Europa entdeckt seine Vielfalt 1050-1250

Dieses Thema im Forum "Buchempfehlungen" wurde erstellt von Schini, 18. September 2004.

  1. Schini

    Schini Neues Mitglied


    Das Werk, das sich ausdrücklich als Handbuch versteht, bietet einen Überblick über die Geschichte Europas im hohen Mittelalter. Der geographische Rahmen ist weit gespannt: Die Darstellung erfasst auch die muslimischen Gebiete in Spanien und auf Sizilien, die Kiewer Rus, die Wolgabulgaren, das byzantinische Kaiserreich, die Reichsbildungen der Bulgaren und Serben auf der Balkanhalbinsel und verlässt damit den Raum des okzidentalen Europa. Über ihn hinausgreifend werden auch die Kreuzzüge behandelt und als Unternehmungen dargestellt, die, vom okzidentalen Europa ausgehend, dessen Handlungsraum erweiternd und neue Kontakte und Beziehungen vermittelnd, sowohl Gemeinsamkeiten zwischen den Akteuren aus unterschiedlichen Heimatregionen stifteten als auch die Wahrnehmung des anderen – auch der anderen europäischen Nationen – schärften.

    Neben der räumlichen ist auch die thematische Breite des Werkes von Michael Borgolte imposant: Wirtschaft, Technik, Demographie, soziale Beziehungen, Kirche, zeitgenössische Reflexionen über Formen des Politischen und des Religiösen, Wissenschaft, Schulen und Universitäten, Methoden der Herrschaft, politische Ereignisgeschichte u.a. mehr werden behandelt. Ein großer Verdienst des Werkes liegt in der Darstellung von religiösen und sozialen Minoritäten, von abweichendem Verhalten, von der gleichzeitigen, gleichwohl oppositionellen Existenz unterschiedlicher Lebensentwürfe, so dass auch Muslime und Juden als Bestandteile der Geschichte Europas den ihnen gebührenden Rang erhalten. In einem gesonderten Abschnitt präsentiert Borgolte einige wichtige Tendenzen der internationalen Forschung, die er kritisch bewertet und anhand derer er mitunter seine eigenen Auffassungen entwickelt. Mag auch die Auswahl der Themen in diesem Kapitel vielleicht willkürlich erscheinen und nicht stets aktuellen Fragestellungen gewidmet sein so wird der Leser andererseits mit Diskussionen vertraut gemacht, die den Kenntnisstand der modernen Mittelalterforschung und damit auch manche ideologisch gespeisten Vorstellungen vom hohen Mittelalter prägen.

    Rezension auf h-soz-kult


    Michael Borgolte • Europa entdeckt seine Vielfalt 1050-1250 • UTB • 2002 • 462 Seiten
     

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