Der Glaube allein ist es nicht, bzw. der kommt eben nicht von allein. Entscheidend ist, dass das Geld durch die Notenbank knapp gehalten wird. Ist das nicht der Fall, kommt es zu Inflation und das Geld ist immer weniger wert, egal, ob der Bürger daran glaubt oder nicht.
Entscheidend ist vor allem auch, dass der Staat um dessen gesetzliches Zahlungsmittel es sich handelt, wenn er einigermaßen funktioniert, die Durchsetzung dises Zahlungsmittels erzwingen kann.
Beispielsweise, in dem er Gewerbetreibenden und Händler Lizenzen um ihr Geschäft legal betreiben zu konnen nur unter der Auflage vergibt, dass sie das gesetzliche Zahlungsmittel akzeptieren und Waren und Dienstleistungen im Austausch dagegen anbieten müssen und sie wieder einziehen kann, wenn das nicht gewährleistet ist.
Bei gleichzeitigem Durchgreifen gegen Schwarzmärkte.
Und natürlich steht einer funktionierenden Staatsgewalt auch die Möglichkeit zur Verfügug durch Preisfestsetzungen und Verbote von Warenhortungen etc. die Herausgabe von Gütern gegen Währungseinheiten zu erzwingen.
Davon macht der Staat im Normalfall, wenn er marktwirtschaftlich organisiert ist keinen Gebrauch. In Ausnahmen, wie im Kriegs oder Katastrophenfall kann das aber sehr wohl vorkommen.
Und dann wird Währung eben nicht unbedingt nur einfach einfach deswegen akzeptiert, weil besonderer Glaube in die Stabilität vorhanden ist, sondern wegen der Konsequenzen die bei Zuwiderhandeln anfallen würden.
Diese Möglichkeit stumpft natürlich ab, im Besonderen, wenn sich zwischen dem Wert der Währungseinheiten und dem potentiellen Wahrenwert durch fortschreitende Inflation die Schere zu weit öffnet.
Aber in Maßen funktioniert das natürlich.
Salz hat keinen hohen Materialwert, seinen Wert bekam Salz nur dadurch, dass es für die Konservierung von Lebensmitteln unentbehrlich war, dass jeder es brauchte und manche Wirtschafts-Zweige sehr viel davon brauchten.
Anders ausgedrückt: Man kann nicht davon ausgehen, dass es unbedingt eine Thesaurierungsfunktion besaß, weil es regelmäßig verbraucht wurde.
Dementsprechend, wäre fraglich, ob es im volkswirtschaftlichen Sinne überhaupt hypothetisch Geldfunktionen erfüllen und damit de facto Geld darstellen könnte.
Salz war früher schon recht teuer. Man kann es zwar im Prinzip in beliebig großen Mengen aus dem Meer gewinnen, aber zumindest unter unseren klimatischen Bedingungen ist das nicht besonders effektiv. Deshalb hat die Hanse ihr Salz auch vor allem aus Lüneburg bezogen, anstatt es direkt vor Ort aus Seewasser herzustellen. Konkurrenz war teilweise Salz aus Meerwassersalinen in Frankreich und Spanien. Das Salz von dort galt aber nicht als so hochwertig.
Dabei darf man aber nicht übersehen, dass die Hanse nicht nur lokale Märkte bediente sondern vor allem eben auch Exportmärkte, wie Schonen oder später das von
@Scorpio genannte Amsterdam, die durch das Abschöpfen sehr reicher Fischgründe, einen sehr großen Bedarf an Konservierungsmitteln hatten.
Dadurch, dass also ein Großteil des Lüneburger Salzes, der nach Lübeck oder Hamburg ging, überhaupt nicht auf auf den lokalen Märkten losgeschlagen wurde, sondern auf den Überlokalen, auf denen auf denen andere Nachfragepotentiale herrschten, wurden die lokalen Märkte nicht damit geflutet.
Und so lange das nicht passierte, bleiben die Preise für Salz natürlich auf einem gewissen Niveau, aber das war durchaus bei weitem nicht so hoch, wie bei anderen Gütern (z.B. den genannten Gewürzen).
Wahrscheinlich wird man im Bezug auf Salz auch konstatieren können, dass sein Wert letztendlich mit dem von Brennmitteln korrspondierte, im Besonderen dort, wo ein Bezug zu Salzwasser gegeben war, oder wo eine alternative Konservierung durch Räuchern infrage kam.
Nach Wikipedia wurde Salz im deutschsprachigen Raum erst preiswert, als man die dicken Salzschichten des Pechsteinzeitalters abbauen konnte.
Nun ist in dem Artikel aber nicht von "Salz", sondern dezidiert von "Speisesalz" die Rede, so dass sich hier schon die Frage stellt, ob damit Salz als Konservierungsmittel im allgemeinen gemeint ist, oder eben als beliebter Speisezusatz für die täglichen Malzeiten.
Das macht ja dann auch noch mal einen Unterschied, was Nachfragemengen angeht.
Und dann ist da natürlich auch noch die Frage der Preisbildung. Salzmonopole und Salzsteuern etc. waren schonmal angesprochen worden und im Raum des Heiligen Römischen Reiches kamen natürlich auch noch die diversen Grenzen zwischen den Fürstentümern und damit potentielle Zollbarrieren hinzu.
Wie hoch der Preis für Salz in einzenen Teilen des deutschsprachigen Raums war, hing natürlich auch von den Transportkosten, und den sonstigen darauf liegenden Abgaben ab, nicht nur unbedingt vom Preis des Salzes als Handelsgut an und für sich.
Wie sich das im Einzelnen gestaltete, müsste man sich ansehen.
Es gibt nämlich durchaus Beispiele für Akteure, die ein Interesse daran hatten Preise für Salz relativ hoch zu halten.
Beispielsweise fährt Venedig im Hoch und Spätmittelalter eine Politik, die darauf hinauslief die Salzprosuktion durch Stillegung von Salinen im Bereich der venezianisch beherrschten Teile der Adria in Venedig selbst hoch zu halten, weil der Salzhandel gewissermaßen eine Rückersicherung gegnüber dem Levantehandel darstellte.
Die in Venedig und Umgebung durch Angebotsverknappung künstlich höher gehaltenen Salzpreise garantierten den Händlern sichere Profite, die sie in gewissem Maße gegen die deutlich höheren Risiken im Levantehandel wirtschaftlich teilweise absicherten und so die Stellung von Risikokapital für den Handel mit den orientalischen Luxuswaren vereinfachte.
Hier wären niedrigere Salzpreise durchaus möglich gewesen, wurden aber bewusst vermieden.
Ob es ähnliche Kalkulationen Salz und dessen Preise mit anderen Geschäftsfeldern zu koppeln auch im deutschsprachigen Raum gab weiß ich nicht, es wäre aber sicherlich denkbar.
Mindestens niederdeutschen Bereich und im Einzugsbereich der großen schiffbaren Flussysteme dürfte eher die Richtung von Warenströmen und die Gestaltung von Handelsbarrieren und Abgaben, als die bloße Verfügbarkeit von Salz in der jeweiligen Gegend Einfluss auf die Preise gehabt haben.
Römische Legionäre sollen auch einen Teil ihres Lohns in Form von Salz ausgezahlt bekommen haben. Daher soll das Wort Salär kommen (von Salarium über franz. Salaire).
Naja, das entspricht aber eher einer Zulage in Naturalien, als einer Bezahlung in irgendeiner Währung, da das Salz sowohl weitergehandelt, als auch von den Legionären selbst verbraucht werden konnte.
Die Legionäre waren ja keine reinen Soldaten, sondern saßen ja auch immer wieder über längere Strecken in den Legionslagern und konnten da durchaus Nebentätigkeiten nachgehen um den eigenen Sold aufzubessern die eventuell mit salz in Zusammenhang stehen konnten oder aber es konnten vor Ort zusätzliche Lebensmittel agekauft und das Salz dann als Konservierungsmittel verwendet werden.
Zusätzlich zum in Metallgeld ausgezahltem Sold zur Verfügung gestelltes Salz kann man Modern vielleicht mit Deputatkohle als Lohnzulage für Bergleute verglichen.
Damit wurde ein Teil der Arbeit bezahlt und die konnte theoretisch auch weiter verkauft werden, aber man würde das kaum als Währung bezeichnen.
Dort findet man auch tatsächlich ein bisschen über Salz als Zahlungsmittel. Danach soll Salz u. a. in Äthiopien und Eritrea als Zahlungsmittel verwendet worden sein.
Die Frage ist eben, würde man das Währung, bzw. "Geld" nennen?
Stichwort "Thesaurierungsfunktion".
In der Volkswirtschaftslehre wird ja davon ausgegangen, dass Geld zwar im Prinzip alles ist, was Geldfunktionen erfüllt, zu diesen zählt aber eben auch die Speicherung ("Thesaurierung") von Werten, womit z.B. verderbliche Güter, die sich nicht beliebig aufbewahren lassen um den Wert langfristig zu sichern außen vor sind.
Die Frage, wenn man diese Prämisse akzeptiert wäre aber, ob man bei Salz, also einem Gut, dass seinen Wert für die entsprechenden Gesellschaften daraus bezieht ein klassisches und dringend benötigtes Verbrauchsgut zu sein, eine Thesaurierungsfunktion zugestehen möchte.
Theoretisch, kann man Salz übeer lange Zeit einlagern und es ist auch nicht verderblich, sofern es nicht verunreinigt ist.
Aber die soziale Praxis sieht ja nun einmal so aus, dass "Salzspeicher" à la Dagobert Duck (überzeichnet) zum Zweck der Wertaufbewahrung eigentlich de facto nirgendwo vorkommen (im Gegensatz zu anderen Dingen, wie Edelmetll die mitunter durchaus zu diesem Zweck gehortet werden). Die soziale Praxis geht eigentlich dahin, dass Salz wenn überhaupt nur temporär aufbewahrt wird um es später, wenn es saisonal gebraucht wird zu nutzen, aber nicht darin, große Werte in großen Salzbeständen abzuspeichern um sie für wirtschaftliche Transaktionen vorzuhalten.
Ich würde von dem her, mal behaupten, theoretisch könnte Salz eine Thesaurierungsfunktion haben, weil es nicht verderblich ist, und daher als theoretisch als Aufbewahrungsmittel dienen könnte. In der sozialen Praxis ist das aber eher nicht der der Fall.
Zumal das ganze System davon lebt, dass das en gros nicht der Fall ist, da nur der Verbrauch des Salzes seine Knappheit als Gut und damit die Nachfrage danach überhaupt garantiert, während es zu Inflation und Wertverfall fürhren würde, wäre Thesaurierung von Werten durch Salz tatsächlich gängige soziale Praxis und würde das Salz daher nicht konsumiert.
In diesem Sinne, wird man Salz als wichtiges Handelsgut begreifen können, aber eher im Sinne eines Warentausches, nicht verglichbar mit Metallwährungen als vollwertigem Geld im eigentlichen Sinne oder in Verbindung damit als Währung.