Odoakers Tod (hinzugefügt durch Theoderich)

muck

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- Nero soll angeblich seinen Cousin Britannicus vergiftet haben.
- Kaiser Valentinian III erstach seinen Heermeister Aetius eigenhändig (sein Kammerdiener erledigte den Rest). "Da schneidet die linke Hand die rechte ab", war ein Kommentar hierzu.
- Ostgotenkönig Theoderich zerhieb König Odoaker mit einem Schwertstreich vom Schlüsselbein bis zur Hüfte. "Keine Knochen hat der Mann", soll er dazu gesagt haben.
- endlich sollte Hunnenkönig Attila seinen Bruder Bleda ("Blödel") auf der Jagd eigenhändig erledigt haben, das ist aber nicht wirklich belegt.
Allerdings nennst Du Beispiele, die dem vierzehnten Louis um gut tausend Jahre vorausgehen. In der Spätantike und im Mittelalter hatte ein Herrscher selbst Krieger zu sein, sollte selbst Hand anlegen können. Im Absolutismus der Neuzeit hingegen stand der Herrscher über allem, sollte sich nicht selbst die Hände schmutzig machen.
- Ostgotenkönig Theoderich zerhieb König Odoaker mit einem Schwertstreich vom Schlüsselbein bis zur Hüfte. "Keine Knochen hat der Mann", soll er dazu gesagt haben.
Das ist mit Sicherheit apokryphisch, obwohl ein beliebtes Sujet mittelalterlicher Illuminationen.
 
Meine Güte, dass es bei Odoakers Ableben so zugegangen ist hatte ich nicht gewußt.
Die Bilder aus späteren Jahrhunderten, die Theoderich über dem Toten zeigen sind ja ziemlich entschärft.
Dazu fällt mir ein dass mir so spontan kein historien Gemälde des 18-20jh einfällt welches ausser einigen relativ "gesund" aussehenden abgeschlagenen (Heiligen)Häuptern, wirklich schlimme Verstümmelungen zeigt. Das hat man dem Publikum wohl eher nicht zugemutet... Andererseits: Öffentliche Hinrichtungen.
 
Ostgotenkönig Theoderich zerhieb König Odoaker mit einem Schwertstreich vom Schlüsselbein bis zur Hüfte. "Keine Knochen hat der Mann", soll er dazu gesagt haben.
Theoderich lud O. zum Mahle in seinen Palast (in Laureto) ein, und stieß den Patricius hier mit eigner Hand nieder, nachdem zwei Männer unter dem Schein dringender Bitten beide Hände Odovakar's erfaßt hatten, und festhielten. Das Schwert fuhr beim Halse hinein und bei der Hüfte heraus, (nicht einmal einen Knochen hatte das Scheusal im Leibe, sagte Theoderich später), er rief dabei: „so hast du weiland meinen Gesippen gethan“, was damit gemeint ist, bleibt unklar (ob. S. 155); die Pflicht der Blutrache mindert einigermaßen die Schwere von Theoderich's Schuld; er glaubte sich aber offenbar erst sicher, wenn sein Gegner, der großartigen Widerstand hatte leisten können, unter der Erde lag. Später ward von dem Sieger vorgegeben, — und vielleicht auch geglaubt — man habe so einem Mordplan Odovakar's zuvorkommen müssen. Odovakar's Wittwe Skunigildis ward in den Kerker geworfen, wo sie Hungers starb, sein Sohn Thela, den O. früher zum „Cäsar“ d. h. wol Mitregenten, aber nicht zum Kaiser ernannt, dann als Geisel gegeben hatte, nach Gallien verbannt und als er, unter Bruch dieses Bannes, wieder in Italien erschien, hingerichtet. Eine Art von sicilianischer Vesper beseitigte an dem für die Ermordung Odovakar's vorbestimmten Tage auch alle dessen, über ganz Italien verstreuten ehemaligen Waffengenossen und Anhänger. — Dieser byzantinische Bericht, den Gothen allerdings sehr feindselig, wird gleichwohl im Wesentlichen aufrecht zu halten sein, gegenüber den von den gothischen Staatsrednern und Staatsmännern ausgehenden oder beeinflußten.
Felix Dahn 1887 Deutsche Biographie - Odovakar
 
@Nergal

Wie gesagt, mittelalterliche Illuminationen zeigen solche Verletzungen, manchmal sogar durch Rüstungen hindurch—alles physisch unmöglich.

Ein starker Mann könnte mit einer beidhändig zu führenden Blankwaffe—etwa einer Dänenaxt oder spätmittelalterlichen Mordaxt—vielleicht einen Arm an der Schulter abhauen. Aber vom Schlüsselbein bis zur Hüfte? Das ist Unsinn, da ist so viel Masse, sind so viele Knochen im Weg. Da wird ein Verletzungsmuster behauptet, wie es allenfalls entsteht, wenn ein Mensch einer tonnenschweren Maschine ins Gehege kommt.

Der angebliche Ausspruch "keine Knochen hat der Mann" untermauert für mich, dass es sich um eine Schilderung mit bloßem Symbolgehalt handelt. Denn Odoaker müsste wirklich keine Knochen gehabt haben, um so zu enden. Das Ganze soll im Leser bzw. Zuhörer die gewünschte Assoziation hervorrufen, dass Odoaker ein Mann ohne Mumm gewesen sei, ohne Rückgrat, ohne Substanz.
 
statt Mann Scheusal laut Dahn - na ja, sowohl zu Odoakars als auch zu Theoderichs Tod bieten die Quellen unterschiedliche Versionen.

Bzgl. der Aufzählung von @Eumolp seien noch die Merowinger hinzugefügt, die ganz gerne zur Korrektur dynastischer Angelegenheiten höchstselbst zur Tat schritten und dabei auch nicht vor Kindern zurückschreckten.
 
In der Spätantike und im Mittelalter hatte ein Herrscher selbst Krieger zu sein, sollte selbst Hand anlegen können.
Allerdings trifft das bei Valentinian III nicht zu. Erst nach dem Mord an Aetius hat er sich ums Militär gekümmert, wurde während einer Übung aber bald selbst umgebracht, von 2 Angehörigen der bucellarii des toten Heermeisters, und angeheuert von Petronius Maximus, der tags darauf die Witwe Valentinians III, Eudoxia, heiratete und selbst zum Augustus aufstieg. Aber hier, wie so oft: nicht er selbst. Als Senator auch kaum vorstellbar.

Bzgl. der Aufzählung von @Eumolp seien noch die Merowinger hinzugefügt, die ganz gerne zur Korrektur dynastischer Angelegenheiten höchstselbst zur Tat schritten und dabei auch nicht vor Kindern zurückschreckten.
Du meinst wohl Chlodwig, der einen Soldaten persönlich umgebracht hat. Ich zitiere den Absatz bei Wolfram (Das Reich und die Germanen, S.307):
Gregor von Tours berichtet, Chlodwig habe einem Bischof ein wertvolles liturgisches Gefäß zurückgeben wollen und bei der Beuteverteilung seine Krieger gebeten, ihm das Stück, das nicht zu seinem Anteil gehörte, dennoch zu überlassen. Alle stimmen zu, nur einer beharrt auf seinem Recht, zerschlägt das geweihte Gefäß mit seiner Francisca und verläßt ungehindert den Schauplatz des Geschehens. Auf dem besagten Märzfeld inspiziert der König persönlich die Waffen seiner Krieger. Dabei trifft er auch auf den Gefäßzertrümmerer von Soissons und »läßt ihn auffliegen«. Chlodwig bemängelt in typischem Soldatenjargon den ungepflegten Zustand, in dem sich die Waffen des Mannes befinden. Darauf entreißt der König dem Gescholtenen dessen Francisca und wirft sie zu Boden. Als sich der Krieger danach bückte, spaltete ihm Chlodwig mit seinem eigenen Beil den Schädel.
Auch verwandte, aber verfeindete (Unter-)Könige hat er eigenhändig niedergemacht, ich zitiere Meyers Konversations-Lexikon:
Als [Chlodwig] den Fürsten von Cambrai, Ragnachar, und dessen Bruder Richar gefangen genommen, schlug er den ersten mit der Streitaxt nieder, weil er durch seine Feigheit das königliche Geschlecht geschändet habe, und dann auch den letztern, weil er seinem Bruder nicht genug beigestanden.
Was die Kinder betrifft, ist mir so etwas nicht bekannt. Als er starb, hinterließ er jedenfalls mehrere lebende Söhne.

Was aber Familienmorde als solche betrifft, so waren Constantin I und seine Söhne frisch dabei und ermordeten 3/4 der Verwandtschaft, aus dynastischen Gründen. Allerdings nicht selbst, man heuerte hierzu Soldaten an und umnebelte das Geschehen als eine Heeresmeuterei.
In der konst. Dynastie tat sich auch ein gewisser Gallus hervor, nur ein Caesar und Halbbruder Julians, der ebenfalls einige Widersacher hat umbringen lassen (er selbst griff wohl nicht zu). Aber seine Ehefrau Constantina (Schwester von Constantius II) soll mehrfach ihren widerspenstigen Untergebenen, Quaestor Montius, mit eigenen Händen vom Stuhl gezerrt und niedergeworfen haben, eine echte Amazone!

Was eigenhändige Verwandtenmorde betrifft, so kenne ich nur noch Gerüchte: Domitian soll seinen Bruder Titus getötet haben, Caracalla seinen Vater Septimius Severus, aber das sind unbelegte Spekulationen. Der Auftragsmord für seinen Bruder Geta ist dagegen verbürgt.
 
Das Mittelalter war da noch lustiger drauf mit solchen Darstellungen.
Ein starker Mann könnte mit einer beidhändig zu führenden Blankwaffe—etwa einer Dänenaxt oder spätmittelalterlichen Mordaxt—vielleicht einen Arm an der Schulter abhauen. Aber vom Schlüsselbein bis zur Hüfte? Das ist Unsinn, da ist so viel Masse, sind so viele Knochen im Weg. Da wird ein Verletzungsmuster behauptet, wie es allenfalls entsteht, wenn ein Mensch einer tonnenschweren Maschine ins Gehege kommt.
Ich hätte da auch eher an ein mehrfaches hinhauen gedacht, das war später aber sicher künstlerisch nicht ansprechend.
Dazu fallen mir dann die Legenden um das japanische Zanbato (Schwert) ein welches in der Lage gewesen sein Soll Reiter samt Pferd in Stücke zu schlagen.
 
Du meinst wohl Chlodwig, der einen Soldaten persönlich umgebracht hat. Ich zitiere den Absatz bei Wolfram (Das Reich und die Germanen, S.307):
Auch verwandte, aber verfeindete (Unter-)Könige hat er eigenhändig niedergemacht, ich zitiere Meyers Konversations-Lexikon:

Was die Kinder betrifft, ist mir so etwas nicht bekannt.
Nach dem Tod Chlodomers, der 524 auf einem Feldzug gegen die Burgunden ums Leben kam, beschlossen Childebert und Chlothar, Chlodomers drei erbberechtigte unmündige Söhne, ihre Neffen, aus dem Weg zu räumen, um sich das Erbe anzueignen. Auf Anstiften Childeberts tötete Chlothar die beiden älteren Kinder eigenhändig. Nun konnte Childebert sein Reich um einen Teil von Chlodomers Hinterlassenschaft erweitern.
Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Childebert_I.
 
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