Warum zu einem offen rassistischem Text nach kulturellen Begründungen suchen, wenn der Autor diese nicht liefert?
Tut er ja gerade doch, wenn er die sprachliche Assimilation an die deutschsprachigen Einwanderer in Pennsylvania als Schreckensszenario an die Wand malt, oder hatten die deutschen Dialekte Hautfarben?
Für brachialen Hautfarbenrassismus, der sich einzig darauf als Merkmal kaprizierte, ist der Text eigentlich zu früh drann.
In meinen Augen ist die Stoßrichtung des Textes auch weniger systematisch rassistisch, als viel mehr im allgemeinen xenophob, was Einwanderer betrifft.
Denn wenn man mal annimmt, dass Franklin den Saxons vor allem deswegen als einziger Gruppe neben den Engländern zugestanden hat "purely white" zu sein, weil alles andere eine rechtlich heikle kulturalistische oder gar rassistische Herabwürdigung des eigenen Königs bedeutet hätte, sagt der Text eigentlich, dass die Engländer für sich genommen (wohlbemerkt Engländer, nicht etwas Briten) die am höchsten, exklusiv über allen anderen Gruppen stünden, weswegen sie das mehr oder weniger exklusive Recht hätten dort in den Kolonien zu sein.
Nun ist das Kaprizieren auf eine einzige national definierte Gruppe für rassistische Vorstellungswelten aber eher untypisch. Selbst die Nazis in ihrem absoluten Wahn, was das betrifft, hatten ja die Vorstellung, dass es jedenfalls noch so etwas wie "artverwandte germanische Rassen" gäbe, die biologisch jedenfalls annähernd gleichwertig sein.
Auch bei anderen rassistischen Vorstellungen war das eigentlich immer der Fall. Das 19. und frühe 20. Jahrhundert hat von "Germanischen", "Slavischen", "Lateinischen" (die Franzosen hatten da ein paar entsprechende Vordenker vor allem in der Mitte des 19. Jahrhunderts) Rassen, Brudervölkern etc. fabuliert, aber eigentlich nicht im Bezug auf eine einzige nationale Gruppe.
Auch bei rassistischen Vordenkern am Ende des 18. Jahrhunderts wäre mir das nicht bekannt. Ein Immanuel Kant etwa hat ja durchaus mit fragwürdigem Hautfrabenrassismus herumexperimentiert, sich so weit mir bekannt aber nie dazu verstiegen diese Begriffe so weit zu verengen.
Natürlich hat der Hautfarbenrassismus an und für sich immer schräge Postulate fabriziert, wie etwa dasjenige einen Andalusier "weiß", einen Nordmarokkaner aber "schwarz" zu nennen, während die beiden im Zweifel gerade mal 30 Km Seezone von einander trennen.
Aber an gewisse Grundbeobachtungen (immerhin wollten Rassisten sich selbst ja als Naturwissenschaftler verstanden wissen, nicht als irgendwelche Philosophen oder Esoteriker) wie der Umstand, dass in Afrika aufs Ganze betrachtet dunklere Hauttypen vorherrschen als in Europa, sind in den einschlägigen Theorien ja durchaus vertreten und erfüllen den Zweck dem ganzen Scheinplausibilität zu verschaffen.
Demgegenüber Fällt was Franklin schreibt aber aus dem Rahmen, weil sie seine Zuordnungen so in keiner Weise plausibel finden als Beobachtungen finden.
Man mag versuchen können das zu rationalisieren, wenn man sich bei seinem Sermon auf die Aussagen über Südeuropäer bezieht und sicherlich konzedieren können, dass man sicherlich Spanier und Süditaliener findet, deren Teint dunkler ist, als der des Normalbriten und wenn man dann noch die Provence und Südtirol als Beispiele bemüht, lässt sich das vielleicht noch auf Teilgruppen Bei Franzosen und Deutschen (im damaligen Verständnis) anwenden.
Nur: Er unterstellt das ja auch bei Russen (große Teile der Ukraine und der Kaukasus gehörten damals noch nicht unmittelbar dazu) und Schweden.
Und das wiederrum wirft alle Vorstellungen, von Wegen man könnte ja da zwischen Engländern und Süddeutschen, wegen Sonnenstunden usw. evt. vielleicht graduelle Unterschiede ausmachen, ad absurdum, bzw. wirft das gesamte Konzept um.
Denn mit Schweden einem Land/einer Bevölkerung, deren Zentren von England aus betrachtet eher im Norden und deutlich näher am Polarkreis liegen (zumal da damals ja auch Finnland noch dazu gehörte) in irgendeiner Form dunklere Hautfarbe zu attestieren als den Engländern, ist offensichtlich absurd und nicht realiter beobachtbar gewesen.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Für mich macht das nach wie vor den Eindruck, dass es da nicht um ein rassistisches System geht, sondern darum den eigenen Anspruch auf Vorrechte, in Form, der oben bereits erwähnten "Rechte freier Engländer" irgendwie in ein pseudonaturrrechtliches Gewandt zu kleiden und aus diesem Grund Gründe herbei zu erfinden, warum alle anderen Gruppen den Engländern unterlegen seien.
Aber ohne da tatsächlich pseudobiologistische Beobachtungen stringend anzustrengen oder einzuarbeiten.
In diesem Sinne, würde ich sagen, dass zummindest der in der Überschrift gewählte Begriff "Rassentheorie" nicht wirklich passt, denn eine ausgefeilte Denke, für die sich zummindest biologistische Scheinargumente fänden, die es plausibel erscheinen lassen könnten, ist das eigentlich nicht.
Wenn Franklin sich öffentlich hingestelt und gemäß dieser Lesart behauptet hätte, Schweden seien im Vergleich mit Engländern "dunkelhäutig" dann hätte er dafür wahrscheinlich einige gute Lacher geerntet und wäre für deppert erklärt worden.
Wenn man nicht davon ausgehen möchte, dass er sich von vorn herein selbst lächerlich machen wollte, sollte man ernsthaft in Erwägung ziehen, ob sein Konzept von "swarthy" über die Hautfarbe hinaus und in den Bereich kultureller Merkmale hineinging.