Fragen zum Buch "Die Tricks der Pyramidenbauer" von E.Unterberger

@aDuke du willst damit sagen, dass die "Sternenpeilerei" bei Planung und Bau relevant war? Ich verstehe nichts davon, bin auch kein Bauingenieur: so lange die Pyramide nicht bis fast nach oben gebaut ist, kann ich mir nicht vorstellen, wie man sich da mittels Wasserspiegel oder Spiegel und Sternen behelfen soll - und wenn die Pyramide bis fast ganz oben aufgeschichtet ist, lässt sich ohnehin nichts mehr korrigieren.
 
wenn die Pyramide bis fast ganz oben aufgeschichtet ist, lässt sich ohnehin nichts mehr korrigieren.
Aus genau diesem Grunde verwendet auch ein heutiger Maurer, der eine Türöffnung mauern soll, ein Lot oder eher eine Wasserwaage. Sonst passt nämlich die Tür hinterher nicht.
Lot kannten die Ägypter, moderne Wasserwaagen nicht.

Wenn der gleiche Maurer jetzt eine 200 m lange möglichst gerade Linie (in zwei vorgegebenen Winkeln) schräg in den Himmel bauen sollte, würde er heute vermutlich einen Laserpointer verwenden. Hatten die Ägypter aber nicht. Die Sternpeilung ist aber ein guter Ersatz für den Laser.
 
Es geht hier um die Einmessung des Neigungswinkels der Pyramiden. Im Allgemeinen wird die Methode der Messung nach Rücksprung und Höhe der einzelnen Lagen. Das heißt man misst bei jeder Lage nach innen und dann nach oben. Diese Methode wird 200mal wiederholt, bis man die letzte Lage erreicht hat. Dieses Verfahren ist meines Erachtens nach wesentlich zu ungenau. Ein geringer Fehler wird multipliziert. Zudem sind die äußeren Stein leicht nach innen geneigt (auch ein Grund der nachträglichen Bearbeitung siehe #26), was die Messung noch schwieriger macht. Zudem sind die Flanken der Cheopspyramide konkav, was die Methode letztlich undurchführbar macht.
Ich schlage daher die Einmessung des Neigungswinkels der Pyramiden über die Kanten vor. Dies geschieht zunächst über ein Licht (Öllampe, Kerze), das auf der die Pyramidenbasis umgebenden Mauer aufgestellt wird. In den Wasserbecken an den Kanten der Pyramidenbasis spiegelt sich das Licht und kann so zur Einmessung des Winkels verwendet werden.
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Wasserbecken an der Pyramidenkante.
 
In größerer Höhe kann dann zur Kontrolle auch das direkte Anvisieren eines Stern und das Anvisieren des Spiegelbilds des Sterns im Wasserbecken verwendet werden.
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...und mit welcher genauen Uhr ermittelten die Sternpeilpyramidenbauer die exakte Zeit*), damit ihnen der Stern keinen falschen Winkel nahelegte? Die pflegen sich doch - von uns aus gesehen - zu bewegen, die Sterne, da ergibt sich leicht eine Abweichung.
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*) und woher wussten sie, wann der Stern wo sein muss, als sie vorausplanten? Gab es etwa Sternentabellen a la "Stern X ist exakt Null Uhr siebzehn Minuten und drei Sekunden am Platz, damit eine Pyramidenecke am Ort Y (exakte Geokoordinaten in Hieroglyphen) den Winkel von Z° genau anzeigt"??
 
Zu Beginn der Bauarbeiten wurden die Kanten mit der #85 beschriebenen Methode eingemessen. Die sogenannte Umfassungsmauer, die die Pyramiden umgab war laut Literatur 10 m hoch. So war mit der Methode in #85 eine Einmessung bis in 100m Höhe (=mal10) ohne große Fehler möglich. Die Orientierung nach den Himmelsrichtungen wurde zwar auch mit den Sternen eingemessen, jedoch mit einer anderen Methode. Den Stern, und es muss ja nicht immer der gleiche gewesen sein, sieht man im Spiegelbild erst dann wenn man ihn auch direkt anvisieren kann. Er dient lediglich zur Kontrolle der identen Neigung an den vier Kanten, nicht zur Orientierung an den Himmelsrichtungen.
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Den Stern, und es muss ja nicht immer der gleiche gewesen sein,
Das lag mir auch schon auf der Zunge ...
Der Sternenhimmel verschiebt sich doch aus Erdsicht aufgrund der Umlaufbahn und Neigung der Erdachse jeden Tag etwas.
Aber die Prüfung muß ja eh nur für jeden neuen cornerstone der Verkleidung erfolgen, also je nach Höhe alle paar Wochen bis ein paar Tage.

Aber wenn man die ersten 10-20 m der Kante schon peinlichst genau eingemessen und - zumindest bei Deiner Methode - sogar schon die messerscharfe Kante herauspoliert hat, wäre es dann nicht viel einfacher und gleichzeitig genauer, beim Setzen des cornerstones entlang der Kante zu peilen? Man muss ja nur gewährleisten, dass die Verlängerung der Kante durch den noch unbearbeiteten Teil des Steins verläuft. Die Feinarbeit geschieht doch dann beim Polieren.
 
Der Sternenhimmel verschiebt sich doch aus Erdsicht aufgrund der Umlaufbahn und Neigung der Erdachse jeden Tag etwas.
Der Sternenhimmel verschiebt sich eigentlich nicht (stimmt auch nicht ganz) sondern die Erde dreht sich in 23h 56min und 4sec um die eigene Achse (=Sternentag).
Da sie sich auch um die Sonne bewegt, muss sich jeden Tag ein bisschen weiter drehen (=Sonnentag, 24h).
Deshalb sehen wir im Winter andere Sternbilder als im Sommer, z.B. Orion im Winter. Den Orion z.B. sieht man im Sommer nicht, weil da Tag ist.
So einfach ist die Sache dann aber nicht.
Zusätzlich zu dieser Bewegung "taumelt" die Erde bei ihrer Drehung wie ein Kreisel, was sie ja auch ist. Das nennt man die Präzessionsbewegung.
Dadurch sah der Himmel zur Zeit der Pyramiden anders aus als heute, der Polarstern war eben nicht im Norden.
Den Standort der Sterne damals kann man mit einer recht komplizierten Formel berechnen. Ich habe das damals beim Stern Antares gemacht, um so die Orientierung und deren Verschiebung zu berechnen (Buch Seite 65).
Inzwischen kann man im Programm "Stellarium" auch das Jahr einstellen. Mann kann sich dann einen Stern suchen der damals bei einem Azimuth (=Az) von 135 Grad eine Altitude (=Alt) von 42 Grad hat und dann bei 225 Grad Az noch einmal.. Das entspricht einer Deklination von etwa 7 Grad. So kann man zu jeder Zeit im Jahr einen entsprechend Stern finden.
beim Setzen des cornerstones entlang der Kante zu peilen
Hat man so auch sicher gemacht. Die Peilung nach den Sternen diente vor allem zur Überprüfung. Sie war ja recht einfach durchzuführen, ebenso wie alle andern von mir vorgeschlagenen Methoden zur Einmessung der Pyramiden.
 
Weitere Hinweise auf die von mir vorgeschlagene Baumethode sind die sogenannten "levelling lines". Sie dienten der Nivellierung während des Baus. Diese Linien wurden auf die backing stones aufgetragen und reichen über mehrere Blöcke. Erst danach wurden die casing stones verlegt.

Das heißt: Die Steinblöcke auf der Pyramidenplattform wurden von innen nach außen verlegt!

Bei der umgekehrten Methode, also erst die casing stones und dann die backing stones, macht es keinen Sinn, erst diese Linien auf die Steine zu zeichnen und sie dann an die schon verlegten casing stones zu schieben.
Hier ein Bild von den levelling lines an der Pyramide Lepsius XXIV. Mehr dazu bei
DOBREV, Vassil: Evidence of Axes and Level Lines at the Pyramid of Pepe I. In: Structure and Significance. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien, 2005.
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Das sind Vermessungszeichen.
Das sagtest Du ja bereits.
Ich habe aber immer noch nicht verstanden, bei welcher Art von Vermessungstätigkeit mir diese Linie helfen könnte !?!?

Und solange ich das nicht verstanden habe, behaupte ich einfach mal, die Linie sei z.B. bereits im Steinbruch angebracht worden, um gut zusammen passende Blöcke zu markieren.
 
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