Indianer und Europäer

Dieses Thema im Forum "USA | Kanada" wurde erstellt von Ladybird, 31. Mai 2016.



  1. Ladybird

    Ladybird Neues Mitglied

    Hallo liebe Gemeinde,

    ich muss eine Präsentation in der Schule halten zu dem Thema Indianer und Europäer, wobei es um die Frage geht, ob die Indiander Nordamerikas
    Opfer europäischer Land- und Goldgier sind.
    Nun meinte mein Geschichtslehrer, dass ich mich auf ein bestimmtes Ereignis, Zeitraum oder Indianerstamm spezalisieren soll, da dies in eine 10-minütige Präsenation passen soll.

    An welchem Ereigniss etc. kann ich am besten darstellen, dass bzw ob die Indianer Nordamerikas Opfer europäischer Land- und Goldgier sind?

    Würde mich sehr über eure Hilfe freuen.

    Liebe Grüße Ladybird :)
     
  2. Gangflow

    Gangflow Neues Mitglied

    Schon der erste Europäer und seine Mannen setzten Maßstäbe für alle folgenden:

    [Mod: link gelöscht]

    Die Taino bieten sich für eine Präsentation geradezu an. Europäer brachten "Kultur" und nahmen Gold mit:

    Columbus schwor Caonabo zu finden und rächte sich. From that point on, life as the Taino knew it ended. Columbus forced all of them over the age of 14 to work in the gold mines searching for gold for the Spaniards. Those who refused were killed. Those who did not make their quota of gold had their hands cut off and were left to bleed to death. Taino women were given to Spaniards to do with whatever they wished. The fields, unattended, failed to yield enough food for the Taino (and the Spaniards whose supplies had run out). All were hungry. Many Taino starved to death, others were worked to death. They were beaten, tortured, raped, enslaved and murdered. Columbus found Caonabo - they tricked him in order to capture him - and he was put on a ship that was sent to Spain and was never heard from again.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 1. Juni 2016
  3. hatl

    hatl Premiummitglied

    Zunächst ist die "indigene" Einwohnerschaft Amerikas dem Verheeren von den Europären, oder besser vielleicht Eurasiern, mitgebrachten Krankheiten ausgliefert.
    Der Europäer ist in Amerika hochinfektiös und löst ein Sterben bei der dortigen Bevölkerung aus, neben dem die Pestwellen in Europa geradezu harmlos sind.
    Mindestens soweit das Nordamerika betrifft, so meine ich es zu verstehen,
    verbreiten sich die eingeschleppten Seuchen schneller als die Seuchenbringer aus Europa.

    Die Sterberaten aufgrund von eingeschleppten Krankheiten sind dramatisch.
    Wolfgang Reinhard gibt für Mittel- und Südamerika ca. 90% (!) an, und Jared Diamond für Nordamerika ca. 90-95%. (Während die Pest in Europa vielleicht 1/3 der Bevölkerung auslöscht.)
    Ich denke es ist nicht verkehrt zu sagen, dass die Hauptzahl der Opfer hier zu sehen ist.
    Und hier findet sich auch der entblöste Boden auf dem das Glückspiel der Gier der Europäer (Spanier) gedeihen kann.

    Der Gegenpol ist Afrika:
    Der letzte Kontinent, vor der Haustür liegend, wurde zuletzt kolonisiert (und auch "dekolonisiert" ...).
    Dort wurden die Europäer krank, und nicht die indigene Bevölkerung,
    während die "Indianer" vorher starben wie die Fliegen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Mai 2016
  4. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Entgegen der landläufigen Meinung importierten die Europäer Schreckliche Krankheiten aus Amerika. Und die Auswirkungen europäischer Krankheiten sind mangels Statistik kaum abzuschätzen.

    Da die Wissenschaft davon ausgeht, dass eine Krankheit das Bevölkerungswachstum nicht stoppen kann, kann es außerdem in der normalerweise geschilderten Form nicht stimmen. Ich bin da zwar skeptisch, muss mich aber nach so einigen Diskussionen mit Mathematiker und Biologen geschlagen geben. Zwar kann ich zeigen, dass die Aussage für einzelne Orte nicht stimmt, aber es geht ja um die große Zahl. Und somit muss ich diese Sachkritik akzeptieren, zumal zu vermuten ist, dass andere Ursachen in den Quellen oft verschleiert werden. Es ist ja bekannt, dass man Indianer massenhaft dem Hungertod ausliefert.

    Die genannten Sterberate können daher nicht erreicht worden sein. Zur Erklärung bitte die Mathematiker fragen.

    Es ging allerdings um Gold- und Landgier. Gangflows Angaben sind da interessanter.

    Das Vorgehen Pizarros bei den Inka dürfte auch ein klassisches Beispiel sein. Auch Die biologische Kriegführung in den USA, z.B. gegen die Mandan dürfte altbekannt sein. Der Raubzug de Sotos durch den Südosten der heutigen USA zielte auf schnellen Reichtum ab. Ähnlich ist es mit Coronado im Südosten.

    Oder man versteht die Fragestellung strukturell und beschreibt das Ausbeutungssystem der Spanier oder Portugiesen. Natürlich inklusive Sklavenjagden und Raubzügen.

    Yukatan ist auch interessant. Da ging es um Gold- und um Land. Eine beliebte Masche war es, den Maya Äxte zu verkaufen. Waren sie stumpf, verkaufte man neue, und entsorgte den Abfall, indem man die stumpfen Äxte schliff und woanders als Neuware verkaufte. Solche Handelsstrategien mögen natürlich schon zu sehr abstrahiert sein.

    Langer Rede kurzer Sinn: Einzelereignis oder Abstraktion?
     
  5. Ingeborg

    Ingeborg Premiummitglied

    Die Zahlen stimmen schon. Allerdings sind nicht nur primäre Opfer, also Erkrankte, darunter zu verstehen, sondern auch sekundäre.

    Es grassierten so ca ein Dutzend aus Europa 'importiert' Infektionskrankheiten als Edpidemien und teils als Pandemien auf beiden amerikanischen Kontinenten. Da die Krankheiten vor Ankunft der Europäer nicht vorgekommen waren, trafen die Erreger auf eine sogen 'virgin soil'-Situation. Dies führt dazu, daß infizierte Personen relativ rasch erkranken und sterben (bei einigen Epidemien in den Amerikas wird berichtet, daß Infizierte teils noch vor Ausbruch von Symptomen verstarben) und - da allgemein keine Personen mit Immunschutz vorhanden sind - vor allem ein großer oder sogar überwiegender Teil der Bevölkerung erkrankte.

    Als Folge davon können zb Kranke nicht (mehr) ordentlich versorgt werden, was Todesfälle auslösen kann. Ebenfalls können zb pflegebedürftige alte Menschen sowie Säuglinge und Kleinkinder nicht mehr versorgt werden, so daß es auch unter diesen zu Todesfällen kommt.

    Im weiteren traten Epidemien ja auch zu 'ungünstigen' Zeiten auf. Also zb während der Zeit der Feldbestellung oder der Ernte, oder der Hauptjagd- bzw sammelzeit. Dies führte dazu, daß nur unzureichende Wintervorräte (Nahrung, Bekleidung) angelegt werden konnten. Zwar konnten sich notleidende Familien anderen Dörfern/Clans etc anschließen und wurden mitversorgt, unter dem Strich bedeutete dies jedoch eine Verteilung der Not. Und häufig waren ja auch benachbarte Dörfer derselben Ethnie und auch benachbarte Ethnien von denselben Krankheiten betroffen und in derselben Situation.

    Zum weiteren ist nach Berichten von Augenzeugen offenbar das Zurückbleiben von Narben etc nach überstandener Krankheit von Personen in etlichen indigenen Kulturen sehr belastend empfunden worden und löste nicht nur im Einzelfall Suizide aus. Weiterhin konnte auch der Tod vieler Angehöriger als belastend empfunden werden; in einigen Fällen wurde die überlebende Bevölkerung soweit demoralisiert, daß sie ebenfalls den Suizid erwog (zb die Omaha nach einer verheerenden Epidemie).

    Es sind also nicht nur die Todesfälle durch Infektion allein, die zu Buche schlagen. Wenn du dir die sozialen Folgen der Pestepidemien in Europa anschaust, erhältst du mE einen Einblick darin, wie die Bevölkerung zweier Kontinente, die mit solchen Epidemien keinerlei Erfahrung hatte, auf solche Krankheitswellen reagierte. Es kommt hinzu, daß es sich wie gesagt um ca ein Dutzend Infektionskrankheiten handelte, die über mehrere Jahrzehnte hinweg immer wieder Epidemien und sogar Pandemien auslösten.


    Gangflow hat zu einer esoterischen Seite verlinkt, die alternativ-medizinischen und spirituellen Schwurbelunfug verkauft - und das mit dem Verkauf ist recht wörtlich zu nehmen. Der Seite ist nämlich ein Shop angegliedert, bei dem bequemerweise :hüstel: etliche merkwürdige Zubereitungen zu erwerben sind. Beim Kursivlesen bleibt das Auge allerdings auch an Begriffen wie 'homöopatisch' hängen und man fragt sich, was das eigentlich noch mit Indianern im allgemeinen und den Taino im besonderen zu tun haben soll.

    Gerade was eine angebliche Abstammung von oder Zugehörigkeit zu den Taino betrifft, wird da viel Schindluder getrieben. Sprich: da sind einige unterwegs, als angebliche Chiefs oder Medizinleute, die alles andere als Taino sind und bei - oft weißen - Plastikschamanen 'gelernt' haben (wie man leichtgläubigen Kunden das Fell über die Ohren zieht). Auf der von Gangflow verlinkten Seite fällt da zb der Name Louis Mehl-Madrona ins Auge, ein seit Jahrzehnten aktiver Plastikschamane und Verkäufer angeblich indigener spiritueller Zeremonien. Noch ein bißchen 'Medizinrad' mit ins Gebräu (geht auf einen weiteren Plastikschamanen zurück, Vincent LaDuke alias SunBear) und zum guten Schluß findet man ganz unten noch die Angabe des Namens "SuSun Weed" - eine weitere, seit Jahrzehnten tätige Plastikschamanin und wenn ich mich richtig erinnere, ebenfalls nicht indigen, sondern eine weiße US-Amerikanerin.

    Und in der Selbstdarstellung der Seitenbetreiberin finden sich dann folgende Bonsche:

    Die als Lehrerin angebene Person Twylah Nitsch ist eine weitere Plastikschamanin; der erwähnte 'Wolf Clan' ein von Nitsch gegründeter künstlicher 'Stamm'. 'Originally based on the Seneca Cattaraugus Reservation' heißt übrigens im Klartext: ja ähm, also, bis die Seneca der Dame Nitsch nahelegten, sich in ziemlicher Eile von der Reservation zu entfernen. Und die Dame "Spider" ist "non-native". Alles klar.


    Ach, und das noch:
    Nein, ist sie nicht. Erzähl doch mal.
     
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  6. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Decken mit Pockenerregern. Ein recht erfolgreicher Völkermord. Meines Wissens ist nicht geklärt, ob die amerikanische Verwaltung beteiligt war.

    Ich gelobe, fürderhin die Posts von Gangflow genauer zu untersuchen.

    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir zu den eingeschleppte Krankhditen schon einmal diskutiert haben. Wie gesagt, gegen die Mathematik diskutiere ich nicht gerne. Auf indirekte Folgen berufen, soll da auch nicht gehen. Aber allgemeine Zeit Umstände können die Opfer zahlen in die Höhe getrieben haben. Die Teile der Bevölkerung, zu denen Schätzungen möglich sind, könnten ja nicht mehr selbstbestimmt leben. Und damit kann man die Krankheiten nicht mehr als alleinige Ursache betrachten. Und somit ist die Diskussion eigentlich nicht von Belang.

    (Ich habe schon lange vor, nachzuschauen, wie die Schätzungen zustande gekommen sind.)

    Ich sehe gerade, dass ich überlesen habe, dass es um ein Einzelbeispiel geht.
     
  7. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Black Hills

    Wenn dein Lehrer schon auf Land- und Goldgier abzielt:

    Das prominenteste Beispiel sind sicher die Ereignisse in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im amerikanischen Westen.
    Die US-Regierung schloss 1851 und 1868 Verträge mit mehreren Stämmen über Grenzen in großen Gebieten der heutigen Staaten Wyoming, South Dakota und Montana.
    Die Vereinbarungen wurden von Siedlern permanent verletzt, nach Goldfunden in den den Indianern heiligen Black Hills eskalierte der Konflikt. Der Krieg umfasst sowohl den Sieg der Indianer bei Little Big Horn gegen Custer als auch das Massaker am Wounded Knee.

    Was die Geschichte für eine Präsentation besonders interessant macht:
    Der Konflikt ist noch nicht beendet: Die betroffenen Stämme fordern nach wie vor die Rückgabe der heiligen Black Hills und Reparationen. Ihre Chancen stehen durchaus gut, die Verträge mit der US-Regierung waren und sind ja schließlich gültig. Unter United States v. Sioux Nation of Indians oder Black Hills Land Claim findest du in der US-Wiki gut aufbereitete Infos über den Rechtsstreit.


    Literatur: Die Ereignisse sind beschrieben im auch in Deutschland sehr bekannten Buch von Dee Brown „Bury my Heart at Wounded Knee“, bzw. in der Adaption „Saga of the Sioux“.

    Die deutsche Wiki gibt zum Stichwort „Vertrag von Fort Laramie 1876“ nicht viel her, wesentlich ausführlicher wird es in der US-Wiki behandelt.

    Diese Aufbereitung des US National Park Servicer ist wahrscheinlich zu ausführlich: https://www.nps.gov/wica/learn/hist...ve-Treaties-and-Broken-Promises-Pp-84-132.pdf

    Trivia: "Bury my Heart at Wounded Knee" wurde 2007 verfilmt. Die TV-Serie "Deadwood" widmet sich dem Goldrausch in South Dakota
     
  8. balkanese

    balkanese Mitglied

    "Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses" ist die deutsche Ausgabe,
    noch ergreifender ist eigentlich "Brüder, sollen wir uns unterwerfen?" von Paul Jacobs/Saul Landau/Eve Pell, weil es zeigt wie systematisch die USA Minderheiten ausgerottet haben.
     
  9. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Das widerspricht ja allem, was in den Geschichtsbüchern steht. Weisst, du, wo man da was nachlesen kann? Vielleicht ein Artikel?
     
  10. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Da wüsste ich auch gerne mehr darüber, da mir diese Aussage etwas seltsam erscheint.
     
  11. Gangflow

    Gangflow Neues Mitglied

    Das kann passieren. Beim ersten Suchen nach "Taino" bin ich eben da gelandet. Also eine weitere Ausbeutung der Indigenen durch weiße "Plastikschamanen".

    https://de.wikipedia.org/wiki/Taíno

    Die Taínos waren den Spaniern nicht nur waffenmäßig unterlegen. Hinzu kamen die Infektionskrankheiten, die die Spanier einschleppten, die bislang auf den Inseln unbekannt waren und gegen die die Ureinwohner keine Abwehrstoffe hatten: Pocken, Masern, Grippe. Weiterhin begingen viele Taínos kollektiven Selbstmord, da sie sich den unmenschlichen Bedingungen der Sklaverei, die ihnen die Spanier auferlegten, nicht anders entziehen konnten. Schließlich sollen einige der Konquistadoren aus Willkür und zum Zeitvertreib „ihre Indios“ gefoltert und getötet haben. Solchen Berichten ist allerdings mit Vorsicht zu begegnen. Fakt ist jedoch, dass 16 Jahre nach dem ersten Kontakt zwischen Taínos und Spaniern nur noch 60.000 Ureinwohner auf der Insel lebten, im Jahr 1513 waren es nur noch 25.000, 1517 nur noch 11.000 und 1518 nur noch 4.000.

    Nachdem man sie zum größten Teil umgebracht oder hat umkommen lassen, diskutierte man in Europa noch 60 Jahre lang die Frage, ob man diese „Wilden“ den Tieren oder den Menschen zurechnen sollte. Abschließend erließ wohl 1537 Papst Paul III. eine Bulle, in der er sie ausdrücklich als „veros homines“ bezeichnete.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß sich in seinem Reich Belgisch-Kongo ein Europäer, ein gewisser Leopold II., noch 1845 von Kolumbus inspirieren ließ:

    Ein anderes häufig ausgeführtes Zwangsinstrument war die Amputation der Hände. Die Force Publique bestand aus Schwarzen – nur die Offiziere waren Weiße. Damit die Soldaten mit ihrer Munition nicht auf die Jagd gingen oder sie etwa für einen Aufstand zurückbehielten, musste genau Rechenschaft für jede abgeschossene Patrone gegeben werden. Dies wurde durch die Formel „für jede Kugel eine rechte Hand“ gelöst: Für jede Kugel, die abgeschossen wurde, mussten sie den von ihnen Getöteten die rechte Hand abhacken und sie als Beweis vorlegen. Oftmals wurden Lebenden die Hände abgehackt, um verschossene Munition zu erklären. Die Hände wurden geräuchert, um sie länger haltbar zu machen, da es lange dauern konnte, bis ein weißer Vorgesetzter die Anzahl der Hände kontrollieren konnte.
     
  12. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Wie können dann die Zahlen zur Pest im Mittelalter stimmen?

    Da solltest Du die Quelle aber nochmal genau studieren...
     
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  13. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Den Goldrausch in den Black Hills hätte ich auch vorgeschlagen.

    Was ist da untersucht worden? Der Versuch, Kaninchen in Australien mittels Krankheitserreger unter Kontrolle zu bringen? Oder gibt es entsprechende Untersuchungen über Menschen?

    Langfristig haben auch in Amerika (oder sonstwo) Krankheiten das Bevölkerungswachstum nicht verhindert. Ist nur die Frage, welche Bevölkerung angewachsen ist, und das war (speziell für die USA) nicht die der Ureinwohner, sondern die weiße. Ohne Zuwanderung aus Europa (und später aus Asien, und die erzwungene aus Afrika) hätten sich die einheimischen Völker von diesen Katastrophen erholen können. Mit weißer Zuwanderung, Landraub, Krieg, Vertreibung, Mord etc leider nicht.
     
  14. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Ich vermute, so was folgt Modellen bei denen die Verbreitung einer Krankheit unterhalb einer gewissen Bevölkerungsdichte durch die Reproduktion wieder ausgeglichen wird. Es gibt aus der Tierwelt Beispiele, und nur an diese denke ich in dem Zusammenhang.
    Allerdings kann es bis zum Einpendeln dieses stabilen Verhältnisses von Erkrankungsrate zu Reproduktion sehr dramatische tiefere Abstürze der Bevölkerungszahl geben, und diese kann natürlich dabei auch unter die überhaupt noch überlebensfähige Zahl fallen. Es gehören außerdem noch weitere Faktoren in die Rechnung, das ganze kann man beliebig kompliziert betrachten und alles ist möglich.
    Falls also die Aussage in diese Richtung ging, finde auch ich sie fragwürdig.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juni 2016
  15. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Mit Statistik lässt sich bekanntlich alles be- und widerlegen, je nach Gusto.
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hallo Ladybird,

    zum Thema Landhunger bietet sich vielleicht der amerikanische Thanksgiving-Mythos an, den du auseinandernehmen könntest? Da kommt natürlich kein Gold vor, aber muss ja auch nicht, wenn ich deine Fragestellung richtig verstanden habe. Allerdings könntest du auf der Doppelebene (tatsächliche Geschichte vs. Mythos/Geschichtbild) dekonstruktivistisch arbeiten, das lieben Geschichtslehrer. Und es wäre ein Thema, das einem Großteil deiner Mitschüler vielleicht schon mal am Rande begegnet ist, weil Thanksgiving in vielen amerikanischen Filmen/Serien (am Rande) vorkommt.

    EQ
     
  17. Ingeborg

    Ingeborg Premiummitglied

    Es kribbelt mich schon etwas, dich jetzt für ein paar Tage oder gar Wochen in die Suche nach Belegen zu schicken, aber kürzen wirs ab:
    Die Epidemie bei den Mandan wird zwar immer wieder gerne als Aktion der US-Armee erwähnt; leider basiert dies nicht auf Fakten.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Mandan#Smallpox_epidemic_of_1837.E2.80.9338

    Also nix mit US-Armee und biologischer Kriegführung gegen die Mandan.

    Soweit ich es überblicke, gibt es nur einen Fall, in dem sich zumindest *Hinweise* darauf ergeben, daß entsprechende Überlegungen angestellt wurden - die *Ausführung* läßt sich allerdings nicht belegen. Ein weiterer 'Schönheitsfehler' dabei ist: dies betrifft die 1760er Jahre, also nix mit US-Armee - das war die britische.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Indianerkriege

    Das dürfen wir alle - nachdem Gangflow sich vielleicht in Zukunft bemüht, seine eingestellten Links selbst mal anzusehen - da ist er nämlich zuerst in der Pflicht.


    Es soll jedenfalls eines gegeben werden. Bedauerlich bei der Aufgabenstellung ist, daß der betreffende Kollege offenbar selbst sehr wenig von Ahnung in diesem Bereich 'gestriffen' ist. Mir wären beide Stichworte - Landhunger sowie Goldgier - nicht so in den Sinn gekommen, da es bei weitem nicht bei jeder Region bzw bei jeder Ethnie hierauf zu reduzieren ist. Interessanter wäre mE für eine Präsentation zu untersuchen, wie es sich mit der - ideologisch bedingten - Darstellung eines menschenleeren Raumes in Nordamerika denn in der Realität verhält, sowie/oder ob die Unterstellung, "die Indianer" hätten keinen ordentlichen Gebrauch vom Land gemacht und daher habe man ihnen dieses abnehmen dürfen (ja, geradezu müssen...), denn faktenbasiert ist.
     
  18. Ingeborg

    Ingeborg Premiummitglied

    Seufz....

    - Der 1851er Vertrag regelte den Durchzug von Auswanderertrecks Richtung Oregon und California. Grenzen wurden da weniger verhandelt.

    - Entsprechend ging es nicht um Vertragsverletzungen von Siedlern. Vielmehr waren die Durchfahrtswege derart frequentiert, daß die durchziehenden Trecks alles Wild wegschossen und den Rest vergrämten, so daß die dort ansässigen Indianer Kohldampf schoben. Zusätzlich schleppten die durchziehenden Trecks Infektionskrankheiten ein, denen die umliegenden indigenen Ethnien zum Opfer fielen. Ein weiterer, von den Indianern nicht goutierter Umstand war, daß so manche Treckleute dazu neigten, erstmal auf alles zu schießen, was nach Indianer aussah und später nachzufragen.

    - Die Black Hills waren nicht "den Indianern" heilig....

    - Gold wurde in den Black Hills in den 1870ern gefunden...

    - Die Schlacht am Greasy Grass (Little Bighorn) in den 1870ern hat aber so gar nix mit dem Vertrag von Laramie (dem zweiten von 1868!!!!) zu tun....

    - Wounded Knee war dann 1890...

    Geht es eigentlich um Geschichte und historische Fakten oder um "Schmeißen wir einfach mal in einen Pott und rühren um - wird schon irgendwas bei rausbraten"?


    Wieso sollten da gut stehende Chancen bestehen? Die Klage auf Rückgabe der Black Hills wurde entschieden - mit einer Entschädigungszahlung. Die Lakota haben sich seither strikt geweigert, dieses Geld anzunehmen und bestehen darauf, daß es ihnen nicht um Reparationen ging und geht, sondern um ihr Land.

    Die US-Regierung hat sich übrigens beeilt, die vom Gericht für angemessen befundene Entschädigungssumme auf ein Treuhandkonto einzuzahlen, das vom Bureau of Indian Affairs verwaltet wurde (war halt unterm Strich trotz allem ein Schnäppchen, was da zusammengerechnet wurde...). Mittlerweile ist das Geld noch nicht einmal mehr vorhanden - es gehört zu den Geldern, über die das BIA leider, leider so gar keine Angaben mehr machen kann, wo es denn abgeblieben sein könnte... Bei einer Summe von ursprünglich knapp $ 300 Millionen (plus aufgelaufene Zinsen...) eigentlich eine ordensreife Leistung.


    Der Brown hat aber nun auch bereits etliche Jährchen auf dem Rücken.
    Weniger plakativ und auch nicht nur auf das Thema Krieg begrenzt ist zB:
    James Wilson - Und die Erde wird weinen.

    Leider vom Verlag (bereits in der englischen Originalausgabe) mit einem grottigen Titel geschlagen, der eher abtörnend ist, aber das Buch ist empfehlenswert und, da erheblich nach Brown erschienen, berücksichtigt auch die in der Zwischenzeit gelaufene Forschung.

    Den 1876er Vertrag kenne ich auch noch nicht....
     
  19. Ladybird

    Ladybird Neues Mitglied

    Hallo ihr,

    Wow, vielen Dank für die zahlreichen Antworten
    Hab gar nicht erwartet so viele Informationen zu bekommen ^^

    Also so wie ich es bisher verstanden habe, kann man sagen dass insbesondere die unbemerkt mitgebrachten Krankheiten die Indianer dahin rafften. Doch auch Waffenüberlegenheit spielten eine Rolle. Eigentlich ist doch da schon recht einfach bewiesen, dass Indianer die Opfer der Europäer aufgrund der Land- und Goldgier waren? Gibt es denn Thesen die dieses widerlegen?

    Ach ja. Und nach einer nochmaligen kurzen Rücksprache mit meinem Geschichtslehrer, meinte er ich kann mich auf einen Indianerstamm spezialisieren.

    Nun sind mir unter anderem die Comanchen eingefallen, da sie ja in Nordamerika gelebt haben. Allerdings bezweifel ich momentan ob ich da genügend Stoff zu diesem Stamm finde und kann man an diesem Stamm gut die These beweisen/widerlegen?

    Noch einmal vielen Dank! Bin regelrecht überwältigt von eurem Wissen, davon könnte ich nur träumen :scheinheilig:

    - Ladybird
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Darin steckt doch ein Widerspruch.
    Auf der einen Seite hast du die akzidentelle Ansteckung der indigenen Bevölkerung durch Europäer. Das ist völlig unabhängig von Land- oder Goldgier. Das kann auch einem Missionar passieren oder einem Ethnologen, dessen Ziel es ist, die Kultur zu untersuchen - nur heute gibt es eben ganz strenge Kriterien dafür, ob man ein von einer indigenen Bevölkerung prä-Kontakt bewohntes Gebiet überhaupt betreten darf*.

    Auf der anderen Seite hast du die Verdrängung der Indianer (wobei Verdrängung von der Vertreibung bis hin zum Massaker alles umfassen kann) durch Siedler etc. Diese hat zunächst einmal nichts mit den Krankheiten zu tun, frühestens ab dem 19. Jhdt. ist der absichtsvolle Einsatz von Krankheitserrergern zum Völkermord denkbar. Es gibt auch von Seiten einiger Mapuche Behauptungen, dass die argentinische Regierung das im 19. Jahrhundert in Feuerland und Patagonien gemacht habe. Was da dran ist, weiß ich nicht.


    *Hierbei sind natürlich zwei Fragen zu stellen:
    - kann man überhaupt noch annehmen, dass irgendeine Bevölkerung auf dem amerikanischen Kontinent, selbst solche, die bis vor wenigen Jahren noch unentdeckt im brasilianischen Regenwald lebten, eine Prä-Kontakt-Bevölkerung ist? Die Seuchen haben die Menschen schließlich erreicht, bevor Weiße in ihre Gegenden kamen. Heute isolierte Bevölkerungen müssen im 16./17. Jhdt. nicht isoliert gewesen sein.
    - eigentlich weniger eine Frage als eine Feststellung - aber bei der kommen wir wieder dem Referatsthema näher: Wie lässt sich eigentlich tatsächlcih verhindern, dass Unbefugte in die Wohngebiete der Indigenen eindringen? Korrupte Regime kümmern sich z.T. herzlich wenig um ihre eigenen Beschränkungen, wenn es um Öl- oder Goldreserven im Regenwald geht und die Konzerne ihnen das entsprechende Kleingeld zustecken.
    Auch die brasilianischen garimpeiros (kleine Goldsucher) drängen grenzüberschreitend in den Regenwald vor und verseuchen ebenso wie die Konzerne ganze Landstriche, ohne Rücksicht auf Mensch und Umwelt. Insofern kann man das Thema auch aktuell bearbeiten.
     

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