Ich beziehe mich da auf Scorpio Beitrag 7:
"Salz hat keinen hohen Materialwert, seinen Wert bekam Salz nur dadurch, dass es für die Konservierung von Lebensmitteln unentbehrlich war, dass jeder es brauchte und manche Wirtschafts-Zweige sehr viel davon brauchten."
"Als "Ersatzwährung" taugt Salz nicht viel. Als Tauschware taugt es nur, wenn man gleich eine Tonne davon hat. Als Ersatzwährung taugt nur etwas, das kostbar, das knapp ist."
Scorpio hat Bedingungen für Werthaltigkeit genannt: die verfügbare Menge oder Knappheit, den Bedarf, dazu auch, wieviel Arbeitsleistung erforderlich ist, um ein qualitatives Produkt herzustellen. Zum Bedarf ergänzend, da nur Konservierung wiederholt erwähnt wird - möglicherweise war das Interesse am Salz auch groß,weil die Aufnahme von Natriumchlorid physiologisch für Menschen existentiell ist.
Die Verfügbarkeit von Salz kann auch durch politische und ökonomische Eingriffe beeinflußt werden. Die Monopolisierung als hoheitliche Aufgabe, Zölle, Einfuhrverbote, Salzsteuern wie die französische Gabelle zeigen ein starkes Interesse am Schutz und der Erhöhung der Einnahmen aus der Salzproduktion.
Zu deiner zweiten Frage: da mein Besuch der Saline mehr als 20 Jahre zurückliegt, kann meine Erinnerung trügen, ich habe es als Schutz vor Diebstahl gespeichert. Wenn auf das Hinterziehen der Salzsteuer in Frankreich bis zu neun Jahre Galeere stand, scheint die Bedeutung von Salz vor der Neuzeit wesentlich höher gewesen zu sein, als wir uns heute vorstellen können. Aber shinigami, im Grunde hast du recht, dies führt vom Thema
Salz als Währung weg, da ist das äthiopische Beispiel von Turandohkt spannender. Unten die Einnahmen des Deutschen Reichs 1872:
die Salzsteuereinnahmen liegen 1872 (nicht in den Folgejahren) vor allen anderen Verbrauchssteuern (aus Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich, 1881)
Anhang anzeigen 24249
aus
Salz hat auch im 18. Jahrhundert noch wirtschaftlich eine Rolle gespielt. Peter I. hat während des Großen Nordischen Krieges eine Verbrauchssteuer für Salz eingeführt. In seiner Biographie schreibt Robert K. Massie, dass zahlreiche Russen sich nicht ausreichend Salt leisten konnten.
Eduard Lowell erwähnt in seinem Buch "The Hessians and the other German Auxilliaries of Great Britain in The Revolutionary War eine Anekdote von Wilhelm IX. von Hessen-Kassel. Um eines der Kinder zu versorgen, die seine Mätresse geboren hatte, erhöhte er den Salzpreis um einen Kreuzer, und der Aufschlag der Salzsteuer scheint eine so große Summe ausgemacht zu haben, dass es zumindest für die Versorgung eines Kleinkinds reichte.
Salz war durchaus auch ein Spekulationsobjekt. Eine der dubiosen Familien, mit denen Scarlett O Hara-Butler sich während der Reconstruction umgibt, hat den Grundstock seines Vermögens damit gemacht, dass sie Salz zum Spottpreis zu Kriegsbeginn aufkaufte und teuer an die Konföderierte Armee verkaufte.
In einem Märchen der Brüder Grimm (?) verstößt ein Mann seine Tochter, weil sie auf die Frage wie sehr sie ihn liebt, antwortet so sehr wie Salz. Diese Antwort interpretiert der Vater als Geringschätzung, weil Salz im Vergleich zum Schmuck der anderen Töchter nicht kostbar ist. Erst im Lauf der Handlung wird klar, dass Salz eben lebensnotwendig, unersetzlich ist, was die Tochter mit ihrer Antwort aussagen wollte.
Salz stand nicht überall und in der gewünschten Qualität und Quantität verfügbar, es war aber unentbehrlich für die Konservierung von Lebensmitteln, und dieser Tatsache verdankte so manche Stadt ihren Wohlstand.
@Griffel überschätzt aber bei weitem den Tauschwert und Materialwert von Salz im Mittelalter. In einem anderen Thread hat er sich vorgestellt, dass Salz mit Gold aufgewogen wurde. Hat das aber, wieder einmal als Tatsache hingestellt.
@Griffel überschätzt bei weitem den Wert von Salz. Ausgehend von der falschen Information das Salz unendlich kostbar war, so kostbar wie Gold stellt er sich nun vor, dass Salz ein Zahlungsmittel war, ja eine "Ersatzwährung"
Ausgehend auf dieser Fehlinformation hat er sich nun vorgestellt, dass Salz ein Zahlungsmittel, ja eine Notwährung war- Das war es aber nicht.
Im Transatlantischen Handel wurden vielfach Waren zumindest auf einzelnen Stationen gegen andere Waren getauscht: Sklaven wurden an der afrikanischen Küste eingetauscht gegen Rum und Sklaven wurden in Amerika, der Karibik und Brasilien gegen Zucker und Tabak eingetauscht, die in Europa gewinnbringend in Geld gewechselt wurden. Zucker, Tabak, Pelze haben in der Wirtschaftsgeschichte zumindest auf einigen Stationen des Handels oder des Transatlantischen Handels die Funktion eines Zahlungsmittels erfüllt. Im Pelzhandel war der Biber Maßstab, Recheneinheit, alle anderen Pelze wurden im Verhältnis zum Biber bewertet. Um Zugänge zu Ressourcen wurden "Biberkriege" geführt.
Rum wurde aus Melasse hergestellt, einem Abfallprodukt der Zuckerindustrie. Die Melasse ließ sich veredeln zu einem Produkt mit hohem Tauschwert, das praktisch unbegrenzt haltbar war. Flensburg verdankte seine Spätblüte den Aktivitäten der Dänischen Westindienflotte.
Wenn eine Ware die Funktion eines Zahlungsmittels erfüllt, handelt es sich in der Regel um eine Handelsware, die wie eine Kurantmünze einen hohen Materialwert hat, eine Ware, die in Krisenzeiten immer begehrt ist, einen hohen Tauschwert hat, die vor allem von jedem Handelspartner akzeptiert wird. Zucker, Kaffee, Gewürze hatten teilweise extrem hohe Preise. Salz aber wurde niemals mit Gold aufgewogen, wie das
vielleicht bei einigen Gewürzen tatsächlich der Fall war, auch Zucker war noch im 17. Jahrhundert extrem teuer.
In der Kriminalgeschichte wird immer erwähnt, dass bei dem und dem Raub soundso viele Reichstaler oder Gulden erbeutet wurden. Meist aber war die Beute eben nicht Bargeld, sondern Waren. Als beliebte Beute tauchen da immer Lebensmittel, Spirituosen, Kaffee, Tabak, Zucker, Textilien auf.
Es war, wie
@Ravenik und andere schrieben, auch bis weit ins 20. Jahrhundert üblich, dass ein Teil von Löhnen, aber auch bei anderen Geschäften in Naturalien verrechnet wurden.
Salz war in früheren Jahrhunderten regional weitaus teurer, Salz war durchaus auch ein solider Handelsartikel, mit dem sich lukrative Spekulationsgeschäfte machen ließen. aber in den letzten 500 Jahren war es nirgendwo in Europa so kostbar, dass es als Zahlungsmittel diente, dass es üblich war, andere Waren damit zu bezahlen.
@Griffels Frage lässt sich einfach beantworten: Nirgendwo und zu keinem Zeitpunkt hat Salz in Europa, Nordamerika oder Asien als Zahlungsmittel gedient und schon gar nicht als Ersatzwährung, denn dazu war es nicht kostbar genug, es eignete sich nicht als Material für Kurantmünzen.
Im Übrigen ist auch die Behauptung, es gäbe keine krisensichere Wertanlage so nicht zutreffend. Wenn über Jahrhunderte, Gold, Silber, Platin und Diamanten sich als relativ krisensicher und wertbeständig erwiesen haben, dann spricht das schon dafür, dass sie recht wertbeständig sind. Silber wurde stark abgewertet. Dass auch Gold, Diamanten und Platin geklaut, beschlagnahmt, geraubt werden können, dass sie von der Inflation gefressen werden können. In der Hungersnot ist Goldwert relativ. Man kann es nicht essen, und dann kostet eine Stracke plötzlich 20 Goldmark.