Ich hatte das Vergnügen nun Teil 1 der Serie "Dangerous Liasions" von 2021 zu sehen.
"Dangerous Liasions" (UK, Regie: Leonora Lonsdale, 2022) P 1
Handlung: Der mittellose Kartograph Pascal Valmont [sic.!] (Nicolas Denton) hat sich 1783 in die ebenso mittellose Prostituierte Camille (Alice Englert) unsterblich verliebt. Er lebt von der Erpressung reicher Damen, da er von seinem Posten bei der Stadt Paris scheinbar keine Einnahmen hat [???]. Er verspricht Camille mit ihr in ein neues Leben aufzubrechen. Doch sein Versuch bei seiner schwarzen Stiefmutter [sic.!] (Colette Dala Tchantcho) alles vom Erbe bekommen soll. Daher kehrt er zu seinem alten Plan zurück die Marquise de Merteuil (Lesley Menville) mit ihren Liebesbriefe zu erpressen, damit sie ihm einen Titel und Geld gibt. Doch unterdessen hat Camilles marokkanische [?] Zofe Victoire (Kosar Ali) die Briefe entwendet und ihr ist gelungen Camille von Valmonts Untreue zu überzeugen. Anschließend erpresst nun Camille ihrerseits die Marquise, die sie im Gegenzug in die feine Gesellschaft einführen soll [???]. Doch erschaudert die Marquise, als sie davon erfährt, dass ihr Gemahl von ihren Plantagen heimkehren soll. Ihr Sklave/Diener ist aber ihre rechte Hand und es gelingt ihr Valmont abzuweisen, da die Marquise weiß, dass Valmont unterdessen keine Druckmittel gegen sie und die anderen Damen besitzt.
Die Handlung des 1. Teils der Serie ist schon vollkommen unglaubhaft und unlogisch. Im Gegensatz zu den Behauptungen in der Episode steht oft die Ausstattung. So soll die Prostituierte keinen Sous besitzen, hat aber ein besticktes übermodernes Kleid und Valmont kann sich leisten im Seidenanzug ohne Mantel oder Hut durch den Regen zu rennen. Vollkommen absurd aber, dass sein Vater an irgendeinem Gericht erwirkt haben soll, eine Schwarze und ihren Sohn als Alleinerben seines Vermögens eingesetzt haben soll und ihm sogar sämtliche Titel entzogen haben soll. Auch lässt sich die angeblich so standesbewusste Marquise dazu herab mit ihrem Sklaven zu plaudern oder Camilles Zofe gibt laufend Widerworter, obwohl die Marquise ohne viel Aufwand beiden die Briefe entwenden könnte und sie vor die Tür setzen ließe. Es gilt hier wieder das heute scheinbar unvermeidliche Totlabern der Handlung. Ständig wiederholt ein Charakter seine Beweggründe und dem Zuschauer wird das Denken abgenommen, dass es komplett nervt.
Wieso Valmont für seine Arbeit kein Geld bekommen soll, erfährt man auch nicht.
Typisch für heute ist auch der Gegensatz zwischen Aufnahmen in der Totalen und dann Details. So sieht man in teils gräßlichen PC-Animationen "Paris" im 18.Jh.. Wenn dann die Innenhöfe oder Gärten gezeigt werden, ist die Handlung aber nach Deutschland oder sonstwohin versetzt, weil dann die Architektur nichts mit Frankreich zu tun hat.
Die Kostüme sind auf einem hohen Niveau, passen aber nicht selten wenig zu Handlungszeit. Valmonts Diener Azolan, der vielleicht 20 sein soll, trägt ulkigerweise Kinderkleidung wie für einen 8-jährigen Knaben.
Wenn man weitere Inhaltsangaben anschaut, sieht man, dass die Serie bis auf die Namen nichts mit dem Roman zu tun haben und die Figuren auch total anachronistisch agieren. Die völlige Ahnungslosigkeit des Drehbuchs kommt zum Vorschein, wenn in Paris (!) 1783 statt französischer Musik "Die Entführung aus dem Serail" auf DEUTSCH aufgeführt wird!
3 von 10 englische Briefe eines nicht vorhanden Vicomte de Valmont!
