Regeln des Templerordens (1129)

Dieses Thema im Forum "Rittertum und Kreuzzüge" wurde erstellt von skiener, 16. Februar 2015.



  1. skiener

    skiener Neues Mitglied

    Hallo Forenmitglieder,

    ich muss bald eine Hausarbeit bezüglich der Regeln des Templerordens von 1129 schreiben. Ich habe mich bereits mit dem Inhalt beschäftigt, mir fällt aber beim besten Willen nicht ein, welche historische Fragestellung ich an die Quelle stellen könnte. Vielleicht mag es auch daran liegen, dass ich mich im Rahmen meines Geschichtsstudiums bisher nicht mit Quellen auseinandergesetzt habe. Aber das soll natürlich keine Entschuldigung sein, aber habt ihr vielleicht Tipps, wie ich an die Quelle herangehen könnte.

    Vielen Dan schon mal für eure Hilfe und schöne Rest-Feiertage noch.
     
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  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Als Anregung zum Kontext:

    Du könntest die Regeln darauf prüfen, ob sich ein Bezug zur Organisation und Finanzierung der Kreuzzüge herstellen lässt und wenn ja, ob sie dazu zweckmäßig waren?

    Abseits der "Außenpolitik" könnten die Ordensregeln auf die Fragestellung gespiegelt werden, inwiefern damit päpstlicher Einfluss in den europäischen Ländern gewonnen oder organisiert werden sollte, um Ressourcen für die Kreuzzüge sicherzustellen. Kollidierte dieses mit der jeweiligen weltlichen Herrschaft, mit wirtschaftlichen Interessen?
     
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  3. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Wenn du Geschichte studierst solltest du sicher schon mal was von Quellenanalyse und Quellenkritik gehört haben.

    Hier ein Buchtipp zur Quelleninterpretation:

    G. Theuerkauf: Die Interpretation historischer Quellen. Schwerpunkt: Mittelalter.

    Wenn du eine gute Quellenanalyse und -Kritik machst, dann findet sich sicher auch eine historische Fragestellung. Die Quellenanalyse ist der Schlüssel dazu.

    Hier ein einfaches Schema für den Anfang:


    Quellenkritik/Quellenbeschreibung:
    Art der Quelle, Bestimmung der Quellengruppe, Überlieferung ggf. Erhaltungszustand

    Textsicherung:
    Ermittlung des authentischen Wortbestandes, Prüfung der Echtheit

    „Äussere Kritik“:
    Ermittlung von Entsehungszeit, -ort, Verfasser, Adressat; Sammlung von Zusatzinformationen zur Entstehung.

    „Innere Kritik":
    Sprachliche Aufschlüsselung; Erklärung von unbekannten Wörtern, nicht mehr geläufigen Wortinhalten, Erklärung von begriffen;
    Sachliche Aufschlüsselung ; Aufklärung über unbekannte Sachverhalte, Erklärung von Anspielungen auf best. Personen, Ereignisse und best. soziale, wirtschaftliche, politische und rechtliche Sachverhalte.

    Quelleninterpretation/Inhaltsangabe:
    Bestandsaufnahme als Zusammenschau der im Text enthaltenen, vom Verfasser beabsichtigten Angaben.

    Eingrenzung des Aussagebereichs:
    Kontrolle durch andere Quellen und Fachliteratur, Rekonstruktion der Entstehungs- und Wirkungsgeschichte, Einordnung in ein soziales, wirtschaftliches, biographisches, rechtliches, politisches, ideologisches, kulturelles Umfeld und in grössere historische Zusammenhänge.

    Ergebnis und Zusammenfassung:
    Bestimmung des Erkenntniswert für die eigene Fragestellung.


    Und die W-Fragen an die Quelle sollte man auch nicht vergessen:

    Wann und wo wurde sie aufgezeichnet?
    Wie viel Zeit verging zwischen den tatsächlichen Geschehen und der Aufzeichnung?
    Wer hat sie für wen aufgezeichnet?
    Welche Perspektive und mit welcher Absicht wurde sie aufgezeichnet?
    Wie sind die Zeugnisse beschaffen?
     
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  4. pietFFM

    pietFFM Neues Mitglied

    Nach Bulst-Thiele, Hiestand und Co. sind die 72 Règle primitive vom Konzil in Troyes "nur" 08/15 Regeln die kaum auf den besonderen Status des Templerorden (Ritter und Mönch) eingehen. Es sind die Benediktsregeln und man kann sich Fragen wie stark sie von Cluny oder Clairevaux bzw. vom Hl. Bernard beeinflusst sind oder doch mehr vom Patriarch von Jerusalem bzw. den Kanonikern des Hl. Grabes. Auch überließ das Konzil dem Patriarchen und dem Orden die weitere Bearbeitung der Regeln, da sich das Konzil überfordert sah die Lage und Erfordernisse vom Outremer zu beurteilen.

    Bei den Retrais, die erweiterten Regeln, bieteten sich viel mehr Möglichkeiten. Alleine das sie in verschiedenen Sprachen und Teilen vorliegen und auch starke Abweichungen, besonders von Sachbezeichnungen, der Übersetzungen von zB [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Curzon, Ward und Körner gibt.

    Soweit ich es noch im Kopf habe sind die [/SIZE][/FONT]Règle primitive aus den Schriften der Règle retrais. Können also eine Abschrift aus dem späten 13. Jahrhundert sein.

    Dann stellt sich noch die Frage wie nah Du an den Quellen arbeiten willst. Sie sind in mindestens 3 verschiedenen Sprachen über die Welt verteilt.

    Hier noch ein paar Quellen und Literatur:


    • [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Quellen für die erste Regel: Bib.nat. Paris MS lat 15045, Bib. mun. Nîmes MS 17, Bib. mun. Bruges MS 131, Staatsbibliothek München MS lat. 2649.[/SIZE][/FONT]
    • [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Quellen für die französische erweiterte Regel: Accademia dei Lincei Roma MS 44A14, Archives dép. Dijon H 111, Bib. nat. Paris MS franc. 1977, Baltimore library MS W 132
      [/SIZE][/FONT]
    • [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Bennet, M.: La règle du Temple as a military manual, or how to deliver a cavalry charge, in: Studies in Medieval History presented to R. Allen Brown (FS), 7-19. [/SIZE][/FONT]
    • [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Curzon, H. de: La règle du Temple, Paris 1886. [/SIZE][/FONT]
    • [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Desgris, A.: Organisation et vie des Templiers, Paris 1997. [/SIZE][/FONT]
    • [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Dailliez, L.: Les Templiers et les règles de l’ordre du Temple, Paris 1972. [/SIZE][/FONT]
    • [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Dailliez, L.: La règle des Templiers, Nizza 1977. [/SIZE][/FONT]
    • [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Delaville Le Roulx, J.: Un nouveau manuscrit de la règle du Temple, in: Annuaire-bulletin de la societé de l’histoire de France 26 (1889). [/SIZE][/FONT]
    • [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Körner, K.: Die Varianten der Barcelonaer Handschrift der Templerregel, Neunkirchen 1904. [/SIZE][/FONT]
    • [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Lyton-Ward, J.M.: The french text of the rule of the order of the Knights Templar, Boydell 1992. [/SIZE][/FONT]
    • [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Ponsoye, P.: Saint Bernard et la règle du Temple, in: Etudes Traditionelles 62 (1961), 81-88.[/SIZE][/FONT]
    • [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Sinclair, K. V.: La traduction francaise de la règle du Temple: le manuscrit de Baltimore, in: Studia monastica 39 (1997), 177-195.[/SIZE][/FONT]
    • [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1]Vogel, Chr.: Das Recht der Templer, 2007,[/SIZE][/FONT]
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Februar 2015
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  5. pietFFM

    pietFFM Neues Mitglied

    Bulst-Thiele: Sacrae Domus Militiae Templi Hierosolymitani Magistri. Untersuchungen zur Geschichte des Templerordens 1118 /19-1314

    Hiestand, Rudolf: Kardinalbischof Matthäus von Albano, das Konzil von Troyes und die Entstehung des Templerordens

    Sind auch noch zwei Werke die sich mit den Anfängen beschäftigen.
     
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