Wolfsjagd

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von kskreativ, 31. August 2012.

  1. kskreativ

    kskreativ Neues Mitglied


    Ich habe mal eine etwas ungewöhnlichere Frage an euch. Wie gestaltete sich eigentlich die Jagd auf Raubtiere Mitte des 18. Jahrhunderts in Europa? Speziell die Jagd auf Wölfe. Zu Fuß, zu Pferde, eine Treibjagd oder Ansitz?

    LG, Karin
     
  2. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Jagd von wem ausgeübt??

    Direkt auf Wölfe wurde Treibjagd gemacht, also die gezielte Jagd, und zwar wohl zu Fuß.

    Ansonsten natürlich als "Beifang" auch auf dem Ansitz, in Verfolgung einzelner Wölfe mit Hunden, manche Schäfer im Ansitz mit Pfeil und Bogen , Giftköder ....
     
  3. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied


    interessant - im 18.Jh. Jagd mit Pfeil und Bogen? waren Büchsen/Gewehre verboten oder zu teuer für den einfachen Landmann? (ich weiß das nicht, darum frage ich)
     
  4. kskreativ

    kskreativ Neues Mitglied

    Hm, bei einer Treibjagd wird ja alles geschossen, was vor die Flinte läuft. Ich kriege das hier bei uns jeden November mit, die Jagd verläuft nämlich direkt an unseren Pferdekoppeln entlang.
    Gezielt, okay. Aber wie? Wölfe sind scheu. Bei der Bestie vom Gévaudan in Frankreich wurde auch zu Pferde gejagt.

    LG, Karin
     
  5. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Pfeile kann man selber machen, Pulver und Blei gibts in der nächsten Stadt oder beim Kaufmann im nächst größeren Ort und kosten Geld. Außerdem machen die Krach, wenn man danebenschießt und aus Versehen das Reh erlegt, das neben dem Wolf steht, oder so ;-).
    Nebenbei , auch streunende Hunde sind schlimm für Schafherden, und keiner hats gern, wenn sein "xxyy" nicht mehr nach Hause kommt, aber es bei der Herde von Schäfer zxy gekracht hat. Das gibt viele dumme Fragen, die ein Schäfer garnicht beantworten will. Und da die Hunde des Jagdberechtigten nun keinen Unterschied zwischen Wild und Schafen machen, löst ein gezielter Pfeilschuß manchmal still und leise ein paar Probleme.

    Dazu kommt, das Pfeil und Bogen schneller schußbereit sind als Vorderladerwaffen und ein geübter Schütze mit dem Bogen auch im "dunkeln " trifft.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. August 2012
  6. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Nun, das ist zwar keine direkte Antwort auf deine Frage, aber ich empfehle dir mal die Beschreibung der Wolfsjagd in "Krieg und Frieden" zu lesen. Herr Tolstoi hat ja recht gut recherchiert für sein Buch (wenn ich da richtig informiert bin) und ich kann mir auch vorstellen, dass es im späten 19.Jh. da nicht groß anders zugegangen ist als im 18.Jh.
    Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, dass diese Passage die Atmosphäre einer solchen Jagd gut wieder spiegelt.
     
  7. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Das kommt auf die Gegend an!
    Speziell für das Gebiet der Freien Reichsstadt Schwäbisch Hall weiß ich aus erster Hand, dass es sogar erwünscht war, dass die Bauern ein Gewehr besaßen. Zur Not wollte man immernoch in der Lage sein eine Landesdeffension aufzubauen und ausserdem mussten bisweilen Steifendienste abgeleistet werden (hier wird ausdrücklich in einer Quelle gesagt, wer keine Schusswaffe hat soll halt eine Mistgabel nehmen als Bewaffnung) Ausserdem gibt es erlässe wie man sich bei Schießübungen zu verhalten hat (die Waffe durfte nicht geladen zum Schießplatz getragen werden, man musste sich anständig benehmen etc.)
    Dort konnten die Bauern, so sie über das nötige Kleingeld verfügten sich einfach das Jagdrecht für ein bestimmte Gebiet kaufen.

    Achja, die Gewehre durften keine gezogenen Läufe haben!
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. August 2012
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  8. zoka

    zoka Neues Mitglied

    Der Wolf wurde eher weniger aus jagdsportlichem Ehrgeiz gejagt, sodass auch das sonst übliche Jagdzeremoniell wegfiel. Er wurde entweder mit Fallen gefangen, um ihn dann mit Stöcken totzuschlagen, oder es wurde ein Schaf als Köder angebunden, um den sich nähernden Wolf aus einem Versteck heraus zu erschießen. Die Hetzjagd war sehr wahrscheinlich die Ausnahme (in Mitteleuropa), und nur bei besonders ‘hartnäckigen’ Fällen angewendet. Die Erledigung des ‘Übeltäters’ nahmen in vielen Gebieten (v.a. in Berggebieten) die Bauer in die Hand. Könnte mir aber gut vorstellen, dass auch der Wolf in vielen Regionen Eigentum des Waldbesitzers war, dem auch die Wolfsjagd überlassen werden musste.
     
  9. kskreativ

    kskreativ Neues Mitglied

    So ähnlich ist auch das Szenario. Es geht um wiederholte Überfälle auf das Vieh. Realiter sind es wildernde Hunde, doch die Bauern bestehen darauf, dass es Wölfe sind. Sie organisieren sich, und schlagen solange Rabatz, bis der Gutsherr der Jagd zustimmt. In diesem Falle wär es dann wohl eher eine Kombination aus Treibjagd (Die Bauern zu Fuß) und die eigentlichen Jäger zu Pferde. Kommt das hin?

    LG, Karin
     
  10. zoka

    zoka Neues Mitglied

    Sicher, je nach Gebiet! Noch ein Tip: in Russland gibt es die ‘Hustjagd’ :D , d.h. wenn die Wölfe von den Treibern (zu Fuß) nur mit Husten getrieben werden, damit die Tiere nicht zu sehr gehetzt werden, wodurch sie mit dem Gewehr einfacher zu treffen sind. Die Jäger sind allerdings ebenfalls zu Fuß und warten an den möglichen Fluchtwegen. Ob im 18. Jh. derart erfahrene Wolfsjagden gab? Wenn, dann höchstens in Gebieten mit vielen Wölfen, z.B. in den Karpaten. In den Alpen war wahrscheinlich eher das Erschlagen des ‘Untiers’ mit Stöcken üblich, nachdem das arme Tier in die Falle gegangen war.

    Hier übrigens noch paar Stiche zum Thema (allerdings um 1600):
    http://aha.luederhniemeyer.com/aha1202d.php
    (überraschend das Bild, worauf das tote Schaf als Köder von einem Reiter gezogen wird, wenn es im Wald nur so von Wölfen wimmelt - die Methode vielleicht eher der Fantasie des Künstlers entsprungen.)

    Gruß
    z
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. September 2012
  11. kskreativ

    kskreativ Neues Mitglied

    Ein prima Link, danke. Sehr anschaulich. Die Story spielt in Frankreich in 1721. Die Jagd zu Pferde und zu Fuß scheint mir am glaubwürdigsten.
     
  12. zoka

    zoka Neues Mitglied

    Gut, dann schau Dir noch die Story von La bête du Gévaudan an, Frankreisch, siècle des Lumières - könnte evtl. auch paar Anregungen zur großen Jagd liefern.
     
  13. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    18. Jahrhundert , ist die Zeit schon der Pulverwaffen ...

    Drückjagd auf Wolfsrudel mit Jägern im Anstand verspricht da den größten Erfolg.
    Eind Jagd zu Pferde wäre eher ein Jagd hinter der Meute ...
     
  14. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    OT:
    Da ich dazu gefragt wurde -

    1) kein gezogener Lauf bedeutet, dass man mit solch einem Gewehr keinen wirklich gezielten Schuss abgeben kann (die Kugel fliegt halt einfach nur in die Richtung in die man das Ding hält), da das innere des Laufs einfach nur glatt ist. Bei einem gezogenen Lauf hat das Innere sowas wie Rillen, die die Kugel stabilisieren, damit sie nicht rumschlingert.
    2) das mit der Jagdpacht kann man z.B. in den Amtsrechnungen des Amtes "Rosengarten" der freien Reichsstadt Schwäbisch Hall sehen. Dort werden immer wieder Jagdgelder von Bauern vermerkt, die diese bezahlt hatten.
    3) In der Lands-und Dorfsordnung der Stadt Schwäbisch Hall ist das mit dem Verhalten am Schießstand, bzw. auf dem Weg dorthin geregelt.

    Ich hoffe der Frager hat Verständnis dafür, dass ich gerade keine Zeit und Lust habe die Archivnummern der Quellen rauszukramen ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. September 2012
  15. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Da es hier mein 1. Beitrag ist und ich die Geflogenheiten hier noch nicht kenne, bitte ich die Mods zuprüfen ob das so geht, wenn nicht, dann bitte löschen.

    Ich beziehe mich mal auf Herrn H. Wotte und sein Buch: „Jagd im Zwielicht“.
    Kapitel: „Die Jagd auf Bär und Wolf“.

    Seine Beschreibung handelt so um 1640...

    „Die übliche Jagweise war die winterliche Treibjagd. Hatte jemand im Schnee Wolfsspuren bemerkt, so wurden die umliegenden Dörfer alarmiert, manchmal ein Dutzend Gemeinden oder noch mehr.
    Männer und Burschen bewaffneten sich mit Heu- oder Mistgabeln, Äxten, Spießen und Knütteln. Manche nehmen eine Trommel, andere einen großen Hund mit.
    Am Sammelplatz wird noch das große Wolfsnetz auf einen Pferdeschlitten geladen.
    Draußen stellt der Jagdaufseher die Leute zum Treiben an.
    In Form eines großen Dreiecks um schließen sie das Versteck der Wölfe, wobei das ausgespannte Fangnetz eine Spitze des Dreiecks bildet...

    Um sich der Wölfe zu erwehren, verließen sich Bauern, Schäfer und Jäger nicht auf die umständliche Treibjagd. Sie legten Giftbrocken aus oder lauerten dem Wolf mit einem Luder (totes Tier) auf. Sie stellten schwere eiserne Fallen auf oder legten Wolfsgärten und Wolfsgruben an...“
     
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  16. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Im Gegensatz zu Bären, die zum Hochwild gerechnet wurden, galten Wölfe seit dem Mittelalter als Schädlinge, die von jedermann gejagt werden durften, selbst von gesellschaftlichen Außenseitern wie Scharfrichtern. Die Intensivierung der Schafzucht und die Praxis der Waldweide sorgten dafür, dass für Wölfe praktisch der Tisch gedeckt war. Die Verluste an Vieh konnten durchaus empfindliche Folgen haben, bis zur Gefährdung der materiellen Existenz. Im Judentum und Christentum galten Wölfe als Symbol des Bösen, wie unzählige Redewendungen beweisen.

    Das führte dazu, das alles, was technisch möglich war, eingesetzt wurde, um Wölfe zu bekämpfen wie Ralf M. zutreffend geschrieben hat: Fallen, Giftköder und alle nur erdenklichen Arten der Jagd.
    Die Fallenjagd war bis zum Beginn der Neuzeit noch relativ primitiv. Man verwendete entweder Fallgruben oder sogenannte Wolfsangeln. Die Wolfsangel findet sich heute noch als heraldisches Motiv im Wappen mancher Städte wie z. B des schwäbischen Fellbach nahe Stuttgart.

    Eine Wolfsangel war im Grunde nichts anderes als ein scharfgeschliffenes, ankerförmiges Stück Metall. Die Wolfsangel wurde mit einem Kadaver oder großen Fleischbrocken beködert und so hoch in einen Baum gehängt, dass ein Wolf sie im Sprung gerade noch erreichen konnte. Wenn dann ein Wolf sich den Köder schnappen wollte, wurde er im Maul und oder an der Zunge so schwer verletzt, dass er elend, oft nach Tagen zugrunde ging. Eine weitere noch einfachere Methode bestand darin, mit Gift meistens Arsenik präparierte Köder auszulegen. Natürlich gingen dadurch auch andere Beutegreifer und Hunde drauf. Selektiver ließen und lassen sich Wölfe mit Schlingen bejagen, die in manchen US Bundesstaaten wie Minnesota heute noch legal verwendet werden. Alles was man dazu braucht, ist solides Stahlkabel und ein rundes Stück Metall. Das Metallstück wird behämmert, bis es rechtwinklig ist und an zwei Seiten angebohrt, um die Enden des Kabels hindurch zu stecken. Die Schlinge wird über einen Pass oder Wildwechsel aufgestellt. Läuft ein Wolf hinein, zieht sich die Schlinge zusammen, der Wolf gerät in Panik und stranguliert sich selbst. Brutaler ist eine andere Fangmethode. Dazu nahm man eine rasiermesserscharf geschliffene Stahlfeder, die in einem Stück Fleisch versteckt wurde. Der präparierte Köder wurde dann im Freien aufbewahrt, bis er völlig gefroren war. Der Wolf schlang den noch gefrorenen Köder im ganzen herunter. Durch die Wärme und die Magensäure wurde der Köder aufgetaut und der Wolf starb qualvoll an inneren Verletzungen.

    Mit der Intensivierung des Pelzhandels wurden im 16. und 17. Jahrhundert immer effektivere Fallen aus Stahl verfügbar. Wölfe wurden und werden in der Regel mit Tellereisen gejagt. Diese Fallen halten das Wild fest. Gefanene Wölfe wurden üblicherweise nach dem Fang in Tellereisen oder Fallgruben erschlagen, um die Bälge zu schonen. In Deutschland sind Tellereisen heute streng verboten. Eigentlich sind moderne Tellereisen besser als ihr Ruf. Im Gegensatz zu manchen Fehlinformationen wird Wild-oder auch Haustiere, die als Fehlfang in die Falle gehen durch ein (modernes) Tellereisen nicht verletzt. In den USA und Kanada muss jeder Jäger mindestens einmal innerhalb von 24 Stunden seine Falle kontrollieren. Ein gefangenes Tier mag Stress erleiden, kann aber nach dem Fang mit Tellereisen ohne verletzt zu werden problemlos zurückgesetzt werden.

    Die durch manche Medien geisternden "Bärenfallen", die Hunde und Kinderfüße zerquetschen, erweisen sich meist als Fehlinformationen. Gemeint sind eigentlich sogenannte Conibear-Fallen, die nach ihrem Erfinder, dem Kanadier Frank Conibear benannt sind. Die werden zwar beim Waschbärfang manchmal eingesetzt, Es handelt sich dabei aber um Totschlagfallen. Allerdings können diese und andere Schlagfallen tatsächlich Menschen oder Tiere schwer verletzen, wenn sie unsachgemäß gestellt werden. Die legale Fallenjagd unterliegt aber strengen Sicherheitsregeln.

    Doch zurück zum Wolf! Durch verbesserte Fallen und Schusswaffen und gnadenlose Jagd, wenn man einige der geschilderten Fangmethoden überhaupt so nennen will, nahmen die Wolfsbestände kontinuierlich ab. Sie rissen gelegentlich Haustiere und das geliebte hochherrschaftliche Schalenwild, das genügte, den intelligenten Beutegreifern regelrecht den Krieg zu erklären. Es wurden Prämien ausgezahlt für getötete Wölfe, und in vielen deutschen Ländern waren Wölfe im 18. Jahrhundert bereits ausgerottet. Im 30 Jährigen Krieg müssen sich die Bestände noch einmal erholt haben, da die Jagd und Verfolgung abnahm. Trotzdem müssen zeitgenössische Berichte, die von Wolfsrudeln berichten, die ganze Dörfer belagerten, kritisch gesehen werden. Obwohl Wölfe sehr scheu sind und Menschen normalerweise aus dem Weg gehen, kam es hin und wieder vor, dass einzelne Wölfe Menschen angriffen.

    Seit über 100 Jahren war Canis Lupus in Deutschland ausgestorben, um nicht zu sagen, ausgerottet. Hin und wieder verirrten sich einige nach Ostpreußen-und wurden meistens sehr schnell erschossen. Dank des Kalten Krieges ist Canis Lupus in Deutschland wieder heimisch geworden. In der Lausitz leben einige Rudel, aber auch in Hessen wurden schon Wölfe bestätigt, und letztes Jahr einer nahe Kassel überfahren. Die Euphorie mancher Tierfreunde, die Wölfe gerne kategorisch für harmlos erklären, hat sich gelegt, denn im eigenen Wald, im eigenen Naherholungsgebiet will man die Tiere dann doch nicht haben.
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Vor einigen Jahren habe ich an der Grenze zwischen dem Baskenland und Kastilien-León, am Nervión-Fall (Salto de Nervión) eine "Lobera" besichtigt. Das ist im Prinzip ein Trichter aus aufeinanderzulaufenden Mauern, an dessen Ende ein tiefes Loch liegt. Die Wölfe werden in den Trichter getrieben, den sie zunächst nicht als solchen erkennen. Am Ende ist das Loch die letzte Ausweichmöglicheit bzw. das Ende.

    In Niedersachsen und den Niederlanden und zumindest streifzugmäßig sind auch schon in NRW Wölfe beobachtet worden. Eigentlich geht man davon aus, dass bei den meisten Begegnungen die Menschen gar nicht mitbekommen, dass sie von den Wölfen beobachtet werden. Der Wolf zählt quasi mehr Begegnungen als der Mensch.
     
  18. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Wenn ich z. B. an den packenden Beginn von Jack Londons "Wolfsblut" denke, wo in der winterlichen Wildnis zwei Männer mitsamt Schlittenhundegespann von einem hungrigen Wolfsrudel gejagt und nach und nach getötet werden, kann ich gut verstehen, wenn die Begierde nach einer Begegnung sich eher in Grenzen hält.

    In Österreich wurden die Wölfe im 19. Jhdt. ausgerottet. In den letzten Jahren haben sie sich in manchen Regionen aber wieder etabliert, was wegen zahlreicher Viehrisse zu den üblichen Konflikten zwischen Bauern und Tierschützern (und mittendrin der Politik) und damit verbunden unterschiedlichen Lösungsansätzen (von bloßer finanzieller Entschädigung bis zu Elektrozäunen auf Almen - wer soll sie zahlen, mal abgesehen vom Eingriff in die Landschaft?) führt.
     
  19. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Das ist große Literatur, aber natürlich auch Fiktion. Wölfe können freilich einen ausgewachsenen Bison reißen, der Wolf frisst das, was er überwältigen kann. Die Koexistenz mit großen Beutegreifern ist niemals ohne Spannungen, und ich kann die Bedenken von Jägern, Bauern Schäfern gut verstehen. Ohne Verklärung von großen Beutegreifern bin ich aber auch der Meinung, dass letzten Endes auch der Mensch geistig verarmt, wenn er irgendwann große Raubtiere nur noch als Präparate in einem Naturkundemuseum oder als Zootiere kennt.
    Einen Wolf oder Bär, einen Löwen in freier Wildbahn zu treffen, ist ein unwahrscheinlich bewegendes Erlebnis. Eine Nacht auf einem Hochsitz zu verbringen, die Geräusche und Rufe wilder Tiere zu hören und zu erkennen, ist atemberaubend. Aber es sind Vorsichtsmaßregeln nötig, Distanz und Respekt.

    Der Mensch ist im Grunde nur im Kampf, in der Auseinandersetzung mit großen Raubtieren geworden zu dem was er ist, und prinzipiell ist ein Zusammenleben mit Wölfen möglich. Vor einer Bache mit Anhang habe ich mehr Respekt, als vor einem Wolf, und ein angeschossenes oder in die Enge getriebenes Wildschwein greift unweigerlich an.
    In der modernen Agrarsteppe im modernen Forst werden die Karten immer wieder neu gemischt. Manche Arten kehren zurück. Dachse und Weißstörche sind wieder zahlreich geworden. Lerchen und Feldhasen werden seltener. Schlecht sieht es dagegen in Hessen mit Greifvögeln aus. Sperber und Habichte sind früher häufig gewesen, heute ein seltener Anblick. Häufiger sieht man nur Mäusebussarde, Turmfalken und Rote Milane. Luchse, Uhus, Kolkraben, Wölfe kehren zurück. Neozoons wie Waschbären und Marderhunde werden stellenweise schon zur Plage. In Österreich werden vermutlich in 20, 30 Jahren Goldschakale heimisch werden. In Ungarn sind sie zurückgekehrt. Im Vogelsberg wurde vor Jahren einer von einer Wildkamera aufgenommen

    Menschen mögen meistens das nicht, was ihnen ähnlich ist. Rabenvögel mit Abstrichen auch Wölfe sind Allesfresser, jedenfalls sind sie hochintelligent und sozial. Eigentlich spräche nichts dagegen, Wölfe in der BRD wieder zu bejagen. Mit ausgebildeten Hunden und Herdeneseln, lassen sich Herden wirksam schützen. Nachdem man die großen Beutegreifer jahrhundertelang so gnadenlos bekämpft und sie ausgerottet hat, sollte er sie erhalten und den Preis dafür zahlen, den die Koexistenz mit charismatischem Großwild nun einmal kostet.
     
  20. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Schusswaffen waren tatsächlich im 18. Jahrhundert sehr teuer. Es gab ja noch keine Jagdwaffen, die in Serie produziert wurden. In den 1770er und 1780er Jahren begann ein gewisser Kuchenreuther mit Serienproduktionen aus vorgefertigten Teilen. Eine Muskete hatte auf kurze Entfernung die nötige Durchschlagskraft, um ein großes Tier erlegen zu können. Die Anfertigung eines Gewehrs mit gezogenem Lauf war aufwändig und teuer. In den meisten deutschen Ländern waren Schusswaffen dem einfachen Volk auch verboten. Mancherorts ging die Hege des geliebten Schalenwilds so weit, dass die Bauern Wild nur durch rufen vertreiben durften.
     
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