Frage zum Unterschied zwischen Leibeigenen Und Hörigen

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Gast, 3. Januar 2010.

  1. Gast

    Gast Gast


    Ich habe morgen einen Test in Geschichte und blicke noch nicht durch, ob es einen Unterschied zwischen den Leibeigenen und den Hörigen eines Grundherrn im Mittelalter gibt.. kann mir das jemand sagen? Dann hab ich noch ne Frage (ähnliches Thema): Ist ein Grundherr nicht automatisch auch ein König und die Bauern, die auf seinem Grund bauen.. ..haben die nicht ein Lehen von ihm bekommen..? Dann wären sie ja gleichzeitig auch noch Vasallen..
    Danke schon mal im Voraus


    lou
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ja, ein Leibeigener ist ein Höriger. Aber er ist kein Vasall. Der Leibeigene/Hörige muss das Land seines Herren bewirtschaften. Dafür erhält er Schutz. Der Herr kann der König sein (reichsunmittelbar) oder ein Vasall des Königs (Kronvasall, i.d.R. aus dem höheren Adel) bzw. ein Vasall des Kronvasallen (Untervasall, i.d.R. aus dem niederen Adel). Die Vasallen (oder Lehnsnehmer) wiederum erhalten von ihrem Lehnsherren Land und Schutz, als Gegenleistung stehen sie mit Rat und Tat beiseite. D.h. sie sind anwesend wenn wichtige Entscheidungen getroffen werden und geben auf Befragung ihre Meinung ab, bzw. sie rüsten sich für den Kriegszug, wenn der Lehnsherr sie ruft. Um die Ausrüstung zu finanzieren, bekommen sie ihr Lehen mit den darauf lebenden Menschen (den Hörigen).
     
  3. rinoabutzile

    rinoabutzile Neues Mitglied


    Für den besseren Überblick (ich hoff, ich bring jetzt nix durcheinander):

    König (Lehensgeber) -> Kronvasall (höherer Adel, Lehensnehmer/Lehensgeber) -> Untervasall (niederer Adel, Lehensnehmer) -> Leibeigener/Höriger (bestellen Land der Vasallen)

    :)
     
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  4. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Wiki sagt was anderes:

    Hörigkeit (Rechtsgeschichte) – Wikipedia

    Da ich aber zu wenig Fachkenntnis habe und der Windmühle Wiki auch nicht immer vertraue, wäre ich dankbar, wenn du zur Klärung beitragen und den Kampf aufnehmen könntest.
     
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  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Der Unterschied zwischen Hörigem und Leibeigenem ist minimal. Der Leibeigene gehört nicht zum Lehen, der Hörige schon. Im Alltag des einzelnen dürfte das keinen Unterschied gemacht haben.
     
  6. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Verwirrung ist genau das Stichwort.:D
    Im Grunde sind Hörige eigentlich freie Menschen, die wie Unfreie behandelt werden, während Leibeigene echte Unfreie waren.
     
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  7. Laura123

    Laura123 Mitglied

    Hallo zusammen, bin gerade an demselben Thema dran und noch nicht wirklich schlauer :)
    Wie "wurde" man zum Leibeigenen? Konnte man dann vom hörigen Bauern zum Leibeigenen absinken, oder war dies nicht möglich?
     
  8. -muck-

    -muck- Mitglied

    Warum wurde die Hörigkeit bzw. Leibeigenschaft eigentlich über die Mutter ererbt? Dies scheint mir keinen Sinn zu geben, in einer patrilinearen Gesellschaft.

    Dies konnte freiwillig geschehen, um sich eine dauerte Versorgung zu sichern. Oftmals geschah es gezwungenermaßen. Schließlich wurde das Kind einer leibeigenen Mutter automatisch leibeigen.
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Partus sequitur ventrem ist Römisches Recht, und an sich auf Pferde, Rinder, usw. und auch auf Sklaven bezogen.
    Definition of Partus Sequitur Ventrem | OpenJurist

    Damit klärte man scharfsinnig, eindeutig die Eigentumsrechte bei „erfolgreicher“ Paarung.

    Dass dies auf Sklaven und Leibeigene angewendet wurde, erscheint mir durch diesen „sachenrechtlichen Bezug“ eigentlich dann nicht wirklich überraschend.
     
  10. -muck-

    -muck- Mitglied

    Ein verspätetes Dankeschön für die Antwort. Doch galten ähnliche Regeln, wenn auch ggf. nur im Sinne gesellschaftlicher Gepflogenheiten, auch für Freie? Lastete auf unehelichen Nachkommen nicht der i.d.R. niedrigere Stand der Mutter? Mir scheint hier schon ein Widerspruch zu bestehen.
     

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