Die Herkunft des Christoph Kolumbus

Stilicho

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Morgen soll anlässlich des Spanischen Nationalfeiertags im spanischen Fernsehen (RTVE) eine Dokumentation laufen, in der exklusiv über die neuesten Forschungsergebnisse über die Herkunft Kolumbus' berichtet werden soll.
Laut Vorankündigung ist es mittels umfangreicher DNA-Tests sowohl gelungen, endgültig zu beweisen, dass der in Sevilla begrabene Leichnam der von Kolumbus ist, als auch seine Herkunft zweifelsfrei zu belegen.

 
Leider ist José Antonio Lorente offensichtlich der Versuchung des Ruhms erlegen, denn zuerst soll die Fernsehdoku laufen, erst dann sollen die Forschungsergebnisse publizert werden.

Als ich damals mein Studienjahr in Granada ableistete, lagen Kolumbus' Knochen bei uns in der Fakultät, wobei ich nicht so recht weiß, wieso, denn damals schon war der Rechtsmediziner Lorente der federführende Kopf der Untersuchung.
Einen Tag lang waren die Knochen in der Fakultät öffentlich ausgestellt und ein Freund von mir ist auch hin, um sich das anzusehen. Ich weiß nicht mehr, warum ich nicht hin bin, ob ich eine Klausur zu schreiben hatte? Irgendetwas jedenfalls war mir damals wichtiger, als mir die Kolumbus-Knochen anzusehen, heute ärgere ich mich darüber. Vermutlich wäre es umgekehrt genau so, wenn ich irgendetwas wichtiges versäumt hätte, nur um mir ein paar Knochenbrösel anzuschauen....
 
eine Dokumentation


Ich habe mir gerade den Trailer angesehen.... von "reescribir la historia" - also der Neuschreibung der Geschichte bis "Stunde der Wahrheit" (por fin ha llegado la hora de la verdad) zu "revolucionario" (si, esto va am cambiar los libros de historia, definitivamente sí, yo creo que va a ser algo revolucionario) fehlt da nichts an effektheischerischen Superlativen.
 
fehlt da nichts an effektheischerischen Superlativen.
Ich wollte herausfinden, wer derjenige ist, der den letzten Satz im Trailer sagt und habe den Satz gegoogelt, bin leider nicht auf den Namen gestoßen (es könnte sich aber um den Historiker Marcial Castro handeln, der sieht zumindest so ähnlich aus). Dafür lese ich anderes:

Mientras que en esta investigación José Antonio Lorente ha estado acompañado por su compañera de departamento, Inmaculada Alemán, en su equipo de 2003 trabajaron con él Marcial Castro (historiador y profesor), Sergio Algarrada (biólogo) y Miguel Botella (forense y profesor del Departamento de Medicina Legal de la UGR). Este último es quien se ha pronunciado contra lo que propone el documental o, al menos, contra esa forma de venderlo asegurando que reescribirá la historia.​
Also neben Lorente haben auch Inma Alemán, der Historiker Marcial Castro, der Biologe Sergio Algarrada und der Forensiker Miguel Botella an den Forschungen mitgearbeitet. Botella wendet sich aber gegen diese "Dokumentation", gegen die Art und Weise, wie sie verkauft wird unter dem Lemma, sie würde die Geschichte neu schreiben. Botella sagt, dass es seiner Meinung nach keinen Anlass gebe, an der genuesischen Herkunft Kolumbus' zu zweifeln.
Botella glaube nicht, dass Lorente und Alemán sich zu irgendwelchen Aussagen versteigen würden, denn das sei gar nicht möglich, und es sei nun einmal so, dass die ernstznehmenden historischen Studien zu Kolumbus darin übereinstimmen, dass er Genueser sei.

"No creo que vayan a decir nada concreto porque no es posible. Estoy seguro de que Alemán y Llorente no van a decir eso, pero están creando expectación. Solo hablarán de probabilidades. Pero los estudios más serios avalan que Colón era genovés", declara el profesor...​
Der Artikel berichtet auch, dass manche Kolumbusexperten, die wohl angefragt wurden, an dem Streifen mitzuwirken, sich dem schlichtweg verweigert hätten:

...recoge, además, el descontento de varios historiadores especializados en el navegante, como Consuelo Varela y Aparecida Colón de Carvajal, que declinaron participar en el documental.​
Es steht da nicht genau, wieso sie sich verweigerten, aber ich nehme an, es war das reißerische Konzept. ÜS: Er (Botella) greift außerdem auf die Unzufriedenheit mancher auf Kolumbus spezialisierter Historiker zurück, wie C. Varela und A. Colón de Carvajal, die sich weigerten an der Dokumentation teilzunehmen.





 
Dem ganzen liegt der Irrglaube zugrunde, man könne mit einem Gentest erkennen, ob jemand aus Italien oder Spanien stammt.
Hier wird diese irrige Annahme noch mal ab 16:45 widerlegt.
 
Botella glaube nicht, dass Lorente und Alemán sich zu irgendwelchen Aussagen versteigen würden, denn das sei gar nicht möglich, und es sei nun einmal so, dass die ernstznehmenden historischen Studien zu Kolumbus darin übereinstimmen, dass er Genueser sei.

"No creo que vayan a decir nada concreto porque no es posible. Estoy seguro de que Alemán y Llorente no van a decir eso, pero están creando expectación. Solo hablarán de probabilidades. Pero los estudios más serios avalan que Colón era genovés", declara el profesor...​
Da hat sich Botella wohl geirrt und der hat ja auch an dem Projekt mitgearbeitet, nur eben an der Doku nicht teilgenommen.

Nun, ggf. könnte man die jüdische Herkunft Kolumbus akzeptieren. Im März 1492 wurde das Alhambraedikt erlassen, das die Vertreibung der Juden aus Spanien beschloss. Im April wurden die Kapitulationen zwischen der kastilischen Krone und Kolumbus verhandelt. Sein Sohn, der die genovesische Herkunft vertritt - und es ja eigentlich wissen müsste - könnte insofern einen Grund gehabt haben, die Herkunft seines Vaters als genuesisch zu behaupten und nicht als jüdisch. Neuchrist zu sein war gefährlich zu jenen Tagen in Spanien. Als Genueser war man im Normalfall Altchrist.

Lorente wird auf der Seite des RTVE zitiert mit:

"Tanto en el cromosoma, 'Y' como en el mitocondrial de Hernando, hay rasgos compatibles con origen judío."

Sowohl das Y-Chromosom als auch die mitochondriale DNA von Hernando haben Charakteristika, die mit einem jüdischen Ursprung kompatibel sind.

Lorente afirma rotundamente que Colón era judío y lo sitúa en una zona geográfica concreta: "Ubicación geográfica: Mediterráneo occidental. Toda esta parte."​

Lorente bestätigt rundum, dass Kolumbus Jude war und situiert ihn in eine konkrete greogrpahische Region: "geographische Verortung: Westliches Mediterraneum, der ganze Bereich."

Seltsam ist diese Passage:

Teniendo en cuenta que los genes acotan el origen al oeste del Mediterráneo, Regis Francisco, director del documental, tira de historia para justificar la hipótesis: "El origen de los judíos sefardíes es Sefarad. Y Sefarad es el nombre en hebreo que designa a la península Ibérica en lo que hoy es España. Vivían alrededor de 200.000 judíos en la época de Colón. En la península itálica, se estima que vivían tan solo entre diez y quince mil. Donde sí había una población judía mucho mayor era en Sicilia, donde vivían alrededor de 40.000. Pero recordemos que Sicilia, en la época de Colón, pertenecía a la Corona de Aragón."
Unter der Berücksichtigung dass Gene den Ursprung auf den westlichen Mittelmeerraum einschränken rupft Regis Francisco, der Regisseur dieser Dokumentation an der Geschichte, um diese HYpothese zu rechtfertigen: "Die Herkunft der Sepharden ist SeFaRaD und Sefarad ist der hebräische Name der PI, also des heutigen Spanien (und Portugal!). Es lebten in Kolumbus' Zeit etwa 200.000 Juden. Auf der italalischen Halbinsel lebten nur 10. oder 15.0000 (Juden). Wo es tatsächlich eine rößere jüdische Population gab, das warauf Sizilien, wo ca. 40.000 lebten. Aber erinnern wir uns daran, dass in der Zeit Kolumbus' Sizilien zur Krone von Aragón gehörte.​
El investigador catalán está convencido que los resultados de ADN descartan ya por completo la historia de que Colón era italiano, de Génova: "Todos los historiadores importantísimos de Italia, todos, han escrito negro sobre blanco que es imposible que este, nuestro Colombo, fuese judío. O sea, hay una incompatibilidad total. Toda la teoría de Colón genovés entra en crisis si se acepta que Colón es judío."​
Der katalanische Forscher (Albardaner) ist überzeugt, dass die DNA-Ergebnisse die Geschichte, das Kolumbus Italiener aus Genua war, völlig verwerfen: "Alle wichtigen italienischen Forscher, alle haben schwarz auf weiß geschrieben, dass dieser - unser Colombo [hier wird im Spanischen Text der italienische Name Kolumbus' verwendet] - ein Jude gewesen sei. Bzw., dass es absolut unpassend sei. Die ganze Theorie vom genovesischen Kolumbus gerät ins Wanken, wenn man akzeptiert, dass Kolumbus Jude ist [ja, der spanische Text verwendet das Präsens].​
¿Y por qué? Según explica Albardaner Génova había expulsado a los judíos en el siglo XII, "no había ni personas, ni comunidad, ni sinagoga, ni nada de nada. Los judíos sólo podían ir a permanecer en Génova tres días para hacer negocios y luego se tenían que marchar."​
Und warum? So wie Albardaner erläutert, hatte Genua die Juden im 12. Jhdt. herausgeworfen, es gab keinejüdischen Personen oder Gemeine, keine Synagoge, überhaupt nichts. Die Juden durften lediglich bis zu drei Tagen in Genua verweulen, um ihren Geschäften nachzugehen und danch mussten sie die Stadt wieder verlassen.​
Además, como señalan incluso los defensores de otras teorías españolas, todas las cartas que se conservan de Colón, y son muchas, están escritas en castellano y nunca se aprecia ni una sola influencia o palabra italiana. Es más, se escribía con el banco de Génova en castellano.​
Außerdem, woraufhin auch die Vertreter anderer spanischer Theorien hinweisen, sind alle Briefe, die von Kolumbus erhalten sind - und es sind viele - auf Spanisch geschrieben und niemals erschien nur ein geringer Einfluss oder eine italienische Vokabel. Darüber hinaus schrieb er der Bank von Genua auf​
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La investigación del doctor Lorente viajó hasta Italia para realizar estudios genéticos allí. Tomaron muestras de varones apellidados Colombo que viven a día de hoy en la zona del norte, ente Génova y Milán, esperando hallar coincidencias en el cromosoma 'Y'. Pero los resultados que obtuvieron, fueron totalmente inesperados. Los Colombo italianos no tienen rasgos genéticos parecidos entre sí ni por asomo. Dice Lorente que se debe a que en el siglo XV el apellido Colombo se le otorgaba a los niños que eran abandonados en iglesias y conventos. Un apellido perfecto para esconderse, plantea el documental.​
Die Forschung des Dr. Lorente reise nach Italien, um dort einige genetische Studien durchzuführen. Sie nahmen dort von Männern mit Nachnamen Colombo, die zwischen Genua und Mailand lebten, Proben, in der Hoffnung Übereinstimmungen im Y-Chromosom zu finden. Aber die Resultate waren absolut unerwartet: Die ital. Colombo hatten überhaupt keine ähnlichen genetischen Charakteristika unter sich oder auch nur des Verdachts wegen. Lorente sagt, dass sei, weil im 15. Jhdt. der Nachname Colombo den Kindern gegeben wurden, die vor Kirch- und Klostertüren abgelegt wurden. EIn perfekter Nachname, um sich zu verstecken, wie die Dokumentation ausführt.​
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El ADN ha demostrado que Colón mintió. Diego, su hermano, no era tal. Según los cromosomas eran parientes, pero de quinto de grado, algo así como un primo segundo.
Die DNA hat gezeigt, dass Kolumbus log. Diego, sein Bruder, war kein solcher. Laut den Chromosomen waren sie verwandt, aber im fünften Grad. Etwa so, wie ein Cousin zweiten Grades.​
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Francesc Albardaner siempre defendió además de la teoría judía que Colón era valenciano: "Nace en una familia de tejedores de seda de Valencia, donde había una larga tradición dentro de la comunidad judía de tejedores de seda. Como se está diciendo, Colón era judío, judío de cultura, judío de religión, judío de nación aquí y sobre todo de corazón, porque este hombre rezuma judaísmo en sus escritos."

Albardaner hat immer die Theorie vertreten, dass Kolumbus valencianischer Jude gewesen sei: "Er wird in eine Familie aus Seidenwebern aus Valencia geboren, wo es eine lange Tradition in der jüdischen Gemeinschaft gab, das Seidenwebehandwerk auszuüben. Wie er sagt, war Kolumbus Jude, Jude von der Kultur her, Jude vom Glauben her, Jude von der Nation her und vor allem mit ganzem Herzen, denn dieser Mann schwitzt das Judentum in seinen Schriften aus.
 
Meine Frage wäre: Wenn bekannt gewesen wäre, dass Kolumbus in Wahrheit sephardischer Jude war, wäre er dann überhaupt mit seiner Mission betraut worden? Hätten nicht seine Spötter und Rivalen seine Herkunft gegen ihn verwendet? Wäre Königin Isabella nicht unter Rechtfertigungsdruck geraten, warum sie einerseits das Alhambra-Edikt unterzeichnete, andererseits aber mit Kolumbus Geschäfte machte? Und als die ersten Berichte aus der Neuen Welt Spanien erreichten, dass Kolumbus entgegen seines Auftrags mit den amerikanischen Ureinwohnern alles andere als christlich umging, würde nicht die Partei der Königin, die sich immerhin zur Verbalintervention genötigt sah, nicht auch hier Kolumbus Jüdischsein hervorgezerrt haben?
Will sagen: Wenn Kolumbus wirklich als Jude geboren worden war, kann dies unter Zeitgenossen doch allenfalls der direkten Verwandtschaft bekannt gewesen sein. Wäre es öffentlich bekannt gewesen, wäre die Geschichte doch bestimmt anders verlaufen?
 
Der Artikel bei ORF hat Ansätze einer false balance, wenn er am Ende der Dartsellung darauf hinweist, dass mehrere Länder um die Herkunft Kolumbus' konkurrieren, denn die Argumente für die jeweiligen Herkünfte sind ja unterschiedlich bis gar nicht fundiert.

Dass Kolumbus Genueser gewesen sei, kann man immerhin bei seinem Sohn nachlesen, der das explizit schreibt. Wenn sein Sohn gelogen hat, muss es dafür einen Grund geben. Der könnte tatsächlich die jüdische Herkunft des Vaters sein, da wie gesagt, Neuchrist zu sein immer unter dem Verdachtsmoment stand, Kryptojude (oder auch Kryptomuslim, aber letzteres erst nach 1499) zu sein.
 
Und warum? So wie Albardaner erläutert, hatte Genua die Juden im 12. Jhdt. herausgeworfen, es gab keinejüdischen Personen oder Gemeine, keine Synagoge, überhaupt nichts. Die Juden durften lediglich bis zu drei Tagen in Genua verweulen, um ihren Geschäften nachzugehen und danch mussten sie die Stadt wieder verlassen.

Die Forschung des Dr. Lorente reise nach Italien, um dort einige genetische Studien durchzuführen. Sie nahmen dort von Männern mit Nachnamen Colombo, die zwischen Genua und Mailand lebten, Proben, in der Hoffnung Übereinstimmungen im Y-Chromosom zu finden. [...]

Kurze Verständnisfrage dazu:

Ist denn explizit unterstellt worden, dass Kolumbus direkt aus Genua gewesen sei?

Das Wort "genovese" würde man ja möglicherweise nicht nur auf die Stadt, sondern auf das Territorium der Republik Genua insgesamt beziehen können - was möglicherweise Korsika einschließen würde - .

Das würde im Raum des westlichen Mittelmeers liegen, worauf die genetische Untersuchung ja hinzudeuten scheint, zu Genua gehört haben und dann würde der Versuch mittels DNA irgendwo zwischen Mailand und Genua, verwandt Träger dieses Namens zu finden, möglicherweise schon deswegen ins Leere gelaufen sein, weil die Familie dann naütrlich auch auf Korsika hätte ansässig sein können.
 
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