Die Ainu

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von rolo, 14. Juli 2004.

  1. askan

    askan Neues Mitglied


    Zählt man diese Zwergvölker jetzt zu den "nipponinden" Völkern oder sind es sibirische Völkerschafen?
     
  2. hyokkose

    hyokkose Gast

    Wenn man Sibirien als den asiatischen Teil Rußlands klassifiziert, läßt sich die Grenze zwischen Sibirien und Nippon (ev. mit Ausnahme der umstrittenen Kurilen-Inseln) geographisch festlegen.

    Die sprachliche Klassifikation habe ich schon erwähnt: Uilta/Oroken zählen zu den Tungusen, Nivch/Giljaken und Ainu zu den "Paläoasiaten", wobei letztere Klassifikation keine Familie darstellt, sondern lediglich eine Sammelbezeichnung für diejenigen Sprachen, die sich nicht in eine Familie einordnen lassen.

    Japanisch ist isoliert bzw. bildet mit Ryukyuanisch eine Mini-Familie. Ob es zusammen mit der tungusischen Familie (sowie mit der türkischen Familie, der mongolischen Familie und dem Koreanischen) eine Makro-Familie bildet, ist umstritten.

    Zu den genetischen Distanzen habe ich weiter schon etwas geschrieben; in diesem Zusammenhang ließe sich noch die Distanz zwischen Ainu und mongolisch-tungusischen Völkern mit 32 nachtragen.
     
  3. Mariat_San

    Mariat_San Neues Mitglied


    Ich habe mal gelesen, dass Ainus in Japan etwa so wie Indianer in Nordamerika behandelt werden/bzw. behandelt wurden.
    Das könnte ich mir gut vorstellen, wenn ich so an den japanischen Nazionalismus zurückdenke, haben es die Ainus in der Zeit nicht leicht gehabt, oder?
    Könnte man eventuell das Schicksal der Ainus mit dem der Natur-Urvölker in Amerika vergleichen, auch wenn man man sagen muss, dass die Ainus nicht dörferweise ausgeschlachtet worden sind? Sie haben sich ja eher mit der japanischen Bevölkerung vermischt/assimiliert, oder?
     
  4. askan

    askan Neues Mitglied

    Soweit ich weiß, haben die Japaner erst in den 60ern zugegeben, das es auf ihren Inseln auch andere Völker gibt.
     
  5. Mariat_San

    Mariat_San Neues Mitglied

    Zugegeben? Hat sie jemand gezwungen es zu sagen/zuzugeben?
    Wie kommt es zu so etwas:nono: ?
     
  6. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Ein weltweites Phänomen, dass wahrscheinlich ganz direkt durch die verstärkte Ausbreitung unzensierter Fernsehprogramme verursacht war. Selbst wenn es nur eine "Berieselung" war, kam die fernsehende Bevölkerung immer stärker mit Kultur- , Wissenschafts- und Geografiethemen in Berührung. In der Zeit davor hätte dies die aktive Beschäftigung mit Büchern erfordert (Kosten, Lesezeit); Schulkenntnisse sind immer implizit zensiert.

    Das "Bürgerrechtsgesetz" der Vereinigten Staaten stammt aus dem Jahre 1964.

    Auch Australien "versteckte" bis etwa 1965 seine Aborigines; die verbreitete und offizielle "terra nullius"-These wurde erst 1992 (!) gesetzlich untersagt.

    Der explodierende Welttourismus spielt ebenfalls eine Rolle: Eine Region profitierte plötzlich von ihrer "Exotizität"
     
  7. Mariat_San

    Mariat_San Neues Mitglied

    Oh, danke deSilva - dachte schon, dass meine Frage nicht mehr in diesen Leben beantwortet wird^^
    Aber was meinst du mit 'terra nullius'?
     
  8. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Niemandsland ? Wikipedia

    Nach offizieller australischer Auffassung (jedenfalls bis 1992) galt Australien bei der Landnahme durch die Engländer (ca 1788) als (völkerrechtlich) unbesiedelt.
     
  9. JaSo

    JaSo Neues Mitglied

    Ich habe gelesen, dass die Ainu zwar optisch ähnlich Europäern sind, jedoch genentisch Ostasiaten sehr nahe stehen; man also nicht unbedingt vom Äußeren auf Verwandschaft schließen kann.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Vom Thema Rückführung archäologischer Funde, die vor Jahrzehnten beschafft worden sind, sind nun auch die Ainu-Funde betroffen.

    Sammlungen archäologischer Funde (geführt außerhalb Japans) bestehen ua. in den USA, GB, Deutschland und Australien.

    Letzteres Land will nun die Ainu-Skelettfunde an Japan übergeben:
    Australia Will Repatriate Human Remains to Japan - Archaeology Magazine
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ganz aktuell eine populationsgenetische Studie zur Besiedlung von Japan, inkl. Besiedlungswellen abgeleitet aus der heutigen Struktur.


    The fine-scale genetic structure and evolution of the Japanese population


    Abstract:
    The contemporary Japanese populations largely consist of three genetically distinct groups—Hondo, Ryukyu and Ainu. By principal-component analysis, while the three groups can be clearly separated, the Hondo people, comprising 99% of the Japanese, form one almost indistinguishable cluster. To understand fine-scale genetic structure, we applied powerful haplotype-based statistical methods to genome-wide single nucleotide polymorphism data from 1600 Japanese individuals, sampled from eight distinct regions in Japan. We then combined the Japanese data with 26 other Asian populations data to analyze the shared ancestry and genetic differentiation. We found that the Japanese could be separated into nine genetic clusters in our dataset, showing a marked concordance with geography; and that major components of ancestry profile of Japanese were from the Korean and Han Chinese clusters. We also detected and dated admixture in the Japanese. While genetic differentiation between Ryukyu and Hondo was suggested to be caused in part by positive selection, genetic differentiation among the Hondo clusters appeared to result principally from genetic drift.

    Die heutige japanische Bevölkerung besteht größtenteils aus drei genetisch unterschiedlichen Gruppen - Hondo, Ryukyu und Ainu. Durch die Analyse der Hauptkomponenten, wobei die drei Gruppen klar voneinander getrennt werden können, bilden die Hondo-Leute, die 99% der Japaner ausmachen, eine nahezu ununterscheidbare Hauptgruppe (Cluster). Um die genetische Struktur zu verstehen, haben wir leistungsfähige haplotypbasierte statistische Methoden auf genomweite Nukleotid-Polymorphismus-Daten von 1600 japanischen Individuen angewandt, die aus acht verschiedenen Regionen Japans entnommen wurden. Anschließend kombinierten wir die japanischen Daten mit 26 weiteren asiatischen Populationsdaten, um die gemeinsame Abstammung und genetische Differenzierung zu analysieren. Wir fanden heraus, dass die Japaner in unserem Datensatz in neun genetische Cluster aufgeteilt werden konnten, die eine deutliche Übereinstimmung mit der Geographie zeigten; und dass die Hauptkomponenten des Ahnenprofils der Japaner aus dem koreanischen und dem chinesischen Han-Cluster stammten. Wir haben auch die Beimengungen in Japan entdeckt und datiert. Während die genetische Differenzierung zwischen Ryukyu und Hondo wohl zum Teil durch positive Selektion verursacht ist, scheint die genetische Differenzierung unter den Hondo-Clustern hauptsächlich auf genetische Drift zurückgeführt werden zu können.

    Übersetzung ~ DeepL
     

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