Die punischen Kriege - Auswirkungen?

Ein weiterer Grund für das römische Eingreifen dürften auch handfeste wirtschaftliche Interessen gewesen sein, denn Sizilien war reich und die Römer wollten sich dieser Schätze bemächtigen.

Möglicherweise war dieses auch eine Achillesferse der aufstrebenden Macht.

Sardinien und insbesondere Sizilien waren Getreide-Überschussgebiete (gleiches gilt wohl eingeschränkt für Spanien, aber schwankend und zu der Zeit noch nicht als Exporteur für Rom), und die Frage der sicheren Versorgung, Transportpreise, Zölle und Tribute hing von der Kontrolle über diese Gebiete ab.

Fraglich ist, ob diese "Lieferanten" so ohne weiteres zB durch die norditalienischen Gebiete ersetzt werden konnten (die süditalienischen Gebiete gingen wohl verstärkt auf Weidewirtschaft über), ohne das die Nahrungspreise gestiegen wären oder sogar Mangel herrschte. Nahrungsmittelversorgung dürfte für Rom eine Frage der Stabilität gewesen sein. Damit dürfte es nicht nur um die Arrondierung des beherrschten Gebietes gegangen sein, sondern um Ressourcen.

Wenn die konkurrierende Großmacht die Nahrungszuflüsse kontrolliert, hat sie im Fall der Fälle das Messer an der Kehle.

-> DeMartino, Wirtschaftsgeschichte des Alten Rom.
 
Ich sehe die Sache wie hjwien. Gegen so etwas wie einen zielgerichteten Plan sprechen zweierlei Dinge: Erstens verlief die römische Außen- und Eroberungspolitik oft reichlich konfus, vor allem, aber nicht nur, galt das für die römische Politik im Osten. Zweitens war die innenpolitische Situation mit ihren jährlich wechselnden Konsuln und einem in sich uneinigen Senat, der sich obendrein auch noch mit Volkstribunen (die öfters gegen Truppenaushebungen opponierten) und Volksversammlungen herumschlagen musste, gar nicht für so etwas wie einen Masterplan, die Entwicklung einer langfristigen Strategie, geeignet. Das zeigte sich gerade auch im 3. Jhdt. v. Chr. immer wieder, sei es bei der Frage, wie man gegen Pyrrhos vorgehen sollte, sei es ganz konkret bei der Frage, ob man in Sizilien intervenieren sollte.
hjwien hat es sehr anschaulich beschrieben: Rom stolperte von einem Problem ins nächste, wenn es eines lösen wollte, halste es sich damit zwei neue auf. Das zeigte sich vor allem am Balkan: Nachdem Rom ganz Italien unter seine Kontrolle gebracht hatte, musste es sich wohl oder übel um die illyrischen Piraten in der Adria kümmern, die den Händlern zusetzten. Also intervenierte es in Illyrien, begnügte sich aber zunächst weitgehend mit einer losen Kontrolle über die Küste. Weil aber auch einige griechische Staaten in diese Illyrien-Causa verwickelt waren, wurde Rom auch in die griechischen Angelegenheiten hineingezogen, außerdem war Makedonien nicht über das Auftauchen einer neuen Macht am Balkan erbaut. In Griechenland wollte sich Rom zunächst eigentlich mit einer indirekten Einflussnahme über örtliche Verbündete begnügen, musste aber feststellen,.dass diese ungeeignet oder unzuverlässig waren, sodass es doch immer wieder selbst intervenieren musste.
Ähnlich die Entwicklung in Norditalien, wo Rom jahrhundertelang immer wieder Kriege gegen die cisalpinischen Gallier, die Ligurier, die Istrier und diverse Alpenvölker führte, um die bedrohte Nordflanke Italiens zu schützen, und sich mit jeder schrittweisen Eroberung neue unruhige Nachbarn aufhalste, ehe es unter Augustus das Problem mit der Unterwerfung des ganzen Gebietes bis zur Donau vorläufig löste.
Alles in allem versuchte Rom also sein Territorium zu wahren, Bedrohungen im Vorfeld auszuschalten und in seinem Umfeld Einfluss auszuüben sowie seine Handelsinteressen zu wahren. Das führte zu einer Politik, die man zwar als imperialistisch bezeichnen kann, aber nicht im Sinne eines Welteroberungsplans. Aber natürlich hätte sich Rom auch mehr in Zurückhaltung üben können. Gerade die Politik, Verbündeten zu helfen und Hilfsersuchen anzunehmen, um auf diesem Weg den Einfluss im Vorfeld wahren und erweitern zu können und sich Staaten geneigt zu erhalten und zu machen, führte immer wieder zu schlimmen Verwicklungen, wie z. B. als man mit dieser Politik den Konflikt mit Tarent und somit letztlich Pyrrhos provozierte.

hjwien hat auch schon sehr schön darauf hingewiesen, dass Rom mit der Eroberung und Verwaltung außeritalischer Gebiete zunächst total überfordert war. Es hatte überhaupt kein Konzept dafür. Italien bestand schließlich großteils aus den Territorien von Bundesgenosssen, die sich also selbst verwalteten, durchmischt mit römischen und latinischen Kolonien. Aber jetzt musste man mit Sizilien (außer Syrakus) und Sardinien plötzlich zwei größere unterworfene Inseln verwalten. In Sizilien konnte man das Problem teilweise lösen, indem man die dortigen Griechenstädte so ähnlich wie die italischen Bundesgenossen behandelte, ihnen also die Selbstverwaltung beließ, aber trotzdem brauchte man einen Aufpasser vor Ort, und in Sardinien war es mangels einer vergleichbaren städtischen Entwicklung, aber mit unruhigen Stämmen im Landesinneren, noch komplizierter. Einfach einen Statthalter einzusetzen, wie es orientalische Könige getan hätten, entsprach nicht dem römischen politischen System. Obendrein musste der Statthalter auch eigenverantwortlich Truppen kommandieren dürfen, brauchte also ein "imperium", und das hatten nur Dictatoren, Konsuln und Praetoren. Also verfiel man auf die improvisierte Notlösung, die Zahl der Praetoren zu vermehren und einem von ihnen als Aufgabengebiet die Verwaltung Siziliens zu übertragen.

Nun zum 1. Punischen Krieg: Natürlich war die Sache mit der Hilfe für die Mamertiner nur ein Vorwand. Aber der anfängliche Kriegsverlauf zeigt sehr schön, dass erstens in Rom keinerlei Einigkeit darüber bestand, ob man sich auf die Sache überhaupt einlassen sollte, und zweitens, dass man mit einer begrenzten militärischen Operation rechnete, aber keineswegs mit einem jahrelangen Großkrieg gegen die gesamte karthagische Macht. Rom wollte anfangs vermutlich wirklich nicht viel mehr, als einen Fuß auf die Insel zu bekommen, um dort, im Vorfeld Italiens, Einfluss ausüben (und den karthagischen Einfluss zurückdrängen - wobei man nicht übersehen sollte, dass Karthago seinerseits in der Vergangenheit auch versucht hatte, in Süditalien Einfluss auszuüben) und wirtschaftlich mitmischen zu können. Auf einen großen Eroberungskrieg mit Karthago als Gegner war es in keinster Weise vorbereitet, das musste gerade auch den Interventionsbefürwortern klar sein.
 
Von einem "Masterplan", der die Eroberung des Mittelmeerraumes zum Ziel hatte, kann natürlich keine Rede sein. Aber es fällt doch schwer, der Behauptung zuzustimmen, das primäre Ziel sei die Wahrung des Besitzes gewesen.
Gerade das Beispiel Tarent zeigt doch genau das Gegenteil - die Aggression ging einzig von Rom aus. Es handelte sich zunächst meist um wirtschaftliche Aggression, man versuchte sich Märkte zu sichern, Stützpunkte zu gewinnen - wenn das den Betroffenen nicht passte, wandten sich die "angegriffenen" Verbündeten um Unterstützung an Rom, welches militärisch einschritt.

Mit einer Defensivpolitik erobert man nicht in kürzester Zeit ein riesiges Imperium, und durch Zufall zugefallen ist es den Römern auch nicht.
 
Auch die Herbeiführung des sogenannten 1. oder 3.Punischen Krieges kann nicht als Wahrung des Besitzstandes oder Hineinstolpern in einem Krieg klassifiziert werden. Rom hatte vor dem 3.Punischen Krieg jahrzehntelang bei den Grenzstreitigkeiten willkürlich sich zugunsten Masinissas entschieden, obwohl dieser immer wieder im Unrecht war. Die Karthager wurden systematisch provoziert, obwohl sie ihren Verpflichtungen gegenüber Rom immer nachgekommen sind. Wie forderte doch Cato immer wieder gebetsmühlenatig im römischen Senat:" Ceterum censeo Carthaginem esse delendam." Karthago muss vernichtet werden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ravenik schrieb:
Rom wollte anfangs vermutlich wirklich nicht viel mehr, als einen Fuß auf die Insel zu bekommen, um dort, im Vorfeld Italiens, Einfluss ausüben (und den karthagischen Einfluss zurückdrängen - wobei man nicht übersehen sollte, dass Karthago seinerseits in der Vergangenheit auch versucht hatte, in Süditalien Einfluss auszuüben) und wirtschaftlich mitmischen zu können. Auf einen großen Eroberungskrieg mit Karthago als Gegner war es in keinster Weise vorbereitet, das musste gerade auch den Interventionsbefürwortern klar sein

An dieser Stelle möchte ich den Philinos-Vertrag aus dem Jahre 306 v.Chr. erwähnen.
Der Philinos-Vertrag bestand in der Zusage der Römer, keine politische oder militärische Tätigkeit in Sizilien zu entfalten. Im Gegenzug sicherten die Karthager zu, in Italien nicht einzugreifen. Es ist umstritten, ob es diesen Vertrag gegeben hat, aber es spricht einiges dafür. So hat beispielsweise Livius zum Jahre 272 v.Chr. geschrieben:“ Die Flotte der Karthager kam den Tarentinern zur Hilfe.“ Diese angebliche Vertragsverletzung, die Karthager kamen hier nämlich tatsächlich den Römern zur Hilfe, in dem sie den König Pyrrhos von Epirus bei seiner Überfahrt von Sizilien nach Tarent angriffen, bezieht sich eindeutig auf den Philinos-Vertrag.
 
Ich bekenne mich ja mitschuldig, was das Abdriften des Threads angeht, aber im Sinne des Eröffners möchte ich darauf hinweisen, dass nach der Veränderung der Sozialstruktur Roms gefragt war, nicht so sehr nach Kriegsverlauf (wobei die Veränderung der Sozialstruktur sich natürlich teilweise ohne auf den Kriegsverlauf zu rekurrieren nicht erklären lässt) oder gar den viel diskutierten "Kriegsschuldfragen".
 
Von einem "Masterplan", der die Eroberung des Mittelmeerraumes zum Ziel hatte, kann natürlich keine Rede sein. Aber es fällt doch schwer, der Behauptung zuzustimmen, das primäre Ziel sei die Wahrung des Besitzes gewesen.
Die Wahrung des Besitzes + die Ausschaltung von Bedrohungen dieses Besitzes durch Schwächung oder Eliminierung von Feinden sowie durch die Ausweitung der Einflusssphäre, um sich mit einem Gürtel befreundeter Territorien zu umgeben. Nur führte diese Politik immer wieder zu neuen Verwicklungen und Kriegen, die es oft nötig machten, die direkte Kontrolle über Gebiete zu übernehmen, wodurch man wieder in neue Konflikte hineingeriet usw.
Aber ich weise beispielshalber auf den Unterschied der Sizilienpolitik Roms und Athens hin: Athen bereitete seine zweite sizilianische Expedition sorgfältig vor und stellte eine (für seine Verhältnisse) riesige Invasionsstreitmacht zusammen, mit der es dann nach einem festen Plan in Sizilien, wo es eigentlich gar nichts verloren hatte, einfiel. Rom hingegen agierte auf Sizilien unvorbereitet und eher dilettantisch.

Gerade das Beispiel Tarent zeigt doch genau das Gegenteil - die Aggression ging einzig von Rom aus. Es handelte sich zunächst meist um wirtschaftliche Aggression, man versuchte sich Märkte zu sichern, Stützpunkte zu gewinnen - wenn das den Betroffenen nicht passte, wandten sich die "angegriffenen" Verbündeten um Unterstützung an Rom, welches militärisch einschritt.
Ich würde eher sagen, dass der Fall Tarent ein Beispiel für die oft sehr ungeschickte und verwickelte Politik Roms ist. Im Grunde genommen wollte Rom doch nur Thurii gegen die Lukaner helfen - wenn auch natürlich nicht aus reiner Nächstenliebe. Eine Auseinandersetzung mit Tarent war aber nicht geplant, aber man provozierte sie, indem man, um Thurii zu helfen, einfach den Vertrag mit Tarent ignorierte. Die Alternative wäre gewesen, Thurii im Stich zu lassen, womit Rom aber seine Position in Süditalien geschwächt hätte, was der Wahrung des Besitzes und der Einflusssphäre widersprochen hätte, oder auf dem Landweg nach Thurii vorzustoßen, womit man sich unterwegs vermutlich andere Probleme eingehandelt hätte.

Mit einer Defensivpolitik erobert man nicht in kürzester Zeit ein riesiges Imperium, und durch Zufall zugefallen ist es den Römern auch nicht.
In "kürzester Zeit" haben diverse Kolonialmächte im späten 19. Jhdt. ein riesiges Imperium erobert, aber bei den Römern zog sich das über Jahrhunderte hin. Allein die Unterwerfung Griechenlands dauerte etwa 80 Jahre vom ersten Eingreifen in Illyrien bis zur endgültigen Niederwerfung, wobei man sich zwischendurch immer wieder weitgehend zurückzog und den Einfluss mithilfe regionaler Verbündeter (Aitolischer Bund, Achaischer Bund, Pergamon, Rhodos) zu wahren versuchte. In Spanien kämpfte man fast zwei Jahrhunderte. Bosporus wurde überhaupt nie dauerhaft unterworfen, da beließ man es beim Einfluss.
 
@ El Quijote:
Einwand akzeptiert. Den einen Beitrag habe ich nur noch eingestellt, weil er schon fertig war und ich Deine Ermahnung erst nach dem Abschicken gesehen habe.
Aber im Prinzip wurde auf das Anliegen des Threaderstellers bis einschließlich #8 eingegangen, dann nicht mehr. Da würde sich doch eine Teilung des Threads anbieten, um die Diskussion fortsetzen zu können ...
 
Ich würde eher sagen, dass der Fall Tarent ein Beispiel für die oft sehr ungeschickte und verwickelte Politik Roms ist. Im Grunde genommen wollte Rom doch nur Thurii gegen die Lukaner helfen - wenn auch natürlich nicht aus reiner Nächstenliebe. Eine Auseinandersetzung mit Tarent war aber nicht geplant, aber man provozierte sie, indem man, um Thurii zu helfen, einfach den Vertrag mit Tarent ignorierte. Die Alternative wäre gewesen, Thurii im Stich zu lassen, womit Rom aber seine Position in Süditalien geschwächt hätte, was der Wahrung des Besitzes und der Einflusssphäre widersprochen hätte, oder auf dem Landweg nach Thurii vorzustoßen, womit man sich unterwegs vermutlich andere Probleme eingehandelt hätte.

Klar, die wollten nur den Lukanern helfen.
Fragt sich, warum Rom überhaupt Kolonien in Lukanien und Apulien gegründet hatte? Und ob die "Hilfegesuche" immer so ganz freiwillig kamen?
Dass Rom durch das Einschreiten in Thurii in Konflikt mit Tarent kommen würden, stand doch von vorneherein fest, muss den Römer also bewusst gewesen sein. Die Nichteinhaltung des Vertrages und der Angriff auf den Hafen sind auch schon etwas mehr als Provokationen, das sind kriegerische Handlungen.
Allen römischen Beschönigungen zum Trotz handelt es sich von Anfang an um einen Angriff auf tarentisches Gebiet. Ob nun die Eroberung des gesamten Gebietes "geplant" war, ist müßig zu diskutieren.

So naiv und unbedarft, wie du sie darstellst, waren die Römer nun wirklich nicht..
 
Ich bekenne mich ja mitschuldig, was das Abdriften des Threads angeht, aber im Sinne des Eröffners möchte ich darauf hinweisen, dass nach der Veränderung der Sozialstruktur Roms gefragt war,...

Deshalb hatte ich auch versucht, auf den Kontext der ökonomischen Lage abzustellen.

Alföldy (Römische Sozialgeschichte) schreibt dazu zusammenfassend [nachdem er den Wandel bis zu den Punischen Kriegen beschrieben hat]:

Das gemeinsame Interesse an der Expansion zwang die einander gegenüberstehenden sozialen Gruppen Roms zum Ausgleich, und die Erfolge der Expansion ermöglichten die Lösung der sozialen Probleme auf Kosten Dritter, konnten also die sozialen Spannungen entschärfen.

Mit der Expansion wandelte sich der rückständige Agrarstaat, und es erfolgte eine Differenzierung und Ausweitung der Wirtschaft. Vor den Punischen Kriegen hatte es außerdem einen beachtlichen Anstieg der Bevölkerung gegeben (was die oben angesprochene Nahrungsmittel-Versorgungsfrage weiter auf die Abhängigkeiten zugespitzt haben dürfte).
 
Mit der Expansion wandelte sich der rückständige Agrarstaat, und es erfolgte eine Differenzierung und Ausweitung der Wirtschaft. Vor den Punischen Kriegen hatte es außerdem einen beachtlichen Anstieg der Bevölkerung gegeben (was die oben angesprochene Nahrungsmittel-Versorgungsfrage weiter auf die Abhängigkeiten zugespitzt haben dürfte).

Zumindest bis kurz vor den Kriegen reagierte Rom auf den Bevölkerungsanstieg mit einer italienweiten Kolonisation, also zunächst mal einer Erweiterung der Anbaufläche auch in von Rom entfernten Gegenden.
Das Anlegen dieser Kolonien führte über kurz oder lang zwangsweise zur politischen Unterwerfung der betroffenen Gebiete, also zur Eroberung fast des gesamten Italien.

Durch die Ausweitung zunächst auf die Magna Graecia, dann auf Sizilien konnte man die wohlhabenden Griechenstädte unter Kontrolle bringen und - neben reicher Beute - von deren Handelserfolgen profitieren, was zu der genannten Differenzierung der Wirtschaft weg von reiner Agrarwirtschaft führte.
Dieser wirtschaftliche Erfolg dürfte die Haupttriebfeder der weiteren Expansion gewesen sein.
 
Ich sehe die Sache wie hjwien. Gegen so etwas wie einen zielgerichteten Plan sprechen zweierlei Dinge: Erstens verlief die römische Außen- und Eroberungspolitik oft reichlich konfus, vor allem, aber nicht nur, galt das für die römische Politik im Osten. Zweitens war ...

Wenn ein Staat aus kleinsten Anfängen eun riesiges Imperium "erwirbt", das weite Teile Europas, des Nahen Ostens und Nordafrikas umfasst, so ist das natürlich nicht aus rein defensiven Gesichtspunkten geschehen. Rom wollte auch stets gefährliche Rivalen wie die Karthager oder Seleukiden ausschalten, unruhige Stammesgebiete wie Gallien oder Germanien unter seine Kontrolle bringen und wirtschaftlich wertvolle Regionen an sich reißen, wie das bei der "Kornkammer Ägypten" der Fall war.

Auf diese Weise schoben sich die Reichsgrenzen im Verlauf von rund 500 Jahren immer weiter vor, da man bestrebt war, ein einmal erobertes Terrain durch weitere Vorstöße erneut zu sichern. Allerdings stieß das angesichts antiker Infrastruktur- und Nachschubmöglichkiten sowie der erforderlichen militärischen Kapazitäten iregndwann an finanzielle und ökonomische Grenzen. Ab dem 1. Jh. n. Chr. erwarb Rom keine größeren Gebiete mehr und suchte seinen territorialen Bestand unter ungeheuren materiellen Aufwendungen zu sichern.
 
Heijei, da schaut man mal den Tag über nicht rein, und schon gehts rund. Ich sehe aber auch, daß es einen moderativen Hinweis gab und will jetzt nicht weiter am Abdriften schuld sein. Vielleicht nur der eine Satz. Viele der Einwände gegen meine Gedanken und Raveniks Stellungnahme, neben die ich mich mal stellen möchte, sind in meinen Augen nicht unbedingt Widersprüche. Es ist keineswegs gesagt, daß Rom ein friedliches Staatswesen war und unschuldig zu einem Weltreich geworden wäre.
Aber zurück zur Sozialgeschichte. :winke:
 
@ El Quijote:
Einwand akzeptiert. Den einen Beitrag habe ich nur noch eingestellt, weil er schon fertig war und ich Deine Ermahnung erst nach dem Abschicken gesehen habe.

Komm, gib's zu, den hast du noch kurz in der einen Minute getippt.

Ich sehe aber auch, daß es einen moderativen Hinweis gab und will jetzt nicht weiter am Abdriften schuld sein.

Das war nicht so sehr als moderativer Hinweis gedacht, oder als Diskussionsbremse, sondern sollte dazu anregen, die Beiträge mehr mit Bedacht auf die Ausgangsfrage des Threaderstellers zu verfassen.
 
Zum 2.Punischen Krieg:

Die Bauern mußten, da sie als Soldaten dienten, ihre Bauernhöfe verlassen und somit vernachlässigen. Ihre Familien gerieten durch die lange Abwesenheit des Mannes häufig in Not.
Die Großgrundbesitzer kauften Land, welches sie beispielseise zur Viehzucht benötigten, im großen Umfang vom Staat oder nahmen es sich einfach, in der Hoffnung es nicht wieder zurückgeben z müssen.
Zusätzlich setzten den Großgrundbesitzern die ärmeren Bauern unter Druck und bedrohten sie sogar. bedroht. Die ärmeren Bauer gaben auf und gingen in die Städte. So wurden die Reichen also imme reicher. Der Verlierer war die übrige Bevölkerung Italiens, die an Stärke verlor und an den Abgaben, der Armut und den Kriegsdienst zu leiden hatte.

Die Not der Bauern wurde durch die gewonnen Kriege verschlimmert, denn dadurch strömten Hundertausende von Sklaven nach Italien, die von den Großgrundbesitzern aufgekauft worden. Sklaven waren billige Arbeitskräfte und ersetzen die Bauern, die so versucht haben zu überleben.

Die Hoffnungen der armen Bauern, dass es ihnen in den Städten besser gehen würde, erfüllten sich häufig nicht. Sie mussten Gelegenheitsarbeiten annehmen. Es gab zu wenig Wohnraum und die Mieten waren teuer. Diese Schicht der armen Bürger wurde Proletarier genannt...

Es gibt ja auch Thesen, wonach vor allem in der römischen Nobilität nach den Punischen Kriegen erste Erosionserscheinungen auszumachen waren, durch den Zustrom von Geld, Luxusgütern und exotischen Kulten, die aus dem Osten nach Rom kamen und eine gewisse neue Qualität des Wetteiferns um Reichtümer und Extravaganz verursachte. Das wiederum bedingte einen gewissen Werte- und Sittenverfall. Zudem habe auch der Sieg über den größten Republikfeind habe - mangels vergleichbarer Bedrohungen - die innere Einheit brüchig werden lassen.
 
Es gibt ja auch Thesen, wonach vor allem in der römischen Nobilität nach den Punischen Kriegen erste Erosionserscheinungen auszumachen waren, durch den Zustrom von Geld, Luxusgütern und exotischen Kulten, die aus dem Osten nach Rom kamen und eine gewisse neue Qualität des Wetteiferns um Reichtümer und Extravaganz verursachte.
Erste Ansätze dazu zeigten sich allerdings schon in den Jahrzehnten davor. So wurde z. B. 275 v. Chr. der zweifache gewesene Konsul Publius Cornelius Rufinus von den Censoren aus dem Senat geworfen, weil er Silbergeschirr im Wert von 3360 Sesterzen besaß.
 
Die Siege in den Punischen Kriegen hatten im Verlauf der Jahre und Jahrzehnte danach eigentlich mehrere unerfreuliche Auswirkungen.
Die Bundesgenossen wollten nach den gemeinsam erfolgreich bestrittenen Kriegen endlich das römische Bürgerrecht verliehen bekommen. Dies mündete letzten Endes in den sogenannten Bundesgenossenkrieg, da der römische Senat die Verleihung des Bürgerrechts ablehnte.
Erwähnenswert sind die schon silesia genannte Agrakrise und die damit einhergehende Krise der Militärverfassung. Die verarmten Bauern waren nämlich beispielsweise gar nicht mehr in der Lage ihre Rüstung aus eigenen Mitteln zu bezahlen.
Und auch die Krise der herrschenden Elite kann hier erwähnt werden. Denn ein immer größeres Reich wie das römische konnte auf Dauer nicht nur von Rom aus administriert werden. Es bedurfte also weiterer Machtzentren und hierin bestand letzten Endes auch eine Gefahr für die innere Geschlossenheit der Führungselite.
Die jungen Adligen war gezwungen Ruhm und Ehre zu erwerben, doch das Problem war, das die Felder, wo diese erworben werden konnten, immer geringer wurden. Der Konkurrenzdruck um die geringen Stellen der wirklich attraktiven Magistraturen war ganz enorm und wuchs immer weiter an.
 
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