Wie seht ihr das...sind Banküberfälle in einer brutalen Diktatur genauso moralisch verwerflich wie in einer Demokratie?
Wenn du explizit danach fragst, ob das in einer brutalen Diktatur so verwerflich wäre, wie in einer Demokratie, stellst du ja mehr oder weniger auf die Denkfigur "Widerstandsrecht gegen eine tyrannische Obrigkeit " ab.
Die Frage, die hier zu stellen wäre, wäre ob denn Banküberfälle ein geeignetes Mittel sein könnten, um diese ungerechte Obrigkeit zu bekämpfen.
Ein Gedankengang zum "spanischen Robin Hood":
Wenn der Artikel einen Vergleich zur Robin Hood-Legende zieht, ist das inhaltlich auf mehreren Ebenen falsch:
1. Robin Hood, war ja der Legende nach kein politischer Umstürzler, der die Monarchische/Feudale Ordnung an und für sich in Frage gestellt hätte, sondern nur einer, der sich gegen Ungerechtigkeit und Habgier von Personen innerhalb des Systems wandte.
2. Das Narrativ "von den Reichen zu stehlen und es den Armen zu geben", ist ja mit einem Banküberfall, der potentiell auch die Spareinlagen eher nicht so wohlhabender Personen unterschiedslos mit betreffen kann, nicht so unbedingt gut vereinbar.
Zumal man "Armut" natürlich nicht vom Standpunkt heutiger gesellschaftlicher Gegebenheiten betrachten darf, wenn es um die Vergangenheit geht.
Man könnte natürlich versucht sein, zu sagen, dass arme Personen, weil sie keine oder wenig Spareinlagen haben von Banküberfällen wohl nicht übermäßig betroffen sein würden.
Das mag vom heutigen Standpunkt aus logisch erscheinen, preist aber ein, dass wir heute z.B. Gesundheits- und Altersvorsorge in einer Weise organisiert haben, die in der Regel nicht mehr viel mit Sparguthaben zu tun hat.
Aber z.B. das umlagefinanzierte Rentensystem ist eine vergleichsweise junge Erscheinung, die erst nach dem 2. Weltkrieg aufkam. Und in anderen Gegenden der Welt, z.B. den USA ist es ja nach wie vor so, dass die Altersvorsorge sich zu weiten Teilen aus Anlagen des eigenen Arbeitslohnes, der sich über das Leben angesammelt hat, gebildet wird.
Ich weiß nicht, seit wann die Spanier ein umlagefinanziertes Rentensystem haben, würde aber mal davon ausgehen, dass das auch noch nicht so alt ist.
Nun stell dir vor, du bist ein Senior von vielleicht 70 Jahren, wohnst in einer bescheidenen kleinen Wohunung, die du dir irgendwann mal gekauft hast, so dass dir immerhin keine Mietkosten anfallen und du hast in deinem Arbeitsleben ein Sparvermögen im heutigen Wert von vielleicht einigen 10.000€ zusammengetragen. Das hast du, um es vor Dieben und Einbrechern zu schützen und zumindest noch ein wenig Zinseinnahmen zu haben, damit es nicht ganz so schnell zusammenschmilzt auf die örtliche Bank gebracht und in Ermangelung einer hinreichenden staatlichen Rente (vielleicht gibt es ein wenig steuerfinanzierte Hilfen, die vielleicht 10-15% der Lebenserhaltungskosten abzudecken helfen, aber mehr nicht), lebst du halt von deinen Ersparnissen, damit kalkulierend, dass das vielleicht noch 5-6 Jahre bis zum zu erwartenden Tod irgendwie hinreichn müsste.
Nun kommt irgendjemand und raubt die Bank aus, behauptet, dass geschehe im Namen eines noblen politischen Ziels und dass er das Geld von den Reichen an die Armen verteilen würde.
Wie fändest du dass z.B. wenn dadurch deine Altersvorsorge mal eben weg wäre, weil das z.B. zufällig eine Privatbank mit keiner oder relativ niedriger Einlagensicherung war und die Bank durch den Raub so schwer betroffen ist, dass sie in die Insolvenz geht?
Ich denke solche Dinge sollte man ggf. mit in Erwägung ziehen, wenn man sich moralische Urteile über Widerstandshandlungen gegen Tyrannen und potentielle "Robin Hood"-Nachfolger bilden möchte.