinzipiell fand ich es schön, dass man in Großfriedrichsburg an den Originalschauplatz gegangen ist. Die Perspektive von den Bahamas, wo Jan Conny fast mythisch verehrt wird, auch wenn es keinen wirklich in den Quellen erklärlichen Grund gibt, schien mir auch interessant.
Die Archäologen konnten leider nur wenig zu neuen Erkenntnissen beitragen. Am interessantesten waren noch die Funde so zahlreicher Tonpfeifen und dass viele tatsächlich aus Gouda stammten. Könnte auf einen engen Kontakt zu den niederländischen Niederlassungen in der Nähe hindeuten.
Total aus der Bahn warf mich aber der KI-Schrott, der im Stil eines Comics eingewoben war und wo dann Kolonialisten des 19. Jh. samt Sakko irgendwie in der Story vorkamen, die im späten 17. Jh. hätte spielen sollen. Typisch KI auch wie die Niederländer sich selbst in einer Seeschlacht bekämpfen.
Man kann feststellen, dass das originale Wohnhaus von Jan Conny aufgefunden wurde und Hinweise auf eine historische Bedeutung seiner Person ab 1713, als Friedrich Wilhelm I. die Kolonialpolitik seines Vaters aufgab, existieren.
Würde ich jetzt die Doku uneingeschränkt empfehlen? Ich denke nicht. Was man dazu lernt, ist leider mager. Man hätte stärker auf die verschiedenen Erwähnungen in den Schriftquellen eingehen sollen. Es heißt, er wäre mehrfach erwähnt worden. Wie kommt man quellenbasiert auf die Idee, er habe bereits 1683 an der Errichtung des Forts teilgenommen?
 
Ich lese daraus, dass du dich als Zuschauer ernst genommen fühlst und nicht wie jemand, der lediglich mit seichter Unterhaltung im Histotainment-Format bespaßt wurde?


Secrets d´histoire- davon habe ich mir soeben eine Folge reingezogen. Gefallen hat mir, dass Spielszenen auf ein Minimum beschränkt sind. Die konsultierten Experten/Historiker kannte ich nicht. Man merkt ihnen aber an, dass sie Ahnung haben von dem, worüber sie sprechen.
Es werden Originalschauplätze eingeblendet und es wird aus Quellen zitiert.

In der Machart erinnert es mich an Peter Milgers Doku über die Kreuzzüge, der seinerzeit ganz ohne Spielszenen auskam und der die Original-Schauplätze einblendete und Original-Quellen sprechen ließ.

Dem Moderator Stephan Bern kann man gut zuhören. Das trifft leider nicht auf alle Experten, Historiker zu, die in der Dokureihe zu Wort kommen, die eine oder andere Expertin ist auch keine Historikerin, sondern hat vielleicht einen historischen Roman geschrieben. Insgesamt würde ich aber Secrets des histoire aber zu den gelungeneren Geschichts-Dokus zählen, in ihrer Art ist die Sendung gut und professionell gemacht. Für Leute, die sich bereits intensiver mit einer Persönlichkeit beschäftigt haben, wird Secrets d´histoire sicher nicht unbedingt neue Informationen bieten, aber die Folgen, die ich bisher gesehen habe, waren professionelle gemacht und boten durchaus solide Kenntnisse zum Einstieg.

Ernst genommen als Zuschauer? Immerhin wird man als Zuschauer nicht auf den Arm genommen.
 
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