Wie du sicher weißt, wurde im livländischen Krieg nicht ständig gekämpft - es gab immer wieder Waffenstillstände, eines davon dauerte von 1570 an 3 Jahre, also gerade in der fraglichen Zeit.
Aber eine Waffenruhe war nicht das Ende des Konflikts.
So lange sowohl die polnische Krone, als auch Muskowien/Russland Anspruch auf Livland anmeldeten und keiner von beiden zurückziehen wollte, war da auch keine Lösung in Sicht.
Hintergrund: Weil seit 1569 durch Union von Lublin Polen-Litauen eine sog. Adelsrepublik wurde, bestimmte der Adel, deren prozentualer Anteil in der Bevölkerung bei 12 % lag, wer König wurde. Eines der Vorschläge des Adels war offenbar, Iwan IV. zum König von Polen-Litauen zu berufen. Das hätte sicher den livländischen Krieg beendet, also ist dieser Vorschlag nicht so abwegig, wie er sich auf den ersten Blick darstellt.
Der Vorschlag war schon deswegen vergleichsweise abwegig, weil der Großteil des Adels katholisch war und es selbst wenn Frieden geherrscht hätte unter diesen Umständen schwierig gwesen wäre einen orthodoxen König von Polen-Litauen durchzusetzen.
Es gab zwar, da sich das Territorium Litauens bis ins heutige Weißrussland und in die heutige Ukraine hinein erstreckte durchaus auch orthodoxe Adelige, die mit einem König Ivan sicherlich sehr gut hätten leben können, aber mehrheitsfähig war das sicherlich nicht, da durchaus auch in den weißrussischen Gebieten und der westlichen Ukraine ein erheblicher Teil des Adels polonisiert und katholisch war, womit er sich deutlich von der einfachen Bevölkerung abhob.
Außerdem hätte Ivan IV. zum König zu machen ja nichts anderes als den Verzicht auf Livland von polnischer Seite her bedeutet, weil Ivan IV. sicherlich darauf bestanden hätte es Muskowien/Russland zuzuschlagen und wenn er erst König von Polen-Litauen gewesen wäre, mit Sicherheit in diese Richtung gearbeitet hätte.
Auf den ersten Blick könnte man natürlich die Vorstellung haben, dass die Livland-Frage für Ivan IV. bedeutungslos geworden wäre, wenn er beide Reiche regiert hätte.
Wäre sie aber nicht, weil Muskowien/Russland für die Rurikiden-Dynastie (von deren nahem Aussterben in direkter Linie konnte Ivan IV. ja noch nichts wissen), qua Erbfloge sicher war, während seine Nachfolger den Polnisch-Litauischen Thron auf Grund des Wahlkönigtums und der werdenden Adelsrepublik wieder hätte verlieren können.
Die Tendenz der Politik eines Polnisch-Litauischen Königs Ivan wäre also im Interesse seiner Familie zweifellos dahin gegangen, entweder alle Streitfragen zwischen den Reichen zu Gunsten Russlands/Muskowiens zu entscheiden, weil da die eigene Dynastie sicher im Sattel saß, oder aber die werdende Adelsrepublik in Polen-Litauen zu zerstören und das Reich in ein erbliches Königtum der Rurikiden-Dynastie umzuwandeln.
Beides konnte nicht im Interesse des Großteils des polnisch-litauischen Adels sein, allenfalls im interesse der orthodoxen Teile des Litauischen Adels, die sich durch die Majorisierung durch die Katholike bedrängt sahen.
Deswegen halte ich die Annahme, man hätte Ivan IV. als König von Polen-Litauen überhaupt durchsetzen können (unabhängig davon wie sein ruf gerade war), für arg weit hergeholt.
Da sprach eigentlich alle Vernunft dagegen.